Gedenktafel enthüllt - Joseph Flatau - Buckows vergessener jüdischer Ehrenbürger

So 24.10.21 | 20:42 Uhr | Von Michel Nowak
Enthüllung der Joseph Flatau-Gedenktafel am 24.10.21 in Buckow (Bild: rbb/Michel Nowak)
Video: Brandenburg aktuell | 24.10.2021 | Bild: rbb/Michel Nowak

Als "Preußischer Hopfenkönig" war der jüdische Unternehmer Joseph Flatau auch in Buckow einst sehr bekannt. Der Ort in der Märkischen Schweiz erinnert an seinen Ehrenbürger - mit einer neuen Gedenktafel. Von Michel Nowak

Buckow bezeichnet sich selbstbewusst als "Perle der Märkischen Schweiz". Ein hügeliger Naturpark, klare Seen und eine sehenswerte Innenstadt locken zu jeder Jahreszeit tausende Ausflügler hierher. Der Touristenstrom ist nach wie vor eine wichtige Einnahmequelle.

Schon vor 150 Jahren war das Städtchen durchaus vermögend. Ein Grund ist in den Hinterhöfen und Gärten der Häuser zu finden: Hopfen, die Würze fürs Bier, bauten die Einwohner hier im großen Stil an.

Joseph Flatau (Bild: rbb/Michel Nowak)
Das einzige erhaltene Bild des "Preußischen Hopfenkönigs" Joseph Flatau. | Bild: rbb/Michel Nowak

Beste Bedingungen für den Hopfen-Anbau

"Das hat bereits vor rund 150 Jahren den Wohlstand produziert, durch den Buckow sich dann später für den Fremdenverkehr attraktiv machen konnte", sagt Uwe Jens Nagel. Der ehemalige Vizepräsident der Humboldt-Universität Berlin beschäftigt sich im "Kneipp- und Heimatverein Buckow" mit der Geschichte der Stadt.

Gemeinsam mit dem Orts-Chronisten Helmut Günzel machte er dabei eine interessante Entdeckung. Den Anbau der Pflanzen aus der Gattung der Hanfgewächse hat nämlich ein jüdischer Unternehmer Mitte des 19. Jahrhunderts angeschoben: Der sogenannte "Preußische Hopfenkönig" Joseph Flatau. "Hopfen-Anbau gab es hier auch schon vorher", sagt Helmut Günzel, "aber die Sorten hatten lange nicht die Qualität wie die von Flatau." Die Qualität des Biers aus der Region habe sich damals dadurch deutlich verbessert.

Unter anderem aus Belgien brachte der jüdische Kaufmann sein Wissen um den Hopfen mit. Statt auf Importe setzte Flatau auf krankheitsresistente Züchtungen. In Buckow mit seinen Bächen und Seen fanden die Pflanzen, die viel Wasser benötigen, zudem überall gute Bedingungen. Noch heute wächst wilder Hopfen an vielen Ecken in der Stadt. Und sogar ins Wappen von Buckow hat er es geschafft.

Ortswappen von Buckow an der Ortsausfahrt (Bild: rbb/Michel Nowak)
Buckows Wappen am Ortsausgang. | Bild: rbb/Michel Nowak

Nationalsozialisten löschten Erinnerung komplett aus

Der Hopfen brachten den Einwohnern viel Geld. Aus Dankbarkeit machten sie Joseph Flatau deshalb um 1860 zum Ehrenbürger. Dabei war der gar kein echter Buckower. Der Hopfenkönig lebte in Berlin, beerdigt ist er dort auf dem Alten Jüdischen Friedhof in der Schönhauser Allee.

In den 1930er Jahren löschten die Nationalsozialisten die Erinnerung an den jüdischen Ökonomen komplett aus. "Buckow galt von Anfang an als streng antisemitisch", sagt Uwe Jens Nagel, "und nach dem Krieg ist Joseph Flatau schlicht und einfach vergessen worden."

Eher zufällig entdeckte Buckows Orts-Chronist Helmut Günzel vor vier Jahren in Archiven, dass Joseph Flatau Ehrenbürger der Stadt war. Gemeinsam mit seinem Mitstreiter Uwe Jens Nagel sammelte er Spenden für einen Gedenktafel und fand am sogenannten Roseneck auch einen geeigneten Platz dafür.

Uwe Jens Nagel, Sonja Nagel und Helmut Günzel (von links). (Bild: rbb/Michel Nowak)
Haben den Joseph Flatau wieder ins Buckower Bewusstsein zurückgeholt: Uwe Jens Nagel, Sonja Nagel und Helmut Günzel (von links). | Bild: rbb/Michel Nowak

Flatau-Ausstellung ist in Planung

Buckows Bürgermeister Thomas Mix (SPD) unterstützte die Initiative ausdrücklich: "Als ich davon hörte, fand ich, dass hier gerade eine wunderschöne Geschichte geschrieben wird", sagt Thomas Mix. "Es ist doch wichtig, davon zu erzählen und vielleicht auch Mut zu machen für andere, die vielleicht vergessene Ehrenbürgerinnen oder Ehrenbürger haben."

Feierlich enthüllten am Sonntag vor rund 60 Buckowern Uwe Jens Nagel und Helmut Günzel die Gedenktafel. Am Ziel seien sie deshalb aber noch nicht, die Recherchen zu Joseph Flatau und zum jüdischen Leben in Buckow sollen weitergehen. "Wir werden eine kleine Ausstellung im Heimatmuseum unserer Stadt vorbereiten", kündigt Uwe Jens Nagel an.

Schon jetzt ist aber ein Stück Buckower Stadtgeschichte wieder sichtbar: Der jüdische Ehrenbürger Joseph Flatau gilt ab sofort nicht mehr als vergessen.

Sendung: Brandenburg aktuell, 24.10.2021, 19:30 Uhr

Beitrag von Michel Nowak

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