Interview | Schwangere Berlinerin kurz vor Geburt - "Ich habe keinen Plan, wo mein Kind zur Welt kommen soll"

Eine schwangere Frau (Quelle: dpa/Quintanilla)
Bild: dpa/Quintanilla

Am 30. Oktober soll Christine H.s Sohn auf die Welt kommen. Doch die Geburt macht ihr Sorgen: Ihr Wunschkrankenhaus ist wider Erwarten schon voll, alle anderen für sie erreichbaren Kliniken werden bestreikt oder haben ebenfalls keine Kapazitäten.

rbb|24: Frau H., Sie sind schwanger derzeit. Wie weit sind Sie in Ihrer Schwangerschaft und freuen sie sich auf das Kind und die Geburt?

Christine H.: Ich bin zurzeit in der 36. Woche schwanger. Ich stehe also sozusagen kurz vor der Geburt meines zweiten Kindes, auf das ich mich sehr freue. Meine kleine Tochter ist dieses Jahr im Sommer zwei Jahre alt geworden. Diesmal wird es ein Junge. Auf seine Geburt freue ich mich eigentlich schon. Doch da bei Vivantes und Charité gestreikt wird, ist es gerade ein Problem, sich bei den anderen Kliniken in unserer Nähe anzumelden und einen Platz zu finden.

Zur Person

Christine H. spielt mit ihrer Tochter in einem Park (Bild: Christine H.)
Christine H.

Schwanger in Berlin - Christine H.

Chistine H. wohnt in Berlin-Schöneweide und ist schwanger mit ihrem zweiten Kind, das am 30. Oktober auf die Welt kommen soll. Durch den Streik bei Vivantes und Charité ist ihre für die Geburt avisierte Klinik voll - alle anderen für sie erreichbaren Krankenhäuser werden entweder bestreikt oder haben auch keine Kapazität.

Die erste Geburt mit meiner Tochter war toll. Da bin ich nachmittags mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ins DRK-Klinikum Köpenick gefahren. Abends gingen dann die Wehen los und nach anderthalb Stunden war mein Kind da.

Wo wird denn ihr zweites Kind auf die Welt kommen? Beim zweiten Kind haben Sie ja vermutlich auch eine realistische Chance, dass es wieder recht schnell geht.

Genau. Man sagt ja, das es beim zweiten Kind oft schneller als beim ersten geht. Doch wo mein Sohn auf die Welt kommen soll, ist gerade unklar.

Für eine Anmeldung ist Ihre Schwangerschaft ja schon recht weit fortgeschritten.

Ich habe mich natürlich rechtzeitig darum gekümmert. Schon, weil man wegen Corona nicht wirklich weiß, wie es in den Kliniken läuft. Ich wollte mich schon Anfang August im DRK Köpenick, wo ich wieder entbinden wollte, anmelden. Da wurde ich gefragt, wie weit ich bin mit der Schwangerschaft. Weil der Geburtstermin aber erst am 30. Oktober ist, wurde mir da gesagt, ich sei viel zu früh dran. Ich sollte mich Mitte September wieder melden. Als ich das dann Anfang/Mitte September tat, hieß es, es täte ihnen leid, aber sie seien wegen des Streiks bei den anderen Krankenhäusern voll.

Da bin ich aus allen Wolken gefallen. Mir wurde geraten, in anderen Krankenhäusern nachzufragen.

Ich habe schon überlegt, ob ich nicht eine Hausgeburt mache oder ins Geburtshaus gehe. Aber letztere sind auch voll.

Christine H., Schwangere aus Berlin

Dann haben Sie also angefangen herumzutelefonieren?

Richtig. Aber erst habe ich mal gegoogelt, welche Kliniken überhaupt für mich erreichbar sind. Ich wusste, dass das Klinikum Neukölln bei mir in der Nähe ist. Das gehört zu Vivantes und wird bestreikt. Kaulsdorf wäre noch in der Nähe – ebenfalls Vivantes. Dann gibt es noch das Sana Klinikum Lichtenberg. Die sind leider auch voll. Ich wohne in Schöneweide – sehr viel mehr gibt es nicht in meiner Nähe.

Das ist tatsächlich nicht sehr zentral. Gerade kürzlich habe ich ein Interview zum Thema Entbindungen mit der Patientenberatung geführt, da wurde gesagt, dass es über 20 Kliniken in Berlin gibt, die Geburten durchführen, und dass das für Frauen aus Berlin daher gar kein Problem sei. Aber Kliniken im Norden oder ganz im Westen Berlins sind für Sie ja kaum erreichbar, oder?

Ja. Diesen Artikel habe ich auch gelesen. Dass es so viele Kliniken gibt, hilft mir, die ich in einem Randbezirk wohne, nicht wirklich. Man weiß ja auch nicht, in welcher Situation man sich wiederfindet, wenn es losgeht. Das kann mitten in der Nacht sein. Und dann habe ich die Sorge, dass mich ein Taxi mit beispielsweise einem Blasensprung gar nicht fährt. Ein eigenes Auto haben wir aber gar nicht.

Ich könnte dann natürlich einen Rettungswagen rufen. Doch die fahren dann zum nächstgelegenen Krankenhaus, das Kapazitäten hat.

Was spricht denn gegen das nächstgelegene Krankenhaus?

Das nächstmögliche Krankenhaus ist dann, wenn die schon erwähnten voll sind, etliche Kilometer entfernt. Und wenn ich mich daran erinnere, wie schnell die Geburt meines ersten Kindes ablief, habe ich Bedenken, dass das Kind unterwegs kommt.

Was ist Ihr Plan jetzt?

Ich habe derzeit leider keinen richtigen Plan. Ich habe nochmal im Köpenicker Krankenhaus angerufen und gefragt, ob sich eventuell etwas geändert hat. Das hat es leider nicht. Mir wurde nur angeboten, dass ich nochmal anrufen könnte, wenn es mit den Wehen losgeht. Vielleicht wäre ja dann ein Platz frei. Auf meine Rückfrage, was ich mache, wenn das dann nicht so ist, hieß es, dass ich dann andere Krankenhäuser abtelefonieren müsse. Aber ganz ehrlich: in so einer Situation kann ich mir nicht vorstellen, Krankenhäuser abzutelefonieren. Ich habe schon überlegt, ob ich nicht eine Hausgeburt mache oder ins Geburtshaus gehe. Aber letztere sind auch voll. Ich stehe jetzt so kurz – also drei Wochen - vor der Geburt und habe keinen Plan, wo mein Kind zur Welt kommen soll.

Vielen Dank für das Gespräch.

 

Das Interview führte Sabine Prieß, rbb|24

Sendung: Abendschau, 06.10.2021, 19:30 Uhr

26 Kommentare

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  1. 26.

    Ich lag vor zwei Jahren auf der Gastro mit einer Herzkrankheit weil keine Betten frei waren in der Kardiologie und neben mir eine zukünftige Mutter in den Wehen.... also alles schick. Die Fachärzte kommen...

  2. 25.

    Gastro, na klar. Als wenn die von Geburten Ahnung haben.
    Und als ob eine Gebärende auf irgendeine Station verfrachtet wird ....

  3. 24.

    Doch der hilft....dann wird solange weiter gefahren bis ein Krankenhaus gefunden wird, wo eine Station frei ist, und wenn es die Gastro ist, Die Geburt im Krankenwagen ist immer noch sicherer als irgendwo im Nirvana.

  4. 23.

    Ziemlich irre das Ganze, denn wollten Herr Spahn und sein Mann nicht ein Kind adoptieren?
    Aber stimmt, er muss es ja nicht austragen und/ oder gebähren...wozu braucht er da eine Entbindungsstation?

  5. 22.

    Wenn die Entbindungsstation voll ist, hilft auch kein Krankenwagen. Dann können Sie auch schon mal abgewiesen werden.
    Alles schon passiert, denn im Normalfall ist eine Geburt keine lebensgefährliche Situation.
    https://www-berliner--zeitung-de.cdn.ampproject.org/v/s/www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/ueberlastete-kreisssaele-keine-moechte-an-dem-tag-da-sein-wenn-jemand-stirbt-li.187153.amp?amp_gsa=1&amp_js_v=a6&usqp=mq331AQIKAGwASCAAgM%3D#amp_tf=Von%20%251%24s&aoh=16336640189755&csi=0&referrer=https%3A%2F%2Fwww.google.com&ampshare=https%3A%2F%2Fwww.berliner-zeitung.de%2Fmensch-metropole%2Fueberlastete-kreisssaele-keine-moechte-an-dem-tag-da-sein-wenn-jemand-stirbt-li.187153

  6. 21.

    Im Berlin scheint sogar die Geburt eines Kindes im Krankenhaus ein Problem zu sein.

    In anderen Bundesländern ist es einfach geregelt, und zwar wenn es soweit ist fährt man einfach in`s Krankenhaus seiner Wahl, ohne vorherige Termin - Vergabe, weil diese unsinnig ist. Es ist allgemein bekannt dass die Babys kommen wann sie wollen, und äußerst selten am festgehaltenen Geburtstermin. Außerdem, in der Klinik bleibt man er nur 2-3 Tage.

  7. 20.

    Einfach mal entspannen!

    Wunschkrankenhaus ist ja gut und schön, es nicht zu bekommen ein echtes Luxusproblem! Derrerlei haben wir in Deutschland eigentlich viel zu viel. (Ich erinnere mich daran wie ich kurz maulte, dass ich nun erstmal eine neue Spülmaschine aussuchen musste, weil die alte kaputt ging, und ich so den Kauf des neuen Bootsmotors verschieben musste....)

    Hausgeburten darf man nicht mehr, schade. Wenn die Blase schon im Taxi springt, nehmen die einen bestimmt auf bei der Rettungsstelle. Aber mit 112 hat man zusätzlich wirklich Vorfahrt. Wenn das Kind kommen will, ist es doch egal wo! Wie man immer sagt: "Hauptsache gesund!"

    Alles Gute!

  8. 19.

    Ludwigsfelde kann ich sehr empfehlen! Wir hatten das selbe Problem vor drei Jahren bei unserem Nachwuchs. Lugwigsfelde hatte mehr als genug Kapazität als wir am Sylvesterabend hin fuhren. Und aus Tempelhof waren wir bereits nach 25 Minuten dort.

  9. 18.

    Was soll mir Ihr Kommentar jetzt sagen?
    Passt irgendwie nicht zu meiner Frage bzw. dem Vorschlag auf den sich meine Frage bezieht oder?

  10. 17.

    Im Normalfall mögen sie ja recht haben, im Notfall eher nicht, da interessiert auch kein Recht auf Selbstbestimmte Geburt. Ach ja, sie wollen ja Hebamme sein.

  11. 16.

    ...das ich nicht lache... Sanitäter entbinden die Mutter...
    Von welchem Pferd sind sie runtergefallen?
    Eine Geburt ist ein einmaliges,prägendes Ereignis für Mutter und Kind!!!!
    Es ist nicht egal,wie wir geboren werden... jede Frau sollte das Recht auf eine selbstbestimmte Geburt haben.
    Ich bin seit über 30 Jahren Hebamme, ich weiss genau,wovon ich rede. (und trage keine lila Latzhosen,übrigens)

  12. 13.

    Das schlimmste ist ja, dass die Hormone die Frauen ziemlich"dumm" machen und nur noch der Säugemodus zählt. Frau malt sich alles super cosy aus, in sanften Farben und leisen Tönen.. und das Leben ist das, was passiert, während du eifrig andere Pläne machst.

    Der RTW ist immer eine sichere Methode mit eingebauter Vorfahrt, in ein KH zu kommen, wo man angenommen wird. Vergesst Taxen!! Soll das Kind Würfelfunk mit Vornamen heißen, weil's im Stau in der Taxe kam?? Und dann noch diverse KH anfahren und abgewiesen werden? Bitte nicht!

    Wer noch nix fest hat, muss gerade flexibel UND sicher sein. 112, die kommen. Eher als das Kind...

  13. 11.

    Ich glaube nicht, dass die für dieses Bild fotografierte Frau, die der Veröffentlichung zugestimmt hat, ein Problem damit hat. Eine Frau kurz vor der Entbindung sieht halt so aus. Eine ganz natürliche Sache. Aber darum geht es hier nicht. Sondern darum, dass es nicht möglich ist, sich im Krankenhaus der Wahl für die Entbindung anzumelden. Das ist nämlich das eigentliche Problem.

  14. 10.

    Na wenn das mal keine "Sorgen" sind ;-). Bei den hippen Müttern heutezutage muss es im Wunschkrankenhaus geschehen...auch, wenn man i.d.R. nach 2-3 Tagen wieder nach Hause fährt. Wenn die Fruchtblase platzt und die Wehen anfangen, gehe ich jede Wette ein, ist DAS egal. Wie einige Vorredner/Vorrednerinnen bereits sagten: 112, die Sanitäter entbinden die werdende Mutter entweder zu Hause oder finden einen freien Platz. Abgewiesen wird im Notfall niemand. Alles Gute der werdenden Mutter.

  15. 9.

    Was für ein "Gejammere".....wenn die Wehen einsetzen oder die Fruchtblase geplatzt ist, den Notruf 112 anwählen. Und schon bekommt man die beste Versorgung. Ist bei Entbindungen so.

  16. 8.

    Jens Spahn sagte, er will 70% der Krankenhäuser reduzieren. Es ist von der Politik vorgesehen, dass jemand 60 Kilometer zum nächsten Krankenhaus fahren muss.

  17. 7.

    Wozu wird für diesen Artikel ein nackter Frauenbauch benötigt? Auch das Foto einer bekleideten schwangeren Frau wäre ausreichend aussagekräftig.

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