"Fridays for Future"-Aufruf - Tausende Menschen demonstrieren für Klimaschutz in Berlin

Fr 22.10.21 | 17:19 Uhr
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Menschen protestieren am 22. Oktober 2021 in Berlin (Quelle: rbb/ Bartsch)
Video: rbb|24 | 23.10.2021 | Material: Abendschau | Bild: rbb/ Bartsch

Unter dem Motto "Ihr lasst uns keine Wahl" hat "Fridays for Future" zum Klimaprotest in Berlin aufgerufen, Tausende demonstrierten im Regierungsviertel und vor der SPD-Parteizentrale. Dort hält der Protest auch am Freitagnachmittag noch an.

Tausende Demonstranten haben in Berlin von der künftigen Bundesregierung einen besseren Klimaschutz gefordert. Knapp vier Wochen nach der Bundestagswahl protestierten Anhänger der Bewegung Fridays for Future sowie weiterer Bündnisse.

Nach Angaben eines Polizeisprechers wurde die angemeldete Zahl von 10.000 Teilnehmenden erreicht. Laut Veranstalter waren es insgesamt 20.000, darunter 3.000 Teilnehmende aus dem gesamten Bundesgebiet.

Mit Blick auf das stürmische Wetter hatten die Initiatoren zwischenzeitlich in Erwägung gezogen, die Veranstaltung abzukürzen. Die Abschlusskundgebung sollte demnach bereits an der SPD-Zentrale in Kreuzberg erfolgen. Dort angekommen, entschieden sich die Veranstalter aber anders. Nach Beratungen sei es doch möglich, wie ursprünglich geplant die Route zurück zum Brandenburger Tor zu beenden, sagte eine Sprecherin. Letztlich zogen die Anhänger der Bewegung "Fridays for Future" bis zum Potsdamer Platz und erklärten dort um 15 Uhr die Demonstration für beendet.

Polizist mit Fahnenstange angegriffen

Bis auf einen Zwischenfall verlief die Demonstration friedlich. Laut Berliner Polizei wurde ein Polizeibeamter von einer Teilnehmerin mit einer Fahnenstange angegriffen und verletzt. Die Frau sei festgenommen worden, sagte ein Polizeisprecher rbb|24. Bei der Festnahme sei es zu Rangeleien zwischen Teilnehmenden und Einsatzkräften gekommen, meldet die Berliner Polizei auf Twitter.

Klimaaktivistin Luisa Neubauer von Fridays for Futur hält vor der SPD-Parteizentrale eine Rede. (Quelle: rbb/Max Kell)Klimaaktivistin Luisa Neubauer hält vor der SPD-Parteizentrale eine Rede.

300 Aktivisten weiterhin vor der SPD-Parteizentrale

Im Anschluss an die Demonstration blieben laut Polizei rund 300 Klimaaktivisten vor der SPD-Parteizentrale in Berlin-Kreuzberg. Von ihnen seien kurzfristig und vor Ort zwei Anträge auf neue Versammlungen gestellt worden, die nach Prüfung genehmigt worden seien, sagte ein Polizeisprecher auf rbb|24-Anfrage. Beide Demonstrationen seien bis 18 Uhr angemeldet worden.

Zuvor hatten "Fridays for Future" und "Extinction Rebellion" auf Twitter mitgeteilt, die SPD-Parteizentrale werde seit Freitagnachmittag von mehreren hundert Personen blockiert. Die junge Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft unterstütze die Blockade mit Traktoren.

Den Umweltschutzorganisationen zufolge sei auch die die Grünen-Parteizentrale von etwa 40 Fridays for Future-Aktivistinnen und Aktivisten blockiert worden. Das konnte die Polizei nicht bestätigen. Zunächst hätten sich vor dem Gebäude am Platz vor dem Neuen Tor in Berlin-Mitte 30 Personen aufgehalten, die inzwischen das Gelände wieder verlassen hätten, so der Polizeisprecher.

Forderungskatalog an künftige Regierung gerichtet

Die Umweltschützer von "Fridays for Future" fordern unter anderem einen verbindlichen Kohleausstieg bis 2030 und einen Einbaustopp für fossile Verbrennermotoren ab 2025. Weitere Kundgebungen waren unter anderem in Baden-Württemberg und Thüringen geplant.

Am Mittwoch hatten die Klimaschützer einen Forderungskatalog vorgestellt, der sich an eine künftige Bundesregierung richte. Aktivistin Luisa Neubauer sagte: "Wir sprechen nicht von der Begrünung der Regierungsarbeit, wir sprechen von vollumfänglichen Systemveränderungen, die anstehen. Ein 'Weiter so' in ökoliberal ist zum Scheitern verurteilt."

Auch Attac, Greenpeace und Nabu rufen zum Aktionstag auf

Neben "Fridays for Future" hatten weitere Organisationen wie Attac, Greenpeace und Nabu zu einem globalen Aktionstag aufgerufen. Das Bündnis wollte damit die Parteien der möglichen künftigen Ampelkoalition auf Bundesebene zu umfassenden Maßnahmen für den Klimaschutz bewegen. Die Parteien hätten bisher "keine echte Antwort auf die Klimakrise geliefert", hieß es.

Der "Klimastreik" soll den Auftakt zu einer Aktionswoche des Bündnisses "Gerechtigkeit Jetzt" bilden, zu dem sich unter anderem auch Gruppen wie "Deutsche Wohnen und Co. enteignen" oder "Omas gegen Rechts" angeschlossen hatten. Das Bündnis wolle in den kommenden Tagen mit weiteren Aktionen die neue Koalition im Bund zu einem radikalen Wandel bewegen. Dabei gehe es um etwa soziale Gerechtigkeit, Klimapolitik oder den Kampf gegen Rassismus, hieß es. Auch Blockade-Aktionen sind den Angaben zufolge geplant. Die Polizei ist nach Angaben eines Sprechers vorbereitet.

Thunberg demonstriert in Stockholm

Die schwedische Aktivistin Greta Thunberg war dieses Mal nicht in Berlin, sie wollte am Freitag in ihrer Heimatstadt Stockholm mit Menschen aus aller Welt für mehr Klimaschutz demonstrieren.

An der jüngsten großen Klimademonstration von "Fridays for Future" zwei Tage vor der Bundestagswahl am 24. September hatten sich bundesweit mehrere Zehntausend Menschen beteiligt.

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Sendung: radioeins, 22.10.2021, 10:00 Uhr

55 Kommentare

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  1. 55.

    naja... im wahlprogramm der grünen nix davon gelesen... was ist mit den studien? schaffen die das den energie verbrauch von berlin zu decken? wo sind denn die alternativen ideen... aber erstmales ab in den energie lockdown....

    zitat tagesspiegel......
    Berlin braucht in den frühen Abendstunden bis zu 2200 Megawatt Leistung, nachts etwa 1000. In der Stadt selbst werden nur 800, maximal 1200 Megawatt erzeugt. Der Rest kommt von außerhalb.

  2. 54.

    Baut dann bitte die notwendigen Windräder mitten in Berlins Parks auf, und rodet dafür nicht die kargen Reste unserer Mittelgebursgwälder, die durch die Borkenkäfer ohnehin schon ziemlich geschrumpft sind. Jedes Windrad aktueller Größe (160m hoher Turm, insgesamt mit 240m um 90 m höher als zB der Kölner Dom) benötigt einen Hektar (AKA zwei Fußballplätze) schwerverkehrtaugliche, pflanzenlose Schotterfläche plus entsprechende Zufahrten.

    Ob alle FFF-Teilnehmer so ein Ding überhaupt schon mal aus der Nähe sehen (und hören) durften?

    Achja, und die notwendigen Stromspeicher - seien es Hallen mit alten eAutoakkus, Talsperren oder Elektrolysegassilos - baut bitte gleich daneben. Arbeitslose Spezialisten für große Löcher gibt es demnächst ja genug, wenn in NRW der Braunkohleabbau eingestellt wird.

  3. 53.

    "Sie sollen da demonstrieren wo sie zu Hause sind "
    Ja, das macht natürlich richtig Sinn. Zwei Leute in Kleinkleckersdorf, zehn in Buxtehude, vier aus der Gemeinde Kotzen und der Hein vonna Werft schwenkt seine Fahne einsam an der Kaimauer. In Berlin sitzt nunmal die Regierung (bisher den Klimawandel nur aus). Da ist es doch logisch, das sich die Leute da versammeln, wo sie möglicherweise auch gehört werden oder das Problem selbst besteht. Da das Klima örtlich nicht gebunden ist, ist es auch nicht mehr als richtig, da zu demonstrieren wo die "Entscheider" sitzen. Also hier.

  4. 52.

    Kann mir hier bitte mal jemand auf die Sprünge helfen: Die Klimaschützer haben einen Forderungskatalog für die künftige Bundesregierung erstellt. Deutschland wird das Weltklima nicht retten können, denn der Anteil Deutschlands am weltweiten Ausstoß von Kohlenstoffdioxid beträgt NUR 2%. Was soll also das Ganze?
    Da wären doch Demonstrationen in den Ländern angemessener, die das Klima stärker schädigen.

  5. 51.

    Auf den Bildern sehe ich nur Kinder, vielleicht sind die Großeltern mitgekommen. Ich habe es doch in HH auch gesehen. Zusätzlich verstehe ich auch nicht, wie man in zwei Jahren erwachsen wird... Ja, ich verstehe, dass sie etwas bewirken wollen, leider ist aber die Realität voll Physik und Chemie und das lernt man auch nicht in zwei Jahren, wobei man die Freitage herunterrechnen muss.

  6. 50.

    Mag ja sein mit der Kohle. Aber der Verbrauch.musd erstmal gedeckt sein ohne Stromausfälle. Das geht nicht so schnell wie sich alles vorstellen. Noch dazu kommt warum müssn wir wieder dafür hinhalten. Andere Länder sind schlimmer. Es geht nur gemeinsam aber nicht nur über uns. Abgesehen davon ist ja die herstellung von Lithium auch nicht umweltfreundlich um Akkus herzustellen. Weltweit muss was passieren uns nicht nur bei uns

  7. 49.

    Ähm nein, nicht aus Solardächern, weil im Winter nicht so viel die Sonne scheint. Wohl eher aus Windrädern und im Sommer mit Elektrolysegas gefüllten Gasspeichern. Es gibt viele Studien zur Energiewende, wo die verschiedenen Optionen untersucht wurden. Vielleicht lesen Sie mal eine, ich wette Sie lernen noch was dabei.

  8. 48.

    Ein Hoch auf die Kinder ,die trauen sich wenigstens auf die Strasse zu gehen , die haben ein Anliegen
    An alle ,die gegen Die Kinder und deren Anliegen sind ,Traut euch selbst ,für euer Anliegen auf die Strasse zu gehen
    Nur über demonstrieren Kinder herzuziehen ,bringt es nicht

  9. 47.

    Lieber Johannes K.,
    TeilnehmerInnen der FFF Bewegung sind schon lange nicht mehr nur SchülerInnen. Die meisten, die ich dort antreffe, haben die Schulbank schon längst hinter sich gelassen. Bis zur RentnerIn ist dort jede Generation vertreten.

  10. 46.

    Vollumfängliche Systemveränderung? Na dann sollten wir wieder wie unsere Nachbarn auf Atomstrom setzen und nicht teuer einkaufen wenn im Winter kaum Sonnenlicht vorhanden ist, bzw.kaum Wind weht. Dann wäre Energiesicherheit vorhanden, so aber nicht. Diese ganzen Demos hier gehen mir am A..vorbei.

  11. 44.

    Mir wäre es lieber, die fff würden lieber am Freitag zur Schule gehen, damit sie gute Fachleute werden und dem Land dienen, wie wir es auch gemacht haben. Ja, es tut mir leid, die Generation hat große Erwartungen und fördern noch mehr. Bus und Bahn kostenlos für alle lese ich, aber warum. Meine Eltern haben ihr Ticket bezahlt und ich auch und für meine Kinder auch! Und jetzt? Wenn etwas kostenlos ist, dann muss es immer jemand bezahlen.

  12. 42.

    Wie möchte Frau Bearbock das Land warmhalten? Aus Solardächern, die sich nicht lohnen. Nicht umsonst kann man beim Finanzamt die PV-Anlagen als "Liebhaberei" anmelden, mehr ist es auch nicht. Der Winter kommt das ist sicher und vielleicht ganz gut, wenn er nicht allzu warm wird.

  13. 41.

    Die fff Kinder und die Grünen haben die Politiker in die Sackgasse getrieben. Es wird spannend zu beobachten sein, wie wir drauskommen.

    Wenn in Berlin 10000 Menschen demonstrieren, dann ist es ihr gutes recht. Mit mir hat es nichts zu tun und die Regierung hat 80 Millionen Bürger zu versorgen.

  14. 40.

    Die Subventionen für fossile Energieträger in Deutschland sind laut IWF bezogen auf die Wirtschaftsleistung mit 1,9 Prozent – das entspricht 70 Milliarden Euro pro Jahr – noch immer sehr hoch. Allein der Preis für Kohle müsste in Deutschland viermal höher sein als er derzeit ist. Man kann sich vorstellen, was ein fairer Preis für Kohle bedeuten würde: Diskussionen über einen "vorzeitigen" Kohleausstieg vor 2038 würden sich von selbst erledigen und die gigantischen Subventionen von 40 Milliarden Euro für den Kohleausstieg könnten sich der Staat, und damit die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler, sparen.
    So,nun fangt mal an darüber nachzudenken.

  15. 39.

    Ob die jungen Menschen auch auf die Straße gehen wenn durch falsche Klimapolitik ihre Eltern arbeitslos werden,
    es sind nicht alle si reich wie Frau Neubauer oder Frau Reemtsma.

  16. 38.

    Herrlich, das ich umgezogen bin. Hier ist es schön ruhig, werde am Kamin sitzen und einen schönen Tee trinken.
    Sollen die mal in Berlin laufen, davon wird das Klima auch nicht besser.

  17. 37.

    Das ist ja wohl der Hin für die Demo. Ich bin leider auf transporter angewiesen. Kein e Fahrzeug geht für den Job. Fahr auch richtig Kilometer. Aber ihr macht Demo, Straßen werden gesperrt und Stau bildet sich ohne Ende. Ihr meint das ist öko? Euren Schaden weil Baum sonstwo hingefallen ist bei Sturm wollt ihr ja auch so schnell wie möglich Weg haben. Last die Demos doch in der friedrichstr. Da stört ihr keinen Verkehr der im Stau steht und co2 in die Luft blasen muss. Ihr friday seit so unwirtschaftlich.

  18. 36.

    Der Einfluß von deutscher Kohle auf das Klima ist durchaus messbar. Entweder wissen Sie es nicht oder lügen bewusst. Momentan wartet RWE auf ein Urteil, geht das positiv für die Kläger aus wird es eng für die Umweltvernichter.
    Dank an alle die protestiert haben!!!

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