Hunderte Beamte im Einsatz - Razzia im Motorradrocker-Milieu in Berlin und Brandenburg

Do 28.10.21 | 16:42 Uhr
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Razzia im Motorradrocker-Milieu in Berlin (Quelle: rbb)
Video: Brandenburg Aktuell | 28.10.2021 | Diana Azzam | Bild: rbb

Die Polizei ist mit einer Razzia gegen die Organisierte Kriminalität in Brandenburg und Berlin vorgegangen. Sieben Mitglieder der Hells Angels wurden verhaftet. Encrochat-Daten sollen die Ermittler auf die Spur gebracht haben.

Bei Durchsuchungen im Rockermilieu in Berlin und im Raum Potsdam sind am Donnerstag sieben Menschen verhaftet worden. Das teilten die Polizei in Potsdam und die Berliner Staatsanwaltschaft mit.

Unter anderem wegen des Verdachts des Drogenhandels waren Ermittler am Morgen ausgerückt, um zwei Dutzend Orte zu durchsuchen, davon 18 in Berlin. Dort ging es auch um den Verdacht des Handels mit Waffen und Kriegswaffen, wie es hieß.

Vier Mitglieder der Hells Angels in Berlin verhaftet

Allein in Berlin waren 230 Polizisten im Einsatz und durchsuchten 18 Orte. Darunter waren auch Autowerkstätten und Büros in einem kleinen Gewerbegebiet in der Liebermannstraße im Stadtteil Weißensee. Vor dem Gelände standen am Vormittag vermummte Polizisten. Auch Polizeihunde wurden eingesetzt, um nach Rauschgift zu suchen. Die Polizei verhaftete vier verdächtige Mitglieder der Hells Angels. Zunächst hatte die "B.Z." über die Razzia berichtet.

Suche nach Beweismitteln und Vermögenswerten

In Brandenburg durchsuchte die Polizei sechs Wohnungen in Potsdam, Werder, Stahnsdorf und Saarmund, wie ein Sprecher des Präsidiums Potsdam sagte. Dabei konnten den Angaben nach geringe Mengen an Betäubungsmitteln, Mobiltelefone, Datenträger und Bargeld in Höhe von über 30.000 Euro, sowie eine Machete und ein als Taschenlampe getarnter Elektroschocker sichergestellt werden.

An dem Einsatz waren mehr als 130 Polizistinnen und Polizisten beteiligt. Drei Mitglieder der Hells Angels im Alter zwischen 38 und 44 Jahren wurden verhaftet, es gebe zudem einen Haftbefehl gegen ein weiteres Mitglied, hieß es.

Entschlüsselte Encrochat-Daten als "Goldgrube" für Behörden

Wie der Potsdamer Polizeisprecher sagte, gingen den Durchsuchungen mehrmonatige Ermittlungen voraus. Möglich wurden sie durch entschlüsselte Daten der Kryptierungssoftware Encrochat. Diese bot aufwendige und teure Verschlüsselungen für Handys an, gebraucht wurde das vor allem von Kriminellen. 60.000 Teilnehmer hätten den Chatdienst genutzt - weil es hieß, die Technik sei nicht zu knacken. Der Polizei in den Niederlanden und Frankreich gelang das trotzdem. Abgefangene Chats und Gespräche aus dem Zeitraum April bis Juni 2020 wurden entschlüsselt. Dabei ging es um mehr als 20 Millionen Nachrichten. Auch die Polizeibehörden in Deutschland erhielten über das Bundeskriminalamt (BKA) diverse Chatverläufe zum Auswerten.

"Encrochat ist eine absolute Goldgrube für die Sicherheitsbehörden, weil Kriminelle hier über Jahre vollkommen offen über Straftaten kommuniziert haben", erklärte Benjamin Jendro von der Berliner Gewerkschaft der Polizei. Die schiere Masse an Erkenntnissen sei Fluch und Segen zugleich, weil das große Kapazitäten der Kripo auf Jahre binde. "Dass sich unter den Nutzern auch Mitglieder der Hells Angels wiederfinden, kann niemanden überraschen", so Jendro. "Auch, wenn es in den letzten Jahren etwas ruhiger um sie geworden ist, sind sie nach wie vor eine gefährliche Konstante im Bereich der Organisierten Kriminalität, die auch vor Waffengewalt nicht zurückschreckt."

Berliner Landgericht braucht neue Große Strafkammern

Der Berliner Oberstaatsanwalt Georg Bauer hatte schon im Frühjahr über die entschlüsselten Chats gesagt: "Die Ermittlungsbehörden waren über diese Erkenntnisse, um es zurückhaltend auszudrücken, sehr erfreut." Am Berliner Landgericht soll es zur Bewältigung der Verfahren drei bis fünf zusätzliche Große Strafkammern geben. Gerechnet wird mit 400 zusätzlichen Anklagen - fast eine Verdoppelung des Jahrespensums.

Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) teilte zur Razzia am Donnerstag mit, zu erwarten sei noch eine "hohe Zahl" von Encrochat-Verfahren.

Sendung: Brandenburg aktuell, 28.10.2021, 19:30 Uhr

12 Kommentare

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  1. 9.

    Gerade wenn man meint die Szene zu kennen , dann sollte man wissen , das man nicht zu schnell irgendjemanden vertrauen sollte . Fakt ist das es genug " Fußvolk" sowohl hier aber auch dort gibt.Manchmal sogar erst hier und dann Farbenwechsel dort... oder ?

  2. 7.

    Ach Ule, die einen haben mit den anderen auch was zu tun. Ist jetzt Deiner Meinung jeder Drogenfuzzi ohne Führerschein also ein HA oder Bandido? Wer keine Ahnung hat..... Ule muss noch viel lernen. Vertraue mal wem, der die Szene kennt.

  3. 6.

    Soso hat doch Recht , mittlerweile rennen doch da genug Leute rum die weder nen Führerschein noch nen Motorrad haben , wer hat denn nun keine Ahnung ?

  4. 5.

    Sind jetzt bestimmt alles ganz liebe Kuschelrocker geworden...... Soso´s Traumwelt.

  5. 4.

    Wer keine AHnung hat......
    Habe neulich erst eine Truppe Rot-Weiss im Norden Berlins gesehen: Klamotten und Kutten mit Colours, Deathskulls - aber nicht in Farbe - und - welche Überraschung für Dich: auf dicken HD-Moppets. Mich hat nur gewundert, dass rund um den Gastclub so null Präsenz der Polimannzei war. Aber die Rockerdezernatler waren sicher in Zivil dabei: Kennzeichen notieren usw.
    Wer keine Kutten sieht, glaubt auch, die Clubs wären inaktiv - was eine naive Ansicht. Die sind dadurch nur noch gefährlicher geworden, weil verdeckter. Und genug Rot-Weiß und Rot-Gelb rennen immer noch durch die Welt - wer hinsieht, erkennt es auch - nur "Soso" halt nicht.

  6. 3.

    Ja, das stimmt. Und Rock-Musik hören die sicher auch nicht mehr!

  7. 2.

    Motorradrocker-Milieu ?

    Die Zeiten wo Mitglieder der Bandidos und Hells Angels noch Motorrad gefahren sind oder überhaupt einen Motorrad-Führerschein haben ist vorbei.

  8. 1.

    Ich kann mich an eine N24 Reportage erinnern. Die war Ende der 90er Jahre ausgestrahlt worden, läuft aber immer mal wieder….

    Da haben die Reporter geweint, dass die Hells Angels in der Russischen Föderation so unbeliebt seien und man sie mit staatlicher Unterstützung unterdrücke und des Landes verweise….
    …regelrechtes Heulkonzert war das…

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