Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg - Öffi-Tickets sollen 2022 nicht teurer werden

Do 21.10.21 | 16:02 Uhr
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Passanten steigen in Berlin in einen Bus. (Quelle: dpa/Maurizio Gambarini)
Audio: Inforadio | 21.10.2021 | Natascha Cieslak | Bild: dpa/Maurizio Gambarini

Im kommenden Jahr sollen die Tickets für den Öffentlichen Nahverkehr in Berlin und Brandenburg nicht teurer werden. Nach der Pandemie sei ein Drehen an der Preisschraube das falsche Signal, hieß es. Kritikern ist dies noch zu wenig.

Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) die Fahrpreise für Busse und Bahnen im kommenden Jahr nicht erhöhen. Das teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. "Wir wollen signalisieren, dass wir die Fahrgäste im Blick haben und auf sie bauen", teilte VBB-Chefin Susanne Henckel mit. Zwar litten die Verkehrsunternehmen unter den finanziellen Auswirkungen der Krise. "Trotzdem wäre eine Erhöhung der Ticketpreise im VBB zum jetzigen Zeitpunkt das falsche Zeichen."

Letzte Erhöhung Anfang 2021

Zuletzt hatte der VBB die Preise Anfang des Jahres um 1,9 Prozent erhöht. Während der Lockdowns waren die Fahrgastzahlen im öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) in Berlin und Brandenburg eingebrochen. 2020 waren am Tag im Schnitt nur noch die Hälfte der sonst üblichen Fahrgäste mit dem ÖPNV unterwegs, die Zahl sackte von vier auf zwei Millionen Fahrgäste täglich ab. Rund 20 Prozent der Tarifeinnahmen brachen weg. Aktuell haben sich die Fahrgastzahlen laut VBB im Schnitt auf rund 80 Prozent des vorpandemischen Stands erholt.

Neue Ticketmodelle in Planung

Um den ÖPNV attraktiver zu machen und vor allem an die neuen Mobilitätsbedürfnisse anzupassen, hat der VBB bereits im September neue Ticketmodelle angekündigt. So soll in Frankfurt (Oder) im ersten Quartal des kommenden Jahres ein Angebot starten, bei dem die Kunden im Monat 4,90 Euro zahlen und damit 25 Prozent beim Kauf einer jeden Fahrkarte sparen.

In Berlin wiederum sollen Fahrgäste künftig ein Paket mit acht 24-Stunden-Karten kaufen können, das sie innerhalb eines Monats aufbrauchen sollen. Sie sparen dabei pro Tageskarte 3,30 Euro, vorausgesetzt, sie lassen keine Karte des Pakets verfallen.

Brandenburger Linke hält Schritt für nicht ausreichend

"Die dritte Fahrpreiserhöhung innerhalb von drei Jahren wäre den von der Corona-Pandemie gebeutelten Fahrgästen nicht vermittelbar gewesen", sagte der Verkehrspolitische Sprecher der Linken-Fraktion im Brandenburger Landtag, Christian Görke. Er hält die Ankündigung allein aber nicht für ausreichend. "Wenn Bus und Bahn aus der Krise herauswachsen sollen, dann braucht es eine bessere Grundfinanzierung, einen Ausbau der ÖPNV-Verbindungen und neue Ticketangebote auf der Höhe der Zeit. Hierbei haben die Landesregierung und der VBB noch erheblichen Nachholbedarf", erklärte er am Donnerstag.

Sendung: Inforadio, 21.10.2021, 15:40 Uhr

29 Kommentare

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  1. 29.

    Die BVG wollte doch eine Art aufladbare Prepaid-Karte einführen. Ich denke, das stand irgendwo in der Presse. Was ist daraus geworden? Das würde die Attraktivität des ÖPNV doch deutlich erhöhen und über Fistenablauf (s. Modell im Text als Beispiel) brauchte sich der Nutzer keinen "Kopf" machen. Karte aufladen, rein in die Börse, innerhalb von 12 Monaten aufbrauchen / nachladen und bei Bedarf nutzen. Wäre bestimmt auch für "Wenigfahrer" nicht uninteressant. Kein "Kleingeldgekrame" oder "Scheinchenplätten" mehr an den "tollen" Automaten. Der Kunde geht in Vorkasse und erhält, je nach Höhe des geladenen Guthabens, das Ticket etwas preiswerter. Win-Win?

  2. 28.

    Die Verkehrsunternehmen sollten die Fahrpreise nicht erhöhen, sondern die Leistungen den dann verfügbaren finanziellen Mittel anpassen = Leistungen reduzieren (auch um die Beträge der dann drohenden Verragsstrafen), damit die schlauen aus der Bevölkerung merken, dass Leistung ihren Preis hat (nur noch 1 Bus, 1 Straßenbahn, 1 S-Bahn, 1 Regionalzug, 1 Fernzug/alles nur 1x pro Stunde). Wer ständig engstirnig nur sich selbst nebst unverschämten Anspruchsstellern im Blick hat, merkt vielleicht dann, dass die eigene Denke nicht zielführend ist.

  3. 27.

    Vorläufig werden BVG und S-Bahn ihre Ticketpreise nicht erhöhen. Während die DB im Fernverkehr ihre Ticketpreise und die anderen Verkehrsunternehmen pünktlich zum Fahrplanwechsel ihre Ticketpreise anheben, verschiebt der VBB (Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg) bloß die Anhebung. Das Thema höhere Fahrpreise ist lange noch nicht vom Tisch. Auch die Verkehrsunternehmen bekommen die ständig steigende Energie und Treibstoffpreise zu spüren.
    Bei Bus und Bahn steigen die Energiekosten ins unermessliche und da ja alles heutzutage Gewinnoptimiert arbeiten muss, werden die Preise ansteigen!
    Ich schätze, dass die BVG wegen der erhöhten Dieselkosten bald die Fahrpreise erhöhen möchte, muss, darf. Korrekt und richtig, ist aber der Weg....die Fahrpreise müssen drastisch sinken und die Taktzeiten sich drastisch verkürzen um mehr Reisende zu bekommen...


  4. 26.

    Herr Martin hat noch folgendes vergessen! Oft Fahrgäste ohne Masken!

  5. 24.

    Wie sollen Wir Das Alles bezahlen ? Wenn die Preise niemals steigen dürfen und die Steuern abgeschafft werden ? Seit wann hat Deutschland diese schlechten PISA-Werte in Mathe, Muttersprache, Physik ? Das muß doch ein Gen-Defekt sein oder ?

  6. 23.

    Vielleicht verrät uns "Martha" aus // wo auch immer Das liegt, wo und zu welchen Tageszeiten Ihre soviel besseren ÖPNV - Erfahrungen stattfinden ? Würde bestimmt viele Berliner zum Umzug motivieren. - Danke ! - Ich als Alter-Weißer-Mann der noch viele Jahre zur Arbeit fahren muss, tendiere zum PKW. Vor dem Wetter und den Mitmenschen, Ihren Aromen und Problemen geschützt, mit kulivierter Unterhaltung meiner Wahl. Nicht die längste Telefonzelle, nicht die längste Schnapsbar, nicht das längste Drogenklo, nicht das längste Hostel, nicht die längste Disco und seit neuestem nicht der längste E-Roller-Parcour.

  7. 22.

    Bei unserem kürzlichen Italienurlaub (Kampanien) bin ich mal wieder über die Problematik Bustickets gestolpert. Im Bus ging gar nix zu kaufen. Automaten hab ich keine gefunden also nur Bars und Kauffmannsläden, die aber unregelmäßig beliefert werden. An einem Tag gab es so gut wie keine Tickets im ganzen Dorf zu kaufen.
    Da sind wir bis auf den Preisvergleich noch gut dran.
    Da wünschte ich mir wieder ein EU-Bürgerticket. Irgendwas bargeldloses was bei jeder ÖPNV Fahrt innerhalb der EU nur irgendwie entwertet wird und von Zeit zu Zeit wieder aufgeladen werden muss.
    Der Mobilfunk funktioniert ja inzwischen sehr gut und preiswert innerhalb der EU.
    Das wäre doch mal eine Leistung für den Klimaschutz durch ganz Europa. Allein die unterschiedlichen Systeme dürften viele Touristen zum Taxi oder Mietwagen anstatt zum Bus bewegen.

  8. 21.

    Tatsächlich hat Die Linke sogar fünf konkrete Vorschläge gemacht, was kurzfristig zu tun sei. Der RBB hat halt nur die Kritik übernommen. Hier das ganze Statement der Linksfraktion von gestern: https://www.linksfraktion-brandenburg.de/nc/presse/anzeige-pressemitteilung/verzicht-auf-fahrpreiserhoehung-allein-reicht-nicht-sofortprogramm-fuer-oepnv-nach-der-corona-krise-n/

  9. 20.

    Weil man es so besser als "Erfolg" verkaufen kann. Nun werden natürlich alle ihr Auto verkaufen und nur noch ÖPNV fahren...

  10. 19.

    Wie oft fahren Sie denn mit den öffentlichen, dass Sie die Zustände so gut kennen? Mit meinen Erfahrungen deckt sich das nämlich überhaupt nicht.

  11. 18.

    Der Preis ist nicht der Grund, die Öffentlichen Verkehrsmittel nicht zu nutzen. Der Grund ist die sehr schlechte Qualität. Lange Wartezeiten bei der U-Bahn, weil wieder mal keine Fahrzeuge oder Fahrer vorhanden sind, verdreckte und beschmierte Züge, überfüllte Busse unfreundliches Personal und ständige Streiks sind die Gründe dafür, dass ich lieber mit dem Auto fahre. Wenn diese Probleme mal gelöst sind, dann würde ich auch mehr für die Tickets zahlen. Zur Zeit könnte der Nahverkehr auch kostenlos sein, ich würde ihn nicht nutzen.

  12. 17.

    Lieber Werner,
    was ist an diesem Modell fortschrittlich? Wieso soll man jetzt mit dem Handy in den Bus einsteigen und sich bei jeder Fahrt auch noch überwachen lassen? Bei uns im VRR im Ruhrgebiet gibt es jetzt auch eine Zehnerkarte, die man nur elektronisch nutzen kann. Ich habe bis letztes Jahr die Papier-Viererkarte genutzt. Aber da ich bei den Abzockpreisen fast nie fahre sondern selbst bei 30km (Hin- und zurück) das Fahrrad nutze, verfallen da regelmäßig Fahrten. Um es klar zu sagen, ich habe in 2020 weniger als vier Mal den Bus über die Zonengrenze in die Nachbarstadt genutzt. Selbst wenn ich 5 Stationen zum Bahnhof will, zahle ich 3 Euro. Da laufe ich. Der ÖPNV ist so überteuert, daß man ihn nur meiden kann! Fahrt Rad und laßt den ÖPNV leer rumkutschen. Der extreme Preis hat nichts mit der unterdurchschnittlichen Leistung zu tun.

  13. 16.

    Mehr Nutzer in B und Umgebung gewinnen ?... Drei Vorsschläge … Rund- und Rückfahrten mit dem Einzelfahrschein erlauben … Gültigkeitsdauer des Einzelfahrscheins auf 4 Stunden verdoppeln … Tarifzone C abschaffen, mit B vereinigen und zu B-Preisen anbieten … Und übrigens, wo bleibt eigentlich das 365-Euro-ABC-Jahres-Ticket ?

  14. 15.

    Die einzige vollständig treue Kundengruppe ignoriert der VVB und die Landespolitiker*innen jedoch weiterhin: Die Studierenden. Diese haben während der Lockdowns mit dem Solidarmodell unverändert ihren Beitrag geleistet. Nun kündigt der VBB eine Erhöhung, um z.B. 2x 15% für die kontrahierungspflichtigen Semestertickets in Frankfurt (Oder)an. Gut, dass die Studierenden sich das nicht länger gefallen lassen und darüber abstimmen werden, ob sie das hinnehmen wollen.

  15. 14.

    Diesen Drauflosfasler der vom Tuten und Blasen und vom wirklichen Broterwerb und vom Leben der normalen Leute scheinbar absolut keinerlei Ahnung hatte, haetten wir heute Abend am liebsten, nachdem wir uns etwas Tv noch nach der Arbeit goennten, durch die Roehre gehohlt.
    So was kann auch nur einem studierten einfallen, der nicht versteht, das man nach anstrengender Arbeit keine Lust hat auch noch stundenlang, die doppelte Zeit im Oeffentlichen Nahverkehr zu verbringen oder mit dem Rad zu fahren.
    Trotz Vollerwerb reicht es gerade mal so zum Leben, obwohl Handwerk ja heute so gefragt ist, bei 2 Verdienern und einer angemessen Mietwohnung.
    Eauto wo von - kleiner Benziner plus 1 Umweltkarte gerade noch bezahlbar.

  16. 13.

    365 EUR fur das Jahresticket.
    In Wien funktioniert das seit ein paar Jahren sehr erfolgreich. Dort kommen ähnlich viele ÖPNV-Strecken-Kilometer auf den Einwohner wie in Berlin.

  17. 12.

    Ich habe gestern gelesen, dass die BVG bis Jahresende 1,3 Milliarden Schulden haben wird. Aber nur, weil der Senat soviel zuschießt und auch Fahrzeuge kauft. Für die kaputtgefahrenen und -gestandenen Straßen zahlt die BVG ja auch nichts. Sonst bestimmt schon 20 Milliarden oder mehr Schulden.
    Ich bin dafür, dass die Nutzer endlich die Kosten tragen, die sie verursachen.
    Die Schulen müssen auch sparen.. na das kann ja die nächsten 5 Jahre heiter werden. Welche Parteien sollen das jemals wieder alles gerade biegen, wenn die Wähler jemals anfangen zu denken und den Senat ins nirvana schicken.

  18. 11.

    Selbst auf Mallorca muss ich mich mit meiner Bankkarte im Bus einchecken (vorne)und beim Ausstieg (hinten)auschecken. Je mehr mit auf der Karte fahren (max. 5), desto günstiger für den Einzelnen. Abgerchnet wir in gefahrenen Zonen. WlAN in jedem Buss vorhnden. Vergesse ich auzuchecken, zahlt man maximale Zonenanzahl plus Strafe, will ich bar beim Busfahrer bezahlen, wird es teurer. Warum ist Berlin hier nicht fortschritlicher?

  19. 10.

    Wie wäre es denn mal mit Weiterentwicklung? Hamburg führt zm 01.01.2022 das Appticket mit CheckIn und Tarifoptimierung ein, auch eine autonomfahrende Line wird es in Hamburg geben. In Berlin wartet man vergebens. Wir bekomen es ja noch nicht einmal hin, "Mauttore" am neuen BER zu errichten, damit jeder Nutzer ein 8-Euro-Ticket bis zum Ziel in der Region Berln-Brandenburg lösen m u s s. Da sind so viel Menschen ohne Ticket in Regio und S-Bahn unterwegs von undzum BER unterwegs, weil Berlin selbst so "low hanging fruits" einfach nicht erntet. Es ist unbegreiflich!

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