Ausschreitungen nach Räumung - Polizei nimmt bei Demo gegen "Köpi"-Räumung 76 Menschen fest

Sa 16.10.21 | 21:30 Uhr
Polizisten nehmen einen Demonstranten am Rande der Räumung der Bauwagensiedlung fest. (Bild: dpa/Sommer)
Video: Abendschau/rbb24 | 15.10.2021 | 21:45 Uhr | Bild: dpa/Sommer

Bei der Demonstration gegen die Räumung des linksautonomen Wagencamps "Köpi" kam es in der Nacht zu Samstag zu Ausschreitungen. Die Stimmung war aggressiv. Nach Angaben der Polizei gab es 76 Festnahmen, 46 Einsatzkräfte wurden verletzt.

Im Zusammenhang mit der Räumung des Wagencamps "Köpi-Platz" sind nach Angaben der Berliner Polizei 76 Menschen festgenommen und 46 Polizeibeamte verletzt worden. Zwei der verletzten Einsatzkräfte hätten ihren Dienst beenden müssen, hieß es in einer Mitteilung vom Samstag [berlin.de/polizei]. Insgesamt waren bei dem Einsatz "rund um die Uhr im Wechsel" rund 3.500 Polizeibeamte im Einsatz. Dabei bekam die Berliner Polizei Unterstützung aus acht Bundesländern: Brandenburg, Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Bremen. Zudem half die Bundespolizei.

Nach der Räumung der "Köpi 137" kam es am Freitagabend und die Nacht hindurch zu Krawallen in Berlin-Kreuzberg. Dabei habe es gravierende Sachbeschädigungen gegeben. Strafermittlungsverfahren sind unter anderem wegen besonders schweren Landfriedensbruchs, Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und tätlichen Angriffs, versuchter gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung eingeleitet worden.

Sanitäter von Polizisten leicht verletzt

Laut der Gruppe Demosanis, einem freien Verbund von Sanitätern, die auf linken Demonstrationen im Einsatz sind, wurde eine Sanitäterin durch Polizisten leicht verletzt.

Nach rbb-Informationen wurden zahlreiche Autofenster demoliert - in der Reichenberger Straße, im Erkelenzdamm und in der Oranienstraße. Auch Scheiben des Hotels Orania wurden zerstört. Auf Twitter teilte die Polizei mit, dass es zahlreiche Festnahmen gegeben habe, auch unter Einsatz körperlichen Zwangs.

Die Stimmung sei sehr aggressiv gewesen, hatte eine Polizeisprecherin gesagt. Mit 7.000 bis 8.000 Teilnehmern seien sehr viel mehr Demonstranten auf der Straße gewesen, als angemeldet. Bei dem Protestzug wurden auch Bengalos und Feuerwerk gezündet. rbb-Reporter berichteten, dass Polizisten mit Flaschen, Steinen und Feuerwerkskörpern beworfen wurden. Unbekannte zerschlugen in der Reichenbergerstraße Scheiben mehrerer Autos, rammten Verkehrsschilder in parkende Autos und schubsten Dixieklos um.

Giffey nennt Situation "unsäglich"

Die Spitzenkandidatin der Berliner SPD, Franziska Giffey, hat die Ausschreitungen nach der Räumung des Wagencamps verurteilt. Die Situation sei "unsäglich" gewesen, sagte sie am Samstag im Inforadio vom rbb. Dass Menschen mit massiver Gewalt gegen Polizeikräfte ihren Willen durchsetzen wollten, sei "nicht in Ordnung".

Gleichzeitig kündigte Giffey mit Blick auf die Koalitionsverhandlungen von SPD, Grünen und Linken an, das Polizeipersonal aufstocken zu wollen. Damit solle dafür gesorgt werden, dass der Rechtsstaat durchgesetzt wird.

Protest gegen die Räumung des Wagencamps "Köpi-Platz" in Berlin. (Quelle: rbb)
| Bild: rbb

Geisel: "Blinde Zerstörungswut"

Der Berliner Innensenator, Andreas Geisel (SPD) teilte am Samstagmorgen mit: "Was wir gestern erlebt haben, ist keine politische Haltung, sondern blinde Zerstörungswut. Es ist destruktiv und löst kein einziges Problem." Der Staat werde Gewaltandrohungen nicht weichen.

Es sei richtig, dass in Berlin Freiräume auch für unkonventionelle Wohnformen und alternative Projekte gebraucht würden. "Das gehört zu unserer Stadt", so Geisel in der Mitteilung. "Aber diese Freiräume dürfen keine rechtsfreien Räume sein."

Demonstration gegen 23 Uhr Freitagabend aufgelöst

Der Zug war am Hohenstaufenplatz in Kreuzberg gestartet und führte über den Kottbusser Damm, die Reichenbergerstraße über die Oranienstraße bis zur abgesperrten Köpenicker Straße. Laut "Tagesspiegel" wurde die Demonstration von der Versammlungsleitung gegen 23 Uhr offiziell für beendet erklärt, löste sich aber nicht sofort auf. Demnach standen kurz vor Mitternacht Polizisten noch rund 300 Demonstranten gegenüber.

Polizeisprecherin Anja Dierschke hatte der rbb-Abendschau vorab gesagt, dass man eine Teilnehmerzahl im unteren vierstelligen Bereich erwarte, am Ende waren es jedoch wesentlich mehr.

Demonstrantion gegen die Köpi-Räumung am 15.10.2021. (Quelle: privat)

Am Freitagvormittag hatte sich die Polizei mit schwerem Gerät Zugang zu dem Gelände verschafft. Bei der Räumung wurden knapp 40 Bewohner und Unterstützer vom Gelände geholt. Es gab über 20 Festnahmen - auch bei Demonstrationen rund um das Gelände.

Sendung: rbb24, 15.10.2021, 21:45 Uhr

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