Südwestfriedhof Stahnsdorf - Neonazi in Grab eines jüdischen Musikwissenschaftlers beigesetzt

Blumenkränze auf dem Grab von Henry Hafenmayer. Auf dem Südwestfriedhof in Stahnsdorf (Potsdam-Mittelmark) sind am Freitag die Überreste eines Rechtsextremisten und Antisemiten in der früheren Grabstätte eines jüdischen Musikwissenschaftlers beigesetzt worden. (Quelle: RechercheNetzwerk.Berlin)
Audio: Inforadio | 12.10.2021 | N. Gutschmidt | Bild: RechercheNetzwerk.Berlin

Der Rechtsextremist Henry Hafenmayer wurde am Freitag in Stahnsdorf beerdigt - im Grab eines jüdischen Wissenschaftlers. Unter den Trauergästen waren Holocaustleugner und vorbestrafte "Reichsbürger". Die Kirche spricht von einem Fehler.

Auf dem Südwestfriedhof in Stahnsdorf (Potsdam-Mittelmark) sind am Freitag die Überreste eines Rechtsextremisten und Antisemiten in der früheren Grabstätte eines jüdischen Musikwissenschaftlers beigesetzt worden. Das bestätigte die Pressestelle der Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (Ekbo) am Montag auf Anfrage von rbb|24.

Zuvor hatten die Informationsdienste Blick nach rechts [bnr.de] und Recherchenetzwerk Berlin über die Beerdigung und ihre Teilnehmer berichtet. In der Grabstelle von Max Friedländer (1852-1934) wurde demnach der im August verstorbene Holocaustleugner Henry Hafenmayer beigesetzt.

Landeskirche prüft eigene Fehler

Derzeit werde geprüft, wie es zu diesem Fehler gekommen sei, hieß es. Die Ekbo könne aber noch nicht sagen, welche Konsequenzen aus dem Vorfall gezogen würden. Das Grab sei bereits seit einiger Zeit freigegeben gewesen, sterbliche Überreste hätten sich darin nicht mehr befunden.

Laut Landeskirche war die Beisetzung Hafenmayers ohne evangelische Begleitung. Die Entscheidung, die Anfrage nach einer Grabstätte nicht abzulehnen, sei im Konsistorium der Ekbo getroffen worden, berichtet die Nachrichtenagentur EPD. Leitend sei dabei im Grundsatz, dass jeder Mensch ein Anrecht auf eine letzte Ruhestätte habe. Der erste Grabstättenwunsch sei von der Friedhofsleitung abgelehnt worden, trotzdem sei auch die Auswahl der ehemaligen Grabstätte Max Friedländers ein Fehler. "Diesen Fehler prüfen wir zurzeit", erklärte die Landeskirche.

Holocaustleugner, verbestrafte "Reichsbürger, Neonazis unter Trauergästen

An der Beisetzung des aus Oberhausen stammenden Hafenmayer nahmen zahlreiche Neonazi-Größen und Rechtsextremisten teil - darunter der Neonazi Horst Mahler, der wegen Volksverhetzung lange Jahre inhaftiert war. Unter den Trauergästen waren zudem der Neonazi-Aktivist und langjährige NPD-Kader Thomas Wulff, der rechte Blogger Nikolai Nehrling alias "Der Volkslehrer" und Dennis Ingo Schulz, ein mehrfach vorbestrafter sogenannter "Reichsbürger". Fotos von der Grabstelle zeigen Kränze mit Grabschleifen in den Reichsfarben und aufgedruckten eisernen Kreuzen.

Auf dem Friedhof besteht seit einigen Jahren die Möglichkeit, Patenschaftsverträge für historische Grabstätten abzuschließen. Die Kosten für die Instandhaltung und Pflege der historischen Grabmale übernehmen die Paten. Der Pate erwirbt im Gegenzug das Recht, Beisetzungen auf der ausgewählten Grabstätte vornehmen zu lassen. Im Bestattungsfall kann zudem im Rahmen der denkmalschutzrechtlichen Bestimmungen der Name des Verstorbenen neu an der Grabstätte angebracht werden.

Der mehr als 200 Hektar große Stahnsdorfer Südwestkirchhof wurde 1909 eröffnet und ist Deutschlands größter evangelischer Friedhof. Bei der Begräbnisstätte handelt es sich um ein geschütztes Landschaftsdenkmal.

Sendung: Brandenburg aktuell, 11.10.2021, 19.30 Uhr


Die Kommentarfunktion wurde am 12.10.2021 um 08:40 Uhr geschlossen. Die Kommentare dienen zum Austausch der Nutzerinnen und Nutzer und der Redaktion über die berichteten Themen. Wir schließen die Kommentarfunktion unter anderem, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt.


20 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 20.

    Diese rechten Verbrecher wollen wir hier nicht haben. Sie sollen sich da begraben lassen, wo sie hergekommen sind, anstatt das Andenken jüdischer Familien zu beflecken. Ich erwarte, daß dieser Fehler korrigiert und die Vergabe der Patenschaften künftig mit der gebotenen Sorgfalt durchgeführt wird.

  2. 19.

    …und weiter schläft die evangelische Kirche, als Betreiberin des Friedhofes.

  3. 18.

    Den Worten von Anja Lehmann ist nicht mehr viel hinzuzufügen. Sehr gut geschrieben.
    Nach dem Ableben eines jeden Menschen, müssen die Taten für den Toten vergeben werden. Nicht vergessen werden, zu Mahnung der Nachfolgenden Generationen.

  4. 17.

    Den Worten von Anja Lehmann ist nicht mehr viel hinzuzufügen. Sehr gut geschrieben.
    Nach dem Ableben eines jeden Menschen, müssen die Taten für den Toten vergeben werden. Nicht vergessen werden, zu Mahnung der Nachfolgenden Generationen.

  5. 16.

    Ich verstehe den Werdegang nicht ganz. Wenn eine Grabstelle nach Ablauf der Frist wieder frei gegeben wird, wird bei "Normalbürgern" auch der alte Grabstein entfernt, da er ja mit dem neu Bestatteten nichts mehr zu tun hat. Wie stellt man sich das hier vor? Den neuen Grabstein vor oder neben den Alten? Also sollte man entweder den alten Grabstein umsetzen oder die 8Grabstelle hätte nicht neu vergeben werden dürfen. Beides geht m. E. nicht, egal, wer dort bestattet wird.

  6. 15.

    Unglaublich wie schamlos und selbstverständlich in den Kommentaren hier diese offensichtlich geplante Entstellung eines jüdischen Grabs durch Neonazis verharmlost und gerechtfertigt wird. Wie kann man Buchstaben nur zu so widerlichen Inhalten formen?

  7. 14.

    Was zur Hölle ist auf diesem Friedhof los?? Offenbar wurde einem Holocaustleugner die Patenschaft für die Grabstätte von Max Friedländer überlassen. Der "Pate" hatte sicher nicht die Absicht, das Andenken an Herrn Friedländer zu erhalten. Stattdessen sollten solche Fotos und solche Nachrichten entstehen.

  8. 13.

    Im Tod sind alle gleich. Und auf welchen Friedhof man nun liegt ist auch egal. Gott fragt nicht nach Gesinnung oder letzten Kontoauszug.

  9. 12.

    Eine historische und jüdische Grabstätte bekommt rechtsextreme Paten. Eine Verhöhnung Friedländers. Patenschaft bedeutet Fürsorgepflicht. Also jemand, der den Holocaust leugnet, der antisemitisch denkt, drängt einer jüdischen und historischen Grabstätte seinen rechten Stempel auf. Widerlich, wer lässt das zu?

  10. 11.

    Solange die Betonung bei Ihnen auf „am Ende“ liegt und sich das auf die sterblichen Überreste bezieht, vielleicht … ansonsten gäbe es – mal abesehen von der deutschen Nationalität – wirklich kaum mehr, was einen Musikwissenschaftler jüdischen Glaubens und einen menschenverachtenden, den Holocaust leugnenden Neonazi unterscheiden könnte.

  11. 10.

    Ich verstehe das Problem nicht - eine Grabstätte wurde frei gegeben für einen neuen Leichnam- mag da drinnen liegen , wer mag - hört das denn nie auf?
    Gibt es über den Tod hinaus ideologische Gräben? Für religiöse Menschen wird es eine neue Welt der Hoffnung bei ihrem Schöpfergott geben - für Nazis vielleicht die Hölle?!…
    Können wir nicht die Größe aufweisen, den Dingen ihren Lauf zu lassen?
    Wenn Verfassungsfeinde trauern- lasst sie trauern und nehmt sie am Ausgang des ( übrigens sehr schönen ) Friedhofes in polizeiliche Gewahrsam … aber erspart uns endlich diese hysterische Anteilnahme bis ins Grab hinein .

  12. 9.

    Geschmackloser geht's nimmer!

  13. 8.

    Am Ende, sind wir dann doch alle gleich!

  14. 7.

    Warum nicht? Friedhof der Sozialisten, Invalidenfriedhof, sowjetisches Ehrenmal Treptower Park … etc.

  15. 6.

    Ich vermute, dass es den guten Herrn Friedländer wohl nicht mehr groß interessieren wird … Herr Hafenmayer kann sich deswegen von mir aus gern im Grabe umdrehen, so oft er möchte – Hauptsache, er bleibt da drin.

  16. 5.

    Nein. Die Kirche hat selbst gesagt, es sei ein Fehler gewesen. Hat etwas mit Sensibilität zu tun. Müsste eigentlich jeder normal denkende Mensch verstehen.

  17. 4.

    Also ich entnehme dem Bericht bei aufmerksamen Lesen, dass es sich um eine (nicht vollständig geräumt) Grabstätte mit dem verbliebenen Grabstein des dort ursprünglich beigesetzen jüdischen Musikwissenschaftlers handelt (s. Link). Es geht daher keineswegs nur um die Neubelegung einer Grabstelle nach Ablauf der Liegezeit, Entfernung des Grabsteins und Freigabe. Kein Anlass also aus dem geschilderten Fall eine derartige Forderung herzuleiten.

  18. 3.

    Mir ist zurzeit nicht klar, ob es ein verwaltungsrechtliches Reglement auf einem Friedhof gibt, Anfragen nach Grabstätten nach bestimmten Kriterien abzulehnen. Das würde ansonsten auch einen sehr hohen Aufwand bedeuten. Oder aber, ein solches Reglement bezöge sich auf einen relativ kleinen Kreis ganz spezifischer Grabstätten, nachvollziehbarerweise jüdischen.

  19. 2.

    Wenn das Grab freigegeben wurde, wird es halt neu belegt. Das ist der Lauf der Dinge. Soweit ich das mitbekommen habe, wird vorher der Verfassungsschutz nicht gefragt.

  20. 1.

    Verstehe ich diesen Bericht richtig? Ist er als Forderung nach ideologisch und politisch getrennten Grabstätten zu werten?

Nächster Artikel