Finanzierung läuft aus - Charité und TU Berlin fordern Weiterbetrieb der Schlaganfall-Mobile

Mi 27.10.21 | 21:31 Uhr
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STEMO-Rettungswagen Stroke-Einsatz-Mobil bei einem Notarzteinsatz auf dem Alexanderplatz in Berlin (Bild: imago images/F.Boillot)
Video: Abendschau | 27.10.2021 | Bild: imago images/F.Boillot

Wissenschaftler der TU Berlin und der Charité fordern den Senat dazu auf, den Betrieb der drei Schlaganfall-Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr auch über dieses Jahr hinaus zu gewährleisten.

Die Stroke-Einsatz-Mobile ("Stemo") sind mit Computertomographen, Mini-Laboren und Telemedizin ausgestattet und seit 2011 im Einsatz. Die Rettungsfahrzeuge bieten Schlaganfallpatienten eine Ersthilfe an, die schon in vielen Fällen Leben retten und schwere Hirnschäden vermeiden konnte. Im Jahr 2019 hatte der Senat entschieden, das Projekt aus Kostengründen Ende 2021 einzustellen. Im Jahr 2020 betrugen die Betriebskosten der Stemos rund 3,4 Millionen Euro.

TU hat Kosten-Nutzen-Rechnung erstellt

Eine Studie der TU Berlin hat nun ergeben, dass sich der Fortbetrieb dieser Fahrzeuge lohnen könnte. "Ja, es ist teurer, aber es ist vertretbar", erklärte Reinhard Busse von der TU Berlin der rbb-Abendschau.

Die Wissenschaftler ermittelten die Kosten eines Stemo-Einsatzes im Vergleich zur konventionellen Versorgung und legten diese auf die verbesserten medizinischen Ergebnisse um. Berücksichtigt wurden dabei sowohl die Verlängerung des Lebens als auch die Steigerung der Lebensqualität. Den vorläufigen Ergebnissen der Analyse zufolge entstehen pro gewonnenem Lebensjahr bei voll erhaltener Lebensqualität Kosten von rund 41.000 Euro. "Das liegt im Bereich der in unseren Gesellschaften akzeptierten Spanne für einen gesundheitlichen Zugewinn", so Busse.

Auch die Charité ist von dem Projekt überzeugt. Mit einem internen Schreiben hat sich die Klinik an die zuständigen politischen Stellen gewandt. Insbesondere "angesichts der aktuellen politischen Transitionsphase" müssten "die erforderlichen Entscheidungen nun baldmöglichst" auf den Weg gebracht werden, so die Charité.

Politische Entscheidung steht noch aus

Von der zuständigen Senatsverwaltung für Inneres hieß es auf Anfrage der rbb-Abendschau, eine abschließende Entscheidung über den Fortbetrieb der Stemo-Rettungsfahrzeuge sei noch nicht gefallen: "Aus Sicht des Senats ist es zwingend erforderlich, alle Aspekte abschließend bewerten zu können, um eine bedarfs- und fachgerechte Versorgung der Berliner Bevölkerung mit Leistungen der Notfallrettung finanzieren und sicherstellen zu können."

Sendung: Abendschau, 27.10.2021, 19:30 Uhr

14 Kommentare

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  1. 14.

    "Aus Sicht des Senats ist es zwingend erforderlich, alle Aspekte abschließend bewerten zu können, um eine bedarfs- und fachgerechte Versorgung der Berliner Bevölkerung mit Leistungen der Notfallrettung finanzieren und sicherstellen zu."
    Somit bedarf es ausschließlich einer SCHNELLEN Entscheidung zum Weiterbetrieb MINDESTENDS im bisherigen Umfang - nichts weiter.

  2. 13.

    Eine KostenNutzenRechnung? Was ist ein Leben wert in unserem Staat? Diese Gedankengänge von von hirnlosen Politiktechnokraten entbehren Jeder Logik. Hatte man eine KostenNutzenRechnung bei der Party auf TXL , bei den oft sinnlosen Popup-Radwegen, Verkehrsberuhigungen Friedrichstraße./Bergmannstr. etc angestellt?

  3. 12.

    Es werden soviele Millionen aus dem Fenster geschmissen für unwichtige Sachen. Da sollten für die STEMOS die paar Millionen übrig sein. Man kann nur hoffen das es die Entscheidungsträger nicht selbst ereilt, und Sie auf solch ein Fahrzeug angewiesen sind! Was ist nur los in Deutschland, wo man solch Positive Sachen aus Kostengründen Einstellen möchte.

  4. 11.

    Da werden Millionen oder sogar Milliarden an Euros für Unnütze dinge rausgeschmissen aber für die Gesundheit des
    Menschen fehlt immer Geld Hauptsache die Politiker sind Versorgt der Deutsche Staat kotzt mich an

  5. 10.

    Der „Storchen-Wagen“ ist damals auch aus Kostengründen eingestellt worden, obwohl er eine Erleichterung war. Aber scheinbar ist beim Thema Menschenleben die Wichtung eine andere, anders kann man sich diese Kosten nutzen Rechnung bei der Vorhaltung von Rettungsmitteln für den Notfall nicht verstehen.

  6. 9.

    Warum beteiligen sich nicht die Kranken- und Rentenversicheringen an den Kosten? Schließlich profitieren die doch finanziell am meisten, das Wohl der Menschen dabei nicht betrachtet?

  7. 8.

    Genauso abstoßend wie die Einsparung der Geburtshilfe-Fahrzeuge oder die Finanzierung von Notarztwagen durch Bürger-Spenden. So ist Politikation.

  8. 7.

    Meine Mutter hat vor einigen Jahren ihren ersten Schlaganfall nur mittels eines solchen Stemo Einsatzwagens gut überstanden. Mein subjektiver Eindruck ist, dass es zunehmend auch jüngere Menschen mit Schlaganfall erwischt.
    Also unbedingt weiter im Einsatz lassen.

  9. 6.

    Da werden täglich tausende Euro für den ehem Flughafen Tempelhof rausgeschmissen-oder für das ICC, nur um beim Verfall zuzuschauen. Aber für Menschenleben ist eine Debatte der Finanzierung nötig!?? Deutschland,was ist aus dir geworden?

  10. 5.

    Es ist einfach eine Schande. Es wird Geld ohne Ende für irgendwelche unnützen Dinge verschwendet, aber wenn es um Menschenleben geht, steht plötzlich der Sparzwang ganz vorn. Es geht nur noch um Geld, Geld , und die bestmögliche Behandlung eines Schlaganfallpatienten wird dem Profit untergeordnet

  11. 4.

    "...eine abschließende Entscheidung über den Fortbetrieb der Stemo-Rettungsfahrzeuge sei noch nicht gefallen..."

    Ich kann den Entscheidungsträgern, die allein die Kosten als Grundlage sehen, nur wünschen, dass sie selbst oder ihre Familienmitglieder nie selbst in die Lage kommen, eines der STEMO nutzen zu müssen. Es ist beschämend und unverantwortlich vom Senat, so lange die Entscheidung über den Weiterbetrieb hinauszuzögern. Offenbar haben die Bürokraten keine Ahnung, was ein Schlaganfall und die Folgen bei nicht rechtzeitiger Behandlung für den Patienten und deren Angehörige bedeutet!

  12. 3.

    Manchmal frage ich mich, was noch passieren muss, damit man handelt. Auch Politiker können aus dem Nichts mit einer TIA betroffen sein. Umsonst heißt es ja nicht Schlaganfall. Innerhalb von Sekunden kann sich das Leben ändern. Wenn es das Stroke-Mobil nicht gäbe, für immer. Und der Ausfall der "Arbeitskraft" ist dann "billiger" oder wie? Was für eine Denke, um es mal neudeutsch zu sagen.
    Was ist denn das gegenüber den Teams, den Fachleuten, die auf dem "Stroke-Mobil" arbeiten? Nicht zu verstehen. Deshalb die klare Forderung, wer seine Berliner/Einwohner wirklich mag, der macht auch das Geld locker für den Weiterbetrieb bzw. für immer.

  13. 2.

    Ein Menschenleben ist unbezahlbar!! Lieber mal ein Luxusbahnhof weniger bauen.

  14. 1.

    Dass hier offensichtlich eine rein monetäre Abwägung als Begründung für den Weiterbetrieb stattfindet finde ich abstoßend.

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