Großbaustelle ab 2023 - So soll das neue Autobahndreieck Funkturm aussehen

Do 28.10.21 | 16:33 Uhr
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Visualisierung: Die Erneuerung des Autobahndreiecks Funkturm (Bild: deges)
Video: Abendschau | 28.10.2021 | Ulli Zelle | Bild: deges

Das wichtige Planfeststellungsverfahren für den Umbau des Dreiecks Funkturm steht kurz bevor. Am Donnerstag informiert die zuständige Behörde noch einmal die Öffentlichkeit. Streit dürfte es erneut wegen fehlender Anschlussstellen geben.

Zumindest auf den Computergrafiken der staatlichen Berliner Planungsgesellschaft Deges ist die Transformation des Autobahndreiecks Funkturm schon mal gelungen: Aus der unübersichtlichen Betonbrezel mit Staugefahr ist ein ziemlich aufgeräumtes, fast harmonisches Straßengeflecht geworden. Allerdings noch ohne Fahrzeuge und ohne dass auch nur ein Cent der anvisierten 300 Millionen Euro Baukosten ausgegeben wurde - von denen Deges-Bereichsleiter Andreas Irngartinger allerdings schon heute schon sagt, dass sie wohl "nicht ganz haltbar" sein würden.

Als hätten die Planer geahnt, dass sich die Berliner Augen erst an dieses Bild gewöhnen müssen, haben sie in ihren schicken Visualisierungen ein paar altbekannte Orientierungspunkte stehengelassen, die auch in der Realität erhalten bleiben: Die urige Avus-Raststätte, das sanierungsbedürftige ICC und ein stadtbekanntes Bordell.

Visualisierung: Die Erneuerung des Autobahndreiecks Funkturm (Bild: deges)
Vorne rechts: Die neue Anschlussstelle Messedamm | Bild: deges

Neue Anschlussstelle Messedamm

An der Notwendigkeit des Totalumbaus zweifeln die Deges-Manager nicht: Laut ihren Prognosen wird sich der Verkehr hier von aktuell 230.000 Fahrzeugen auf 250.000 Fahrzeuge pro Tag bis 2030 erhöhen - deutlich mehr als die Schätzung des Bundes von 175.000 Fahrzeugen pro Tag. Die Auf- und Abfahrten sind ein Wildwuchs und entsprechen nicht mehr den aktuellen Sicherheitsvorschriften, so Projektleiter Peter Grüschow. Zum Teil komme der Verkehr an einigen Rampen regelrecht "zum Erliegen". Die 25 Brücken des Bauwerks sind marode, auf fünf gelten bereits Einschränkungen, auf vier weiteren werde das zeitnah ebenfalls geschehen, so Irngartinger. Selbst mit einem verbesserten ÖPNV werde das Dreieck Funkturm zur Bündelung des Verkehrs gebraucht, ist er sich sicher. "Zulieferungen für Lebensmittelmärkte werden auch in Zukunft nicht mit der S-Bahn möglich sein."

Doch so leicht wie in einem Computerspiel wird der Umbau des meistbefahrenen Autobahndreiecks der Bundesrepublik nicht werden: Frühestens ab 2023 sollen die vorbereitenden Bauarbeiten beginnen, ab 2024 geht es dann richtig los. Bis 2032 werde man auf jeden Fall brauchen, kündigt die Deges an. Bis die ersten Bagger rollen, müssen noch zahlreiche Hürden genommen werden, darunter auch das nun anstehende Planfeststellungsverfahren.

Anwohner setzen eigene Wünsche durch

Die Bürgerbeteiligung läuft seit Monaten auf Hochtouren und ist beispielhaft - auch, weil die Deges dazu bislang eigentlich nicht verpflichtet war. Mehrere Informationsveranstaltungen und Themenwerkstätten gab es bereits, auch während der Pandemie, im Netz finden sich viele Gigabyte an frei zugänglichem Material.

Tatsächlich haben es mehrere Anwohnerinitiativen aus dem Berliner Westen bereits geschafft, die ursprünglichen Planungen stark zu verändern. Die neue Anschlussstelle Messedamm sollte eigentlich neben der Siedlung Eichkamp den Verkehr von und zur Avus direkt über die Jafféstraße führen. Nach anhaltendem Widerstand und zahlreichen Einsprüchen, die hohe Lärmbelästigung befürchteten, wurde die Planung von der Deges umgearbeitet: Die neue Auf- und Abfahrt wird nun auf Höhe der alten Avus-Tribüne gebaut, rund 250 Meter weiter östlich, und führt vom Messedamm unter der A115 hindurch und über eine Rampe wieder hinauf zur Autobahn. Es ist ein Erfolg der Anwohner, der zugleich das Bild für Berlinreisende bei der Anfahrt über die Avus maßgeblich verändern wird: Wie durch ein Tor zur Stadt wird der Verkehr künftig unter der Überführung der Anschlussstelle hindurch nach Berlin hineinrollen.

Visualisierung: Ansicht des neuen Dreiecks Funkturm von der Avus, stadteinwärts (Bild: deges)Ansicht des neuen Dreiecks Funkturm von der Avus, stadteinwärts

Initiativen fordern weitere Auf- und Abfahrt

Weniger Erfolg hatten die Initiativen allerdings im Streit um die weiteren Anschlussstellen. Sie bemängeln, dass der Verkehr zum und vom Autobahndreieck künftig an der Messe konzentriert wird. "Mit deutlich über das heutige Maß hinausgehenden Ausweichverkehren im bewohnten Stadtgebiet ist zu rechnen", kritisierten sie im Sommer in einem Brief an den Senat. Sie fordern, dass die Auf- und Abfahrt im Bereich Messedamm/Halenseestraße erhalten bleibt. Das entlaste auch die Anwohner:innen an den Anschlussstellen Kaiserdamm und Knobelsdorffstraße weiter nördlich. Der Bezirk unterstützt die Forderung, genauso wie die CDU im Abgeordnetenhaus.

Deges will keine weiteren Auf- und Abfahrten

Doch die Deges weist diese Überlegungen zurück. Die Auf- und Abfahrt an der Halenseestraße werde es künftig nicht geben, so Projektleiter Grüschow. Diese bringe "verkehrlich keinen positiven Effekt". Zudem würden die diversen Auf- und Abfahrten des Dreiecks ohnehin nicht mehr den gültigen Sicherheitsstandards entsprechen. So gehe es heute an der Halenseestraße viel zu eng zu, weil mehrere Verkehrsströme aufeinanderträfen und so regelmäßig Staus entstünden. Man wolle die Verkehrssituation mit dem Umbau deswegen neu ordnen und damit auch die Unfallgefahr senken.

In einer Onlineveranstaltung am Donnerstagabend sollen diese Überlegungen nun erneut diskutiert werden, das Ergebnis fließt anschließend in das Planfeststellungsverfahren ein. Dort soll es dann auch noch einmal eine Beteiligung der Anwohner geben. Letztlich muss das Fernstraßen-Bundesamt entscheiden, ob der Umbau des Autobahndreiecks Funkturm genehmigt wird.

Eine Übersichtskarte des Autobahndreiecks Funkturm (Bild: deges)Übersicht: So sollen die Fahrbahnen des neuen Dreiecks Funkturm verlaufen.

Staufalle im Berliner Westen?

Der Verkehr soll während der gesamten Bauzeit weiter über das Autobahndreieck rollen, dafür will die Deges Behelfsfahrbahnen und -brücken bauen, unter anderem über die Gleise der Ringbahn. Das Tempo in der Großbaustelle, auch auf den Behelfsfahrbahnen, soll bei 50 bis 60 km/h liegen, so Projektleiter Grüschow. Weil bisher im Autobahndreieck Tempo 80 gilt, müsse man "davon ausgehen, dass es in der Bauzeit zu größeren Belastungen kommen wird." Sprich: Durch das verringerte Tempo wird es zu Staus kommen. Deges-Bereichsleiter Irngartinger weist allerdings darauf in: "Mit Tempo 80 fahren sie heute schon relativ selten über das Dreieck Funkturm."

Sendung: Abendschau, 27.10.2021, 19:30 Uhr

47 Kommentare

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  1. 47.

    Teil 2:

    Wenn man sich die Bilder ansieht, fagte man sich, was diese Pläne sollen.

    Wenn man die Fahrbahn, den den Anschluss von der neuen Anschlussstelle zur A100-Nord betrachtet, wäre ein kein Problem, dieses vorher an die Fahrbahn anzuschließen, um dann dort, wo im Moment die Avus an die A100-Nord angeschlossen wird, das wiederum die die Avus zu machen. Und zwischen diesen beiden Anbinden dann die Halenseechausse einbinden.

    Für die Gegenrichtung könnte man die Abfahrt Kurfürstendamm zwischen der Ausfädelung Avus und der Einfädelung Avus auf die A100-Süd ausfädeln, da ist en recht langer Streckenabschnitt, der 'frei' ist udn dann auf die Halenseechausse in Richtung Ku-Damm, die einen unnötig geschweiften Bogen macht, führen.
    (Seite 18 des PDF-Dokuments)

  2. 46.

    Schon mal was von knappem und überteuerten Wohnraum in der Stadt gehört? Außerdem gibt es die verschiedensten persönlichen und objektiven Gründe, sich nicht für einen Umzug in die Nähe der Arbeitsstelle zu entscheiden. Es ist so, auch wenn sich Leute, wie Sie das nicht vorstellen können. Auf Beispiele verzichte ich, bringt eh nix!

  3. 45.

    Hoffnung besteht, wenn man dann gleich noch das Hertha-Stadion mit einplant (denn der Platz lässt sich finden, wo ein "Wille ist, ist auch ein Gebüsch").
    Was für ein verwegener Gedanke...

  4. 44.

    Es ist doch jedem selbst überlassen wo man wohnt.
    Es wird einen ja auch 1-1,5h Fahrweg zu gemutet pro tour.
    Außerdem wohnt es sich doch auf dem Land viel besser als in der dreckigen Großstadt.

    "die 40% des Gehalts an den Vermieter abtreten. Das dann auch noch vom Steuerzahler subventioniert. Danke."

    Ja da ist auch jeder selbst dran schuld, man soll auch max. nur 1/3 von sein Lohn für Miete ausgeben.

  5. 43.

    Man kann ja auch in die Natur / aufs Dorf ziehen, wenn man grundsätzlich für Ruhe, viel Grün und ganz viel frische Luft braucht. Straßen, Hektik und viel Beton gehören eben zu einer Großstadt.

  6. 42.

    Ich hoffe mal, dass die neue Verbindung zwischen Messedamm und Halenseestraße tramtauglich ausgeführt werden soll, auch wenn ich wenig Hoffnung habe, dass mittelfristig eine solche Strecke vom Messegelände zum Ku'Damm gebaut werden wird, da das noch außerhalb des S-Bahnringes ist.

  7. 41.

    man kann auch auf einen einsamen Berg ziehen, wenn man keine Autos sehen möchte. Zwingt einen ja keiner in der Stadt zu leben.

  8. 40.

    Viele der heutigen Einwohner Berlins wollen aber nicht, dass immer mehr Menschen in die Hauptstadt ziehen und wehren sich gegen den Wohnungs- udn sogar Schulneubau. Gleichzeig wird sich aber über steigenden Mieten im Bestand echauffiert und über den Autoverkehr, ohne dass die letzten Jahre nennenswert in den kurz- und langfristigen Ausbau des ÖPNV investiert wurde.

  9. 38.

    Tja man kann ja auch in die Stadt ziehen wenn man in der Stadt arbeiten möchte. Zwingt die Leute ja niemand ins Dorf zu ziehen.

  10. 37.

    Meinen Sie, das machen die Leute, die z. B. aus Falkensee nach Neukölln zur Arbeit fahren aus Jux und Dollerei? Viele Arbeitsplätze sind nun mal in der Stadt, sodass vielen Leuten aus Dörfern gar nichts weiter übrigbleibt, als herzufahren. Was meinen Sie denn, wie viel Zeit die wochentags noch im Grünen verbringen, wenn sie bis zu 1,5 Stunden Fahrzeit pro Tour einplanen müssen? Es lebten da übrigens auch schon Menschen bevor in Berlin die Mieten explodierten. Im Übrigen schauen Sie sich mal die Mieten rings um Berlin an. Die sind auch nicht mehr wesentlich geringer. Da muss man schon nach Cottbus oder in die Lausitz ziehen, um günstigere Mieten zu haben. Ich bin übrigens davon gar nicht betroffen. Wohne in Berlin, arbeite aber zu Hause und verstopfe daher die Stadtautobahn nicht im Berufsverkehr. Wer keine Autos in der Stadt haben möchte, muss sämtliche Industrie und Dienstleistungen an den Stadtrand verbannen. Ach nee, dann müssen ja die Leute aus der City dorthin fahren.

  11. 36.

    Mir gefällt der Entwurf für das neue Dreieck Funkturm sehr gut. Bitte zügig mit dem Bau beginnen, wer weiß, auf welche eigenartigen autofeindlichen Ideen der neue Senat wieder kommen wird. Im übrigen sehe ich zwischen dem Ausbau der Stadtautobahn, dem Bau von Radschnellwegen und der Erweiterung des Straßenbahnetzes überhaupt keinen Widerspruch, wird alles gebraucht, weil damit völlig unterschiedliche Verkehrsbedürfnisse bedient werden.

  12. 35.

    Schön draußen im Grünen die gute Luft und die billige Miete genießen und dann in der Stadt qualmen und den Leuten Platz wegnehmen, die 40% des Gehalts an den Vermieter abtreten. Das dann auch noch vom Steuerzahler subventioniert. Danke.

  13. 34.

    Ich bin gespannt, ob das "Mike-Krüger-Dreieck" auch so wie auf den Bildern abgebildet tatsächlich später aussieht. Der Verkehr Ri. Süd auf der A100 trifft nach wie vor mit dem vom Messedamm und der A115 vor dem Rathenautunnel zusammen. Ri. Nord kommt es weiterhin in gleicher Art und Weise zu einer Bündelung der A115 und des Verkehrs aus Richtung Messe. Dafür bekommt das ICC eine neue schicke Zufahrt zu dem noch geschlossenen (?) Parkhaus. Das AVUS-Motel steht allein und verlassen auf der grünen Wiese. Die Brummi-Fahrer wird's "freuen" - so ohne LKW-Parkplatz. Die "Tanke" ist wohl auch Geschichte - ebenso wie die dortige Entsorgungsmöglichkeit für die Tanks der Reisebusse und Wohnmobile. Die Zufahrt von der Messe Richtung Stadtautobahn ist auch recht sportlich - vor allem für ortsunkundige. Das riecht nach Knäuelbildung. Ok - von der "Eventlocation" AVUS-Tribüne hat man einen Blick ins Grüne. Schön.

  14. 33.

    Denken Sie das mal weiter. Was denken Sie, woher die ganzen Autos jeden Tag auf der Autobahn kommen? Viele sind Pendler, die vom Dorf im Umland zu ihrem Arbeitsplatz fahren. Oft ist die Anbindung mit den öffentlichen nämlich nicht so, dass man damit in einer zumutbaren Zeit zur und von der Arbeit kommt.

  15. 32.

    Ja und warum gibt es so viele Verkehrsströme ins Umland? Weil das Umland schlecht mit der Bahn erschlossen ist. Park&Ride irgendwo draußen aufbauen, Gleise statt Autobahnen und den Verkehr innerhalb der Stadt zu einem noch größeren Teil mit dem ÖPNV abwickeln. Das ist moderne Verkehrsplanung für eine Großstadt.

  16. 31.

    Hier geht es um ein Autobahndreieck, dass den Verkehrsstrom z.B. über die A115 raus aus der Stadt bringt. Sollen jetzt Straßenbahnlinien bis zur A2 oder A9 gebaut werden oder wie ist der Kommentar gemeint, der ÖPNV ist in der Stadt besser???

  17. 30.

    Leider dauert das Ganze wie üblich viel zu lange. Vielleicht könnte die Zeit genutzt werden, das ICC wieder auf Vordermann zu bringen und neue Hochhäuser(Messeturm, Wohnen, Büros, Hotels), mit einzuplanen auf den freien Flächen.

  18. 29.

    Ähm,welchen meinen Sie? Das hoch verschuldete Rudiment, was mit dem derzeitigen Beförderungsaufkommen schon heillos überfordert ist? Wohl eher nicht. Ich teile Ihre Meinung, dass der ÖPNV ausgebaut gehört und somit Anreize geschaffen werden, die es leicht machen, auf das Auto zu verzichten. Das Verbotsprinzip träfe aber sehr sicher genau die falschen. Noch schlimmer ist allerdings die Idee, die Verkehrslage so lange eskalieren zu lassen, bis gar nichts mehr geht. Es liegt also sehr nahe, verkehrsbelasteten Innenstadtbereichen Luft zu verschaffen, indem man sie auf eine funktionierende Peripherie leitet. Der vorgelegte Entwurf ist imo ein guter Kompromiss.

    Ich bin mir sicher, dass in diversen feuchten Träumen der komplette Autoverkehr aus der Stadt verbannt ist. Wie das in einer Flächenstadt wie Berlin funktionieren soll können Sie ja gern mal erklären. Es wird sich sicher vieles verändern müssen. Mit der Brechstange ist auf jeden Fall der falsche Weg.

  19. 28.

    Zum Zeitpunkt der Fertigstellung dieses Projektes werden die Autos in Berlin vom Senat verboten worden sein …

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