Forderungskatalog - Klimawende hängt für BUND an neuer Koalition in Berlin

Sa 30.10.21 | 17:10 Uhr
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Archivbild: Rauchende Schornsteine des Heizkraftwerks Berlin-Mitte i März 2018 (Bild: imago images/Sabine Brose)
Audio: rbbKultur | 29.10.21 | Anne Herrberg | Bild: imago images/Sabine Brose

Der BUND hat für den künftigen Berliner Senat eine lange Forderungsliste für eine "grüne Stadt" - zum Beispiel sollen keine weiteren Flächen für Neubau verbraucht werden. Währenddessen warnt ein Potsdamer Forscher vor irreparablen Klimaschäden.

Der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) fordert von einer neuen Koalition im Berliner Senat Weichenstellungen für konsequenten Klimaschutz. Ob die Klimaschutzziele noch erreicht werden und das "grüne Erbe der Stadt" gesichert werden könne, zeige sich in der kommenden Legislaturperiode, heißt es in einem Forderungspapier, das dem rbb vorliegt.

Um eine "katastrophale globale Klimaentwicklung" zu verhindern, müsse Berlin bereits im Jahr 2035 klimaneutral sein. Für einen neuen Senat sei das die zentrale Aufgabe. Der BUND spricht sich dafür aus, in Berlin ein "Klimakabinett" zu bilden und in den Bezirken "Klimateams" bei den Bezirksbürgermeistern anzusiedeln.

BUND will quasi Abschaffung von Flächenverbrauch bei Neubauten

Um Energieverbrauch und CO2-Ausstoß im Wärmesektor drastisch zu reduzieren, müssten deutlich mehr Gebäude saniert und gedämmt werden. Nach Berechnungen des BUND ist es erforderlich, die Sanierungsrate der öffentlichen und privaten Gebäude schrittweise von 0,8 auf 3 Prozent im Jahr zu steigern. Eine verstärkte Nutzung von fossilem Erdgas sei hingegen keine Lösung.

Politische Sprengkraft enthält die BUND-Forderung, den Flächenverbrauch bis spätestens 2030 auf Null zu reduzieren. Statt den Bau neuer Quartiere auf Grünland zu forcieren, müsse das Potential im Gebäudebestand genutzt werden. Als Beispiel führt der BUND den Dachgeschossausbau und die Überbauung von Parkplätzen und Discountern an.

100 Euro pro Jahr für jeden Berliner Baum?

Mehr Geld sei auch für die hitzegeplagten Berliner Stadtbäume nötig. Das Budget müsse auf 80 bis 100 Euro pro Baum und Jahr erhöht werden. Die Mittel müssten zudem zweckgebunden an die Bezirke überwiesen werden.

Der BUND fordert zudem, Rad- und Fußwege weiter auszubauen und ausreichend Geld für den ÖPNV bereitzustellen. Die schon seit 2016 angekündigten neuen Straßenbahnlinien müssten zügig realisiert werden. Ein Ausbau der U-Bahn sei hingegen "bis auf Lückenschlüsse wie zum Mexikoplatz" weder klimapolitisch noch finanziell sinnvoll. Eine Verlängerung der U7 zum Flughafen BER scheide schon allein deshalb aus, weil mehr Luftverkehr dem Klimaschutz zuwiderlaufe.

60.000 Parkplätze sollen gestrichen werden - pro Jahr

Aus diesem Grund sei auch ein weiterer Ausbau des Straßennetzes kontraproduktiv. Die Verlängerung der Stadtautobahn A 100 nach Friedrichshain, die Tangentialverbindung Ost, die Ortsumfahrung Malchow und die Nordtangente Köpenick dürften daher nicht gebaut werden. Insbesondere für die der Innenstadt fordert der BUND einen Paradigmenwechsel: Dem Autoverkehr müssten die durch ihn entstehenden Kosten angelastet werden. Konkret spricht sich der Verband dafür aus, die Parkgebühren zu erhöhen und bis zu 60 000 Parkplätze pro Jahr wegfallen zu lassen.

Der Flughafen BER dürfe aus Gründen des Klimaschutzes nicht weiter ausgebaut werden. Zwischen 22 Uhr abends und 6 Uhr morgens verlangt der BUND zudem ein konsequentes Nachtflugverbot.

PIK-Direktor warnt vor irreparablen Schäden

Währenddessen warnt der Potsdamer Klimaforscher Ottmar Edenhofer hat vor einer drastischeren Erderwärmung als bislang befürchtet. "Die Emissionen steigen weiter jedes Jahr - und zwar dramatisch", sagte der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) der "Neuen Osnabrücker Zeitung" [Bezahlschranke] mit Blick auf den Start der UN-Klimakonferenz in Glasgow. Die aktuelle Gaspreis-Krise beschere der Kohle ein unheilvolles Comeback. "Wir steuern nicht auf 2,7 Grad zu, sondern auf vier Grad, und damit auf eine nicht mehr zu beherrschende Erderwärmung", sagte Edenhofer.

2,7-Grad-Prgonose laut Edenhofer fraglich

Das UN-Klimasekretariat prognostiziert derzeit eine Erwärmung der Erde um 2,7 Grad bis zum Ende des Jahrhunderts. Edenhofer sagte, diese Prognose sei fraglich, denn bei 2,7 Grad bleibe es nur, wenn alle Länder ihre freiwilligen Verpflichtungen einhielten. "Danach sieht es gerade aber überhaupt nicht aus."

Auf dem Pariser Klimagipfel vor sechs Jahren hatte sich die Staatengemeinschaft das Ziel gesetzt, die Erderwärmung auf möglichst 1,5 Grad zu begrenzen. Der Klimaforscher forderte einen globalen Kohleausstieg, um dieses Ziel noch zu erreichen.

Der UN-Klimagipfel im schottischen Glasgow beginnt am Sonntag. Zwei Wochen lang werden Delegierte aus mehr als 190 Ländern über die weitere Umsetzung des Pariser Klimaabkommens beraten, das die Erderwärmung auf möglichst 1,5 Grad begrenzen soll.

Sendung: Inforadio 01.11.21, 7:05 Uhr

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53 Kommentare

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  1. 53.

    Die deutschen Konzerne sind mittlerweile in Bezug auf die BEV aufgewacht und wissen, dass die das kleinere Übel sind. Nur hat noch nicht jeder verstanden, dass Deutschland beim Klimaschutz auch eine Vorbildfunktion hat. Die Grünen in Berlin haben dabei bei der Verkehrswende versagt.

  2. 52.

    NRW war nur der Anfang? Für was? Sturmflut Hamburg 1962....nur da hat noch keiner vom Klimagedöns gesprochen. Wenn der Mensch den Flüssen seinen ursprünglichen Lauf lassen würde und nicht alles bebaut würden das Wasser weniger Schaden anrichten.

  3. 51.

    "Unsere ÖkoTerror-Verbände stellen Forderungen ohne Ende, hier: Bund.
    Mir stellt sich die Frage, warum der BUND sich nicht nicht zur Partei umorganisiert und mal erklärt, wie man 83 Millionen Menschen ernährt".

    Wie man sieht können Bezindämpfe schwerste Schäden verursachen. Die eigentlichen Terroristen sind die Autofanatiker hier, die anderen ihren Egoismus aufzwingen wollen.

    "Nach der Grünen Wahlniederlage ist schon dreist und undemokratisch wie einige sich über die Wünsche der Wähler hinwegsetzen wollen".

    Weder haben die Grünen eine Wahlniederlage erlitten, noch wird sich über den Wählerwillen hinweg gesetzt. Das Gegenteil ist der Fall, dafür wurden die Grünen gewählt.

    Aber wie gesagt, was Benzindämpfe so alles anrichten können.

  4. 50.

    BUND fordert ? Wer hat den B U N D zum Stellvertreter der "Berlin bewohnenden Menschen" erwählt ? Woher nimmt B U N D seine Wassersuppe ?
    Berlin braucht keine unverantwortliche außerparlamentarische Zweit-Regierung

  5. 49.

    Nein, es ist aber an der Zeit dass diese Leute an den Kosten beteiligt werden die sie verursachen. Warum soll die Mehrheit der Minderheit Parkplätze, Autobahnen usw. finanzieren?

    Außerdem muß der Verkehrsraum gerecht aufgeteilt werden, die Zeiten der einseitigen Bevorzugung sind vorbei.

  6. 48.

    Der BUND und die Grünen. Deutschland hat einen Co2-Anteil von 2 Prozent. In der Landwirtschaft wird wegen des irrsinnigen Glyphosat-Verbots der Grünen und des Bio-Anbaus sogar noch steigen. - BUND schweigt - Der Rest der Welt pfeift an den deutschen Weg. Vor dem Hintergrund wäre es wichtig sich gehen die Auswirkungen zu wappnen. - BUND schweigt - Die Bebauung der Klimaschneisen am Alex und in Potsdam am Hauptbahnhof zeigen jedem wie gleichgültig den Grünen das Pariser-Abkommen ist. - BUND schweigt - Es ist eben unabdingbar sich gegen die Folgen aufzustellen, aber lieber wird an unnützen und treuen Prestige-Projekten wie den E-Autos gebastelt. - BUND schweigt - Welche nebenbei noch die deutsche Autoindustrie kaputt machen.

  7. 47.

    Ihnen kann man es auch nicht recht machen. Sie meinen also jeder in der Uckermark hat ein Auto?

  8. 46.

    Dann erklären sie mir bitte, wieso man sich auf dem G20 Gipfel nicht auf Klimafragen einigen kann!! Wieso nicht? Diesen Aufwand den die dort betreiben, hätte man auch digital abhalten können. Aber der kleinste soll erstmal auf sein Auto verzichten.

  9. 44.

    Nicht nur der BUND hat diese Forderungsphilosophie, auch der NABU, dessen Logo ein Storch ist.Ob die schon mal einen toten Storch, den ein Windradflügel zerschmettert hat, gesehen haben? Ich schicke gerne entsprechende Fotos.

  10. 43.

    Weil man in der Uckermark aufs Auto angewiesen ist, aber in der Großstadt nicht?

  11. 42.

    Ich habe lediglich auf die Aussage "Es hat fast jeder ein Auto, das man in Notsituationen einfach braucht!" geantwortet.

  12. 41.

    Total sinnlos, was der BUND da zum Thema ablässt!
    Die Klimawende hängt überhaupt nicht "an neuer Koalition in Berlin", sondern an den Regierungen in anderen Ländern wie China, Russland oder Indien!
    Ob das - im Verhältnis betrachtete kleine - Berlin bis 2040 oder 2080 klimaneutral wird, beeinflusst den Lauf der Klimakrise praktisch nicht!
    Außer einem "moralischen" Anspruch, einem beruhigten Gewissen oder vielleicht einer Vorbildfunktion hat der klimapolitische Status Berlins keinen wirksamen Einfluss auf das Weltklima.

    Es ist nur ideologisch getrieben, wenn wir in Berlin oder Deutschland unter hohen wirtschaftlichen Kosten um die Einsparung jeder Tonne CO2 kämpfen, wenn anderswo in der Welt neue Kohlekraftwerke errichtet werden, um die dortige Wirtschaft zu fördern.

    Warum also demonstrieren der BUND, Fridays for Future und andere nicht vor den Botschaften dieser Länder - oder besser noch IN diesen Ländern und versuchen, die GROßEN Treiber der Klimakrise zum Umdenken zu bewegen?

  13. 40.

    Deutschland hat einen Co2-Anteil von 2 Prozent. In der Landwirtschaft wird wegen des irrsinnigen Glyphosat-Verbots der Grünen und des Bio-Anbaus sogar noch steigen. Der Rest der Welt pfeift an den deutschen Weg. Vor dem Hintergrund wäre es wichtig sich gehen die Auswirkungen zu wappnen. Aber hier versagen die Grünen. Die Bebauung der Klimaschneisen ab Alex und in Potsdam am Hauptbahnhof zeigen jedem wie gleichgültig denen Grünen das Pariser-Abkommen ist. Es ist eben unabdingbar sich gegen die Folgen aufzustellen, aber lieber wird an unnützen und treuen Prestige-Projekten wie den E-Autos gebastelt. Welche nebenbei noch die deutsche Autoindustrie kaputt machen.

  14. 39.

    Brauchen diese E Autos keine Stellplätze ?
    Und dir vielen neuen Fahrräder werden wir fein auf die Gehwege stellen.

  15. 38.

    So mancher Rüdersdorfer versteht ebenso wie Sie nicht, dass ein paar wenige Politiker aus Sicherheitsgründen sich nicht unkontrolliert unter das gemeine Volk mischen dürfen und deshalb auch Sonderschutzfahrzeuge benötigen. Im Übrigen geht es hier um die Berliner Koalitionsverhandlungen. Hier gibt es eh keine Landesminister.

  16. 37.

    "In Berlin haben fast die Hälfte der Haushalte kein Auto. In Mitte wahrscheinlich mehr."

    Aha. Und weil die eine Hälfte kein Auto hat, ist die andere verpflichtet, nachzuziehen und ihres auch abzuschaffen, oder wie soll man das verstehen?

  17. 36.

    Das ausgerechnet sie lieber Tim hier sagen, das da draußen nur verrückte rum rennen, wundert mich ehrlich gesagt schon ein bisschen. Nur was vom einfachen Bürger gefordert wird und wie es uns unsere Politiker vorleben, dieser Unterschied ist für mich nicht mehr nachvollziehbar. Oder halten sie es für angemessen, das unsere Kanzlerkarosse über eine halbe Million kostet? Bin gespannt, ob mein Kommentar durch kommt.

  18. 34.

    Warum wohnen Bürger welche keine Autos und Busse mögen in einer Großstadt und nicht in der Uckermark?

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