Gesichts-OPs im Trend - Aus dem Home-Office zur Schönheits-Operation

Cornelia Knappe (l) während einer Untersuchung für eine Schönheitsoperation (Bild: rbb/Wolf Siebert)
Video: rbb|24 | 18.09.2021 | Material: Brandenburg aktuell & Abendschau | Bild: rbb/Wolf Siebert

Während der Pandemie sind in Deutschland viele Menschen zum Schönheitschirurgen gegangen. Kein Wunder, denn während der Pandemiemonate waren viele von uns oft in Videokonferenzen - und schauten buchstäblich in den Spiegel. Von Wolf Siebert

Cornelia Knappe ist zur Nachuntersuchung nach Berlin-Mitte gefahren. Invalidenstraße, 1.Stock, hier liegen die Praxisräume ihrer Ärztin. Eine große lichtdurchflutete Altbauwohnung, helle Grau- und Weißtöne, moderne Möbel und farbenfrohe Bilder. Das alles schafft eine Atmosphäre, die sich am besten mit einem Wort beschreiben lässt: Schönheit.

Schönheit suchte auch die 55-jährige Cornelia Knappe – konkret: eine schöne Nase. Denn die ist seit einem Unfall im Kindesalter krumm gewachsen. Schon als Teenager habe sie gedacht: Ich will auch eine schöne Nase haben. Aber sie schob die Operation immer wieder auf. Erst kam die Ausbildung zur Krankenschwester, dann der Beruf, schließlich bekam sie Kinder, und das Geld für eine OP musste ja auch verdient werden.

Cornelia Knappe (r) während einer Untersuchung für eine Schönheitsoperation (Bild: rbb/Wolf Siebert)
Cornelia Knappe (r) wird von einer Ärztin über ihre Nasenkorrektur beraten. | Bild: rbb/Wolf Siebert

Die neue Nase verdankt sie auch der Pandemie

Was die neue Nase angeht, waren die Pandemie-Monate ein Glück: Cornelia Knappe konnte nicht verreisen und sparte auch sonst so viel Geld, dass sie sich endlich ihren Wunsch erfüllen konnte - gegen den Rat ihrer Mutter. "Du bist doch schon 55, was soll das denn jetzt noch?"

Cornelia Knappe war aber nicht mehr aufzuhalten. Vor vier Wochen ließ sie sich operieren. Die Nase wurde verkürzt, die Spitze angehoben und ein Nasenhöcker abgetragen. Bei der dreistündigen Operation wurde auch noch die Nasenscheidewand begradigt. Heute erinnern nur noch kleine blaue Flecken unter den Augen an die OP.

Vor allem das Gesicht soll schöner werden

Fachärztin Jacqueline Eichhorn-Sens macht hauptsächlich Korrekturen der Nase. Sie hat in diesem Jahr wieder gut zu tun. Nicht nur sie. Nach einer Umfrage des Verbands der ästhetisch-plastischen Chirurgen Deutschlands (VDÄPC) unter seinen Mitgliedern vom März 2021 ist zwar die Gesamtzahl der Schönheitsoperationen während der Pandemie leicht gesunken. Gestiegen sind hingegen die Zahlen bei den Behandlungen im Gesicht: Vor allem Faltenbehandlungen mit Botox oder Hyaluron waren gefragt. Denn das Homeoffice habe zu einer "kritischen Betrachtung der eigenen Optik" geführt, heißt es. Vor allem bei Frauen.

Cornelia Knappe ist glücklich mit ihrer Entscheidung. So geht es auch der 20-jährigen Marie-Sophie Samland, die ebenfalls hier in der Praxis in Berlin-Mitte ihre Nase korrigieren ließ. Auch wenn andere das nicht nachvollziehen konnten: "Meine Eltern haben gesagt: Es gibt doch gar keinen Grund, dass Du Dich operieren lässt. Aber als ich jetzt Freunden vorher-nachher-Bilder gezeigt habe, haben sie verstanden, warum ich es machen lassen wollte", erzählt die Psychologiestudentin.

Eine Entscheidung fürs Leben

3.000 bis 8.000 Euro kann so eine Nasenkorrektur kosten. In bestimmten Fällen übernimmt die Krankenkasse einen Teil der Kosten. Eine solche OP ist nicht nur kostspielig, sie ist auch eine Entscheidung fürs ganze Leben. Deshalb ist Fachärztin Jacqueline Eichhorn-Senz wichtig, die Patientinnen und Patienten vor der OP gut zu beraten. "Ich sage ihnen das ganz deutlich: Die schlimmste Komplikation, die auftreten kann, ist die, dass jemand nach der Operation sagt: 'Das war nicht die richtige Entscheidung, ich will alles rückgängig machen, ich will aussehen wie vorher' – das geht dann aber nicht mehr." Die Schönheits-OP sollte keine Modeerscheinung sein, sondern ein gut-überlegter Herzenswunsch.

Bei Marie-Sophie Samland war es genau das: "Ich wollte mich nicht schöner machen. Ich habe vielmehr immer gesagt: Meine eigentliche, meine richtige Nase, die ist darunter versteckt." Ein paar Wochen müssen die beiden Patientinnen ihre neuen Nasen noch schonen. Und das bedeutet: keine Brille tragen, kein Sport, keine Reisen und viel Pflege.

Beitrag von Wolf Siebert

21 Kommentare

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  1. 21.

    "Das bin ich mit allem, was dazu gehört."
    Der schönste Satz, den ich seit langem hier gelesen habe.

  2. 20.

    Bin mit Mitte 50 seit 5 Jahren einseitig Brustamputiert wegen Krebs. Habe mir ein Mini-Implantat einsetzen lassen, ist dann nicht ganz so platt. Mein Arzt hat mich überzeugen wollen, die andere Brust anzugleichen. Habe abgelehnt, da medizinische Notwendigkeit nicht bestanden hat. Man sieht die Ungleichheit, aber so what ? Das bin ich mit allem, was dazu gehört. Sicherlich ist eine krumme Nase sichtbarer. Aber es spielt eine große Rolle, ob man zu sich und seinen vermeintlichen Schönheitsfehlern stehen kann. Denn diese machen auch oft den Liebreiz einer Person aus. Und oft sind es nicht die Mängel im Aussehen, die Probleme sind ganz anderer Natur.

  3. 19.

    "...Und das bedeutet: keine Brille tragen, kein Sport, keine Reisen..."
    Dreimal nein - ich bin raus ;-).
    Im Ernst: Wenn eine medizinische Indikation vorliegt, kann ich eine solche OP nachvollziehen. Allerdings - wenn es sich ausschließlich um "Aufpolieren" handelt, sollte die Allgemeinheit nicht mit möglichen Kosten und/oder Folgekosten einer "Eitelkeits-OP" belastet werden. Silberblonde Strähnchen by nature und Lach- und/oder Sorgenfalten gehören nunmal zum Leben dazu und die Schwerkraft fordert auch ihren Tribut, aber ein Gesicht das lebt (somit auch gelebt hat), dabei nicht "verlebt" ist, ist mir allemale lieber als eines, das nur noch nach innen lachen kann.

  4. 18.

    Unsinn. Wenn es Schönheit gibt, gibt es auch Hässlichkeit. Das hat mit Hass nichts zu tun.
    Und auch falsch: Es geht um chirurgische Eingriffe JEDWEDER kosmetischen Art.
    Machen Sie sich da übrigens keine Sorgen:
    Es wird immer wieder reichlich Menschen geben, die von irgendeiner Norm in irgendeiner Weise abweichen.
    Ich bin da eher neutral, da ich mir lieber etwas anschaue, das ich (ja: äußerlich) attraktiv finde als etwas, das ich (ja: äußerlich) unattraktiv finde.
    Sie machen leider den z. Zt. sehr populären Fehler, die Bevorzugung einer Personengruppe mit dem Hass gegen jede andere zu verwechseln.

  5. 17.

    Das Problem ist vor allem die Idee von "HÄSSlichkeit": sie impliziert, dass bestimmte äußere Merkmale generell Hass (!) verdienen würden. Klar haben Menschen instinktiv eine Grundidee von Schönheit im Hirn, die dort wohl teils genetisch festgelegt ist. Laut wissenschaftlichen Studien entspricht sie ungefähr dem Durchschnittsmenschen. Je mehr Menschen sich also äußerlich normieren, desto größer wird der Druck auf jene, die deutlich von der Norm abweichen - aber keine Lust, kein Geld oder auch nicht die Risikoverachtung haben, sich operativ behandeln zu lassen. Denn auch wenn der Bericht das nicht deutlich macht - es geht hier immer noch um einen erheblichen medizinischen Eingriff und nicht um eine Prophylaxe beim Zahnarzt. Aber das ist ein anderes Thema. - Also Mut zu einem unnormierten Leben, Mut zur Eigenheit! Schönheit hat SEHR VIELE Gesichter!

  6. 16.

    Selbstoptimierung hat mehr als eine Facette. Und für Sie und mich gehört offenbar eher das VERMEIDEN von Gefallsucht dazu. Doch Drogen wird es zumindest so lange noch geben, wie es dafür medizinische Notwendigkeiten sowie Leichtsinn gibt.
    Dass sich die Gesellschaft an sich ändern möge, ist leider nur ein frommer Wunsch.
    Und ich bin auch der Meinung, dass Pauschalisierungen generell wenig bringen.
    Vielmehr muss man differenzieren, also sich jeden einzelnen Fall betrachten und möglichst individuell angehen.
    Es stimmt natürlich:
    Das Aussehen eines Menschen schadet keinem anderen. Dennoch sollte man Verständnis für Menschen aufbringen, die unter ihrem Äußeren zu leiden haben und nur den bescheidenen Wunsch nach einem normalen Leben haben.
    Die meisten Menschen schätzen äußere Schönheit. Ist es da nicht nachvollziehbar, dass äußere Hässlichkeit andere Gefühle hervorruft?

  7. 15.

    Ziel muss letztlich eine Gesellschaft sein, die Menschen akzeptiert wie sie sind, so lange sie niemandem schaden. Und durch sein Aussehen schadet definitiv niemand einem anderen! Wie weit soll sonst die Selbstoptimierung gehen? Es ist vermutlich nicht mal mehr eine Frage der Zeit bis ich mir ein Gesicht aus dem Katalog aussuchen kann, wenn ich die nötige Kohle habe - oder wenn ich einen Psychologen davon überzeugen kann, dass mein Leben sooo entsetzlich leer ist wenn ich nicht endlich aussehe wie Barbies Ken. Und offenbar scheint es durchaus Vertreter* dieser Zunft zu geben, die nur allzu viel Verständnis dafür haben wie wichtig es für das persönliche Wohlbefinden ist, normgerecht daherzukommen.
    So lange massiver gesellschaftlicher Druck empfunden wird, werden Menschen zu Drogen greifen, sich optimieren oder sich gar umbringen wollen. Ziel kann nur sein, Resilienz gegen solchen vermeintlichen oder tatsächlichen Druck aufzubauen. DAS ist der einzige legitime Schutz von Menschen!

  8. 14.

    Da komm ich zugegebenermaßen selten hin.
    Schade, dass Verlagslektoren wohl eine aussterbende Spezies sind.
    Aber danke für den Hinweis.

  9. 12.

    Das sehe ich leider nicht ganz so:
    Kann man eine medizinische Notwendigkeit ausschließen, wenn jemand sagt "Ich leide unter meinem Aussehen"?
    Daher sollte immer abgeklärt werden, wie nachvollziehbar dieser Leidensdruck ist, also ob der entsprechende Makel tatsächlich zu gesellschaftlicher Ausgrenzung führt oder ob diese nur eine fixe Idee ist.
    Es macht sicher einen Unterschied, ob man sagt "Ich will nicht ausgestoßen sein" oder "Ich will anderen Menschen besser gefallen".
    Für mich würde das bedeuten:
    Einem Quasimodo sollte ein Chirurg helfen.
    Ein Starlet, das sich die Lippen aufspritzen lassen will, braucht eher andere Hilfe.

  10. 11.

    Woher hat eine 20-jährige das nötige "Kleingeld" für eine Schönheits-OP???
    Obwohl berufstätig, habe ich für solche Extras kein Geld übrig.

  11. 10.

    Eigentlich hängt es davon ab, was ein Sachverständiger bzw. die Krankenkasse als schwere Entstellung betrachtet.
    Denn in solchen Fällen wäre ich sehr für eine Kostenübernahme durch letztgenannte.
    Ein Stufenmodell (falls es diesbezüglich so etwas noch nicht gibt) könnte ich mir da gut vorstellen.
    Da sind wir also weitestgehend einer Meinung.

    Doch in einem bin ich anderer Ansicht:

    Mit dem Satz "Wir leben in einem freien Land!" könnte man auch eine komplette Drogenfreigabe für Volljährige fordern und auch flinkere Selbstmörder gewähren lassen.
    Auch wenn es mir nicht gefällt:
    Manche Menschen sollten vor sich selbst geschützt werden.
    Daher wäre ich für eine gesetzliche Pflicht bez. psychologischer Beratungen vor eventuell unnötigen Operationen.

  12. 9.

    Tatsächlich wären Psycholog*n die einzigen Ärzte, die in solchen Fällen zum Zuge kommen dürften. Aber gegen mehrere Jahrzehnte vermeintlichen gesellschaftlichen Anpassungsdrucks werden ein paar Minuten Beratung nichts ausrichten. Die Gesellschaft scheint eben den Normmenschen zu verlangen - und nicht alle sind stark genug, sich dieser Vorstellung zu widersetzen. Traurig, aber wahr. Noch trauriger, wenn sogar "Freunde" einer Psychologiestudentin suggerieren können, das sie zwei Jahrzehnte "suboptimal" gewesen sei. - Ich hoffe, dass wenigstens alle Ärzte so ehrlich sind, keine medizinische Notwendigkewit zu attestieren, wenn sie nicht vorliegt. Meine Krankenkassenbeiträge belasten mich schon jetzt massivst, und ich kann nicht noch irgendwelche Trends mitfinanzieren.

  13. 8.

    Danke.
    Man fragt sich mitunter, ob der weise Satz "Don't dream it - BE it!" von vielen Leuten nicht oder falsch verstanden wird.
    Ich jedenfalls will nicht toleriert, sondern AKZEPTIERT werden.
    Und ich bitte nicht darum, ich setze es als selbstverständlich voraus.
    Vielleicht wird bei der Erziehung einfach zu oft vergessen, dem jeweiligen Kind zu sagen:
    "Verbiege dich nicht, um anderen zu gefallen. Du bist wie du bist. Und du bist du okay."
    (Das bitte ich aber nicht mit "Mach immer was du willst." misszuverstehen.)

    Das mit der Busen-OP ist aber ein starkes Stück.
    Wo findet man solchen Unsinn?

  14. 7.

    Es kommt halt darauf an, was sie als "schwere Entstellung" betrachten.
    Für den einen ist das der Verlust einer Gesichtshälfte durch ein Krebsleiden, für den anderen die zu groß geweordenen Tränensäcke.

    Solange die Leute das aus eigener Tasche finanzieren, ist mir recht egal, was sie sich straffen, verlängern oder entfernen lassen - wir leben in einem freien Land!
    Nur wenn die Allgemeinheit -also die Krankenkassen- die Kosten übernehmen sollen, halte ich eine entsprechende Prüfung auf "Notwendigkeit" für angemessen.
    Und die findet ja durch die vorher nötige Bewilligung von plastischen Operationen durch die Krankenkassen statt.

  15. 6.

    Glaube ich kaum, dass eine Krankenschwester in ihrem Beruf pandemiebedingte Videokonferenzen hat.

  16. 5.

    Meinen die Leute, die das tun, es würde ihren Wert steigern? Ein Armutszeugnis für die Gesellschaft. Außen schön und innen leer. Menschen mit Selbstwertgefühl haben das nicht nötig. Die strahlen von innen.

  17. 4.

    Gebe Ihnen komplett recht. Und: Es ist auch ein großes Geschäftsfeld, in dem die daran Verdienenden wohl wenig Interesse haben, dass da allzuviel psychologisch beraten wird. Aber klar, auch gesellschaftlich ist das ein Armutszeugnis. Gibt eine Reihe von Ratgebern für stillende Mütter, in denen steht: "Und wenn Sie dann abgestillt haben, ist es Zeit für die Busen-OP". Unglaublich.

  18. 3.

    Meiner Meinung nach sollte jeder Schönheits-OP eine umfassende psychologische Beratung vorausgehen.
    Denn ich glaube nicht eine Sekunde daran, dass es den jeweiligen Patienten darum geht, wie sie sich selbst sehen.
    Vielmehr dürfte bei entsprechenden Erwägungen immer die Reaktionen anderer Menschen im Mittelpunkt stehen, denen man offenbar gefallen will.
    Und hier sollte immer abgeklärt werden, warum einem das so wichtig ist.
    Wenn der Anpassungsdruck wegfällt, würde mich interessieren, wie oft der Griff zum Skalpell wirklich noch erforderlich ist.
    Lediglich bei schweren Entstellungen würde ich eine vorhergehende psychologische Beratung als unnötig betrachten.

  19. 2.

    Was ein Armutszeugnis der Gesellschaft.

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