Brandenburg an der Havel - Prozess gegen ehemaligen KZ-Wachmann wird in Sporthalle verlegt

Mo 04.10.21 | 15:04 Uhr
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Archivbild: Das Eingangstor mit dem Schriftzug "Arbeit macht frei" im ehemaligen Konzentrationslager Sachsenhausen. (Quelle: dpa/K. Bethge)
Audio: Inforadio | 05.10.2021 | C. Baradoy | Bild: dpa/K. Bethge

Der Prozess gegen einen ehemaligen Wachmann des Konzentrationslagers Sachsenhausen in Brandenburg an der Havel wird in eine andere Halle verlegt.

Statt wie geplant in der Veranstaltungshalle "Stahlpalast" wird das Verfahren nun in der Sporthalle der Justizvollzugsanstalt stattfinden. Das teilte die Sprecherin des Landgerichts Neuruppin, Iris le Claire, am Montag mit.

Hintergrund sei, dass beim Einbau von Technik Fragen zur Bausicherheit aufgetreten seien, die zunächst geklärt werden müssten.

Anklage wirft 100-Jährigem Beihilfe zum Mord in 3.518 Fällen vor

Der Angeklagte ist 100 Jahre alt und laut medizinischem Gutachten für zwei bis zweieinhalb Stunden am Tag verhandlungsfähig. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, während seiner Zeit im Nazi-Lager von 1942 bis 1945 Beihilfe zur grausamen und heimtückischen Ermordung von Lagerinsassen geleistet zu haben - es geht um Mord in 3.518 Fällen.

Der Prozess vor dem Landgericht Neuruppin war aus organisatorischen Gründen nach Brandenburg an der Havel verlegt worden. Er startet an diesem Donnerstag.

Sendung: Antenne Brandenburg, 04.10.21, 13:40 Uhr

9 Kommentare

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  1. 9.

    Ich verstehe Ihren Ansatz schon und der Grundgedanke Bildung ist auch nachvollziehbar. Insgesamt würde das aber konsequenterweise bedeuten, dass bei einem Verbrechen die Strafverfolgung ausbliebe und statt dessen Investitionen in Bildung sinnvoller und zielführender wären. Darin sehe ich keine Alternative und vermag mich nicht anzuschließen aus rechtsstaatlichen Gründen. Ergänzend an Olver: Wenn ihm die Rechtsmaterie bekannt wäre, so wüßte Olver auch, dass in diesen Fällen keine individuelle Tatbegehung nachgewiesen werden werden muß, um auf Beihilfe zum Mord zu kommen.

  2. 8.

    Nun ja, die einzige wirkliche Strafe, die der Herr noch erhält ist, dass ihm die Prozesskosten auferlegt werden. Da er wohl bereits seit Jahren im Altersheim lebt, dürfte er wohl keinerlei Vermögen mehr besitzen. Er kann also ohnehin nicht zahlen und die Erben werden die Schuld natürlich nicht übernehmen. Müssen sie auch nicht, es gibt keine Sippenhaft. Ins Gefängnis kann man ihn nicht mehr stecken, haftfähig ist er ja längst nicht mehr. Bewährung ist ihm egal, was soll er denn noch anstellen, hat sich ja seit 76 Jahren nichts mehr zu Schulden kommen lassen. Einen Erkenntnisgewinn aus dem Prozess wird es nicht geben, alles längst bekannt. Es werden ein paar Angehörige ihre Geschichte erzählen, die Insassen selbst sind lange tot. Es ist also mehr Hören-Sagen, als tatsächliche Erinnerung oder Faktenfindung. Insofern ist der Prozess tatsächlich Symbolik und eine Reinwaschung der Justiz für vergangene Versäumnisse nach den und Justizwillkür zu NS-Zeiten.

  3. 7.

    Ich sehe das wie Oliver. Das Geld sollte wirklich lieber in die Bildung gesteckt werden. Die Auseinandersetzung mit Intoleranz und Hass auf jeden Menschen der anders ist oder denkt ist viel wichtiger all so ein Alibiprozess.

  4. 6.

    Ist es wirklich ein Schauprozess?
    Im Sinne von "Seht her, erinnert euch, egal gegen wen, egal wie alt, egal wieviel Tote. Die Verbrechen der Nationalsozialisten verjähren nie." ist er es - und das ist richtig so. Ein "Unter-den-Teppich-kehren" wäre eine Verhöhnung der Opfer - weltweit.
    Die mögliche Strafe, die den Angeklagten bei Verurteilung erwartet, ist imho dabei eher zweitrangig.

    Werter Herr Knoll
    hinsichtlich der Rolle der DDR-Justiz in NS-Angelegenheiten wirklich empfehlenswert:
    https://www.bpb.de/geschichte/deutsche-geschichte/der-zweite-weltkrieg/211771/die-ahndung-von-ns-und-kriegsverbrechen-in-der-sbz-ddr

  5. 5.

    Jetzt will man mit Gewalt nachholen was die bundesdeutsche Justiz in den 50er und 60er Jahren nicht hingekriegt hat die ja selbst mehr als genug von ehemaligen Nazis durchsetzt war.Wie rechtmäßig sind eigentlich solche Schauprozesse wenn man dem Angeklagten noch nicht mal eine konkrete Tat nachweisen kann. Selbst die DDR Justiz hatte kein Interesse diesen Menschen den Prozess zu machen. Diese Prozesse heutzutage gegen Greisse sind doch einfach nur lächerlich. Die Schuld die wir damals auf uns geladen können wir eh nicht wieder gutmachen ob man ihn jetzt verurteilt oder nicht. Das Geld was man in den Prozess investiert sollte man lieber in politische Bildungsarbeit mit Jugendlichen ausgeben , damit sich so etwas nicht wiederholt. Was hätten wir gemacht wenn wir in der damaligen Zeit gelebt hätten. So gefestigt wie wir immer denken ist unsere Demokratie bei Leibe nicht, siehe das Wahldebakel in Berlin.

  6. 4.

    Sicherlich wird dieser hochbetagte mutmaßliche Verbrecher seine letzten Tage nicht in einer Zelle verbringen. Auch wenn ich ebenfalls nicht verstehe, warum diese Menschen nicht schon viel früher zur Verantwortung gezogen worden sind, kann es gegen das allgegenwärtige Vergessen nur gut sein, diesen Prozess zu führen. Finden Sie nicht auch?

    (Nein, finden Sie, wie ich aus Ihren anderen Kommentaren hier entnehmen kann, wohl bedauerlicherweise nicht.)

  7. 3.

    Wie lange soll denn ein Prozesstag gehen? Eine Stunde?
    Sind die Aussagen aufgrund des Alters, Demenz usw. überhaupt zu werten?

  8. 2.

    Unmöglich solche Schauprozesse, was soll denn dabei rauskommen?
    Ich kann mich nur # 1 anschließen.

  9. 1.

    Wie kommt man darauf einen Schauprozess gegen 100 jährige Greise zu eröffnen und damit einzugestehen, daß man als Staatsanwaltschaft offenbar 75 Jahre benötigt, um die notwendigen Ermittlungen abzuschließen?!
    Könnten derart fähige Juristen nicht wesentlich mehr zur Entwicklung der Gesellschaft beitragen, wie durch Bäume pflanzen zB?

    Egal wie das ausgeht, mit einer "Bestrafung" im Wortsinn oder "Gerechtigkeit" für wen auch immer hat das alles sicher wenig zu tun.

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