Fragen und Antworten | Atemwegserkrankung bei Kindern - Was es mit dem RS-Virus auf sich hat

Symbolbild: Ein Kind mit Fieber nach der Fiebermessung liegt im Bett. (Quelle: dpa/A. Warnecke)
Bild: dpa/A. Warnecke

Ein Krankheitserreger macht Berichten zufolge unter Kindern die Runde: das RS-Virus. Das kommt zwar tatsächlich häufiger vor als sonst, ist aber nur für wenige Kinder gefährlich. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Laufende Nase, Husten und Fieber: Auffallend viele Kinder machen seit einigen Wochen Atemwegsinfekte durch, die eigentlich erst in den Wintermonaten zu erwarten wären. Betroffen seien vor allem unter Sechsjährige, sagte Jakob Maske, Sprecher des Bundesverbandes der Kinder- und Jugendärzte, der Deutschen Presse-Agentur Anfang Oktober. Aufgrund von Kita-Schließungen und anderen Corona-Maßnahmen im vergangenen Winter und Frühjahr seien sie bisher nicht in Kontakt mit bestimmten Erregern gekommen. "Die Infekte werden jetzt nachgeholt." Das Robert-Koch-Institut (RKI) berichtet in diesem Zusammenhang auch von einem starken Anstieg der Krankenhaus-Einweisungen wegen Infektionen mit dem Respiratorischen Synzytial-Virus (RSV) bei Kleinkindern.

Was ist das RS-Virus?

Es handelt sich um das Respiratorische Synzytial-Virus (abgekürzt RSV oder RS-Virus). Das RS-Virus ist eigentlich ein normales Erkältungsvirus, der manchmal etwas mehr Symptome mit sich bringt als ähnliche Erkältungsviren.

Ist das RSV neu?

Nein. Das RS-Virus ist eine typische Winterkrankheit. Bei Säuglingen und Kleinkindern ist RSV die häufigste Ursache von Erkrankungen der unteren Atemwege. Bis zum Ende des zweiten Lebensjahres war nahezu jedes Kind einmal mit RSV infiziert, so das RKI.

Warum jetzt?

Während des Lockdowns und der Hygienemaßnahmen gab es deutlich weniger Infekte. Die Viren sind aber nicht verschwunden, sondern breiten sich jetzt vermehrt wieder aus, vor allem in Kitas. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) meldet seit dem Sommer einen Anstieg der Infektionszahlen, damit grassiert das Virus früher als in den vergangenen Jahren. Größere RSV-Ausbrüche unter Kindern wurden bereits im Mai aus Israel und in den Sommermonaten in den USA, Australien und Japan gemeldet.

Welche Symptome löst es aus?

Es ist ein Infekt der oberen Luftwege. Insbesondere bei Kindern unter drei Jahren kann eine Infektion zu ausgeprägten Erkältungssymptomen führen. Schnupfen, Husten oder Halsschmerzen und Fieber gehören zu den Leitsymptomen. Meistens geht die Erkrankung mit einer Körpertemperatur von mehr als 38 Grad einher. Atemschwierigkeiten und Probleme bei der Nahrungsaufnahme sind weitere mögliche Symptome.

Wie unterscheiden sich die Symptome des RS- von denen des Coronavirus?

Gar nicht. Eine RS-Virus-Erkrankung von anderen viralen Erkrankungen der Atemwege zu unterscheiden, ist - genau wie bei Corona - nicht einfach. RS-Viren ähneln in Saisonalität und Symptomatik der Influenza. Gewissheit bringt nur ein Test.

Für wen ist das Virus gefährlich?

RS-Viren sind für größere Kinder, Jugendliche und Erwachsene kaum gefährlich. Oft verläuft der Infekt bei ihnen sogar symptomlos. Gefährlich kann dieser Infekt der oberen Luftwege insbesondere für Frühgeborene sowie vorerkrankte Kinder im ersten Lebensjahr werden. Je jünger die Kinder, desto eher kann der Verlauf eine schwere Form annehmen. Gerade bei Kindern unter drei Monaten kann sich mitunter eine spastische Bronchitis entwickeln. Auch eine Lungenentzündung kann die Folge einer Infektion mit dem RS-Virus sein.

Ist das Virus auch in unserer Region schon angekommen?

Einen Zahlenüberblick für Berlin konnte bisher keine Krankenkasse und auch die Kassenärztliche Vereinigung nicht liefern, auch der Kassenärztlichen Vereinigung liegen nach eigenen Angaben keine aktuellen Zahlen vor.

Auf Anfrage von rbb|24 teilte das Evangelische Waldkrankenhaus in Spandau mit, es hätte im September 2021 dort 31 Einlieferungen von Kindern mit "Krankheiten des Atmungssystems" gegeben, 11 davon seien vom RS-Virus betroffen. Zum Vergleich: im Vor-Corona-Jahr 2019 waren im September 17 Kinder mit Atemwegserkrankungen dort, keines davon hatte eine RS-Infektion. Tobias Tenenbaum, Präsident der DGPI und Chef-Pädiater im Sana-Klinikum Lichtenberg in Berlin, sagte Anfang Oktober in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" [faz.net], seit dem Sommer zeige sich ein stetiger Anstieg der RSV-Zahlen in den Krankenhäusern. "Solche Zahlen sehen wir sonst nur im Dezember", so Tenenbaum.

Solche Zahlen sehen wir sonst nur im Dezember

Tobias Tenenbaum, Präsident der DGPI und Chef-Pädiater im Sana Klinikum Lichtenberg in Berlin

Wie viele Kinder sind bislang betroffen?

Konkrete Zahlen gibt es nicht, denn RSV-Infektionen sind nicht meldepflichtig. Über das Labornetzwerk der virologischen Labore werden jedoch RSV- und andere Infektionen kontinuierlich erfasst. Seit dem Sommer steigen hier die Zahlen - wobei es normalerweise im Sommer sonst kaum RS-Infektionen gab.

Laut RKI wurden in den Jahren vor der Corona im Monat September rund 60 bis 70 Ein- bis Vierjährige wöchentlich mit schweren Atemwegsinfekten in Kliniken eingewiesen. In diesem Jahr seien es doppelt so viele, berichtete der "Spiegel" [spiegel.de]. Das RKI rechnet mit einem weiteren Anstieg.

Einer in der Fachzeitschrift "The Lancet" 2017 veröffentlichten Schätzung nach werden weltweit jährlich 3,2 Millionen Kinder wegen RSV im Krankenhaus behandelt, 118.200 sterben daran.

Wie wird das Virus übertragen?

Die Ansteckung ist nur von Mensch zu Mensch möglich. Sie erfolgt in erster Linie durch Tröpfcheninfektion. Mediziner gehen außerdem davon aus, dass die Übertragung auch über kontaminierte Hände, Gegenstände oder Oberflächen möglich ist. RSV bleibt im Sekret aus den Atemwegen rund 20 Minuten auf Händen infektiös, 45 Minuten auf Papierhandtüchern und Baumwollkitteln und bis zu mehreren Stunden auf Kunststoff-Oberflächen. Jugendliche und Erwachsene spielen als asymptomatische oder symptomarme Überträger eine Rolle.

Die Zeit zwischen der Ansteckung und dem Ausbruch der Krankheit (Inkubationszeit) beträgt zwei bis acht, im Durchschnitt fünf Tage. Bereits einen Tag nach der Infektion und noch vor Beginn der ersten Beschwerden können Betroffene Viren ausscheiden und Personen anstecken. Infizierte mit gesundem Immunsystem sind in der Regel bis zu acht Tage ansteckend. Bei Früh- und Neugeborenen sowie Patienten mit geschwächtem oder unterdrücktem Immunsystem kann sich diese Zeit allerdings auch über mehrere Wochen hinziehen.

Wie wird das Virus nachgewiesen?

Ob es sich um eine Infektion mit dem Respiratorischen Syncytial-Virus handelt, kann vom Arzt mittels PCR- oder Antigen-Schnelltest festgestellt werden. In einem Abstrich vom Nasenrachensekret Infizierter lassen sich im Labor die RS-Viren nachweisen. Ein Antikörper-Nachweis mithilfe einer Blutuntersuchung ist nur selten möglich, da der Körper nur wenige Antikörper gegen das RS-Virus bildet. Die durchgemachte Infektion bietet daher auch keinen langfristigen Schutz vor einer erneuten Ansteckung.

Wie therapiert man Erkrankte?

Die Therapie besteht vor allem in der Bekämpfung der Symptome. Nasentropfen können das Atmen erleichtern, Hustensäfte das Halskratzen lindern und das Abhusten erleichtern, Fiebersenkende Mittel regulieren die Temperatur. In der Regel klingt die Infektion von selbst wieder ab. Kinder, die zur Risikogruppe gehören, können prophylaktisch mit einer Antikörper-Therapie behandelt werden.

Gibt es eine Aktiv-Impfung?

Nein, es gibt keinen Impfstoff zur aktiven Immunisierung. Für Kinder mit Risikofaktoren gibt es aber eine passive Impfung. Sie enthält fertige Antikörper gegen das RS-Virus.

Warum ist es wichtig zu wissen, ob das RS-Virus grassiert?

Zu wissen, ob RSV grassiert, kann Leben retten. Kinderstationen können sich vorbereiten und Betten freihalten. Außerdem können Kinder, die zur Risikogruppe gehören – etwa Frühgeborene mit Lungenschäden oder Babys mit angeborenen schweren Herzfehlern – prophylaktisch mit Antikörpern (Palivizumab) versorgt werden. Diese verhindern zwar nicht, dass sich die Kinder anstecken, sie müssen jedoch seltener stationär behandelt werden.

Sendung: Abendschau, 04.10.2021, 19:30 Uhr

10 Kommentare

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  1. 10.

    Wenn man sich auch nur ein bißchen informierte, könnte man nach 1,5 Jahren Pandemie wissen, dass COVID-19 keine reiner "Atemwegsinfekt" ist.

    Covid-19 ist eine multisystemische Gefäßerkrankung und inzwischen wurde nachgewiesen, dass entscheidende Biomarker für Gefäß- und Nierenschäden auch bei Kindern nach einer Covid-Erkrankung deutlich erhöht sind. Außerdem wurden per PET entzündliche Veränderungen im Gehirn von Kindern nach Covid-Erkrankung nachgewiesen.

    Aufgrund der Neuartigkeit des Virus gibt es generell noch keine Datenlage zu ernsten Langzeitfolgen (= nach 5-20 Jahren), die bei vielen anderen Viren mit milden oder sogar asymptomatischen Primärinfektionen auftreten und bei diesen z.T. erst nach Jahrzehnten erkannt wurden, da die Forschung den Zusammenhang erst dann herstellen konnte (die immer tödliche SPSS nach Masern etwa, Krebserkrankungen nach HPV, CFS nach EBV,... etc pp).

    Wie man da fröhlich imer weiter verharmlosen kann, erschließt sich mir nicht.

  2. 9.

    Der >Prenzlauer< ist nun mal ein Querdenker und er wird es auch bleiben. Seine Art und Weise, sich hier zu verschiedensten Themen zu artikulieren, lässt auch andere Vermutungen zu.

  3. 8.

    Die Fragen, die "Prenzlauer" stellt sind hinreichend beantwortet. Also weshalb stellt er sie hier? Der Schreibstil von ihm lässt genau das Corona-Leugner-Denken vermuten. Und was bitte hat die Regierung damit zu tun? Und wofür soll sie denn "verantwortlich " sein?

  4. 7.

    Was ist denn an den gestellten Fragen von Prenzlauer „realitätsfern“? Natürlich hat die Isolation der Kinder durch die ganzen Maßnahmen Auswirkungen auf die Entwicklung des Immunsystems! Dazu braucht man kein Virologe zu sein. Auch Experten haben sich dazu schon hinreichend in den Medien geäußert. Einfach mal nachlesen bevor Sie andere Meinungen in den Kommentarspalten für unangebracht einschätzen.

  5. 6.

    Danke RBB für den Service!

  6. 5.

    Traurig, dass solche pseudokritischen "Nachfragen" aus der Covid-Leugner-Ecke noch immer in Kommentarspalten Platz finden. Das ist kein Ausdruck von Sorgen oder mangelndem Wissen, das ist einfach nur Unfug. Diese Fragen sind dermaßen realitätsfern, wenn nicht gar völlig absurd, dass eine ernsthafte Beschäftigung damit und ggf. Beantwortung gar nicht möglich ist.

  7. 4.

    Der erste Teil Ihres Kommentars ist so nicht ganz korrekt (Grüße von einer Kinder-ITS), der zweite Teil steht bereits im Artikel (sie haben nur den Handelsnamen verwendet statt der Wirkstoffbezeichnung).

  8. 3.

    Der RSV ist nur für Frühgeborene und Kinder mit angeborenen Herzfehler gefährlich und für die gibt es eine Impfung: Synagis

  9. 2.

    Komisch: der Artikel handelt vom RS-Virus und nicht von Corona. Sind verschiedene Viren. Sind sie Virologe?

  10. 1.

    Komisch:
    Im Gegensatz zu Corona werden diese Atemwegs-Infekte nun verharmlost.
    Sind diese für Kinder gefährlicher als Corona???
    Siehe Anzahl Tote.
    Was hatten Masken und damit verbundene fehlende Immunisierungsprozesse für Folgen bei Kindern???
    Was passiert mit Kinder-Immunsystemen, wenn wir einen 2. Masken-Winter bekommen???
    Wann äußert sich mal die verantwortliche Regierung dazu???

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