Landgericht Berlin - Sieben Angeklagte wegen Drogenhandels zu langen Haftstrafen verurteilt

Fr 01.10.21 | 19:53 Uhr
Archivbild: Landgericht in der Turmstraße, Berlin Moabit. (Quelle: dpa/Joko)
Bild: dpa/Joko

Sie wollten im großen Stil mit Drogen handeln und hatten begonnen, ein Drogen-Labor in Brandenburg einzurichten. Nach zweijähriger Verhandlung hat das Berliner Landgericht die Angeklagten nun zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

Nach mehr als zweijähriger Verhandlung gegen mutmaßliche Drogenhändler hat das Berliner Landgericht Haftstrafen von bis zu neuneinhalb Jahren verhängt. Bei einem der sieben Angeklagten handelt es sich um einen der deutschen Hooligans, die 1998 den französischen Polizisten Daniel Nivel halbtot geprügelt hatte.

Gegen den 46-Jährigen ergingen am Freitag unter anderem wegen bandenmäßigen Drogenhandels neun Jahre Haft. Ein 47-Jähriger, der umfassend gestanden und Mitangeklagte belastet hatte, erhielt fünf Jahre und drei Monate Haft. Vier Angeklagte wurden unter anderem der Beihilfe zum Drogenhandel schuldig gesprochen.

"Es ging nicht nur um ein einmaliges Probekochen"

Ende 2017 sollen sich mehrere der Angeklagten zusammengeschlossen haben, um mit Amphetamin, Marihuana und Kokain zu handeln. So sei versucht worden, 149 Kilogramm Kokain in Spanien anzukaufen. Zudem sei in einer Werkstatt in einer brandenburgischen Gemeinde begonnen worden, ein Drogen-Labor einzurichten, um große Mengen Amphetamin herzustellen. Dies sei jedoch nicht gelungen. "Es sollte dauerhaft Amphetamin hergestellt werden, es ging nicht nur um ein einmaliges Probekochen", hieß es im Urteil.

Zwei Angeklagte im Zeugenschutzprogramm

In dem Prozess, der im August 2019 mit sechs Männern und zwei Frauen auf der Anklagebank gestartet war, ging es um Ermittlungen im Zusammenhang von erfolgten oder versuchten Geschäften mit insgesamt rund 260 Kilogramm Drogen. Zwei der Angeklagten gelten als Kronzeugen. Sie hatten bereits im Ermittlungsverfahren sich und Mitbeschuldigte belastet. Beide hätten Ende 2018 das Angebot Zeugenschutz angenommen, sagte die Vorsitzende Richterin.

Nivel-Täter bereits 2015 wegen Drogenhandels verurteilt

Die mit neuneinhalb Jahren höchste Strafe erging gegen einen 52-Jährigen. Seiner Aussage, der ehemalige Hooligan habe nichts mit dem Plan zu tun gehabt, Amphetamin herzustellen, sei das Gericht nicht gefolgt, hieß es weiter im Urteil. Der 46-Jährige sei auch bei früheren Taten "sehr konspirativ und äußerst vorsichtig aufgetreten".

Der ehemalige Hooligan, der für die Attacke auf Nivel für dreieinhalb Jahre in Haft musste, war bereits 2015 in Berlin wegen Drogenhandels zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt worden.

Mit den verhängten Strafen folgte das Gericht im Wesentlichen den Anträgen der Staatsanwaltschaft. Mehrere Verteidiger hatten keinen konkreten Strafantrag gestellt. Der Anwalt des ehemaligen Hooligans hatte Freispruch verlangt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Sendung: Abendschau, 01.10.2021, 19:30 Uhr

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