BVG - Westberliner U-Bahnklassiker verschwindet bald aus dem Stadtbild

So 17.10.21 | 17:23 Uhr
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Symbolbild: Bald wird ein Westberliner U-Bahnklassiker aus dem Stadtbild verschwinden. (Quelle: Bildagentur-online/Schoening)
Audio: Antenne Brandenburg | 17.10.2021 | Michael Ernst | Bild: Bildagentur-online

Nach 50 Jahren auf der Schiene wird nach und nach ein Westberliner U-Bahn-Klassiker aus dem Stadtbild im Linienverkehr verschwinden. Wenn die letzten Wagen die vorgeschriebene Laufleistung von 960.000 Kilometern - das ist einmal die Entfernung Mond hin und wieder zurück - erreicht haben, wird die Baureihe A3L71 außer Dienst gestellt. Das teilten die Berlienr Verkehrsbetriebe (BVG) am Sonntag mit.

Einige Wagen sollen dann sogar auf eine Gesamt-Laufleistung von rund 3,8 Millionen Kilometer gekommen sein. Eine Handvoll der Wagen der Baureihe A3L71 will die BVG aber als Arbeitszüge noch im Dienst behalten.

1971 wurde der erste Zug der Reihe A3L71 gebaut

Insgesamt wurden 138 Züge der Reihe A3L71 von 1971 bis 1973 hergestellt. Zehn von ihnen sind nach Angaben der BVG bis zu ihrer jetzigen Ausrangierung noch unterwegs. Sie sind die letzten Berliner U-Bahnen, deren Antrieb vom Hersteller noch mit einer sogenannten Schaltwerk-Steuerung ausgestattet worden war. Mit ihren Geschwistermodellen aus den 60er-Jahren prägte dieser Fahrzeugtyp über Jahrzehnte das Bild auf den Linien U1 bis U4. Mit dem Ende der Lieferung im Jahr 1973 verschwanden dort auch die letzten Vorkriegszüge aus dem Schienen-Netz.

Ein Zug des neuen U-Bahnmodells (IK) der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) startet am 02.09.2015 am Bahnsteig des U-Bahnhofs Warschauer Straße in Berlin zu seiner Jungfernfahrt. (Quelle: dpa/Gregor Fischer)
Das seit September 2015 eingesetzte U-Bahnmodell IK. | Bild: dpa/Gregor Fischer

Zukunft auch schon geklärt

Nachfolger der A3L71-Züge ist die HK- sowie die IK-Serie. Bei Stadler entsteht dann die neuste Generation - die JK-Serie. In den nächsten Jahren sollen bis zu 1.500 neue U-Bahn-Wagen zum Einsatz kommen. Aus dem Werk in Pankow wird Stadler die neuen Fahrzeuge an die BVG liefern. Ein Modell in Echtgröße ist im Deutschen Technikmuseum zu besichtigen.

Die BVG stellt am 11.05.2021 die neuen U-Bahnen vor. (Quelle: SDTB/Malte Scherf)
Die im Mai 2021 vorgestellte U-Bahn der JK-Serie, die im Technikmuseum zu sehen ist. | Bild: SDTB/Malte Scherf

Sendung: rbb 88.8, 17.10.2021

33 Kommentare

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  1. 33.

    Herr Neumann da muss ich Ihnen leider widersprechen. Aus dem Kleinprofil waren es nicht nur G1 Züge sondern auch andere Zuggattungen die nach Korea gegangen sind. Und aus dem Großprofil waren es nicht nur Dora Züge sondern auch welche der F Baureihe.

  2. 32.

    Das Stadtbild werden auch weiterhin Wagen aus der Baureihe A3l 92 wie der oben zu sehende mit der Nummer 530 prägen.

  3. 31.

    Das waren allerdings Doras aus dem Großprofil und ein paar Gisela

  4. 30.

    Die A3L 71 sind Weiterentwicklungen der A3, die erstmals 1960 hier unterwegs gewesen sind. Da bis auf eine jede west- und mitteleuropäische Millionen Stadt U-Bahnen betreibt, haben Sie bestimmt ein Referenz, dass woanders Züge in solchem Design bereits Anfang der 40ger unterwegs gewesen sind.

  5. 29.

    Naja, das mit dem schnell sein ist immer mit einem kleinen Restrisiko verbunden:-) Wenn z.B. irgendwo auf der Strecke ein Zug schadhaft stehen bleibt oder die Stellwerkstechnik versagt dann kann es schon zu kleineren oder auch sehr großen Verspätungen kommen. Da ist es eigentlich egal mit welcher Zuggattung gefahren wird.

  6. 28.

    https://unternehmen.bvg.de/wp-content/uploads/2021/07/BVG_PLUS_0821_Doppelseiten_web.pdf

    Seite 6. Oder https://de.wikipedia.org/wiki/Metro_Pj%C3%B6ngjang#GI_(%E2%80%9EGisela%E2%80%9C)

  7. 26.

    >"Ein eckiger Kasten vorne, der hat ja ein CW Wert wie ne Schrankwand."
    Eben: Ist wie bei der neuen S-Bahn und eigentlich bei den alten auch, nur dass die Kanten bei den alten quasi abgerundet sind. Eine spitze earodynamische Front wie beim ICE braucht Platz. Und den gibt es leider beim U-Bahn und S-Bahn Profil auf Grund der vorgegebenen Zuglängen durch Bahnsteige und Sicherungstechnik nicht. Zum bei der U-Bahn noch ein Übergang zwischen gekuppelten Halbzügen an den Fronten möglich sein muss. Diese Brotkästen sind halt ein Kompromiss aus viel Platz für Passagiere, profiltechnischen Vorgaben und desingtechnischer Modernität. Etwas gewöhnungsbedürftig... Was den neuen Teilen allesamt fehlt ist die "Gemütlichkeit" der alten Bahnen. In den neuen fühlt man sich wie in einer Tupperdose unter kaltem LED Licht.

  8. 25.

    >"Wieso sind die Wagen eigentlich nicht aerodynamisch? Würde man dadurch nicht Antriebsenergie sparen?"
    Marginal bis fast gar nicht bei den relativ niedrigen Geschwindigkeiten.

  9. 24.

    Hat jemand gehört, was mit den alten Zügen später geschehen soll? Bekommen sie woanders ein zweites Leben oder wartet der Schrottplatz?

  10. 23.

    Uupps.
    Ganz vertan, es ist nicht das Großprofil gemeint. Naja, ändert nix am Abschiedsschmerz.
    Grüne Quersitze jibbet dann noch beim Linie 1 Musical im Gripstheater zu sehen.

  11. 22.

    Obwohl die alten Bahnen gemütlicher und geräumiger sind als die neuen Wagen von Stadler

  12. 21.

    Keine Sorge, die ältere jedoch ertüchtigte, äußerlich aber faktisch identische Baureihe A3E bleibt noch in Betrieb.

  13. 20.

    Die alten Züge hatten echt Stil, die grünen Polster und die braunem Wände. Die heutigen Züge wirken steril und haben weniger Sitzplätze.
    Nicht schön.

  14. 19.

    Dass 1971 Züge in so einer veralteten Gestaltung gebaut wurden, die woanders zwanzig Jahre vorher das Licht der Welt erblickten, kann wohl nur mit der ehemaligen abgeschotteten Insellage (Berlins) erklärt werden. Robust aber waren sie, im Gegensatz zu den neuen, die nach meiner Empfindung recht brachial daherkommen.

    Warum muss eigentlich eine U-Bahn neben jeder Tür zwei großvolumige Informationskästen eingebaut haben, wenn ein halb so großer Info-Kasten pro Wagenteil locker reicht, dass jeder Mensch, der sucht, das sehen kann?

  15. 18.

    Und wem der Abschied von der A3L die Tränen in die Augen treibt, der suche im Videoportal seines Vertrauens nach "Linie 1 Hey Du" - und wähle die "echte" Version von Ilona Schulz aus. Eine Hymne des alten West-Berlins und quasi auch dieser Baureihe; auf alle Fälle zum Heulen bewegend. ((Dass das Video in einem Großprofilwagen aufgenommen ist, übersehe man bitte einfach.))

  16. 17.

    Die vorgeschriebene Mindestlaufleistung von 960 Tkm sind übrigens das 2,5-fache der durchschnittlichen Erde-Mond-Entfernung von 385 Tkm, nicht nur das doppelte. Da ich diese Strecke allerdings noch nie gefahren bin, finde ich irdische Vergleiche anschaulicher: Z.B. 500 Mal hin und rück zwischen Berlin und Paris. Das klingt erstmal nicht mehr so beeindruckend. Aber die Zwischenstopps machen es wahrscheinlich aus: Auf JEDER Fahrt nach ungefähr JEDEM Kilometer wieder stark zu bremsen und dann gleich wieder kräftig anzufahren, geht bei gut 40 Tonnen vermutlich richtig an die Substanz. Dank also u.a. dem Wartungspersonal.

  17. 16.

    Aus West Berlin verschwindet ja alles. Deutschland Halle, ICC, die Flughäfen. Alles sehr traurig.

  18. 15.

    Nur haben die vor allem noch nicht über Jahre das StadtBILD geprägt. Die A3 bleiben uns noch etwas erhalten: "Dem A3L71 folgten noch bis in die 90er-Jahre mehrere verwandte Nachfolgemodelle. " schreibt die BVG in ihrer PM, die der RBB nur verkürzt wiedergegeben hat.

  19. 14.

    Wie mir die Züge fehlen werden. Kindheit auf der U9. Immer zum Zoo und so. Diese taubenblauen Sitze und die Mahagonifarbenen Wandverkleidungen.
    Heute durch schlimme Dinge ersetzt, die Aussicht verschandelt. Das nennt sich wohl „moderne Zeiten“.

    Fahr mal wieder Ubahn!

    Grüße, Aaaauus Berlin!

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