Vor 21 Jahren - Potsdamerin schweigt vor Gericht zu Vorwurf von Tötung ihres Babys

Di 12.10.21 | 15:34 Uhr
  1
17.08.2020, Potsdam, das Justizzentrum Potsdam in der ehemaligen Unteroffiziersschule, einem Baudenkmal in der Hegelallee 11. Seit 2008 sind hier das Landgericht Potsdam und das Verfassungsgericht des Landes Brandenburg mit ihren Dienstsitzen sowie eine Nebenstelle des Amtsgerichts Potsdam und die Potsdamer Staatsanwaltschaft ansässig. (Quelle: dpa/Dirk Pagels)
Audio: Antenne Brandenburg | 12.10.2021 | Lisa Steger | Bild: dpa/Dirk Pagels

Im Prozess um die Tötung eines neugeborenen Babys will sich die 61-jährige Angeklagte nicht zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft äußern. Das erklärte ihr Verteidiger zum Prozessauftakt vor dem Landgericht Potsdam am Dienstag.

Tat soll sich zwischen April und August 2000 ereignet haben

Der Frau wird vorgeworfen, zwischen April und August 2000 in einem Wohnhaus in Potsdam ein lebensfähiges Kind geboren und danach "durch Stiche in den Brustkorb" getötet zu haben, wie es in der Anklage hieß. Genau lässt sich das Datum nicht mehr feststellen. Das Kind soll nicht von ihrem damaligen Mann gewesen sein, sie habe ihre Ehe nicht gefährden wollen, hieß es von der Staatsanwaltschaft.

Nach Angaben des Gerichts kam die Tat im Jahr 2017 ans Licht, als der damalige Ehemann der 61-Jährigen einem Gartennachbarn von dem Geschehen erzählte.

Der Nachbar sagte am Dienstag als Zeuge in dem Prozess aus. Er habe stolz von der ersten Begegnung mit seiner kleinen Enkelin berichtet, da habe der ehemalige Mann der Angeklagten plötzlich gesagt, dass sie auch ein Kind gehabt habe. "Es ist tot. Es lebt nicht mehr", zitiert der Zeuge den Mann.

Anklage kurz vor der Verjährung

Dieser habe ihm detailliert geschildert, wie er an einem Abend nach Hause gekommen und die Frau in der gemeinsamen Wohnung in der Badewanne gefunden habe. Überall sei Blut gewesen. Der Mann habe eine Tüte mit dem toten Baby darin gefunden. Er habe die Tüte in einer Mülltonne entsorgt, gibt der Zeuge die Schilderung wider. Der damalige Ehemann muss sich im Unterschied zu der Frau nicht vor Gericht verantworten.

Nach dem Gespräch erstattete der 68-jährige Nachbar Anzeige. 2018 erhebt die Staatsanwaltschaft Anklage - noch rechtzeitig, bevor die Tat verjährt. Bei Totschlag beträgt die Verjährung 20 Jahre. Es vergingen rund drei Jahre, bis es zum Prozess kam.

Sieben Verhandlungstage angesetzt

Die Leiche des Babys wurde nie gefunden. "Das ist ein reiner Indizienprozess", sagte der Staatsanwalt außerhalb des Gerichtssaals.

Für den Prozess hat das Gericht sieben Verhandlungstage angesetzt. Am Dienstag sollte der Ehemann der Frau als Zeuge gehört werden.

Sendung: Inforadio, 12.10.2021, 11:00 Uhr

Nächster Artikel