Judenfeindlicher Angriff - 29-jähriger Israeli am S-Bahnhof Nöldnerplatz mit Reizgas attackiert

S-Bahnhof Nöldnerplatz in Berlin (Quelle: dpa/Paul Zinken)
Video: rbb|24 | 09.10.2021 | Material: Abendschau | Bild: dpa/Paul Zinken

Ein aus Israel stammender 29-Jähriger wird am Freitagabend in Berlin-Lichtenberg mit Reizgas angegriffen und zu Boden gestoßen. Der Staatsschutz ermittelt. Antisemitismus vergifte gesellschaftliches Klima, kritisiert die Deutsch-Israelische Gesellschaft.

Unbekannte haben einen ehemaligen israelischen Soldaten in Berlin-Rummelsburg mit Reizgas angegriffen. Wie die Polizei am Samstag mitteilte, trug der 29-Jährige bei dem Vorfall am Freitagabend einen Pullover mit dem Zeichen der israelischen Verteidigungsstreitkräfte. Laut der Berliner Polizei ist der Angegriffene jüdischen Glaubens und hat als israelischer Staatsbürger seinen Wehrdienst bei der Armee geleistet.

Wie ein Polizeisprecher am Samstag dem rbb sagte, sei der Mann im Bezirk Lichtenberg unterwegs zum S-Bahnhof Nöldnerplatz gewesen. Auf dem Vorplatz sei er von einem Unbekannten auf seinen Glauben angesprochen worden. "Als er sich dem Sprecher zuwandte und nach ihm schaute, sprühte ihm jemand Reizgas ins Gesicht, sodass er nur noch wenig bis gar nichts mehr sah und stieß ihn zu Boden", sagte der Sprecher. Das Opfer habe in einem nahegelegenen Geschäft Hilfe bekommen und die Polizei gerufen. Ebenfalls alarmierte Rettungssanitäter versorgten den Mann und spülten ihm die Augen aus.

Der 29-Jährige konnte den Angaben zufolge nicht feststellen, ob es sich um einen Einzeltäter oder mehrere Menschen handelte. Der oder die Täter flüchteten. Der Polizeiliche Staatsschutz, zuständig für politisch motivierte Kriminalität, hat die Ermittlungen wegen mutmaßlich politisch motivierter gefährlicher Körperverletzung übernommen, sagte der Polizeisprecher dem rbb.

"Täter fühlen sich durch Verharmlosung bestärkt"

Der Antisemitismus-Beauftragte des Landes Berlin, Samuel Salzborn, teilte dazu am Samstag mit: "In den letzten Wochen erleben wir ein gesellschaftliches Klima, in dem Antisemitismus immer wieder verharmlost und verleugnet wird." In einem solchen Klima fühlten sich antisemitische Gewalttäter bestärkt, ihrem Denken antisemitische Taten wie am Freitag folgen zu lassen. "Man muss diesen Zusammenhang begreifen: Wer Antisemitismus verharmlost, stärkt, ob gewollt oder nicht, objektiv ein Klima des Hasses, des antisemitischen Hasses auf Juden und auf Israel."

Deutsch-Israelische Gesellschaft: "Hat in unserer Gesellschaft keinen Platz"

Der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Uwe Becker, verurteilte den Angriff auf den ehemaligen israelischen Soldaten. "Vom Davidstern im Leipziger Hotel bis zum Symbol der israelischen Verteidigungskräfte in Berlin führt ein gefährlicher Weg", teilte er am Samstag in Berlin mit. "Wen jüdische Symbole oder auch Symbole des Staates Israel und seiner Institutionen zu antisemitischen Handlungen bringen, der hat in unserer Gesellschaft keinen Platz."

Der Vorfall zeige, wie sehr der israelbezogene Antisemitismus das gesellschaftliche Klima vergifte. Becker forderte, sich noch stärker mit dem israelbezogenen Antisemitismus befassen. "Präventiv muss schon in der Schule Kindern und Jugendlichen ein objektives Israelbild vermittelt werden, müssen Austausch und Begegnung gefördert werden", sagte er.

Sendung: Inforadio, 09.10.2021, 11:40 Uhr

Nächster Artikel