Blogger analysiert Online-Terminvergabe - Um diese Uhrzeit soll die Terminsuche beim Bürgeramt am besten klappen

Mo 18.10.21 | 15:12 Uhr | Von Sylvia Lundschien
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Symbolbild: Bürgeramt Teltower Damm (Bild: imago images)
Bild: imago images

Eine Wohnung in Berlin zu finden, kann Monate dauern. War man erfolgreich, muss sie aber auch angemeldet werden. Die Termine im Bürgeramt sind bekanntlich rar. Wann der beste Zeitpunkt ist, hat jetzt ein Software-Entwickler herausgefunden. Von Sylvia Lundschien

Die Wohnungssuche in Berlin ist oft aufreibend und nicht selten frustrierend. Aber selbst wenn man dann ein passendes WG-Zimmer oder Domizil gefunden hat, ist der Stress nicht vorbei: Es braucht auch eine Anmeldung, am besten innerhalb von zwei Wochen – und die gibt es nur per Termin beim Bürgeramt.

Wer nun also danach googelt, findet eine Unmenge an Tricks und Tipps, um an diesen Termin zu gelangen. Allein die Suche nach den Stichworten "Termin Bürgeramt Berlin" bringt in Sekundenschnelle gut 1,3 Millionen Ergebnisse – und ebenso kennt fast jede:r Berliner:in selbst zig Anekdoten, wie es mit der begehrten An- oder Ummeldung klappen könnte.

Doch der kanadische Softwareentwickler und Blogger Nicolas Bouliane wollte es ganz genau wissen. Er hat die Sache einmal systematisch analysiert und festgestellt: Die beste Uhrzeit, um online einen Termin für das Bürgeramt zu ergattern, sei 10 Uhr.

Softwareentwickler ermittelt beste Uhrzeit für Bürgeramt-Termin

Laut Boulianes Datenanalyse steigt die Zahl der Termine ab 7:30 Uhr an, fällt dann erneut ab und erreicht um 10:00 Uhr ihren vorläufigen Tages-Höhepunkt. Bis etwa 15:30 Uhr gibt es dann laut Analyse immer wieder Aufs und Abs bei der Terminvergabe.

Für dieses Ergebnis hat Bouliane Daten von der Webseite der Online-Terminvergabe der Berliner Bürgeramter [berlin.de] ausgewertet. Dafür hat er ein kleines Software-Programm geschrieben, das alle zwei Minuten eine Art Bildschirm-Foto der Termin-Webseite macht – und damit auch erfasst, wann dort etwas frei ist. Hat er genug Fotos gesammelt, kann er sie abgleichen und sieht, um welche Uhrzeit im Schnitt die meisten Termine zur Verfügung stehen.

Fehlende Anmeldung bedeute "ernsthafte Probleme"

Er selbst sei frustriert von der Berliner Bürokratie: "Jedes Mal, wenn ich mit dem Bürgeramt zu tun habe, gehe ich davon aus, dass es vier Wochen und eine Fahrt quer durch die Stadt dauern wird", so Bouliane. Wer ein Auto anmelden will, eine Angelegenheit bei der Ausländerbehörde klären muss oder Kinder hat, müsse noch einmal extra Zeit einplanen. Menschen, die aus dem Ausland und mit geringen Deutschkenntnissen nach Berlin ziehen, stelle dies vor "ernsthafte Probleme", so der Blogger. Wer den Umzug ohne Hilfe bewältigt, brauche seiner Erfahrung nach gut zwei bis drei Monatsgehälter, um in der Stadt anzukommen und sich hier zu registrieren.

Den Kanadier, der in Berlin lebt, erklärt, es habe ihm vor allem Spaß gemacht, den Analyse-Code zu schreiben – aber ihm fallen auch Schwierigkeiten auf. Denn ohne Anmeldung kann das Leben in Berlin ziemlich anstrengend werden – besonders, wenn man nicht ausreichend Deutsch spricht. So nennt Bouliane in seinem Blog-Artikel "The Anmeldung – How to register an address in Berlin" [allaboutberlin.com] zahlreiche Hürden, die eine fehlende Anmeldung bedeuten kann, wie unter anderem Probleme mit Krankenkasse, Kindergeld, Handyvertrag oder Immatrikulation. Eine fehlende Anmeldung könne auch richtig Geld kosten, denn ohne sie erhält man keine Steuernummer und zahlt bei der Einkommenssteuer möglicherweise drauf, schreibt der Kanadier in seinem Blog.

"Der nächste Schritt ist, die Situation zu verbessern"

Bouliane hat wenig Hoffnung auf Veränderung: "Ich bin seit fast sieben Jahren hier, und es hat sich überhaupt nicht verbessert. Es scheint keinerlei Interesse daran zu bestehen, die Dinge zu verbessern", so der Softwareentwickler. Der Code zu seinem Datenanalyse ist auf der Entwickler-Plattform GitHub [github.com] frei verfügbar - jeder könne ihn für weitere Experimente nutzen, so Bouliane: "Der nächste Schritt ist, die Situation zu verbessern."

Sendung: Fritz, 19.10.2021, 7:34 Uhr

Beitrag von Sylvia Lundschien

36 Kommentare

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  1. 36.

    Liebe RBB-Redaktion, diese Überschrift ('Um diese Uhrzeit soll die Terminsuche beim Bürgeramt am besten klappen') ist Klick-Bait, da erwarte ich mehr von Ihnen. Bitte lassen Sie das. Ansonsten mag ich die Unaufgeregheit dieser Seite sehr, Danke!

  2. 35.

    Merkt eigentlich irgendwer, wie unendlich peinlich die Motivation zu dieser Forschungsarbeit für die Verwaltungsorganisatoren unserer Stadt ist ?!

  3. 34.

    Ich frage mich gerade, wie das bloß "früher" bei den "Meldestellen" oder dem "KVA" so geklappt hat. Hinschlappen, evtl. gucken ob's zu voll ist, Nummer ziehen, Buch lesen, drankommen, rausschlappen, fertig. Alles an einem Tag, Zeit zum Einkaufen war auch noch Zeit und es gab extra Sprechzeiten für Berufstätige. Unvorstellbar bei der damaligen Technik. Karteikarten, Stempel aber weniger Papier als in den heutigen papierfreien Verwaltung. Allein daran gemessen, müsste es doch heute noch schneller gehen - heute zum Amt, gestern fertig.

    Aber zur Ehrenrettung ... das FinA Spandau arbeitet heute im Bürgerbereich noch ähnlich ... lüppt! ... bei der Hundesteuer reicht anklopfen und der "Front-Desk-Officer" hat 99% der Vordrucke auf Tasche und gibt die auch freundlich raus. Klingt komisch, is' aber so.

  4. 33.

    Berlin ist und bleibt Provinz! Solange über die Größe eines Kürbisses berichtet wird!?! .....:) Termine könnte ich beim BA in 4 Monaten erhalten. Durch mehrere Anrufe dann in Lichtenberg!

  5. 32.

    Irgendein MEdium (Berliner Zeitung?) hat neulich freundlicherweise daran erinnert, dass schon 2016 das ZIel "Bürgeramtstermin innerhalb von 14 Tagen" in den Koalitionsvertrag geschrieben wurde. Tja, selbst gestecktes Ziel nicht erreicht... Aber jetzt nehmen wir einen neuen Anlauf.

  6. 31.

    Habe Innerhalb von vier Wochen Meinen neuen Personal Ausweis erhalten.ic ich verstehe diese ständige Nölerei nicht.

  7. 30.

    Selbstverständlichkeiten wie "heute einen Termin ergattert", sollten nicht noch zelebriert werden. Sie sollten unser Grundverständnis, dass jeder binnen zwei Wochen einen Termin erhalten kann, antreiben.
    "Heute einen Termin ergattert" ist eben die ganz große Ausnahme zur Regel.

  8. 29.

    Idee: Jedes Mal, wenn eine Berliner Behörde keinen Termin binnen zwei Wochen anbieten kann, muss sie ein Ordnungsentgelt an den betroffenen Bürger entrichten.

    Der Staat weiß immer sehr genau, was Bürger zu erbringen haben, und sanktioniert eine Nichtbefolgung. Warum das gleiche Maß nicht in beide Richtungen etablieren?

    Und natürlich sind gewerbsmäßige Anfragen hiervon ausgenommen (Menschen, die Lücken bewusst zu nutzen suchen).

  9. 28.

    Heute um 08:10 Uhr Reisepass und Perso gebucht. Massenweise Termine in Schöneweide für die nächsten 8 Wochen. Danke für den Tipp.

  10. 27.

    Leider wird es nicht trennscharf klar, ob der Termin um 10:00 bei den Bürgerämtern am einfachsten zu ergattern seit oder (aufgrund schlechter Server) um 10:00 Uhr herum die beste Chance besteht, überhaupt einen beliebigen Termin zu ergattern.

  11. 25.

    Braucht es dafür einen kanadischen Softwareentwickler? Kurz nach 08:00 nachgesehen, zwei Termine für neue Personalausweise innerhalb von zwei Wochen im nächstgelegenen Bürgeramt, moderate Wartezeit. Neue Ausweise nach drei Wochen. Glück gehabt?

  12. 24.

    Man kann auch hingehen und sich einen Termin geben lassen. Hat meine Oma gemacht ;-)

  13. 23.

    Schick,das Amt. Erinnert mich an die 50er Jahr!

  14. 22.

    Einfach solange auf aktualisieren klicken, bis der gewünschte Termin kommt. Dazu braucht es keine software. Es werden immer wieder Termine freigesetzt.

  15. 20.

    Heute getestet, stimmt definitiv nicht.
    Ab 7.15 bis ca. 9.30 Uhr wurde sukzessive Termine freigeschaltet und waren buchbar. Ab um 10 Uhr gab es nichts mehr.

  16. 19.

    Braucht es dafür einen kanadischen Softwareentwickler? Kurz nach 08:00 nachgesehen, zwei Termine für neue Personalausweise innerhalb von zwei Wochen im nächstgelegenen Bürgeramt, moderate Wartezeit. Neue Ausweise nach drei Wochen. Glück gehabt?

  17. 18.

    @Sven, woher stammt denn Ihr "Wissen"?
    Oder ist das vielleicht doch eher nur Vermutung?
    Auf der Seite Berlin.de wird alles in Englisch übersetzt.
    Viele Seiten auch in anderen Sprachen.
    In der "Ausländerbehörde" werden Dolmetscher beschägtigt, da leider nicht jeder Ausländer Englisch spricht (wenn schon nicht Deutsch)
    Abgesehen davon wäre es doch vielleicht langfristig vernünftig, die Landessprache zu lernen.

  18. 17.

    Meinen nächsten Termin für Paß und Ausweis benötige ich 2030. Bin gespannt, ob es dann schneller geht. Letztes Jahr brauchte ich dafür drei Monate und musste von Süd nach Nord an das andere Ende von Berlin fahren. Traurige Zustände für die Hauptstadt !
    Man sollte mal Nachhilfe in Esttand nehmen. War selbst schon dort-Internet an jeder Milchksnne.

  19. 16.

    Irrtum. In Berlin dauert die Legislaturperiode und damit das rotrotgrüne Elend leider fünf Jahre.

  20. 15.

    Deshalb wird gebeten einen Dolmetscher mitzunehmen oder jemand mitbringen der der Sprache mächtig ist. Viele eingereiste sprechen nach 10 Jahren noch kein deutsch weil wir ihnen überall entgegen kommen. Wozu also unsere Sprache lernen.

  21. 14.

    Warum soll man auf einer Behörde eine andere Sprache sprechen als die offizielle Amtssprache?
    Und das ist in Deutschland - wen wunderts - Deutsch!
    Außer in Gebieten anerkannter sprachlicher Minderheiten wie Sorben oder Dänen, dort sind die entsprechenden Sprachen auch in Behörden verbreitet.

    Warum es in Deutschland den theoretischen Fragebogen für den DEUTSCHEN Führerschein in rund 20 Sprachen gibt, erschließt sich mir nicht.
    Wenn meine Deutschkenntnisse so gering sind, wie soll ich die vielfach in Text angegebenen Einschränkungen oder Gefahren auf Straßenschildern erkennen?

  22. 13.

    Deutsch ist eine schwere Sprache und das nicht existierende Englisch in Berliner Behörden ist schockierend. Nicht mal in der Ausländerbehörde ist es besser.
    Und nicht jeder/jede Neuankommende kann Behördendeutsch in ein paar Monaten erlernen. Stelle dir das mal vor.

  23. 12.

    Hat denn der Blogger keinen Translator?

  24. 11.

    "Ich bin seit fast sieben Jahren hier, und es hat sich überhaupt nicht verbessert. Es scheint keinerlei Interesse daran zu bestehen, die Dinge zu verbessern",

    So lange es für Unterlassung zum Nachteil der Bürger für Politiker keinerlei Sanktionierung gibt, wird sich das auch nicht ändern. Mit keiner Partei.

  25. 10.

    Man weiß gar nicht mehr ob man darüber lachen oder weinen sollte. Tausende Berliner sitzen jeden Tag vor dem Rechner oder dem Smartphone und versuchen einen Termin zu ergattern. Aber nur wenn sie das richtige Zeitfenster treffen, denn sobald ein neuer Tag freigeschaltet ist, dauert es maximal 30 Minuten und alle Termine sind weg (meine bescheidene Erfahrung). Es ist ja auch zuviel verlangt in einer Millionenstadt einigermaßen funktionierende bürgernahe Dienstleistungen anzubieten. Wobei ... das ging doch früher auch?!. Ist aber schon ein paar Jahre her. Aber nun haben die Berlinerinnen und Berliner entschieden das sie diese unsägliche Situation weitere 4 Jahre haben möchten. Herzlichen Glückwunsch Berlin !

  26. 9.

    Erstaunlich was die Blogger für Zeit haben, ich habe unsere Termin ganz alleine beschafft, ganz ohne sich zu profilieren.

  27. 8.

    Beim Bürgeramt haben wir eine E-Mail, mit Personalien, mit zur Terminanfrage für einen bestimmten Zeitraum zur Erneuerung des Führerscheins, Personalausweises und sowie der Reisepässe erfragt und haben prompt pro Thema einen Termin mit Vorgangsnummer erhalten. Und sogar alle Termin fortlaufend an einem Tag.
    Als wir die Monitore im Amt gesehen haben, haben wir festgestellt, dass gut ein dreiviertel der angezeigten Termine nicht wahrgenommen worden sind. Und deswegen gibt es wahrscheinlich kaum Online-Termine.

  28. 7.

    Oh gott ist das peinlich. Jetzt muss man sich schon Tips geben wann man am besten an Termine kommt. Diese stadt ist nur noch provinziell peinlich und dabei sehr überheblich. Ich bin übrigens ein echter Berliner. Von denen gibt's ja kaum noch welche.

  29. 6.

    Den Artikel kann ich nicht nachvollziehen.
    Morgens ab 6 gibt's Termine beim SVA in drei Tagen. Immer einmal aktualisieren hilft. Nur nicht zu oft, dann wird man vom System geblockt.
    Bürgeramt Termine in zwei Wochen oder am nächsten Tag, Anruf genügt.
    Ein Programm hilft hier nichts, es blockiert nur die Möglichkeit für Dritte einen Termin zu buchen.
    Hand aufs Herz, fünf Autozulassungen oder acht Umzüge sind eher selten.
    Der Buchungsdialog könnte jedoch besser gestaltet werden.
    Dienstleistung suchen und freie Termine Berlinweit oder in der bevorzugten Behörde suchen.
    Das vor und zurück nervt und wie geschrieben blockiert das System bei zu häufigen Anfragen.

  30. 5.

    Seit Monaten ist in Tempelhof-Schöneberg online kein Termin zu buchen. Es wird nur vergeben oder keine Termine möglich angezeigt.

  31. 4.

    "Menschen, die mit geringen Deutschkenntnissen nach Berlin ziehen..." - das ist kein Argument, sondern ein guter Anreiz, schnell Grundkenntnisse im Deutschen zu lernen. Ansonsten müssten hier kritisiert werden, dass man ohne Englisch- oder Französischkenntnisse in kanadischen Ämtern kaum vorankommt. Außerdem "jede:r Berliner:in" - geht's noch?

  32. 3.

    Meine Erfahrung von August und September:
    Am besten klappt es um 08:00 Uhr, da wird immer ein neuer Tag freigeschaltet.
    So habe ich Mitte September einen Termin für Mitte November für Beantragung eines neuen Personalausweises bekommen und hatte dabei freie Auswahl sowohl der Uhrzeit als auch des Bürgeramtes. Man muss allerdings damit leben, dass es Termine dann immer erst genau acht Wochen später gibt.

  33. 2.

    Dank des Artikels darüber, dürfte sich diese Aussage erledigt haben und die Analyse kann von vorne beginnen. Es gibt Dinge, über die lohnt es nicht, zu berichten :)

  34. 1.

    Ich wurde einmal von Seiten des Bürgeramtes aufgefordert, dort zu erscheinen. Da ich online auch keinen Termin buchen konnte, habe ich gebeten, mir einen Termin anzubieten. In einer freundlichen E-Mail wurde mir eine Telefonnummer genannt, bei der ich doch zwecks Termin anrufen sollte. Als ich das tat, wurden mir für den Folgetag mehrere Termine zur Auswahl genannt. Ich war völlig sprachlos. Als ich dann im Bürgeramt war (normale Sprechzeit) war kaum jemand im Wartesaal. Irgendetwas stimmt doch da nicht.

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