Sturmtief hinterlässt zahlreiche Schäden - Lokführer in der Uckermark von umstürzendem Baum erschlagen

Fr 22.10.21 | 17:47 Uhr
  22
Eine Regionalbahnstrecke nahe Templin in der Uckermark: Ein Lokführer wurde hier von einem umstürzenden Baum erschlagen, als er die Strecke freiräumen wollte (Bild: rbb).
Video: rbb|24 | 22.10.2021 | Material: Brandenburg aktuell | Bild: rbb

Das Sturmtief hat am Donnerstag auch die Region stark getroffen. Nahe Templin kam ein Lokführer ums Leben. In Südbrandenburg sind Haushalte weiter ohne Strom. Auch in den Parks richtete der Sturm große Schäden an.

Der erste große Herbststurm hat in der Region zu einem Todesfall geführt. Ein 50 Jahre alter Lokführer ist in der Uckermark gestorben, wie die Polizei dem rbb am Freitagmorgen mitteilte.

Der Bahnmitarbeiter sei am Donnerstagnachmittag nahe Templin aus dem Zug gestiegen, um mit einem Kollegen Äste von den Gleisen zu räumen. Dabei sei er von einem anderen umstürzenden Baum getroffen und so schwer verletzt worden, dass er später im Krankenhaus starb. In Schlieben (Elbe-Elster) mussten zudem zwei schwer verletzte Menschen aus einem Auto befreit werden.

Zudem drängte rund fünfzig Kilometer weiter eine Windböe ein Auto auf der Bundesstraße 169 zwischen Plessa und Kaupen an den Straßenrand, über die Leitplanke und gegen einen Baum. Der 21 Jahre alte Fahrer wurde nur leicht verletzt und ebenfalls im Krankenhaus behandelt. Die Bundesstraße blieb für zwei Stunden vollständig gesperrt.

Hunderte Haushalte in Südbrandenburg immer noch ohne Strom

In Südbrandenburg waren am Donnerstag zweitweise rund 3.600 Haushalte ohne Strom. Betroffen waren nach Angaben der Mitteldeutschen Netzgesellschaft Strom (Mitnetz) vor allem Cottbus sowie die Landkreise Spree-Neiße und Oberspreewald-Lausitz. Auch am Freitagnachmittag war nach rbb-Informationen die Versorgung in rund 600 Haushalten noch unterbrochen. Brennpunkt sei weiterhin der Kreis Spree-Neiße, so ein Mitnetz-Sprecher. In den anderen Landkreisen gebe es nur noch vereinzelt Störungen.

Die Beseitigung der Störung werde vermutlich noch den ganzen Freitag dauern, konkretisierte ein Sprecher des Energieversorgers Envia. Durch den Sturm herabgefallene Äste hätten am Donnerstag Stromleitungen zerstört, auch Strommasten seien durch das Unwetter beschädigt worden. Daher sei auch eine Umschaltung auf andere Leitungen nicht möglich. Das Gelände sei schwer zugänglich, sagte ein Monteur vor Ort.

Große Schäden in Berliner und Brandenburger Parks

Auch in den Parkanlagen der Region hat der Sturm große Schäden angerichtet. Im Park Sanssouci in Potsdam seien neun große Bäume entwurzelt oder umgerissen worden, sagte der Sprecher der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, Frank Kallensee, am Freitag. Zudem seien mehrere dicke Äste abgebrochen. Im Park Babelsberg seien größere Teile von zwölf Baumkronen abgebrochen.

Der Berliner Schlossgarten Charlottenburg ist ebenfalls von Sturmschäden betroffen: Dort sind dem Sprecher zufolge zwei Bäume und drei Kronen beschädigt worden. "Jeder Baum ist ein immenser Verlust für die Gartenkunstwerke", sagte Kallensee. Die Gehölze seien ohnehin schon wegen des Klimawandels und der Dürrejahre geschädigt.

Wegen weiterer Sturmwarnungen entschied sich die Stiftung, alle Parks und Schlösser in Berlin und Brandenburg auch am Freitag geschlossen zu lassen. Die Ausnahme sei nur das Schloss Charlottenburg, da es ohne Bäume in der Nähe zugänglich sei. Bereits am Donnerstag waren fast alle Anlagen der Stiftung wegen des Sturms geschlossen geblieben. Am Samstag solle alles wieder regulär öffnen, sagte der Sprecher.

Wetterlage hat sich mittlerweile beruhigt

Inzwischen hat sich die Wetterlage beruhigt, der Wind flaute in der Nacht zum Freitag ab. Am Vormittag werden aber erneut Sturmböen erwartet. Dabei können Windgeschwindigkeiten bis etwa 70 Kilometer je Stunde, in freien Lagen auch 85 Kilometer je Stunde erreicht werden. Das entspricht den Windstärken acht und neun. Gegen Abend soll der Wind wieder abflauen. Laut Wetterdienst soll sich das Wetter am Wochenende dann endgültig beruhigen.

Das Sturmtief hatte am Donnerstag in Brandenburg und Berlin Hunderte Einsätze der Feuerwehren verursacht. Allein in Südbrandenburg mussten Einsatzkräfte mehr als 500 Mal ausrücken - vor allem wegen umgestürzter Bäume. Die Leitstelle Nordost mit Barnim, Uckermark und Oberhavel zählte 263 wetterbedingte Einsätze. Auch die anderen Leitstellen in Brandenburg meldeten zahlreiche Einsätze infolge der Sturmböen, insgesamt waren es knapp 1.500.

Die Berliner Feuerwehr hatte am Donnerstagabend den sturmbedingten Ausnahmezustand beendet. Von 8 Uhr bis 19 Uhr habe die Feuerwehr über 370 Einsätze bewältigt, teilten die Rettungskräfte mit. In Prenzlauer Berg wurde eine Frau von herabfallenden Ästen leicht verletzt. Zahlreiche parkende Autos wurden beschädigt. "Wir sind sehr glücklich, dass nur ein Mensch in dieser Stadt leicht verletzt wurde", sagte Thomas Kirstein von der Berliner Feuerwehr dem rbb am Freitagmorgen. Er sprach von erheblichen Windböen und "hohen Sachschäden".

Der Sturm hatte auch zu zahlreichen Einschränkungen im Bahnverkehr geführt - sowohl im Fernverkehr als auch bei der Berliner S-Bahn sowie einigen Regionalzügen. Am Freitag startete die Deutsche Bahn "stabil", wie ein Sprecher mitteilte. Die Zugverkehr laufe weitgehend normal. Es könne aber unter Umständen noch zu "umlaufbedingten Folgeverspätungen" kommen, hieß es. Reisende sollten sich deshalb vor Fahrtantritt informieren, ob ihre Verbindung planmäßig verkehre.

Sturmtief fegt über Berlin und Brandenburg

Sendung: Brandenburg aktuell, 22.10.2021, 19:30 Uhr

22 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 22.

    Fahrgäste ,die meckern ,weil der Lokführer auf die Feuerwehr warten muss ,sind solche die nur an sich denken ,und nicht an den Lokführer ,der die volle Verantwortung für die Fahrgäste trägt

  2. 21.

    Der Streckenabschnitt wird wie gesagt nicht von der DB Netz betrieben, aber die DB ist Eigentümer der gesamten Gleisanlage.
    Mit freundl. Grüßen

  3. 20.

    Fahrgäste ,die meckern ,weil der Lokführer auf die Feuerwehr warten muss ,sind solche die nur an sich denken ,und nicht an den Lokführer ,der die volle Verantwortung für die Fahrgäste trägt

  4. 19.

    Man kann solche unglücke nicht verhindern ,man kann nicht alle Bäume an den Bahntrassen entfernen ,auch die Baumkontroleure ,die ich ins Spiel gebracht habe ,sind sehr Teuer ,aber eine Möglichkeit vor allen in stark gefährdeten Bereichen
    Die Lokführer können höchstens ,wie sie es sagen ," Kleinigkeiten" entfernen ,grosse Bäume usw. Sollte man Fachleuten überlassen
    Ich frage mich nur ,was soll hier ,die Staatsanwaltschaft ermitteln
    Hier ist ein tragisches Unglück passiert, wofür meiner Meinung niemand was für kann
    Nochmals ,mein Mitgefühl für die Angehörigen des Toten

  5. 18.

    Das einzige was die DB machen könnte ,ist Baumkontroleure ,die die Strecken durch Wälder ablaufen ,die Bäume auf Fäulnis und Trockenäste untersuchen ,Betroffene Bäume markiert ,die dan ein waldarbeitertrupp entfernt .Aufgrund des grossen Schienennetzes aber auch sehr hoher Aufwand ,aber Besser als die komplette Vegetation zu entfernen
    Solche Baumkontroleure werden auch in Parks ,Zoos usw. Eingesetzt
    Aber auch das verhindert nicht ganz die Gefahr ,daß sich solche Unglücke Wiederholen

  6. 17.

    Ich denke, Probleme, die der Lokführer nach eigener Einschätzung selber ohne Eigengefährdung beseitigen kann, soll er auch beseitigen. Das er dabei von einem umfallenden Baum getroffen wird ist sehr unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen, wie wir hier leider sehen. Ich vermute, dass dies von Niemandem vorhersehbar war und Niemand Schuld hat. Aber das werden Polizei und Staatsanwaltschaft hier prüfen, so wie das bei allen unnatürlichen Todesursachen der Fall ist.

    Und nattürlich kann man nicht ALLE Bäume - auch nicht ALLE Bäume an ALLEN Bahntrassen und ALLEN Straßen und Wegen - ständig überprüfen. Das wäre ein Riesenaufwand, den Niemand bezahlen kann.

  7. 16.

    Nachtweih:
    "Antwort auf [Michael ] vom 22.10.2021 um 19:14
    @Michael: Klar lässt sich das nicht vermeiden, dass mal ein Baum auf die Gleise fällt und dann nichts mehr geht.
    Meine Frage ist, ob wirklich der jeweilige Lokführer für dessen Beseitigung verantwortlich ist."

    Wenn da ein Ast auf die Gleise fällt, den auch ein Lokführer innerhalb von 5 Minuten beseitigen kann, soll er es dann etwa doch nicht tun dürfen und stattdessen auf die Feuerwehr warten, was dann 2 Stunden dauert und bei den Fahrgästen sicherlich für viel Frust sorgt???

    So ein Unglück kann immer mal passieren, ohne dass daran keiner Schuld hat. Das Leben ist eben auch lebensgefährlich.

    Und man kann nicht alle Bäume, bei denen die Gefahr droht, dass sie einem Orkan nicht standhalten, gleich fällen, denn dann gäbe es vermutlich kaum noch Bäume. Man kann nicht für alle möglichen Katastrophen vorsorgen. Leider!

  8. 15.

    Ja, da haben sie Recht, habe ich etwas missverstanden ,Baumbeseitigung müsste Aufgabe der Feuerwehr ,oder auch des zuständigen Forstamtes sein
    Nicht die eines Lockführer ,der womöglich garnicht abschätzen kann ,welche Gefahren noch bestehen
    Es könnten noch andere Bäume angeknackst sein ,Äste Lose hängen usw .Sowas kann meiner Meinung kein Lokführer leisten
    Sondern nur ein Fachman ,zb . Ein Forstwirt

  9. 14.

    @Michael: Klar lässt sich das nicht vermeiden, dass mal ein Baum auf die Gleise fällt und dann nichts mehr geht.
    Meine Frage ist, ob wirklich der jeweilige Lokführer für dessen Beseitigung verantwortlich ist. Falls nicht, befürchte ich Schlimmes, was eventuelle Zahlungen an die Hinterbliebenen anbelangt.

  10. 13.

    Das die Strecke nicht von der DB Netz betrieben wird ,wusste ich nicht
    Aber ändert ja nichts daran das man sowas kaum bis garnicht verhindern kann Leider

  11. 12.

    Der Streckenabschnitt wird gar nicht von der DB Netz betrieben, sondern von der Hanseatischen Eisenbahn bzw. RegioInfra, aber ich denke so ein Unglück ist ohnehin schwer zu verhindern oder zu erahnen.

  12. 11.

    Es ist nicht so ,daß ich sie nicht verstehe ,sie haben in vielen Punkten auch Recht
    Aber die Bahn hat tausende Kilometer Gleise ,die oft durch Wald führen ,sie müssten dort überall rechts und links der Gleise den Wald entfernen ,und zwar eine ganze Baumlänge ,um solch furchtbare Unglücke zu verhindern
    Genauso sieht es mit dem Straßennetz aus
    Ein Baum der 30 Meter hoch ist ,ist auch liegend 30 Meter lang ,das müssen sie bedenken

  13. 10.

    Auch mein Beileid den Angehörigen des verstorbenen Bahnmitarbeiter


    Wissen Sie wieviele Kilometer Gleise die DB hat
    Das was sie denken ,ist verständlich ,aber leider nicht durchführbar ,solche Unglücke sind schwer zu verhindern
    Sowas kann auch auf der Strasse passieren LEIDER

  14. 9.

    Schwierig ,hier einen Schuldigen zu suchen ,wie soll man
    Solch wirklich tragische Unglücke verhindern
    Selbst Tage nach solch einem Sturm ,können Bäume noch umstürzen

  15. 8.

    Ja ist es, denn gerade auf den Nebenstrecken wurde das Problem mit der Vegetation von den Privatbahnen oft bemängelt. Es gab immer wieder Vorfälle die zu Schäden an den Triebfahrzeugen führten, auf denen die Betreiber sitzen blieben. Nun ist durch das Unvermögen deutscher Politiker ein Mensch gestorben. Die Staatsanwaltschaft wird sowie so ermitteln und man kann hoffen das sie den richtigen bei der DB Netz am haken haben. Ich hoffe das der Betreiber wie die Gewerkschaften deutliche Worte finden. Denn das System Bahn ist am Ende kaputt gespart worden, das bekamen die Fahrgäste wieder zu spüren. Fahrdienstleiter die per Hand viele Züge umdisponieren mussten, keine Zeit hatten das FIZ(Fahrgastinformationssystem) zu bedienen. So standen die Fahrgäste bei dem Wetter am Bahnsteig in der Hoffnung der Zug würde kommen, er kam aber nicht! Er fuhr nur virtuell und die Lautsprecher blieben stumm. Weil niemand mehr da ist der durchsagen machen könnte. Eingespart...

  16. 7.

    Auch von meiner Seite aufrichtiges Beileid an die Hinterbliebenen des Lokführers, der mit seiner ehren- bis heldenhaften Tat sein Leben riskiert und leider verloren hat.

    Ich frage mich aber zugleich, ob diese Handlung denn überhaupt zu seinen Tätigkeiten gehörte, ob man dieses Handeln von ihm erwartet, ja ihm gar aufgetragen hatte. Wenn nicht, wäre die Bahn der falsche Adressat für Kritik. Und ich hoffe inständig, dass es eben nicht den Lokführern obliegt, auf den Gleisen liegende Bäume zu entfernen, sondern dass in solchen Fällen die Feuerwehr gerufen und eben auf diese gewartet wird.

  17. 6.

    Ich weiß nicht ,wie die Gegebenheit vor Ort war ,
    Aber wenn keine Vegetation in der Nähe von Bahngleisen stehen darf ,was ist dan mit der Vegetation an Autobahnen ,Bundesstraßen, Land und Kreisstrassen
    ,Dan müsste da ja auch durch die Wälder der Bewuchs durch die Wälder entfernt werden ,und zwar eine ganze Baumlänge rechts und links der strassen
    Auch hier können durch Sturm Bäume umfallen ,und ein Auto treffen

  18. 5.

    Ja, ist es.

    Ein Tod der vermeidbar war. Neoliberalismus und Gewinne für Wenige sind Schuld.

  19. 4.

    Ist das der richtige Platz ,um die DB zu Kritisieren
    MEIN BEILEID AN DIE ANGEHÖRIGEN DES VERSTORBENEN LOKFÜHRER

  20. 3.

    Ich hoffe das die Staatsanwaltschaft gegen die DB Netz ermittelt ! Denn diese hat die Vegetation zu entfernen. Was jahrelange nicht erfolgte und nun wurde aus einen Strauch ein Baum. Der sich nicht so einfach entfernt werden kann und wenn dumm läuft auf privaten Grundstücken steht. Da man die Abstände zu den Gleisen verringert und diese verkauft hat.

    Warum es dann zu Verspätungen kommt ist dann dem auf Sicht fahren geschuldet. Mit stark verminderter Geschwindigkeit sind Fahrpläne nicht mehr einzuhalten. Alles nur da man die Vegetation nicht entfernt hat, um kosten zu sparen. Jetzt sind nicht nur Sachschäden und bedauerlicherweise Personenschäden zu beklagen. Gerade auf Nebenstrecken haben die privaten Unternehmen immer diese beklagt und auch die Versicherer übernehmen diese Schäden mittlerweile nicht mehr. Ich hoffe das bis in der obere Leitung der DB die Staatsanwaltschaft ermittelt ! Ganz klar hätte diese vermieden werden können.

Nächster Artikel