Zu wenig Personal und Corona - Warum es am Wochenende am Flughafen BER so chaotisch war

Archivbild: Zahlreiche Passagiere stehen am Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg «Willy Brandt» (BER) im Terminal 1 vor der Sicherheitskontrolle Schlange. (Quelle: dpa/C. Soeder)
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Video: rbb|24 | 12.10.2021 | Material: Abendschau, Brandenburg aktuell | Bild: dpa/C. Soeder

Der BER bleibt seinem Image als Pannenflughafen treu. Am ersten Herbstferien-Wochenende schien er dem Ansturm der Passagiere nicht gewachsen zu sein. Es kam zu langen Schlangen und verpassten Flügen. Was war da los?

Lange Schlangen, verpasste Flüge, kein Essen: Am ersten Ferienwochenende ist es nach Angaben vieler Reisender zu teils chaotischen Zuständen am Flughafen BER gekommen. Durch "ungeplante Personalengpässe" in Kombination mit den Corona-Regeln, die die Abläufe ohnehin verlängerten, sei es zeitweise zu längeren Wartezeiten gekommen, sagte Flughafensprecher Jan-Peter Haack dem rbb am Montagmorgen.

Probleme vor allem am Samstag

Den vergangenen Freitag bekam der BER noch gestemmt: 67.000 Passagiere wurden ohne größere Probleme abgefertigt. Alle Fluggäste, die pünktlich gekommen waren, haben ihren Flieger auch erreicht. Mit anderen Worten: Am Check-in, bei den Sicherheitskontrollen und auch bei der Gepäckabfertigung war offenbar ausreichend Personal eingesetzt.

Am Sonnabend dann ein gegensätzliches Bild: Obwohl nur etwa 55.000 Passagiere - und damit deutlich weniger als am Vortag - abgefertigt wurden, bildeten sich lange Schlangen und es kam zeitweise zu Chaos: Fluggäste erreichten teilweise ihre Maschinen nicht. Der Start in den Urlaub war für die Betroffenen geplatzt.

Zwar hatte Flughafenchefin Aletta von Massenbach kürzlich eingeräumt, dass sich die Wartezeiten wegen der notwendigen Corona-Kontrollen ungefähr verdoppelt hätten. Ein Kapazitätsproblem bei der Abfertigung habe der BER aber nicht, versicherte sie.

Nach Angaben der Flughafengesellschaft sei am vergangenen Wochenende an den Sicherheitskontrollen des BER die gesamte, verfügbare Infrastruktur hochgefahren worden. Die Prozesszeiten, so heißt es, lagen im Rahmen dessen, was während der Corona-Pandemie üblich ist.

Künftig eigenes Personal als Not-Reserve

Dennoch will die Flughafengesellschaft aufstocken. Der Sprecher der Flughafengesellschaft, Hannes Hönemann, sagte am Montag der rbb-Abendschau, man werde künftig Personal zusätzlich bereithalten, damit es im Notfall einspringen könne. Wenn die Passagierzahlen stabil etwa 70.000 erreichen, werde man auch Terminal 2 öffnen, so Hönemann. Momentan rechne man damit für die Osterzeit.

Bundespolizei: Terminal 1 schon jetzt an der Grenze

Doch die Kontrollkapazität im Terminal 1 stoße schon jetzt an ihre Grenze, räumte René Kexel, Inspektionsleiter der Bundespolizei am Flughafen Berlin-Brandenburg ein. Viele interne Prozesse müssten noch besser abgestimmt laufen, so Kexel. Dann könnte man die Prozesszeiten auch während Corona deutlich senken.

Das Nadelöhr sollen laut Flughafengesellschaft die Airlines gewesen sein. Sie hätten den Check-in ihrer Passagiere nicht in einer angemessenen Zeit über die Bühne gebracht. Die erhöhten Kontrollanforderungen durch die Corona-Vorschriften sowie Personalengpässe bei der Abfertigung hätten zu verlängerten Wartezeiten geführt, schreibt die Flughafengesellschaft. Es seien "nicht alle, aber einige Airlines" betroffen gewesen, sagte Flughafensprecher Haack.

Lufthansa: Maximale Anzahl von Check-in-Schaltern

Die Lufthansa will diese Einschätzung nicht gelten lassen. Zum Ferienbeginn, erklärt eine Sprecherin des Unternehmens, habe die Lufthansa "ihre Check-in-Kapazitäten auf die maximal mögliche Anzahl von zwölf Schaltern aufgestockt und zusätzliches Personal eingesetzt, unter anderem auch Mitarbeiter, die die Fluggäste im Wartebereich unterstützen. Für Gäste von Brussels und Swiss werden in den Zeiten, in denen besonders viele Passagiere abfliegen, eigene Check-in-Schalter geöffnet, weil für diese Verbindungen der Kontrollaufwand besonders hoch ist." Man bedauere aber sehr, dass den Passagieren dennoch Unannehmlichkeiten entstanden seien, hieß es.

Damit sich die Situation nicht wiederhole, werde nun laut Flughafensprecher Haack mit allen beteiligten Prozesspartnern am Flughafen geredet. Es werde nochmals abgestimmt, welchen Personalbedarf es wo gebe. Außerdem hätten Airlines, die darum gebeten hätten, mehr Check-in-Schalter zur Verfügung gestellt bekommen. Diese stünden ab sofort zur Verfügung.

FBB verweist auf Krankmeldungen des Bodenpersonals

Auch ankommende Passagiere mussten am Wochenende Geduld haben und lange auf ihr Gepäck warten. Offiziell begründet die Flughafengesellschaft die Engpässe mit zusätzlichen Krankmeldungen bei den Bodenverkehrsdienstleistern. Bei den Unternehmen also, die im Auftrag der Airlines für die Abfertigung der Passagiere und des Gepäcks verantwortlich sind.

Zum Hintergrund: Die Bodenverkehrsdienstleister sind für die Airlines ein großer Kostenblock. Offenbar glaubte man mit dem verkürzten Personalbestand in Corona-Zeiten auch durch Ferienverkehr im Oktober zu kommen. Eine Fehleinschätzung, wie die Ereignisse auf dem BER zeigten.

Verdi: Kurzarbeit hat Mitarbeiter vertrieben

Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi ist das Abfertigungschaos am Flughafen BER am Wochenende aber nicht nur auf Krankmeldungen und längere Abfertigungszeiten wegen der Corona-Vorschriften zurückzuführen. Verdi-Sprecher Andreas Splanemann sagte dem rbb, ein Grund sei auch, dass wegen der langen Kurzarbeit viele Mitarbeiter aus den sogenannten Vorfelddiensten in andere Branchen gewechselt hätten. Laut Umfragen der Gewerkschaft fehlten dort bis zu 44 Prozent der früheren Mitarbeiter, so Splanemann.

Gründe seien hier neben der Kurzarbeit auch die schlechte Bezahlung und die unsicheren Arbeitsverhältnisse. Das betreffe aber nicht nur den BER, sondern sei bundesweit an allen Flughäfen ein Problem. Außerdem gibt es offenbar beim Sicherheitspersonal am BER weiterhin coronabedingte Kurzarbeit, wie ein rbb-Reporter erfuhr.

Holen uns die Bausünden am BER ein?

Für den bekannten Flughafenplaner Dieter Faulenbach da Costa sind die Ereignisse vom Wochenende am BER nur ein Vorgeschmack auf das, was noch kommen könnte. Faulenbach gehörte stets zu den Kritikern der BER-Planer und fühlt sich nun bestätigt: Die Architekten des Terminals hätten seinerzeit die Eleganz des Gebäudes in den Mittelpunkt gestellt. Ein Flughafen aber, so Faulenbach, müsse vor allem funktionieren. Die falsche Platzaufteilung im Terminal habe so das Chaos begünstigt.

Bereits im Jahr 2012 hatte der Flughafenplaner in einem Gutachten für die CDU-Landtagsfraktion Brandenburg auf die "Staugefahr" im BER-Hauptterminal hingewiesen. Der damalige Chef der regierenden SPD-Fraktion hatte diese Warnung als "feinste Satire" abgetan.

CDU-Fraktion fordert Sofortprogramm für BER

"Eine Riesenblamage für die Hauptstadtregion" bezeichnet Kai Wegner, Vorsitzender der CDU-Fraktion Berlin, die heutige Situation am BER. Man brauche ein Sofortprogramm für Investitionen in Technik und Personal für effektivere Abläufe. Ziel müsse sein, dass der Flughafen diesen Belastungen künftig gewachsen sei. "Dazu braucht es deutlich mehr Check-in-Kapazitäten, vor allem mehr Mitarbeiter […]", so Wegner am Montag in einer Presseerklärung.

Regressansprüche an Fluggesellschaften stellen

Flughafensprecher Haack indes sagte, man habe an anderen Wochenenden mit ähnlichen Passagierzahlen gezeigt, dass der BER funktioniere. Dass es am Ferienstart nicht geklappt hätte, sei nicht schön und das hätte man sich anders gewünscht, so Haack weiter.

Passagiere, die ihren Flug am vergangenen Wochenende verpasst hätten, müssten sich mit etwaigen Regressansprüchen an ihre Fluggesellschaft wenden, so der Flughafensprecher.

Mit Informationen von Thomas Rautenberg

Sendung: Abendschau, 11.10.2021, 19:30 Uhr

50 Kommentare

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  1. 50.

    Guten Tag, Sie sprechen uns aus dem Herzen ..... ein schlechte Ausschilderung(Position 25 - 36), ist gelinde gesagt eine Sauerei. Auch die Anpassung der Bahnsteigkanten zu den FEX-Züge (1+2) ist gesagt eine Gefahrenquelle, die für Fahrgästen mit Gepäck eine Zumutung, Dabei ist diese Treppe nicht gerade unfallfrei (polierte Oberfläche) und das Material nicht gerade farblich und optisch geeignet .....

  2. 49.

    Falsch. Die Kerosinsteuer wird im Ausland nicht steigen. Warum gönnen Sie den Bürgern keinen Kurztripp? Neid?

    Schon mal daran gedacht, wievielr Jobs an der Luftfahrtbranche direkt und indirekt hängen?

    Selbst innerdeutsche Flüge müssen noch ausgebaut werden. Die Bahn kann es nicht, ist unzuverlässig und viel zu teuer. Wie soll denn den Mobilität ohne Flugzeuge und Bahn aussehen?

    Die Grünen osbetn nur Unsinn, haben aber kein tragfähiges Lösungskonzept

  3. 48.

    Wenn die Kerosinsteuer erhöht wird, werden die Fluggesellschaften die Preise erhöhen. Auch im Ausland. Dann überlegt sich vielleicht mancher, ob er jedes verlängerte Wochenende nach Malle muss.

  4. 47.

    Sie hatten doch zwei Fragen....schon vergessen ?
    Ich seh keine Fragen... nur genörgel.

  5. 46.

    Am beyten wieder mit Ochsen und Eselskarren, wie im Mittelalter. Ach nee geht auch nicbt die pupsen und ruelpsen ja, nicht gut für s Klima. Nur mit der Kiepe tragen und sich inder Rikscha fortbewegen lassen wollen wir ja auch nicht oder uebernehmen sie das?

  6. 45.

    Also wir sind ises Jar bereits 4 mal vom und 4 mal zum BER geflogen. Bis auf 1x, wo wir 30 min. auf unser Gepäck warten mußten, lief alles top, also 1/8 finde ich jetzt nicht so schlimm. Was man unbedingt verbessern sollte ist die Ausschilderung am BER, Rolltreppen und Fahrstühle sollten ale funktionieren!

  7. 44.

    Wir sind im September am BER abgeflogen und angekommen:
    was war zu dieser Zeit anders? Wir waren ausreichend früh am BER.
    Haben das Flugzeug aber nur knapp erreicht, war aber nicht so schlimm, der Flieger musste eh noch warten, .... auf Passagiere, halb voll wollte dann auch easyJet nicht abfliegen.
    Also was war anders? Wenig Betrieb, kaum Passagiere ... doch identische Probleme beim Einchecken und bei der Sicherheitskontrolle.
    Da kann ich nur sagen: Schöne Halle, soviel Raum ... aber kein Platz am Boden ...

  8. 43.

    So ein Unsinn. Wenn die Kerosinsteuer erhöht wird, dann bucht man als deutscher Tourist das günstige Ticket über eine Website im Ausland. Somit legal umgangen.

    Ihrer Meinung nach verbraucht ein Billigflieger also mehr Kerosin als andere Flugzeuge?

    Leider gibt's für Billigflüge keine vernünftigen Alternativen. Die Bahn ist zu unzuverlässig, unpünktlich und viel zu teuer. Von Bussen reden wir nicht.

    Selbst für innerdeutsche Flüge gibt's keine Alternative. Bahn zu langsam, zu teuer und zu unzuverlässig.

    Anstatt dauernd auf Bürgern herumzuhacken, die sich nur günstige Tickets leisten können, sollte man wirkliche Alternativen schaffen. Nirgends in Europa ist bahnfahren so teuer wie in Deutschland.

  9. 42.

    So ist es. Dem kann man nur beipflichten. Im Übrigen habe ich ähnliche Situationen wie jetzt im BER im Flughafen Frankfurt mehr als einmal erlebt. Das ist absolut keine Ausnahme und wahrscheinlich auch nicht zu vermeiden.

  10. 41.

    Ich hoffe nie - damit die ganzen Antiklimaten endlich mal merken, wie sinnlos Billigfliegerei ist - die muss eh verboten werden - von mir aus sollten Tickets pro Pax mindestens 500€ pro Einzelflug auf Kurz- und 750€ auf Mittelstrecke kosten. Und das wäre sogar noch viel zu wenig.

  11. 40.

    Ein weiterer Beweis, dass erst der Profit kommt und dann der Mensch. Schuld trägt natürlich auch diese Gier der Menschen nach billig. Wer billig will kann eben keine hohen Ansprüche stellen. Ich hoffe dass die neue Regierung das durch eine kräftige Kerosinsteuer regelt. Diese Billigfliegerei muss aufhören. Auch der Umwelt zu liebe.

  12. 39.

    Unser easyjet Flug von Athen nach Berlin hatte heute (Montag Abend) 2,5 Stunden Verspätung, da laut Pilot auf dem BER nur eine Landebahn im Betrieb war.... Da fällt einem nichts mehr ein.

  13. 38.

    Meine Partnerin musste eine Stunde auf den aufgegebenen Kinderwagen warten.

  14. 37.

    einen neuen Flughafen so besch...eiden zu planen und zu bauen ist eine grandiose Fehlleistung, für die wieder niemand verantwortlich ist. Wahrscheinlich geht es schneller mit dem Zug nach Frankfurt zu fahren und dort einzuchecken. Und die Tickets ab FRA sind auch günstiger.

  15. 36.

    " Warum es am Wochenende am Flughafen BER so chaotisch war "

    aber wann wird es besser und warum ?

  16. 35.

    Wenn Sie sich auf einen anderen Artikel als diesen hier beziehen, dann ist ihr Kommentar hier aber falsch. Dann müssen Sie schon klar machen, welchen Text sie konkret meinen. Bin gespannt.

  17. 34.

    ja, da schließ ich mich an, da diese im Auftrag der Bundespolizei arbeiten. Allerdings arbeiten rund um das Produkt "Flug" viele Firmen wie z. B. Bodenverkehrsdienstleister und bei denen sieht das Gehalt leider ganz anders aus.

  18. 33.

    Tja.. Organisation ist alles :-) ohne Sch... Und der nächste blöde Spruch, der sich bewahrheitet, ist: you get what you pay for! Und Last but not least: Marx hatte natürlich Recht. Die Profitgier der Airlines (wie viel Subventionen hatte die LH noch bekommen??) wird sie töten. Wir bezahlen deren Kurzarbeiter, die den ganzen Tag durch unseren Ort radeln, und die lassen die Kundschaft warten! Servicewüste. Subventionsmissbrauch.

    Aber solange das die dummen Reisenden mitmachen, ist da nix zu ändern...

  19. 32.

    Zumindest in Berlin kann man sagen, dass das eigene Wohnzimmer einem Klo nicht unähnlich ist. Die dreckigste Stadt Deutschlands nach meinem Erleben.

  20. 31.

    Ich werde es unbedingt vermeiden, von diesem Flughafen zu fliegen. Mit unerträglicher Arroganz wird Schwarzer Peter auf dem Rücken der Kunden gespielt, die am Ende die einzig Leidtragenden sind. Vom ersten Tag, von der ersten Idee, war der BER ein Exempel für die Unfähigkeit von Politik und Verwaltung. Das wird sich nicht ändern, solange diese realitätsfernen Kreise Einfluss haben. Ich werde Leipzig u.a. vorziehen, denn ich möchte pünktlich an mein Ziel kommen.

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