Schaftag auf dem Tempelhofer Feld - Natürliche "Rasenmäher" sind in der Großstadt keine Seltenheit mehr

Sa 16.10.21 | 17:16 Uhr
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Schafe auf dem Tempelhofer Feld. © IMAGO / Stefan Zeitz
Video: rbb|24 | 17.10.2021 | Material: Abendschau | Bild: IMAGO / Stefan Zeitz

Auf dem Berliner Tempelhofer Feld stehen 80 Schafe, die den Rasen auf natürliche Weise "mähen". Das Projekt wird wissenschaftlich begleitet. Ein Schäfer berichtet von ersten Ergebnissen.

Mit einem "Schaftag" auf dem Tempelhofer Feld hat die Senatsverwaltung für Umwelt am Samstag auf die Bedeutung der Haltung dieser Tiere auf dem Areal hingewiesen. Seit 2019 leben etwa 80 Skuddenschafe dauerhaft auf dem Tempelhofer Feld. Das auf fünf Jahre angelegte Pilotprojekt soll die als einzigartig bezeichnete Flora und Fauna des riesigen Gebietes mitten in der Hauptstadt schützen.

Das Schaf-Projekt wird wissenschaftlich begleitet. "Da wird untersucht, wie sich die Beweidung auf die Fläche und die Artenvielfalt hier sich auswirkt", erklärte Stadtschäfer Frank Wasem dem rbb am Samstag. "Es geht hier vor allem um den Bodenbrüter Feldlerche. Man möchte herausfinden, ob die Beweidung seinen Ansprüchen besser gerecht wird, als wenn einmal im Jahr gemäht wird", so Wasem weiter.

Erste Erfolge durch die Schafe

Der Stadtschäfer sehe bereits Erfolge. "Es sieht Tatsache so aus, als wenn sich die Geschehnisse der Beweidung positiver für die Vögel auswirken als die einmalige Mahd, zumal sie auch relativ spät stattfindet", so Wasem. Der Vogelexperte habe schon mehr Brutpaare gezählt als vor der Beweidung.

Beweidung kommt Insekten zugute

Schafe sind mittlerweile des Öfteren in der Stadt anzutreffen - so wie beispielsweise im Berliner Schlosspark. Laut Wasem geht es dabei um die besonders umweltschonende Pflege der Grünflächen in der Stadt. Damit ließe sich auch der Artenreichtum sichern. "Das geht eben besonders gut mit Schafen, weil die eher selektiv fressen und es nicht so wie bei einer Maschine ist, die alles auf eine Höhe mäht." Wasem zufolge wird punktueller gefressen. Dadurch entstehe ein Mosaik auf der Fläche. "Und das sagt allen Tieren auf der Fläche besser zu - den Insekten, den Vögeln und was das sonst noch so kreucht und fleucht."

Koppelhaltung anstatt Schäfer mit Hirtenstab und Hund

Das klassische Bild vom Schäfer mit seinem Hirtenstab und mehreren Hunden auf dem Tempelhofer Feld suche man vergebens, so Wasem. "Das klassische Hüten ist heute nicht mehr so an der Tagesordnung und bei uns auf dem Tempelhofer Feld sowie so nicht. Wir betreiben hier eine Koppelhaltung, das heißt, die Schafe sind die ganze Zeit auf einer festen Fläche und müssen auch nicht mit einem Hund umgetrieben werden", erklärt der Stadtschäfer.

Geschoren werden die 80 Skuddenschafe einmal im Jahr. Die Wolle würde laut Wasem zu Pallets verarbeitet. Pullover aus der Wolle der Schafe wären eine originelle Idee, meinte er. Jedoch sei die Wolle der Skuddenschafe eher zu kratzig, als dass diese sich zu Pullovern verarbeiten ließe. Lodenmäntel wären da die bessere Wahl. Aber so ein Angebot gebe es bislang nicht.

Schafe sind nicht dumm

Auch wenn die Tiere im Winter zum Beispiel kaum auf freier Fläche zu sehen sind, leben sie ganzjährig auf dem ehemaligen Flughafen-Areal. "Sie stehen in der alten Gärtnerei am südlichen Ende des Tempelhofer Feldes", so Wasem.

Wasem wies daraufhin, dass Neugierige jederzeit auf dem Tempelhofer Feld willkommen sind, um ihre Fragen zu stellen. Was ihm wichtig ist: "Schafe sind nicht dumm, wie immer behauptet wird. So kann jedes Schaf 40 verschiedene Artgenossen immer wiedererkennen - selbst, wenn sie länger getrennt waren. Sie können auch an menschlichen Gesichtszügen erkennen, ob wir einen guten oder einen schlechten Tag haben."

Sendung: Radio Eins, 15.10.2021, 14:40 Uhr

18 Kommentare

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  1. 18.

    Erzählen sie das mal einen von der "Waterkant" - obwohl 'n Elbdeichanlieger reicht auch. Diese ganz speziellen lockigen Deichbewohner - also nicht die mit den zwei Beinen - haben nicht nur dort ihre Berechtigung.

    "Veganes Rasenmähen" ... wie soll das auf dem Tempeldorfer Feld funktionieren? Selber abknabbern ist keine Lösung, Verlängerungskabel für den E-Mäher ist bestimmt büsschen kurz, der Akku verabschiedet sich schon auf dem Vorfeld und Benzin für den Draufstützmäher wird aus Erdöl gemacht - da sind auch Dinos drin gewesen - irgendwann mal. Mhhh ... Ideen?

    Schafsdung ist übrigens ein Volldünger mit recht hohem PH- und niedrigem Nitratwerten und der CO2-Ausstoß dürfte etwa einer Bohnensuppe entsprechen - Mahlzeit!

  2. 17.

    Schmecken nicht ... pffft ... Weideschafrückenfilet à la provençale ... ein Gedicht.

  3. 16.

    Wo haben Sie bloss die Weisheit her, dass weidende Schafe den Boden verdichten. Haben Sie überhaupt schon mal so ein Schafsfüsschen von Nahem gesehen? Die Flächen, auf denen Schafe weiden, gedeihen prächtig.Und das Problem mit dem CO2 Ausstoss kommt auch nicht von den Kötteln, sondern liegt an der Verdauung - dabei entsteht das Gas, und das muss nun mal raus, Entschuldigung, aber das Schaf furzt. Und was hat die Beweidung mit " vegan" zu tun, meinen Sie die Insekten, die mit gefressen werden oder????

  4. 15.

    Schafe schmecken sowieso nicht, und ich stehe eher auf Chemiefaser für Wetterkleidung. Schafe brauchen wa nich.

  5. 14.

    Schafe sollten aus ökologischen Gründen verboten werden: Sie verdichten den Boden, sodass Regenwasser nicht mehr versickern kann und dort, wo der Boden noch nicht verdichtet ist, wird er durch die Ausscheidungen der Schafe übersäuert und erhöht die CO2 Belastung. Vegan Ist diese Art des Rasenmähens auch nicht.

  6. 13.

    Lass dich beraten von jemanden, der dir ein Spinnrad anfertigt, Handarbeit. Adressen findet man online, haben im Spreewald jemanden gefunden und wir sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Die CD zum Erlernen des Spinnens und der Vorbereitung, die gibt es dazu.

  7. 12.

    Kennt sich jemand aus mit Spinnrädern für Anfänger? welches ist empfehlenswert?

  8. 11.

    Kennt sich jemand aus mit Spinnrädern für Anfänger? welches ist empfehlenswert?

  9. 10.

    Schon in den 70er Jahren wurde das Tempelhofer Feld mit Schafen beweidet.
    Ich hatte als Kind eine Jacke aus der Wolle.

  10. 9.

    Bücherwurm, das stieß mir auch sofort auf. Schön, dass Sie das so freundlich verpackt kriegen.
    Ich habe da leider eine deutlich aggressivere Reaktion, wenn Medien eigentlich mit guten Beispiel vorangehen sollten und sich dann solche Faux pas erlauben.
    Lieber Redaktion, bitte ändert dann doch auch die Lärche in Lerche, wenn Ihr schon so echt freundliche drauf aufmerksam gemacht werdet.

  11. 8.

    Ich musste über die bodenbrütende Feldlärche auch schmunzeln, es wird aber offenbar seit Jahren nicht mehr Korrektur gelesen

  12. 7.

    Grüne Hüpfer schaffen das auch auf dem Tempelhofer Feld.....und die/den paar Schafen stört das bestimmt nicht.

  13. 6.

    Das gab es schon zu Zeiten als dies noch der Zentralflufghafen Tempelhof war!!!
    Man konnte die Schafe beim Start und Landung sehen!!!

  14. 5.

    Nach meiner Kenntnis haben Lärchen Wurzeln und neigen nicht zum Brüten.

  15. 4.

    Auch auf anderen Flughäfen - und solchen, die es mal waren - werden Schafe gehalten, um den Rasen auf Grünflächen kurz zu halten.

    Das Tempelhofer Feld ist damit ausbaubar - AbsoluT grüne Rasenmäher - jetzt fehlen da noch die grünen Hüpfer....lol

  16. 3.

    Auch auf anderen Flughäfen - und solchen, die es mal waren - werden Schafe gehalten, um den Rasen auf Grünflächen kurz zu halten.
    Auf aktiven Flughäfen zur Sicherheit, um Vögel vom Gelände fern zu halten und - anscheinend - jetzt auch auf ehemaligen Flughäfen, um dort wissenschaftliche Studien durchzuführen, die man dort schon seit Jahren hätte durchführen können, als der Flughafen noch in Betrieb war ... clever !?

  17. 2.

    Und sie "Mähen" deutlich leiser als die kleinen Aufsitzmäher :)

  18. 1.

    "So kann jedes Schafe 40 verschiedene Artgenossen immer wiedererkennen - selbst, wenn sie länger getrennt waren. Sie können auch an menschlichen Gesichtszügen erkennen, ob wir einen guten oder einen schlechten Tag haben.""

    Ich bin begeistert, können sich so einige Menschen doch etwas abschauen......

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