Zwei Tage vermisst - Achtjähriger Berlinerin geht es nach der Rettung gut

Mi 13.10.21 | 16:32 Uhr
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Einsatzkräfte mit einem Suchhund stehen auf einem Parkplatz an der deutsch-tschechischen Grenze (Bild: dpa/Armin Weigel)
Bild: dpa/Armin Weigel

Das achtjährige Mädchen, das zwei Tage lang im deutsch-tschechischen Grenzgebiet verschollen war, hat die Strapazen offenbar gut überstanden. Die junge Berlinerin ist äußerlich unverletzt, das Krankenhaus konnte sie inzwischen wieder verlassen.

Die zwei Tage lang im Grenzgebiet von Tschechien vermisste achtjährige Berlinerin ist nach Polizeiangaben in gesundheitlich guter Verfassung. "Es geht ihr eigentlich relativ gut", sagte der Sprecher des Polizeipräsidiums Oberpfalz, Josef Weindl, am Mittwoch.

"Bis auf einen leichten Kratzer am Bein war das Kind unverletzt", sagte Polizeisprecher Florian Beck. Das unterkühlte Mädchen sei langsam wieder aufgewärmt worden. Am Mittwoch in den Mittagsstunden habe Julia das Krankenhaus in Begleitung von Familienangehörigen wieder gesund verlassen können. Am Dienstag war sie in eine Klinik in Deutschland gebracht worden.

Förster: "Sie saß zehn Meter weit weg im hohen Gras"

Nach der Befragung hatte Julia in den zwei Tagen mehrere Kilometer zu Fuß im Wald zurückgelegt. Nachts schlief sie auf einer Wiese in hohem Gras und habe dabei auch Tiere wie Rehe, Füchse und ein Wildschwein gesehen, beschrieb der Polizeisprecher die Schilderung des Kindes. Weil sie sich nachts im Wald fürchtete, habe sie nicht auf sich aufmerksam gemacht. Das Mädchen habe während der zwei Tage nichts gegessen und getrunken, hieß es weiter.

Die Familie lasse ausrichten, dass man überglücklich sei und sich bei allen Helferinnen und Helfern bedanke. Die Familie brauche nun Zeit für sich, sagte der Polizeisprecher weiter. Es werde daher um Beachtung der Privatsphäre gebeten.

Am Dienstagnachmittag hatte der tschechische Förster Martin Semecky das Mädchen gefunden. "Das war ein unglaubliches Gefühl, diese Emotionen kann man gar nicht mit Worten beschreiben", sagte er am Mittwoch. Semecky und seine Kollegen suchten in Absprache mit der Einsatzleitung ein Waldstück ab, das knapp außerhalb des offiziellen Suchradius lag.

Auf einmal hätten sie die kleine Julia vor sich gesehen, erzählte der Förster. "Sie saß etwa zehn Meter weit weg im hohen Gras." Als er ihren Namen gesagt habe, habe das Kind nur mit dem Kopf genickt. Er habe gesagt: "Alles ist gut, super!" Dann wickelte er sie in seine grüne Jacke, alarmierte die Einsatzzentrale. Semecky würdigte nun die Ausdauer des Mädchens in der Natur: "Um das zu schaffen, muss sie sehr geschickt gewesen sein."

Mehr als 1.000 Helfer im Einsatz

Das Mädchen aus Berlin war am späten Sonntagnachmittag beim Wandern im deutsch-tschechischen Grenzgebiet verschwunden. Die Eltern hatten das Mädchen, seinen sechsjährigen Bruder und einen neunjährigen Cousin unterhalb des Berges Cerchov aus den Augen verloren und die Rettungskräfte gerufen. Diese fanden zunächst nur den Bruder und den Cousin.

Die drei Kinder hatten in dem weitläufigen Gebiet gespielt und waren dabei verloren gegangen. Letztlich wurde das Mädchen am Dienstagnachmittag nach einer großen Suchaktion mit weit mehr als 1.000 Helfern in der Nähe des Orts Ceska Kubice gefunden.

Sendung: Abendschau, 13.10.2021, 19:30 Uhr

11 Kommentare

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  1. 11.

    Danke für Ihren Kommentar!
    Ich erinnerte mich an eine Wanderung in der Schweiz, bei der ich damals als Kind irgendwie verloren ging. Nachdem ich an einer von einem Felsvorsprung herabgefallenen und nunmehr toten Kuh vorbeigeirrt war und nach Vater und Bruder rief bzw. schrie, fand ich die beiden nach etwas 20 seehr langen Minuten wieder. Bei tausend anderen Ausflügen und Wanderungen ist nichts dergleichen passiert.

    Als ich viel später dann einmal mit meiner Tochter bei einem Volksfest in einem sehr natürlichen Gelände war, habe ich für ca. 10 Sekunden den Blick von meiner Kleinen gewendet und sie war weg! Was für ein Schock!! Nach wenigen Minuten des Suchens habe ich zum Glück gesehen, dass hinter einer massiven Wand aus Gebüsch ein Kinderkarussell war. Meine Tochter war einfach durch das Gebüsch hindurch gelaufen und saß schon fröhlich auf dem Karussell. :-) Aber was war das für eine Angst, obwohl ich doch immer so gut auf sie aufgepasst hatte!

  2. 10.

    Zitat: "Ich persönlich finde es unmöglich, diese Eltern, die ja nun wirklich den absoluten Albtraum durchgemacht haben, mit selbstgerechter Besserwisserei zu überziehen."

    Wenn dem so wäre, würde ich das auch unerträglich finden; nur kann ich nichts dergleichen aus den Kommentaren herauslesen, Schan". Diese Gegend dort ist offenbar nicht zum Herumtollen und Verstecken spielen für kleine Kinder geeignet, sondern ein wohl durchaus anspruchsvoller Wanderpfad, bei dessen Begehung Obacht angesagt ist.

    Die Eltern werden durch dieses Erlebnis sicher den Schock ihres Lebens erfahren haben; werden sich aber auch selbst reflektieren müssen, was die Vorbereitung und Durchführung dieses Ausflugs betrifft.

  3. 9.

    Ganz einfach, indem die Kinder z. B. immer ein Stückchen vor und dann wieder zurück laufen. Und dann evtl. einmal falsch abgebogen sind. Wir haben das als Kinder auch sehr gern gemacht und nein, wir wurden nicht vernachlässigt von fahrlässig handelnden Eltern. Ich persönlich finde es unmöglich, diese Eltern, die ja nun wirklich den absoluten Albtraum durchgemacht haben, mit selbstgerechter Besserwisserei zu überziehen. Um sich so zu äußern, sollte man fehlerfrei leben. Eltern haben es derzeit auch wirklich nicht leicht. Sie müssen ein Leben zwischen Helikopter- oder Verbachlässigungsverdacht führen.

  4. 8.

    Ich bin, wie wohl alle, sehr froh, dass dem Mädchen nichts Ernstes passiert ist.
    Trotzdem darf man ja wohl fragen: Da war doch mal was in Sachen Aufsichts- und Fürsorgepflicht. Wie können sich drei Kinder in einer gebirgigen und felsigen, unwegsamen Gegend so weit unbemerkt von den Eltern entfernen, dass sich eins davon verirren kann?

  5. 7.

    Mal etwas Erfreuliches in den Nachrichten.
    Alles Gute für Dich, liebe Julia, erhole Dich bald.

  6. 6.

    Da bin ich ganz bei Ihnen. Alles Gute für die Kleine. Als Mutter und Großmutter stellt sich mir aber schon die Frage, wo die Eltern Augen und Ohren hatten. In fremdem Gelände lässt man Kinder doch nicht außer Sichtweite. So haben wir es jedenfalls immer gemacht. Wie schön, dass hier wohl eine große Anzahl von Schutzengeln unterwegs war.

  7. 5.

    Schön, dass am Ende alles doch noch gut gegangen ist und das Mädchen gefunden werden konnte, glücklicherweise ist nichts schlimmeres passiert und die Familie wieder erleichtert vereint!

  8. 4.

    Es hat mich ehrlich berührt, das das kleine Mädchen unversehrt, dank der Hilfe von unzähligen Menschen gefunden wurde. In Zeiten wie diesen braucht es mehr gute Nachrichten!

  9. 3.

    Endlich mal eine gute Nachricht. Ich hoffe daß das Mädchen schnellstmöglichst wieder gesund ist.

  10. 2.

    Sehr schön, dass es der Kleinen wohl verhältnismäßig gut geht. Dass sie trotz des erheblichen Aufwands der betrieben wurde - 1400 Einsatzkräfte, 115 Suchhunde, Wärmebildkameras, Drohnen und Spezialfahrzeuge -, erst nach zwei Tagen von einem tschechischen Förster entdeckt wurde lässt erahnen, wie unwegsam das Gebiet dort sein muss und wie gefährlich die Situation für das Mädchen war.

    Und hierzu muss die Frage erlaubt sein, inwieweit die Eltern auf einen solchen Trip vorbereitet waren. bzw. ob überhaupt eine adäquate Planung vorausgegangen ist. Eine solche Bergwanderung ist kein Ausflug in einen Erlebnispark für abenteuerlustige Großstädter mit drei kleinen Kindern, sondern stellt auch für erfahrene Wanderer eine Herausforderung dar. Hier wurden offenbar grundlegende Regeln missachtet, was auch hätte sehr schlimm ausgehen können. Aber sind wir zunächst mal froh über den einigermaßen glimpflichen Ausgang, alles andere lässt sich später noch klären.

  11. 1.

    Unter all den deprimierenden Nachrichten, ist das doch eine tolle Meldung. Ich hoffe, dass die Kleine das Erlebte auch psychisch gut verkraftet. Ihr und ihrer Familie wünsche ich nur das Beste.

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