Berliner Amtsgericht - Geldstrafe für Berliner HIV-Arzt wegen sexuellen Missbrauchs

Mo 01.11.21 | 21:00 Uhr
  1
Der Eingangsbereich am Amtsgericht Tiergarten. (Quelle: dpa/Jordan Raza)
Audio: Inforadio | 01.11.2021 | Torsten Mandalka | Bild: dpa/Jordan Raza

Im Prozess um sexuellen Missbrauch durch einen in der Berliner Schwulen-Szene prominenten Arzt ist der Angeklagte vom Amtsgericht Tiergarten zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Der Schuldspruch erging nur in einem von fünf ursprünglich angeklagten Fällen.

Die Geldstrafe von 45.000 Euro würde einer Haft von fünf Monaten entsprechen - so erläuterte das Berliner Schöffengericht seine Entscheidung. 9.000 Euro davon werden ihm aber wegen der langen Verfahrensdauer von fast zehn Jahren wieder erlassen.

Nach Feststellung des Gerichts hatte der Arzt einen Patienten während einer Untersuchung im September 2012 sexuell manipuliert. Der Mann habe das alles vor Gericht so geschildert, dass keine vernünftigen Zweifel am Tatgeschehen blieben, so der vorsitzende Richter. "Ich bin sehr froh", sagte der Betroffene nach der Urteilsverkündung. Eine andere Entscheidung hätte ihn am Rechtsstaat zweifeln lassen.

Arzt bestritt die Vorwürfe

Die Anklage war zunächst von fünf mutmaßlichen Taten bei körperlichen Untersuchungen in der Zeit von August 2011 bis Mai 2013 ausgegangen. Die Staatsanwältin hatte auf einen Schuldspruch in drei Fällen plädiert und eine Strafe von elf Monaten Haft auf Bewährung sowie die Zahlung einer Geldauflage gefordert. Die Verteidigung hatte Freispruch verlangt. Die Plädoyers liefen unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

In den anderen Fällen konnte sich das Gericht durch Zeugenaussagen nicht zweifelsfrei von der Schuld des Angeklagten überzeugen. Der Arzt hatte im Verfahren sämtliche Vorwürfe bestritten. Verteidigung und Nebenklage konnten unmittelbar nach der Urteilsverkündung noch nicht sagen, ob sie Rechtsmittel einlegen werden.

Kritik erntete das Gericht von Seiten der Nebenklage für seine Ausführungen, dass in einem Fall einvernehmliche sexuelle Handlungen begangen worden seien. Diese Sichtweise ignoriere das Machtgefälle im Arzt-Patienten-Verhältnis. Das Verfahren hatte durch mehrere Presseberichte - vor allem von "buzzfeed" - Aufsehen erregt und gilt als Schlüssel-Prozess für die "MeToo"-Debatte in der Schwulenszene.

Sendung: Abendschau, 01.11.2021, 19:30 Uhr

1 Kommentar

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 1.

    Der >Betrag< allein sagt nichts aus, siehe § 40 StGB. Der Tagesspiegel meldet im Gegensatz zum RBB korrekt: er wurde zu >150 Tagessätzen< verurteilt. Schade, dass man trotz GEZ-Gebühren auf private Medien zurückgreifen muss.

Nächster Artikel