Ansturm zu Beginn der Herbstferien - Reisende berichten von chaotischen Zuständen am BER

Sa 09.10.21 | 15:25 Uhr | Von Georg-Stefan Russew
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Mit den Herbstferien wird es zunehmend voller am Flughafen BER. (Quelle: rbb/Abendschau)
Video: Abendschau | 09.10.2021 | Marcel Trocoli Castro | Bild: rbb/Abendschau

Zum Start der Herbstferien gibt es am BER einen Ansturm, den der Flughafen so noch nicht erlebt hat. Reisende berichten von langen Wartezeiten an den Check-In-Schaltern oder bei der Gepäckaufgabe. Von Georg-Stefan Russew

Offiziell starten die Herbstferien erst am Montag, der Flughafen BER erlebt aber bereits an diesem Wochenende einen Ansturm von Flugreisenden. Über soziale Netzwerke berichteten mehrere Reisende am Samstag, dass sie wegen des massiven Andrangs vor den Abfertigungsschaltern der Fluglinien und überlangen Abfertigungszeiten ihre Flieger verpassen würden. Nach Beobachter-Angaben waren vor allem Schalter der Lufthansa-Gruppe betroffen.

Eine Twitter-Userin schrieb an Samstagmorgen: "Ich bin zwei Stunden vor Abflug da, finde nach einigem Suchen das Ende der Schlange von Schalter drei. Nach cirka 45 Minuten bin ich noch 100 Meter vom Schalter entfernt. Es entsteht Unruhe. Der Flug einer älteren Frau geht in 30 Minuten." Eine andere Userein schrieb am Freitagabend: "Unser Flugzeug startet wohl erst dann vom #BER, wenn wir die verschwundenen Wahlzettel gefunden haben."

"Jetzt ist der BER offen, funktioniert aber nicht"

Ein anderes Paar berichtete einem rbb-Reporter, dass sie ihr Flugzeug verpasst hätten. Sie wollten mit Swiss (gehört zur Lufthansa-Gruppe) über Zürich nach Palermo fliegen. Obwohl sie über zwei Stunden vor Abflug am BER waren, erklärte man ihnen nach langer Wartezeit am Lufthansa-Schalter, dass ihr Flug überbucht sei. Man werde versuchen, das Paar umzubuchen. "Jetzt ist der BER offen, aber funktioniert trotzdem nicht", sagten sie.

Andere klagten über fehlende Informationen, über chaotische Verhältnisse. "Anscheinend hat der BER viel zu wenig Personal, um die Maschinen abzufertigen. Ich sitze gerade im Flieger am Boden und die Kabinencrew sagt die ganze Zeit, dass dies das Problem sei. Gerade wird darauf gewartet, dass sich jemand findet, der die Koffer ins Flugzeug packt. Im Airport wurde ganze Zeit durchgesagt, dass irgendwelche Flüge aus organisatorischen Gründen doch zu einem anderen Gate müssten", schrieb ein Passagier rbb|24 per Mail.

Nahezu 150.000 Fluggäste am BER bis Sonntag erwartet

"Grundsätzlich: Dieses Wochenende ist unter den Corona-Bedingungen, die wir seit mehr als anderthalb Jahren haben, das verkehrsreichste", sagt Flughafensprecher Hannes Stefan Hönemann am Samstag rbb|24. "Wir hatten am Freitag 65.000 Passagiere. Am Samstag sind es rund 10.000 weniger und am Sonntag werden es noch ein bisschen mehr sein", so Hönemann. Das seien sehr viele. "Und unter Corona-Bedingungen ist dieser Prozess, der eigentlich darauf ausgelegt ist, dass es möglichst flottgeht, sehr gestört, weil man erst noch die Impfzertifikate vorzeigen muss, größerer Abstand gehalten werden muss und obenrdrein für die unterschiedlichen Zielländer unterschiedliche Corona-Regeln gelten", versuchte Hönemann die von Passagieren zum Teil als chaotisch anmutenden Verhältnisse am BER zu erklären.

Kürzlich hatte auch Flughafenchefin Aletta von Massenbach eingeräumt, dass die Wartezeiten sich wegen der notwendigen Corona-Kontrollen ungefähr verdoppelt hätten. Ein Kapazitätsproblem bei der Abfertigung habe der BER nicht, versicherte sie.

"Komplizierter Prozess führt zu längeren Wartezeiten"

Für die Schalter seien die Fluggesellschaften zuständig. Natürlich freuten die sich über den jetzigen sprunghaften Anstieg der Fluggastzahlen, so Hönemann. Im Vergleich zu 2019 bleibe die Auslastung der Flieger aber noch zurück. Hönemann sprach von maximal 70 bis 80 Prozent.

Deswegen seien die Fluglinien darauf angewiesen, betriebswirtschaftlich sinnvoll zu handeln. "Das führt dazu, dass an so einem Wochenende relativ viele Leute in einem komplizierten Prozess an einem Flughafen sind und das führt dann auch zu längeren Wartezeiten", so der Flughafensprecher. Hönemann verwies auch auf andere Flughäfen wie Hamburg, Frankfurt oder München. Dort käme es im Zusammenhang mit dem Ferienstart zu ähnlichen Problemen.

Bundespolizei spricht von langen Schlangen - Lage sei beherrschbar

Die Bundespolizei berichtete ihrerseits ebenfalls von längeren Schlangen an den Abfertigungslinien. Die eigenen Sicherheitskontrollen am Flughafen seien ebenfalls gut ausgelastet, sagte Oberkommissarin Christina Weigandt am Samstag rbb|24. Die Lage sei beherrschbar.

Wer allerdings rechtzeitig vor Flugbeginn vor Ort sei, dürfe keine Schwierigkeiten haben, sein Flugzeug zu erreichen, betonte sie. Sie räumte ein, dass es zeitlich divergieren könne. Wenn man nur mit Handgepäck unterwegs sei, könne es sehr viel schneller gehen, als wenn man mit größerem Gepäck unterwegs sei und dieses noch am Schalter abgegeben müsse.

Flughafensprecher Hönemann wies seinerseits auf die Reiseempfehlungen hin, die der BER im Vorfeld des Ferienbeginns herausgegeben hat. Darin hieß es, dass man mindestens zwei Stunden vor Flugbeginn am Terminal in Schönefeld eintreffen sollte.

Gegen Samstagnachmittag beruhigte sich die Lage laut Beobachtern am Airport wieder. Schlangen an Schaltern waren immer noch zu sehen. Die Wartezeit hätte sich jedoch erheblich verkürzt.

Sendung: Abendschau, 09.10.2021, 19:30 Uhr

Beitrag von Georg-Stefan Russew

93 Kommentare

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  1. 93.

    Wer ist denn nun für den Schaden zu belangen - das wäre wirklich die wichtigste Information @rbb! Wir haben neulich aufgrund der nicht existierenden Durchsagen, des höchst unfreundlichen sabotierenden Sicherheitspersonals, der schlechten bis nicht vorhandenen Beschilderung und nicht existierenden rollbändern in endlos langen Gängen einen Flug verpasst. das in einem neuen Flughafen. Das hat uns 800€ gekostet und endlos viele Nerven. Niemand wusste zunächst wo wir ein Ersatzticket bekommen könnten und weil die Frau am Ticketschalter zusätzlich keine Ahnung hatte, hätten wir beinahe den nächsten Flug verpasst bzw hat sie uns einfach mal eine Gepäckkategorie zu hoch eingestuft. Als wir wieder ankamen am BER stand ein ZollHund ohne Maulkorb da, an dem man sich nicht vorbeizwängen konnte ohne ihn zu berühren - für Leute wie uns die als Kinder von Hunden gebissen wurden der Horror. Kein Wort der Erklärung von der Polizei. Natürlich gab es dann noch direkt racial profiling

  2. 92.

    München können Sie als möglichen Vergleich vergessen, da dort die Herbstferien erst am 01.11. beginnen.

  3. 91.

    Wir sind gestern um 23:30 Uhr in Berlin gelandet. Heute um 2:30 Uhr hatten wir endlich unser Reisegepäck. Laut Auskunft eines Polizisten waren nur noch zwei Mitarbeiter des BER anwesend, die das Gepäck ausluden. Nach uns mussten noch zwei weitere Flugzeuge entladen werden. Insgesamt waren die Passagiere von mindestens sechs Flügen betroffen. Bei diesen Problemen kann man sich nun wirklich nicht mit dem Hinweis auf Corona herausreden.

  4. 90.

    Mitdenken! Vor einer Woche waren noch keine Ferien! Das ist Apfel mit Birnen vergleichen.

  5. 89.

    Etwas Komfort hätte man auf diesem Flughafen schon erwarten können. Nämlich ein Laufband, gibt es selbst auf dem Flughafen von Mallorca z. B. So aber läuft man ewig den langen Gang entlang bis zu seinem check Inn Schalter. Ziemlich dörflich das Ganze, bei den Herstellungskosten. Und das in der Bundeshauptstadt. Kein Renommee.

  6. 88.

    Oh Ja tegel zu schließen und direkt abzureißen, geht garnicht. Nicht wegen dem Chaos in Schönefeld sondern weil Tegel ein Stück Berlin war .......
    Sind erst vor einer Woche in SXF gelandet aus der Karibik und müssen sagen das Abflug und Ankunft reibungslos war.

  7. 87.

    Habe am 29.09. geschlagene 70 Minuten nach der Landung im Flieger gesessen und gewartet bis wir aussteigen konnten. Angeblich keine Personal am BER vorhanden gewesen, das den Ausstieg (die Tür von außen öffnen???) abfertigen konnte....Na wenigstens musste ich dann nur noch weitere 40 Minuten auf das Gepäck warten.

  8. 86.

    Was soll die ganze Aufregung? War doch nicht anders zu erwarten.

  9. 85.

    Ne, war die beste. Weil völlig überaltet, dreckig, schlechte Koordination. Haben nur viele vergessen, die nun rumheulen. Und das Schöne ist: Tegel wird nie wieder eröffnen, nie wieder alle zwei Minuten Flugzeuge. Wunderbar. Mimimi.

  10. 84.

    Google wird Ihnen sicherlich behilflich sein. Auf jeden Fall spuckt es Infos aus, dass man auf jeden Fall in Hannover (da kam noch ein Streik dazu), Hamburg und Frankfurt Schlangen am Airport hatte.

  11. 83.

    Haben Sie ein Problem damit, außer dem Preis? Aber wer immer auf der Überholspur ist, muss immer fix und billig überall hinkönnen, gell?

  12. 82.

    Flug von BER nach Malta mit Zwischenstopp in München gebucht. 21/2 Stunden vor Abflug haben nicht gereicht unseren Flug zu bekommen da der Check in der Lufthansa mit nur 3 Schaltern besetzt war für gefühlt 300 Passagiere. Unser Flug konnte umgebucht werden andere leider nicht. Am Sicherheitsschalter das gleiche Dilemma, vier Bänder aber nur eines mit einer Person besetzt. Wartezeit wieder mehr als eine Stunde, Flug eben noch bekommen weil andere Reisende uns vor gelassen haben. Umweg über Frankfurt ,Weiterreise mit 3 Stunden Aufenthalt. Der erste Urlaubstag leider versaut. BER Berlin ist und bleibt ein Chaos Flughafen!


  13. 80.

    So ist es wirklich. Vor zwei Wochen wurde ich über die sozialen Netzwerke noch zum Wählen der Grünen aufgerufen....nun bekomme ich Fotos aus dem Süden.

  14. 79.

    Scheint ja auch keinerlei Schuldbewusstsein bei der Verantwortlichen zu geben. Schuld sei Corona, nicht etwa eklatantes Unvermögen seitens des BER.

  15. 77.

    Tja da wundere ich mich schon einige Zeit darüber ,Freitags für Klimawandel demonstrieren und in den Ferien wird schön Kurzflüge gebucht. Ich finde es gut dass den Leuten das Fliegen verdorben wird ,weiter so am BER!

  16. 76.

    Am BER läuft die Abfertigung wesentlich besser als ehemals in Schönefeld. Deshalb kann ich als BER-Erfahrener diesen Bericht nicht bestätigen. Ich finde, dass der BER ein sehr schöner Flughafen ist (allerdings zu wenig Sitzplätze vor dem Transit; und auch Toiletten). Die Sicherheitskontrollen laufen einigermaßen zügig, weil sehr viel Personal vor Ort ist. Der Check-in liegt in der Verantwortung der jeweiligen Fluggesellschaften. Da heute eigentlich jeder online einscheckt und die Kofferaufgabe auch schon automatisch funktioniert, gibt es eigentlich weniger Wartezeiten als zuvor.

  17. 75.

    Zum Glück brauche ich nur ein Fahrrad!
    https://www.youtube.com/watch?v=XruGr031ua0

  18. 74.

    Mich würden die Verhältnisse auf den anderen Flughäfen wie München, Frankfurt usw. interessieren. War es dort ebenso chaotisch??? Wenn nicht, das ist das der Beleg für die Unfähigkeit der Berliner.

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