Vier Bewohner getötet - Mutmaßliche Oberlinhaus-Täterin wegen Mordes angeklagt

Archivbild: Eine Frau betrachtet vor dem Thusnelda von Saldern Haus der Einrichtung Oberlinhaus die Blumen und Beileidsbekundungen. (Quelle: dpa/S. Stache)
Audio: Antenne Brandenburg | 07.09.2021 | Sabine Loeprick | Bild: dpa/S. Stache

Gegen die Pflegerin, die im April vier Menschen mit Behinderung im Potsdamer Oberlinhaus getötet haben soll, hat die Staatsanwaltschaft Anklage wegen Mordes erhoben. Die 52-Jährige soll die vier Patienten heimtückisch ermordet haben.

Mehr als vier Monate nach der Gewalttat mit vier Toten und einer Schwerverletzten im Potsdamer Oberlinhaus hat die Staatsanwaltschaft eigenen Angaben nach Anklage gegen die 52-jährige Tatverdächtige erhoben.

Mord in vier und versuchter Mord in drei Fällen

Der langjährigen Pflegekraft wird Mord in vier Fällen sowie versuchter Mord in drei Fällen und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Die Angeschuldigte sei hinreichend verdächtig, am 28. April fünf schutzlose Bewohner in dem Wohnheim für Behinderte in Tötungsabsicht angegriffen zu haben, teilte die Staatsanwaltschaft Potsdam am Dienstag mit.

Der 52-Jährigen, die derzeit in einer psychiatrischen Klinik untergebracht ist, wird zur Last gelegt, die vier Menschen mit Behinderungen heimtückisch getötet zu haben, nachdem sie dies zunächst in zwei Fällen vergeblich versucht hatte. Im Anschluss daran griff sie eine weitere Bewohnerin mit einem Messer an, sie überlebte den Angriff schwer verletzt.

Pflegekraft vermutlich vermindert schuldfähig

Der vorläufigen Einschätzung der Sachverständigen, die Pflegekraft habe die Taten im Zustand erheblich verminderter Schuldfähigkeit begangen, sei die Staatsanwaltschaft Potsdam gefolgt, heißt es in einer Pressemitteilung. Von verminderter Schuldfähigkeit sprechen Juristen, wenn die Fähigkeit des Täters oder der Täterin, das Unrecht einzusehen oder nach dieser Einsicht zu handeln, erheblich verringert ist. Dies kann zum Beispiel wegen einer krankhaften seelischen Störung oder einer tiefgreifenden Bewusstseinsstörung so sein.

Weitere Details zum Fall wollten Staatsanwaltschaft und das Landgericht Potsdam nicht bekanntgeben. Wann es zur Hauptverhandlung und damit zur Klärung der Abläufe kommt, ist nach Angaben des Gerichts noch offen. Es sei aber nicht ausgeschlossen, dass noch in diesem Jahr verhandelt werde, sagte eine Gerichtssprecherin.

Kündigungsschutzklage ist derzeit noch ausgesetzt

Das Haus hatte der mutmaßlichen Täterin nach der Tat die außerordentliche Kündigung ausgesprochen und hilfsweise eine ordentliche Kündigung. Dagegen wehrt sich die Frau. Nach der Kündigung der Pflegerin hatte ihr Anwalt beim Arbeitsgericht Potsdam Kündigungsschutzklage erhoben und eine Abfindung in Höhe von 81.600 Euro und Lohnfortzahlung bis Ende des Jahres verlangt. Dies hatte das Oberlinhaus strikt abgelehnt.

Das Arbeitsgericht hatte die Kündigungsschutzklage Anfang August dann ausgesetzt, weil der Ausgang des Strafverfahrens erst abgewartet werden soll.

Die Taten hatten bundesweite Anteilnahme ausgelöst. So auch in der Brandenburger Landesregierung. Es sei bedrückend, dass gerade diejenigen, die auf Schutz besonders angewiesen waren, zu Opfern geworden seien, erklärte etwa Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD). Über viele Tage lang versammelten sich vor dem Wohnheim Menschen zum stillen Gedenken, legten Blumen ab und stellten Kerzen auf.

Sendung: Antenne Brandenburg, 07.09.2021, 10:30 Uhr

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9 Kommentare

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  1. 9.

    Ich arbeite seit 21 Jahren als Krankenschwester und habe außer dem Betriebsarzt nix derartiges gesehen und das ist die Regel, nicht die Ausnahme...

  2. 8.

    Es geht hier nicht um Signale an die Restbevölkerung, wer auch immer das sein soll (ich z.B. betrachte mich nicht als Rest), und es geht auch nicht um Ihr gesundes Volksempfinden, sondern es geht um Recht und Gesetz.

    Sie wollen sich über die Bedeutung des Wortes "Rechtsstaat" noch einmal belesen.

  3. 7.

    Warum wird hier eigentlich von Anfang an so wenig über die näheren Umstände berichtet, über das kollegiale Verhältnis über die Arbeitsatmosphäre und Stimmungslage im Vorfeld. Wielange muss da geschwiegen werden?
    Es wird doch sonst immer alles so breitgetreten.
    Über diesen Fall wird von Anfang an so wenig inhaltliches veröffentlicht. Wer soll geschützt werden?

  4. 6.

    Also sind es alle anderen Leute in entsprechend verantwortungsvollen Berufen auch?
    'Tschuldigung.
    Das nächste Mal mach' ich vorher eine Umfrage.

  5. 5.

    Die Pflegekräfte sind in ständiger Betreuung und führen Supervisionen durch, hätten Sie sich doch einfach vorher erkundigt.

  6. 4.

    Neiddebatte ist so unmodern, versuch es mit einer Analyse, warum in jeder Generation bestimmte Strukturen unter bestimmten Bedingungen auffällig werden? Das wäre ein Ansatz zu verstehen, warum Menschen fragile Wesen sind und eben keine Roboter.

  7. 3.

    Wenn man so wenig Textverständnis hat, sollte man sich mit öffentlichen Äußerungen zurück halten. Oder willst du einfach nur hetzen?

  8. 2.

    Den Angehörigen mein Beileid und den Verletzten gute Besserung.
    Man stellt sich unwillkürlich die Frage, ob Pflegekräfte und andere Menschen in Berufen, in denen ein ungewöhnlich hohes Maß an Verantwortungsgefühl verlangt wird, regelmäßig psychologisch untersucht werden sollten.

  9. 1.

    Wenn man für mehrfachen Mord noch ü 80T Euro Abfindung erhält, und dann wegen der "allgemeinen Belastung" der Pflegekräfte noch einen Freispruch bekommt, dann hat man doch alles richtig gemacht, oder? Man sollte immer darauf achten, welche Signale man der Restbevölkerung mit einem Urteil gibt... und diese Signale sind gerade nicht so gut. Die Anklage und ein Urteil sollte das berücksichtigen...

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