Hospizarbeit in der Prignitz - "Es gibt so viel Lachen und glückliche Momente"

Hospiz (Quelle: dpa/Bachelet)
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Kurz vor dem Tod allein zu sein oder die eigene Familie zu überfordern, fürchten viele Schwerkranke in ihrem letzten Lebensabschnitt. Ehrenamtliche Hospizbegleiter wollen diese Ängste nehmen. Ihre Angebote aber sind oft kaum bekannt. Von Björn Haase-Wendt

Beate Kather-Christen begrüßt Besucher mit einem großen Lächeln. Im Schlepptau hat sie ihren Golden Retriever Jamie. Die Wittenbergerin ist seit vier Jahren ehrenamtliche Hospizbegleiterin. Je nach Bedarf betreut sie ein- oder mehrmals die Woche eine schwerkranke 60-Jährige im Elbhospiz "Weiße Berge" in Wittenberge (Landkreis Prignitz).

"Meine jetzige Begleitung ist bettlägerig, insofern sitze ich oft bei ihr am Bett, wir halten uns die Hände oder drücken uns", erklärt die 50-Jährige. Es gehe darum, unvoreingenommen auf die Schwerkranken zuzugehen, ihnen Zeit zu schenken und für sie dazusein. Vor allem die Gespräche seien vielen Betroffenen wichtig, der gemeinsame Blick auf das Leben. Auch ihr Hund Jamie ist regelmäßig dabei, lockert mit seiner freundlichen Art die Stimmung im Hospiz auf. "Auch das Streicheln bewirkt ja viel Positives", sagt Beate Kather-Christen.

Auch die Angehörigen sind im Blick

Die Hospizbegleiter wollen Schwerkranken ihren letzten Lebensabschnitt so angenehm wie möglich machen und ihnen auch die Angst vor dem Tod nehmen. "Ihnen fällt der Abschied unheimlich schwer, auch weil sie sich große Sorgen um den Rest der Familie machen, den sie zurücklassen", erläutert Renate Schwarz, die Ehrenamts-Koordinatorin des stationären Elbhospiz "Weiße Berge".

Darum nimmt die ehrenamtliche Hospizarbeit auch die Angehörigen in den Blick, etwa durch Gespräche oder die Trauerbegleitung nach dem Tod. Außerdem würden Freiräume geschaffen, etwa damit der Angehörige "vielleicht auch mal allein spazieren gehen" kann, so Beate Kather-Christen. Schließlich könne er so auch "neue Kraft für die Pflege tanken". Darum sei es wichtig, dass die Menschen frühzeitig begleitet werden. Viel zu oft allerdings sei die Hospizarbeit - ob ambulant oder stationär - nicht bekannt.

Sabine Schütz (l), Koordinatorin des ambulanten Diakoniehospizes Prignitz und Renate Schwarz (r), Ehrenamts-Koordinatorin des stationären Elbhospiz "Weiße Berge"(Bild: rbb/Haasen-Wendt)
Sabine Schütz (l) und Renate Schwarz (r). | Bild: rbb/Haase-Wendt

"Corona hat die Türen zugemacht"

Dabei gibt es in der Prignitz weit über 50 ehrenamtliche Hospizbegleiter, die über das Deutsche Rote Kreuz, die Diakonie oder das stationäre Hospiz in Wittenberge koordiniert und ausgebildet werden. Vorwiegend sind es Frauen, die bei den Erkrankten zu Hause, in Pflegeheimen oder Krankenhäusern sind. "Aber wir haben auch Männer, es ist eine bunte Mischung. Das macht die Sache interessant", sagt Beate Kather-Christen.

Doch die beiden Corona-Jahre haben das Ehrenamt deutlich erschwert. "Es hat einfach die Türen zugemacht", sagt Sabine Schütz, die Koordinatorin des ambulanten Diakoniehospizes Prignitz. Die Begleiter seien – aufgrund der Corona-Regelungen verständlicherweise – nicht mehr in die Einrichtungen gekommen. Bis heute sei das spürbar, und die Begleitung könne erst langsam wieder anlaufen.

"Es gibt sehr viele wertvolle Momente"

Auch für Hospizbegleiterin Beate Kather-Christen ist es wichtig, jetzt wieder loslegen zu können. Das Ehrenamt gebe ihr viel zurück und habe auch den Blick auf das eigene Leben verändert. "Ich habe sehr viel mehr Freude an jedem neuen Tag, denn ich weiß, dass die Tage für jeden im Leben begrenzt und wertvoll sind", sagt die 50-Jährige. Die Hospizbegleitung sei außerdem nicht nur vom Schmerz und Tod geprägt, auch wenn der Tod immer vor Augen ist: "Es gibt sehr viele wertvolle Momente, soviel Lachen und Glück."

Sie selbst ist vor vier Jahren zur Hospizarbeit gekommen, nach dem Tod ihrer Mutter, die sie gemeinsam mit der Familie gepflegt hatte. Bei der Caritas erhielt sie die mehrwöchige Ausbildung und wird auch weiterhin regelmäßig unterstützt. "Momentan bilden wir wieder neue Ehrenamtliche aus. Auch ist es uns wichtig, dass sich die Begleiter regelmäßig treffen, Fortbildungen bekommen und an Supervisionen teilnehmen", sagt Koordinatorin Sabine Schütz.

Die ehreamtliche Hospizbegleiterin Beathe Kather-Christen (Bild: rbb/Haasen-Wendt)
Die ehrenamtliche Hospizbegleiterin Beathe Kather-Christen. | Bild: rbb/Haase-Wendt

Am Welthospiztag am 9. Oktober wollen sich die Prignitzer Hospizbegleiter mit einem Aktionsnachmittag in Wittenberge vorstellen. Von 15 bis 17 Uhr sind Aktionen und Infostände auf dem Platz vor dem Kulturhaus geplant. "Wir sind da und wir bleiben", sagt Sabine Schütz. Auch in Altlandsberg, Berlin oder Woltersdorf sind Aktionen geplant.

Sendung: Antenne Brandenburg, 07.10.2021, 15:45 Uhr

Beitrag von Björn Haase-Wendt

1 Kommentar

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  1. 1.

    Ich wünschte mir mehr solcher Artikel, Hospiz Arbeit ist nicht einfach und wird kaum von der Außenwelt wahrgenommen, den Tod schiebt man gerne beiseite.
    All meine Hochachtung diesen Mitarbeitern.

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