Deutsch-tschechische Grenze - Vermisstes Mädchen aus Berlin lebend gefunden

Di 12.10.21 | 17:56 Uhr
Die Einsatzzentrale der Suchteams nach dem vermissten Mädchen an der Grenze zu Tschechien am 12.10.2021. (Quelle: dpa/Daniel Vogl)
Video: Abendschau | 12.10.2021 | F. Strerath/K. Breinig | Bild: dpa/Daniel Vogl

Seit Sonntagnachmittag war ein achtjähriges Mädchen aus Berlin im deutsch-tschechischen Grenzgebiet nach einer Wanderung verschwunden. Nach einer groß angelegten Suchaktion wurde das Kind am Dienstag gefunden - lebend.

Nach zwei Tagen groß angelegter Suche ist ein vermisstes Mädchen aus Berlin im deutsch-tschechischen Grenzgebiet lebend entdeckt worden. Wie die tschechische Polizei auf Twitter mitteilte, wurde die Schülerin ausfindig gemacht und nun in die Obhut von medizinischem Personal übergeben. Ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberpfalz bestätigte dies: "Sie ist unterkühlt, es besteht aber keine Lebensgefahr." Die Eltern seien auf dem Weg zu ihrer Tochter, die nun zur Behandlung in ein Krankenhaus gekommen sei.

Kind lag still in einem Gebüsch

Am Nachmittag gegen 13:35 Uhr hatte ein tschechischer Förster, der in die Suche eingebunden war, das Kind in einem unwegsamen Waldstück entdeckt. "Es befand sich völlig erschöpft in einem Gebüsch und machte nicht auf sich aufmerksam", berichtete die Polizei einige Stunden später.

Letztlich wurde das Mädchen dreieinhalb Kilometer entfernt von dem Gipfel des Berges Cerchov (Schwarzkopf) gefunden. "Nach ersten Vermutungen wird davon ausgegangen, dass die Achtjährige immer wieder in Bewegung war und dabei mehrere Kilometer zu Fuß im Wald zurücklegte", sagte ein Polizeisprecher.

Polizeisprecher: Nie dagewesene Erleichterung

"Da sind beim ein oder anderen Tränchen geflossen", sagte Polizeisprecher Florian Beck dem Bayerischen Rundfunk. So eine Erleichterung habe er in seiner Laufbahn noch nie erlebt.

Das Bayerische Rote Kreuz in Cham sprach auf Facebook gar von der größten grenzüberschreitenden Suchaktion, die in der Region je stattgefunden habe. "Dass es gelungen ist, das Kind zu finden, kommt einem Wunder gleich", heißt es darin weiter.

Situation war zunehmend lebensbedrohlich

Nachdem das Mädchen auch am Dienstagvormittag noch als vermisst gegolten hatte, hatte die Polizei von einer zunehmend lebensbedrohlichen Situation gesprochen. Die Gegend mit ihren zerklüfteten Felsen und dem weitläufigen, unübersichtlichen Waldgebiet barg angesichts der kühlen Witterung viel Gefahr für das Kind. Neben der Unterkühlung bestand auch die Sorge, dass das Mädchen abgestürzt sein könnte.

Bayerischer Innenminister: "Ein Quentchen Glück"

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) erklärte, es sei das nötige "Quentchen Glück" gewesen, dass Julia gefunden worden sei. "Viel Zeit wäre bei den jetzigen Witterungsbedingungen sicherlich nicht geblieben", sagte er und zeigte sich vom Einsatz der Suchkräfte und der Zusammenarbeit zwischen bayerischen und tschechischen Einsatzkräften beeindruckt. "Unsere Einsatzkräfte haben länderübergreifend hervorragend zusammengearbeitet." Gerade auch die vielen Ehrenamtlichen seien eine große Unterstützung gewesen, so Herrmann.

Die Suche lief seit Sonntagnachmittag

Das Mädchen war seit dem späten Sonntagnachmittag verschwunden. Die Familie des Kindes war am Wochenende auf den Berg gewandert. Die Eltern waren mit insgesamt drei Kindern zwischen sechs und neun Jahren unterwegs. Sohn, Tochter und ein Neffe des Ehepaars spielten im Wald. Dann, so schildert es die Polizei in ihrem Fahndungsaufruf, verloren die Eltern die drei Kinder aus den Augen und verständigten die Rettungskräfte. Der sechsjährige Sohn und der neunjährige Neffe des Paares wurden am frühen Sonntagabend gefunden. Die achtjährige Tochter blieb verschwunden.

Das Gebiet liegt etwa zwei Kilometer von der bayerischen Grenzstadt Waldmünchen entfernt.

An der Suche, die seit Sonntag seit etwa 17:30 Uhr lief, waren nach Informationen von BR24 [br.de] seit Beginn 1.400 Einsatzkräfte in Einsatz, außerdem insgesamt 115 spezielle Such- und Rettungshunde. Der Einsatz eines Hubschraubers war wegen schlechter Wetterlage nicht immer möglich. Gesucht wurde auch mit Wärmebildkamera und Drohnen. Zudem wurden geländegängige Spezialfahrzeuge genutzt.

Ein Feuerwehrmann steht an einem Wanderweg. Bei einer Wanderung am tschechischen Berg Cerchov ist am 10.10.2021 ein achtjähriges Mädchen aus Berlin verschwunden. Die Polizei durchkämmt seitdem das unwegsame Waldgebiet an der bayerisch-tschechischen Grenze - bisher ohne Erfolg. (Quelle: dpa/A. Weigel)

Sendung: Abendschau, 12.10.2021, 19:30 Uhr

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