Prozess vor Berliner Landgericht - Clan-Mitglied gesteht Beteiligung an "Müllmänner"-Überfall

Archivbild: Überfall auf einen Geldtransporter vor einer Volksbank Filiale am Kurfürstendamm Ecke Bleibtreustraße. Die Polizei ist vor Ort und sichert den Tatort. (Quelle: imago images/S. Zeitz)
Audio: rbb 88.8 | 02.09.2021 | Michael Ernst | Bild: imago images/S. Zeitz

Überraschendes Geständnis im Fall der als Müllmänner verkleideten Geldtransporter-Räuber: Ein polizeibekanntes Berliner Clan-Mitglied hat die Vorwürfe vor Gericht eingeräumt. Zuvor gab es einen Deal zwischen Verteidigung und Staatsanwaltschaft.

Mit einem umfassenden Geständnis des Angeklagten hat der Prozess zu dem spektakulären Überfall auf einen Geldtransporter am Berliner Kurfürstendamm begonnen. Der Angeklagte erklärte, er habe sich an dem Überfall im Februar beteiligt, weil er hohe Schulden durch seine Alkohol- und Kokainsucht angehäuft habe. Der 31-Jährige gilt als "kriminelles Mitglied einer Berliner Großfamilie", so die Polizei.

Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung hatten sich zuvor verständigt, dass im Fall eines Geständnisses eine Gefängnisstrafe zwischen sechseinhalb und siebeneinhalb Jahren verhängt werde.

DNA-Spur auf Pullover eines Wachmanns

Fünf Täter waren laut Anklage an dem Überfall mit einer Beute von 648.500 Euro beteiligt. Vier davon wurden bisher nicht gefasst. Der Angeklagte erhielt nach eigener Aussage 70.000 Euro aus der Beute.

Auf seine Spur kam ihm die Kriminalpolizei durch eine DNA-Spur. Im Geständnis hieß es, er habe sich bei dem Überfall mehrfach an die Nase, die wegen des Kokainkonsums ständig lief, gefasst. Dabei habe er dann wohl Spuren auf dem Pullover eines Wachmanns hinterlassen.

Zwei Wochen vor dem Überfall zu Haftstrafe verurteilt

Die Räuber waren maskiert und trugen orangefarbene Müllmann-Kleidung, wie auf Videos von dem Überfall zu sehen war. Die Anklage lautete auf schweren Raub und gefährliche Körperverletzung. Der 31-jährige Vater von drei Kindern gab zu, dass er die Wachleute mit einer Schreckschusspistole bedroht, entwaffnet und mit Reizgas besprüht habe.

Zwei Wochen vor dem Überfall war er wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und verbotenen Autorennens zu einem Jahr Gefängnis ohne Bewährung verurteilt worden. Die Strafe sollte er später antreten.

Da insgesamt nur drei Verhandlungstage angesetzt wurden, könnte das Urteil schon in der kommenden Woche gesprochen werden.

 

Sendung: Abendschau, 02.09.2021, 08:00 Uhr

Nächster Artikel