Berlin-Prenzlauer Berg - Ein Haus als Dauerkulisse

Fr 22.10.21 | 16:00 Uhr | Von Nils Hagemann
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Ein Haus in der Schwedter Straße in Berlin ist bei Filmschaffenden beliebt. (Quelle: rbb|24/Nils Hagemann)
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Video: rbb|24 | 22.10.2021 | Nils Hagemann | Bild: rbb|24/Nils Hagemann

Das unsanierte Haus in der Schwedter Straße erinnert an ein Prenzlauer Berg, das es schon lange nicht mehr gibt. Auch deshalb wird es gerne als Filmkulisse genutzt. Die Mieter:innen sind jedoch über die Zustände nicht erfreut und machen ihrem Ärger Luft. Von Nils Hagemann

Tropfen prasseln vom Himmel, eine junge Frau huscht samt Bugaboo-Kinderwagen über die Straße. Ein Tesla rollt über die Kreuzung. In der Schwedter Straße in Prenzlauer Berg kuscheln sich symmetrische Glasbauten an sanierte Altbauhäuser. Auf den entsprechenden Internet-Portalen wird die 88-Quadratmeter-Wohnung hier für 1.949 Euro kalt angeboten.

Fast schon fehl am Platz wirkt da das Haus an der Ecke zur Kastanienallee. Putz bröckelt von der Fassade. Die Altbaufenster stehen teils offen oder haben kleine Risse. "Ruhe bitte", brüllt ein Mann in gelber Warnweste. "Wir drehen hier", sagt er und lotst eine Gruppe Fußgänger mit überdeutlichen Handzeichen auf die gegenüberliegende Straßenseite. Etwa 100 Meter reihen sich hier Technikwagen an Catering-Bus, Masken-Wagen und Toilettenhäuschen.

Zu Hause in der Kulisse

Denn in der Schwedter Straße wird gedreht - Arthouse fürs Kino. "Schon wieder", sagt eine junge Frau, die ganz um die Ecke wohnt. "Hier in der Straße wird wirklich regelmäßig gedreht." Das wird auch auf einem Schreiben beklagt, das in den umliegenden Straßen aushing, unterzeichnet von den "Mieter:innen der Schwedterstrasse". Demnach soll es in "den letzten Jahren über zwölf Großproduktionen" gegeben haben, "Wir leben in eurer Kulisse", schreiben sie. Auf Anfrage von rbb|24 wollte sich die Hausverwaltung nicht zu den Vorwürfen der Mieter:innen äußern.

"So ein schönes Motiv für einen Film unserer Art gibt es hier nicht noch mal, weil alles renoviert ist", sagt Till Derenbach, Produzent des Films. "Deswegen ist dieser Drehort prädestiniert für unsere Art von Film", fügt er hinzu.

Weniger gut als Filmkulisse geeignet finden hingegen die Bewohner das Haus in der Schwedter Straße. "Uns wird oft der Zugang zum Haus wegen aktueller Dreharbeiten nicht gewährt. Zahlreiche Menschen rennen laut im Haus herum. Kabel und Stromkästen liegen überall herum und sind massive Stolperfallen", schreiben sie in dem Aushang.

Ein Haus in der Schwedter Straße in Berlin ist bei Filmschaffenden beliebt. (Quelle: rbb|24/Nils Hagemann)

Zwei ähnliche Geschichten

Offiziell äußern wollen sich die Hausbewohner nicht. Von diesen gibt es auch gar nicht mehr so viele. Einige der Wohnung im Haus stehen leer. Hinter vielen Fenstern ist es kahl und dunkel. Die Hausnummer ist überklebt. Vor der Tür stehen Requisiten, Stative oder Menschen, die beim Dreh helfen. Dreharbeiten seien eben wie eine Baustelle, sagt Till Derenbach, und so seien Baustellen nun mal. "Aber so sind ja auch andere Dinge im Leben." Die Mieterinnen und Mieter sehen das anders, sie schreiben in ihrem Brief: "Ihr habt als Branche eine kollektive Verantwortung".

Das Ironische bei diesem Streit? Der Film, der in diesen Wochen in dem Haus gedreht wird, befasst sich genau mit den Problemen, die die Mieterinnen und Mieter umtreibt: der Wohnungsmarkt, Streit zwischen Vermietenden und Mietenden und Profitgier. In der Schwedter Straße wird also gerade gleichzeitig eine sehr ähnliche Geschichte erzählt.

Sendung: rbb24, 22.10.2021, 8 Uhr

Beitrag von Nils Hagemann

16 Kommentare

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  1. 16.

    Es ging bei meiner Frage doch nicht um den Beitrag sondern um den Kommentar auf den ich geantwortet habe ;-)

  2. 15.

    Als ehemaliger Filmfuzzi kann ich nur empfehlen:

    Im Rahmen des gesetzlich möglichen Lärm machen und auf das Trinkgeld der Produktion warten.
    Licht stört auch, muss aber sehr stark (aber keine laser) oder tagsüber von entsprechenden spiegeln kommen.

    Viele Produktionen Handeln in rechtlichen Grauzonen in vielen Bereichen...

    Solche Methoden sind in zb Kalifornien gang und gäbe.
    Jede Verzögerung kostet. Besonders internationale Produktionen haben einen tiefen Geldbeutel!

    Dieselgeneratoren sollten verboten werden! Selbst BaustellenGeneratoren haben inzwischen Filteranlagen. wieso nicht bei filmsets?

    Wo sind da die grünen?

  3. 14.

    Schwedter Str/Kastanienallee liegt in Prenzlauer Berg (Bezirk Pankow).

  4. 13.

    Nein in Pankow. Und in X-Berg wollte ich mich mal ein Filmhonk nicht zur Arbeit lassen. Wieder das gleiche Spiel: Polimannzei rückt an und die Dreharbeiten wurden längere Zeit und wegen Anlieferungeen zur Firma desöfteren unterbrochen. Die Crew hat gekotzt und wir laut gelacht. So ist das Leben. Die sollen sich mal nicht so wichtig nehmen und auch mal etwas bescheidener und vor allem freundlicher sein.

  5. 12.

    Wieso kann man entsprechende Hausfassade in DDR-Charme nicht in die Babelsberger Filmstraße integrieren und die Leute einfach in Ruhe lassen? Dort gibt es Strom, Licht,Maske, Kantine, .... Wieso schleppt man das in eine belebte Wohnstraße und nimmt den Anwohnern die Grundrechte? Die "Millionenbrücke" am Bhf. Gesundbrunnen dient als Grenzübergangsstelle Bornholmer Str. (man kommt morgens nicht zur S-Bahn), den Termin bei meiner Physio konnte ich nicht warnehmen, da die komplette Straße (im Prenzlauer Berg)gesperrt war. - Unglaublich,....diese Filmfutzis! Letzte Begegnung gestern an der Charité!

  6. 10.

    Na in der Suarez, Pestalozzi, Kantstraße oder am Lizenss gleich um die Ecke des Rbbs ist es nicht besser, wenn der Film einfällt, ganzer Strassenzug eine oder beide Seiten zu. Muessen ja verpflegt, geschminkt, versorgt, verhaetschelt werden. Wir Wissen mal wider nicht wohinmit den Autos, sowieso schon Parkplatzbelegung 110% und die Kinder ind wir können nicht schlafen.
    Wir haben von dem staendigen Trubel nichts, wir sind ja nur Mieter, die Läden kriegen ja wenigstens Geld dafür.

  7. 8.

    Regelmäßig gegen die Produktionsfirmen klagen erwirkt entweder, dass sie dort nicht mehr drehen oder einen gern einen Urlaub für die zeit bezahlen. (Je nach Budget) ;-)

  8. 7.

    Ne Filmbude hat mal unsere komplette Anwohnerstraße für 4 Tage Dreh gesperrt - mit allem was dazu gehörte, inklusive Licht und Lärm bis in die Nacht. Ein Kontrollettihonk dieser Trümmertruppe wollte mich nicht zu meinem Wohnhaus gehen lassen - ich habe ihm Polizei oder Anderes versprochen - dann ging ich durch. Der dämliche Obermime der Filmfuzzis brüllte mich an, ich lächelte und brüllte zurück, ging weiter. An jeder Haustür stand eine(r) und wollte die Nachbarn entweder nicht rauslassen oder (auch mit den Hunden) rauslassen. Ich habe jedem Betroffenen in der Nachbarschaft geraten, sofort 110 zu rufen. Es folgte ein Einsatz der Polizei und der Abbruch der Filmerei. Fertig. Die stehen nicht über geltendem Recht.

  9. 6.

    Einfach mal sanieren eure Hütte und Ruhe ist. Wenn der Eigentümer es als Kulisse vermietet ist es seine Sache.

  10. 5.

    "Uns wird oft der Zugang zum Haus wegen aktueller Dreharbeiten nicht gewährt. "
    Was ist das denn? Damit würden die bei mir nicht durchkommen.

  11. 4.

    Die blöden Filmfuzzis sollen sich mal nicht als Eigentümer des Geländes aufführen. Was ein arrogantes Volk.

  12. 3.

    Das schreit förmlich nach danach, mit meinen Freunden und unsere alten Motorrädern da mal längs zu bollern..... Die sollen uns mal anschreien.....

  13. 2.

    Die Kritik der Anwohner mit "Tja, so ist das nun einmal" abzutun, ist schon ziemlich dreist. Man könnte ja vielleicht auch versuchen, im Dialog zumindest eine Verbesserung der Situation (z.B. bezüglich der Stolperfallen) hinzubekommen.
    Ich habe den Eindruck, wenn das Geld für die Dreherlaubnis bezahlt wurde, erachten die Produktionsfirmen das Drehgelände schlicht als ihr eigenes.
    Vielleicht mal eine lärmende Demo während der Dreharbeiten veranstalten? Dann klappt es wahrscheinlich schneller mit einem Dialog.

  14. 1.

    Ja dann kommen sie doch mal in die heynstraße in Pankow lieber RBB wenn dort gedreht wird! Das Dieselagregat brummt den ganzen Tag die Hälfte der Straße wird komplett gesperrt und meistens nicht genutzt die Anwohner können sehen wo sie ihr Auto lassen und ihren Einkauf mal heim bekommen! Letzend Ergebnis der Dreharbeiten ein Straßenbaum ist tot das Dieselagregat stand mehrere Tage drunter dazu kommen dabei noch tankpannen wo erst mal diverse Liter Diesel über die Straße laufen bis es jemanden auffällt! Und immer wieder die netten Zettel das wir Verständnis haben sollen! Nein haben nicht alle. Es nervt einfach nur.

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