Berlin-Gesundbrunnen - Demonstranten halten Mahnwache nach erneutem tödlichen Radunfall

Nach einem tödlichen Verkehrsunfall fand in Berlin eine Mahnwache zum Gedenken an eine 29-Jährige Radfahrerin statt. Quelle: Stephanie Teistler
Bild: Stephanie Teistler/rbb

Nach einem erneuten tödlichen Unfall einer Radfahrerin mit einem Lkw am Freitag war die Anteilnahme am Sonntag groß. Rund Hundert Menschen versammelten sich am Ort des Unglücks in Berlin-Gesundbrunnen zu einer Mahnwache.

Nach dem tödlichen Unfall einer 29-jährigern Radfahrerin in Berlin-Gesundbrunnen haben sich am Sonntagabend Hundert Menschen zu einer Mahnwache am Unfallort versammelt. Nach rbb-Informationen fand auch ein Protestkorso mit Radfahrern von der Mahnwache in der Reinickendorfer Straße zum Bundesverkehrsministerium statt.

Dennis Petri von der Initiative "Changing Cities" äußerte sich auf der Kundgebung bestürzt über den tödlichen Unfall, der sich erst am Freitag ereignete. "Es macht fassungslos, was hier passiert ist. Unser Mitgefühl gilt der Familie und den Zeuginnen und Zeugen des Geschehens", so Petri.

Nach ersten Erkenntnissen der Polizei war die Radfahrerin in der Schönwalder Straße unterwegs und fuhr an der Ecke Reinickendorfer Straße geradeaus in Richtung Fennstraße. Ein links neben ihr fahrender Lastwagen bog dann unvermittelt nach rechts in Richtung Nettelbeckplatz ab. Dabei wurde die Radfahrerin überrollt und schwer verletzt. Trotz der medizinischen Bemühungen eines Notarztes verstarb die junge Frau noch an der Unfallstelle. Der 43-jährige Fahrer des Lkw stand unter Schock, benötigte aber keine medizinische Versorgung.

Aufforderung an die neue Berliner Landesregierung

Er sei froh, dass die Tage von Andreas Scheuer (CSU) als Verkehrsminister bald gezählt seien, sagte Petri. Die Straßen für alle sicher zu machen, sei eine Aufgabe, die die neue Regierungskoalition im Bund erbe. Aber auch die neue Berliner Landesregierung forderte er dazu auf, die Voraussetzungen für Verkehrssicherheit zu schaffen. Als mögliche Maßnahmen nannte Petri etwa eine schnellere und erweiterte Einführung der Abbiegeassistenten-Pflicht, mehr Tempo-30-Zonen und generell die Reduzierung des Kraftverkehrs auf Berlins Straßen.

Petri forderte die neue Berliner Landesregierung auf, ein 100-Tage Programm mit klaren Zielen für die Verkehrssicherheit vorzulegen. Wegen ihrer bisherigen Aussagen zweifle Petri allerdings daran, dass die Forderungen unter Franziska Giffey als neuer Bürgermeisterin umgesetzt würden.

Petri übte außerdem Kritik daran, wie in sozialen Medien auf solche tödlichen Unfälle reagiert werde. "Neben Trauer und Mitgefühl gibt es die, die hämisch kommentieren und ihrem Hass und ihrer Empathielosigkeit freien Lauf lassen. Und dann gibt es, was mich fast noch mehr ärgert, die Besserwisser." Diese Kommentare kämen häufig von Männern, weshalb der Kampf für Mobilitätsgerechtigkeit nicht vom Kampf um Geschlechtergerechtigkeit getrennt werden könne.

Sendung: Abendschau, 03.10.2021, 19:30 Uhr

55 Kommentare

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  1. 55.

    Zitat: "Offensichtlich konnten die Verkehrsteilnehmer nicht geradeaus fahren, sondern nur entweder rechts oder links abbiegen."

    Sie suggerieren hier, offensichtlich ohne Ortskenntnis zu haben, fehlerhaftes Verhalten der Radlerin. Dabei ist die Situation vor Ort so, dass wenn man von der Schönwalder Str. nach links in die Reinickendorfer Str. abbiegen will, zwangsläufig zunächst geradeaus gefahren werden muss. Dies hatte die Radlerin offenbar vor und wurde dann vom in Richtung Nettelbeckplatz rechtsabbiegenden, die Vorfahrt der Radlerin missachtenden LKW-Fahrer überrollt. Punktum, Peter!

  2. 54.

    Ich fahre viel durch "ruhige" Wohnstraßen. Rechts alles zugeparkt, links alles zugeparkt, in der Mitte Platz für ein Kfz. Jedes Mal - ca alle 5 Meter - anhalten, wenn einem eins entgegenkommt, jemand aus- oder einparkt, meistens ohne Beachtung des fließenden Verkehrs und ohne zu blinken...

  3. 53.

    Wir alle sollten sehr vorsichtig mit Schuldzuweisungen sein. Wir kennen nicht das Geschehen kurz vor dem tragischen Unfall. Sind beide zeitgleich nebeneinander an die Einmündung herangefahren oder war einer zuerst da? War die Ampel grün? Wie schnell sind beide gefahren? Hat der LKW geblinkt?
    Offensichtlich konnten die Verkehrsteilnehmer nicht geradeaus fahren, sondern nur entweder rechts oder links abbiegen. Einen Fahrradweg gibt es in der Schönwalder Straße wohl nicht. Auf der Reinickendorfer Straße hat sich die Radfahrerin nicht befunden.
    Ideologische Grabenkämpfe helfen bei dem tragischen Unfall nicht weiter. Es gibt kein schwarz und weis zwischen Menschen mit verschiedenen Fortbewegungsarten.
    Bei aller Tragik kann man aus dem Bericht objektiv betrachtet keine Schuldzuweisung ableiten.
    Mahnen kann man nur zu gegenseitiger Rücksicht und Vorsicht, kein vermeintliches Recht erzwingen.
    Kein Mensch ist fehlerfrei.

  4. 52.

    Zitat: "Schon wieder hat Nichtwissen und Rechthaberei das Leben einer unschuldigen jungen Frau gekostet... was soll denn durch "Geschlechtergerechtigkeit" eine Frauenpower gegen einen 300PS Truck ausrichten???"

    Was, bitte, hat der Radlerin das Leben gekostet - "Nichtwissen und Rechthaberei"?! Die Frau hat ihr Leben ganz offensichtlich aufgrund einer Unachtsamkeit des LKW Fahrers verloren. Ihr Kommentar ist, gelinde gesagt, absolut unverständlich, Haas.

  5. 51.

    Mein tiefes Mitgefühl den Angehörigen der verunglückten Radfahrerin.

    Ich schreibe, ganz bewußt "verunglückt". Da es sich ja "Nach ersten Erkenntnissen der Polizei" handelt.
    Keine Schuldzuweisung in irgendeine Richtung meinerseits!

    Vielleicht sollten sich einige mal an den Moritzplatz stellen und beobachten.
    Das dort alles so glimpflich abgeht, ist mir fast ein Rätsel!

    Heute morgen:
    Autos halten an, um einen Reisebus in den Kreisverkehr zu lassen.
    Ca. 5 Radfahrer "beharren" auf ihr Vorfahrtsrecht und brettern an den Autos vorbei ... einige scheren aus vor dem Bus.
    Gott-sei-Dank war der Busfahrer reaktionsschnell, sonst hätte es eine Katastrophe gegeben.

    Vielleicht einfach mal auf sein Vorfahrtsrecht verzichten, der Gesundheit zu Liebe ...
    Erkläre ich meinen Enkeln immer mal wieder ;-)

  6. 50.

    Mit Verlaub, das ist Quatsch. Wenn ein Radler auf der normalen Fahrbahn fährt, so wird er besser gesehen als auf einem Radweg der vielleicht noch hinter parkenden Autos langführt. Und auch ruhige Wohnstraßen werden vom motorisierten Verkehr gekreuzt. Es hilft nur gegenseitige Rücksichtnahme und das beachten der Regeln.

  7. 49.

    Im Artikel konnte man lesen dass der Lkw Fahrer rechts abbog ohne auf die Radlerin zu achten. Also hätte das von Ihnen geforderte Training nix genutzt-der Lkw Fahrer hat die Regeln missachtet.

  8. 48.

    Zitat: "Die Zeit, die für die Demo verwendet wurde, wäre besser in ein Fahrsicherheitstraining oder eine Schulung zum Verkehrsrecht für Radfahrer investiert worden. . . . "

    Ich versuche mal sachlich zu bleiben, auch wenn's schwer fällt . . .
    Die Zeit, die Sie für diesen Beitrag hier ver(sch)wendet haben, hätten Sie mal lieber in eine kurze Recherche zum Radverkehr in Berlin investieren sollen, Jana. Dann hätten Sie nämlich erfahren, dass in 2020 allein an den 16 offiziellen Radzählstellen mehr als 20 Millionen Räder gezählt wurden. Wenn die meisten derer, wie von Ihnen behauptet, "ohne Sinn und Verstand und ohne Einhaltung jeglicher Regeln" durch die Stadt gebrettert wären, würde die Unfallstatistik, die traurig genug ausfällt, wohl noch etwas anders aussehen . . .

  9. 47.

    Lieber Raphael, sie sollten sich die Mühe machen den Kommentar komplett zu lesen. Der ist nicht pietätlos wie sie es unterstellen. Aber vielleicht haben Sie ja Spaß da dran, dann noch viel Vergnügen damit einen anderen die Schuld zu geben ohne vorher zu warten was das Gericht sagt. Außerdem wenn sie ihn richtig gelesen hätten könnten Sie feststellen dass ich nicht gesagt habe bzw geschrieben habe dass der Lkw-Fahrer unschuldig ist.

  10. 46.

    "Neben Trauer und Mitgefühl gibt es die, die hämisch kommentieren und ihrem Hass und ihrer Empathielosigkeit freien Lauf lassen. Und dann gibt es, was mich fast noch mehr ärgert, die Besserwisser."
    Ja, genau das beschreibt Ihren sinnlosen Post. Die Radfahrerin wurde laut dem Text ohne jeden Verkehrsverstoß vom LKW überfahren, der regelwidrig nicht die Vorfahrt gewährt hat. Ich finde, Menschen wie Sie sollten erst einen Lese-und-Textverständnis-Führerschein machen, bevor sie ihre Meinung posten können. Oder?

  11. 45.

    Fahrradfahrer sollten unbedingt einen Verkehrsregel-Führerschein fürs Fahrrad machen müssen!!!! E-Roller sollten wieder verboten werden in unserer Stadt und warum können LKWs nicht auf Busspuren fahren, um weniger Unfälle zu haben? Busse haben anscheinend keine Zusammenstöße mit Fahrradfahrern.

  12. 43.

    Stehen bleiben ist für LKW-Fahrer beim Abbiegen leider keine Option, da sie schlicht nicht nach rechts unten sehen können, ob jemand kommt. Der Fahrer bräuchte dann schon jemanden, der ihm signalisiert, wieder gefahrlos anfahren zu können. Wichtiger ist, dass LKW-Fahrer sich daran halten, nur in Schrittgeschwindigkeit abbiegen zu dürfen. Das nicht, weil sie dann besser sehen würden sondern damit Radfahrer und Fußgänger die nötige Zeit haben, der Gefahr auszuweichen. Leider verleitet das einige Zeitgenossen aber erst recht dazu, in den Gefahrenbereich hinein zu radeln oder zu laufen, was lebensmüde ist. Es braucht also tatsächlich endlich wieder ein Miteinander von beiden Seiten!
    Dies ist im Übrigen keine Schuldzuweisung für den hiesigen Fall, da wir alle das Verhalten der Beteiligten nicht kennen können. Es ist einfach nur die Bitte, aufeinander zu achten und nicht auf dem Recht zu bestehen, aber auch, die Pflichten im Straßenverkehr tatsächlich zu beachten, um Andere zu schützen.

  13. 42.

    Natürlich haben 70% der Berliner kein Auto, weil in der Familie meist nur ein Auto vorhanden ist. Aber etwas mehr als die Hälfte der Berliner Haushalte besitzt ein Auto und somit hat sogar eine Mehrheit der Berliner regelmäßig Zugriff auf das eigene Fahrzeug zur Nutzung oder Mitnutzung. Dass es nicht mehr sind, liegt vor allem am hohen Anteil von Studenten, die in der Regel (noch) kein eigenes Fahrzeug besitzen. Dagegen besitzt die Mehrheit der Familien ein solches. Unabhängig davon, ob mein ein Auto besitzt, kann man trotzdem Bus, Bahn und Fahrrad im Regelfall nutzen und die Mehrheit tut das auch. Die reine Anzahl an Fahrzeugen sagt also erst mal extrem wenig aus.

  14. 41.

    "Beide Seiten sollten mehr Rücksicht nehmen und nicht immer dem jeweiligen anderen die Schuld geben."
    Wenn jedoch rechtsabbiegende LKW bei "grün" geradeaus fahrende Radfahrer totfahren, hat der LKW Schuld - das ist weder emotional, noch unsachlich, noch rücksichtslos dem LKW-Fahrer gegenüber. Das ist Fakt. Wenn jedoch selbst in diesem Fall von "mehr Rücksicht auf beiden Seiten" etc. kommentiert wird, ist das pietätlos.

  15. 40.

    Ich habe hier gerade in einem Kommentar gelesen, dass 70% der Berliner kein Auto hätten. Wie diese Zahl zustande kommt, erfahren wir hier leider nicht. Musste ich herzlich drüber lachen wenn ich den Verkehr jeden Tag hier auf den Straßen sehe die zu überwiegenden Teil eine Berliner Nummer haben. Was ich sehr traurig finde, ist eigentlich der Fall, das hier zwei Lager entstanden sind und es nicht mehr um den Unfall geht. Ein Teil gibt kurzerhand allen Autofahrern die Schuld und der andere Teil allen Radfahrern. Beide Seiten sollten mehr Rücksicht nehmen und nicht immer dem jeweiligen anderen die Schuld geben.

  16. 39.

    Sie haben nichts verstanden. Es geht nicht um Schuldzuweisungen sondern um die verheerenden Folgen des von ihnen harmlos beschriebenen " mal unaufmerksam " seins. Das geht garnicht im Stadtverkehr. Und selbstverständlich muss der Stärkere im Stadtverkehr den Schwächeren schützen. Natürlich achte auch ich als Pkw fahrerin auf Radfahrer, die mich möglicherweise nicht bemerken. Als Lkw Fahrer beim Abbiegen da gibt's nur 100 % Aufmerksamkeit oder im Zweifelsfall stehen bleiben, wenn ich schlecht einsehen kann, ob da noch wer angeradelt kommt. Die meisten drosseln beim Abbiegen nicht mal ihr normales Fahrtempo ab.

  17. 38.

    wenn man die Kommentare hier liest, sollte man eher zu dem Schluss kommen, dass es auch für Autofahrer, insbesondere aus dem Umland, verpflichtend sein sollte, ein paar Stunden auf dem Fahrrad durch Berlin zu absolvieren, bevor man sie hier in der Stadt ans Steuer lässt. Ahnungslosigkeit, Respektlosigkeit und die grundlegende Ablehnung Radfahrenden gegenüber scheinen Standard

  18. 37.

    Sie haben nicht auf das Foto geschaut oder es leider nicht begriffen. Wenn die Getötete nach links wollte, musste Sie zunächst geradeaus fahren. In Deutschland gilt nämlich das Gebot rechts zu fahren. Und hier Selbstkritik zu fordern ist dann komplett daneben. Die Radfahrerin ist tot.

  19. 36.

    ich sprach von der Reinickendorfer Strasse und die hat sehr wohl einen Radweg.

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