Vorfall an Pfingsten - Kritik an Berliner Polizisten nach Liegestützen am Holocaust-Mahnmal

Mo 01.11.21 | 14:55 Uhr
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Audio: Inforadio | 1.11.21 | Juliane Kowollik | Bild: imago/Schöning

Der laxe Umgang mancher Besucher am Denkmal für die ermordeten Juden Europas sorgte schon öfters für Diskussion. Nun haben sich an Pfingsten zwei Polizisten offenbar gefilmt, während sie an den Stelen Liegestütze machten. Der Vorfall kam erst jetzt an die Öffentlichkeit.

Das Holocaust-Mahnmal in Berlin ist von zwei Polizisten offenbar für das Training von Liegestützen missbraucht worden. Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik entschuldigte sich und verurteilte die Aktion vom Pfingstwochenende, über die die Zeitung "B.Z." am Montag berichtete.

"Das Verhalten der Kollegen ist eine Missachtung dessen, wofür gerade dieses Mahnmal steht und entspricht nicht der Achtung, die ihm entgegengebracht werden muss und die ihm von der Polizei Berlin auch entgegengebracht wird", teilte Slowik mit. "Es verletzt für mich zudem das Andenken an die Ermordeten."

Die Polizisten waren an Pfingsten wegen Demonstrationen im Regierungsviertel nahe dem Holocaust-Mahnmal im Einsatz. Ein Foto in der "B.Z." zeigt, wie sie in Uniform an den Steinblöcken des Mahnmals Liegestütze machen. Dabei sollen sie sich gegenseitig mit Handys gefilmt haben.

Slowik betonte, es gehe um "einen Ort der Erinnerung und des Gedenkens" sowie "einen Ort der Mahnung für die Gegenwart, für die Zukunft". Die Polizei werde dies den Kollegen "unmissverständlich verdeutlichen, das Fehlverhalten klar aufzeigen sowie den Sachverhalt dienstrechtlich aufarbeiten". Gerade mit Blick auf die sehr gute Zusammenarbeit mit der Jüdischen Gemeinde entschuldige sie sich ausdrücklich.

Gewerkschaft der Polizei kündigt Konsequenzen an

Für die Gewerkschaft der Polizei (GdP) sagte Pressesprecher Benjamin Jendro, das Verhalten der Kollegen sei an Geschmacklosigkeit nicht zu überbieten. "Das Holocaust-Denkmal ist kein Abenteuerspielplatz. Diese unerklärliche Aktion verhöhnt den Genozid an Millionen Menschen und tritt die Werte, für die unsere Berliner Polizei steht, mit Füßen", so Jendro. Anscheinend bestehe selbst innerhalb der Polizei großer Nachholbedarf im Bereich politischer Bildung. Es stehe außer Frage, "dass das entsprechende Folgen für die Kollegen haben" wird, sagte Jendro weiter.

Das Mahnmal, das 2005 zum Gedenken an die von den Nationalsozialisten ermordeten sechs Millionen Juden eröffnet wurde, besteht aus rund 2.700 verschieden hohen, dunkelgrauen Betonblöcken. Verboten ist dort laut Hausordnung Rennen, Lärmen, das Springen von Block zu Block, Rauchen und Alkoholkonsum. Trotzdem nutzen manche Touristen das Gelände zum Sonnen, Picknicken und für Handy-Selfies.

Sendung: Inforadio, 1.11.21, 14:00 Uhr

48 Kommentare

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  1. 48.

    Zitat: "Wie bekloppt sind jene die sich darüber aufregen. Lasst die Jungens in Ruhe.
    Mal ganz davon abgesehen, dass das Mahnmal am Thema voll daneben liegt."

    Das animiert ja glatt zum dichten: Der Gemz aus Bad Ems schreibt Firlefenz.

  2. 47.

    Zitat: "Ich habe ein Verständnisproblem."

    Nun, vlt. versuchen Sie einfach mal den Blickwinkel zu wechseln und die angesprochenen Themen aus Sicht der Betroffenen zu reflektieren. Das wäre mal ein Anfang zum Verständnis, wenn Sie denn tatsächlich daran interessiert sind, Frank. In S. Wagenknechts Büchern werden Sie ihre konkreten Fragen kaum beantwortet finden.

  3. 45.

    Und schon wären wir da, wo man Menschen als bekloppt bezeichnet, die sich Gedanke über Pietät sehr leidender Menschen machen, die nicht mal ein Hauch einer Chance hatten würdevoll bestattet zu werden! Ein Mahnmal soll uns vor die Augen führen, unser Gehirn erreichen mit dem Bewusstsein es darf nie wieder passieren! Ganz ehrlich, dann bin ich bekloppt und finde es nicht gut, was die unsere Freunde und Helfer, als Sportstadion benutzten!

  4. 44.

    Stellen Sie sich mal vor, die verlieren eine geliebte Person, und sie wird irgendwo vergraben, man findet nicht ihre Überreste, weil sie vielleicht in einen Massengrab „verbuddelt „ wurde! Es gab aber eine freundliche Person, die für die einen Mahnmal herrichtet, sie freuen sicherlich darüber, denn Sie haben einen Ort an dem die Trauer und Verzweiflung etwas weniger wird! Und die liebe Person erfährt eine Wertschätzung! Da passiert folgendes: sie gehen vorbei und sehen , dass gerade eine gedankenlose Person ihr Hund dort urinieren lässt! Wie würden Sie reagieren, mit lesen des Buchs von Sahra wagenknecht oder mit Wut und Trauer!

  5. 43.

    Wie bekloppt sind jene die sich darüber aufregen. Lasst die Jungens in Ruhe.
    Mal ganz davon abgesehen, dass das Mahnmal am Thema voll daneben liegt.

  6. 42.

    Ja, "warum wird das Holocaust Mahnmal an den belebtesten Ort in Deutschlands Hauptstadt gebaut?" Eine Frage, die manch ein Grundschüler beantworten kann.
    Schön jedoch: jahrelang hat sich niemand mehr soviel Gedanken darüber gemacht, wie jetzt aktuell. Es ist bewusst so gebaut, dass man ins Grübeln kommt, auch ob man es als Sitzgelegenheit nutzen kann, und da hat auch keiner was dagegen.
    Die Aktion der Polizisten jedoch, trägt eine Botschaft, die nichts mit Gedankenlosigkeit zu tun haben kann. Was denken jüdische Mitbürger eigentlich über diese Diskussion?

  7. 41.

    Ja? Was hätten Sie denn für ein Mahnmal? Ich finde die Stolperstein auch nicht wirklich gut. Alle trampeln darüber. Ehrenvoll ist das irgendwie auch nicht. Mahnmal ist Mahnmal. Es gehört der entsprechendeRespekt dem gegenüber Und ja! Ich finde das Mahnmal ästhetisch !

  8. 40.

    Ich habe ein Verständnisproblem. Was ist passiert und was ist der Vorwurf? Pietätlosigkeit ohne Verstoß gegen die Hausordnung? Ich will das Thema nicht verharmlosen, aber zu meiner Zeit wurden Regelverstöße im Vier-Augen-Gespräch geklärt.

    Wir diskutieren heute soziale Fragen großzügig (ohne Ergebnis) aber andere Fragen engmaschig und erfinden dabei neue Verhaltensregeln.
    - althergebrachte Begriffe (Zigeunersuppe, Mohrenkopf, Negerkuss…) sind plötzlich gebrandmarkt
    - Straßen und Plätze werden umbenannt
    - neben den in Biologie gelernten Geschlechtern gibt es neue und unsere Sprache wird angepasst
    - der Kirchenreformator Luther wird zum Antisemiten erklärt und
    - jetzt die Mahn-/Erinnerungsstätte im öffentl. Bereich, wo anfangs ein ungezwungener Umgang angestrebt war.

    Die sich gegen all das aussprechen finden sich plötzlich rechts außen wieder. Was passiert gerade mit unserer Gesellschaft? Ich muss mir doch das Buch von Wagenknecht besorgen um Antworten zu finden.

  9. 39.

    Ja warum wird es auch an einen der belebtesten Orte der Stadt gebaut.
    selbst schuld, ich denke jeder 2. Touri wird es nicht einmal wissen wofür es steht.
    Und wir haben gerade auch ganz andere und wichtigere sorgen als das.
    Hätten die Beschädigungen gemacht, hätte man es verstanden, aber sorry bei ein paar Liegestützen da fehlt mir jeden Verständnis für.

  10. 38.

    "Vielen Menschen ist einfach nicht bewusst was dieses Bauwerk darstellt."

    Und das ist natürlich die Schuld der Menschen, nicht des Bauwerks.

    Wenn sich vom Anblick her nicht erschließt, wofür es da ist, sollte man dies vielleicht auf (ausreichend vielen) Schildern erläutern, am besten mit Verhaltensvorschriften, und am allerbesten noch einen Zaun drumrum machen. Ich bezweifle, dass jemand in der Neuen Wache Turnübungen machen würde.

  11. 37.

    Da wird auf dem Denkmal gehüpft, gegessen und sonstiges veranstaltet. Jetzt wo zwei Polizisten Liegestütze machen kommt die bundesweite Empörung darüber und den Polizisten wird eine Gesinnung unterstellt. Das Verhalten war zweifelsfrei nicht angemessen, man muss aber jetzt auch keinen Staatsakt daraus machen.

    Wo bleibt die bundesweite Empörung wenn sich in Düsseldorf oder Stuttgart die so genannte Partyszene durch gewaltsame oder tödliche Angriffe austobt?

  12. 36.

    Geschmacklos ist für mich erstmal das Denkmal. Meiner Meinung nach wird dieses Unding in keiner Weise der furchtbaren Taten und des schrecklichen Gedankengutes gerecht. Aber das ist sicher eine subjektive Einschätzung. Andererseits lädt die Bauart der Gedenkstätte zu allerlei bedachtem und unbedachtem Unsinn ein. Auch das hätte man bei der Planung / Auswahl bedenken müssen. Oder man wollte es genau nicht. Jedenfalls halte ich die Reaktion insbesondere der Gewerkschaft für völlig überzogen. Die Polizisten haben wenig Gefühl für das Mahnmal aufgebracht, mehr aber auch nicht. Strafrechtlich kann man allerhöchstens mit viel schlechtem Willen etwas an den Haaren herbeiziehen. Und die Gewerkschaft sollte sich Gedanken machen über ihre Aufgaben gegenüber ihren Kollegen.

  13. 35.

    Blos gut das Sie nicht in Watte gepackt werden wollen! Denkmal ist Denkmal ob Ihnen das passt oder nicht!

  14. 34.

    Vorsicht, mit der Dummheit ist das sone Sache, gibt da echt viele Arten von! Zwischen einer gewissen Kritik gegnüber der Aktion und blanken Entsetzen ist eben ein grosser Graben. Betrachten wir andere Denkmäler und deren Umgang/Schutz/Pflege/Erhalt kann ich Roberto´s Kritik schon verstehen. Warum ihnen der Hinweis auf Schwule, russ. Soldaten und Kommunisten nicht gefällt bleibt ihr Geheimnis!

  15. 33.

    Geben sie doch mal "polizei liegestütze" in eine Suchmaschine ein, ignorieren die Sporttestberichte und sie werden vermutlich erstaunt feststellen, das diese "Meisterleistung" bundesweit nachzulesen ist.

    Den beiden "Sportskanonen" sei auf den Allerwertesten tätowiert, das Niveau keine Handcreme und Pietät kein Gewürz ist.

  16. 32.

    Allein die Tatsache, dass den meisten hier garnicht auffällt, worum es eigentlich wirklich, lässt mich wirklich schaudern.
    Ist das von Corona oder Mangel an Bildung? Konkret und persönlich: mit was für Leuten teile ich hier eigentlich noch meine Heimatstadt? Danke Rbb, dass dieses Ereignis hier auf den Tisch kommt. Wir bräuchten tatsächlich 75 Jahre nach Ende des 2. Weltkriegs noch einmal eine Entnazifizierung.

  17. 31.

    Weil immer mehr Leute einer bestimmten Religion in diesem Land gegen Juden hetzen und sich Juden in Deutschland wieder aufs Neue fürchten müssen, im Gegensatz zu ihrem russischen Soldaten.
    Aber wenn man ihren Kommentar liest, wird klar,
    die Dummheit ist die größte Gefahr.

  18. 30.

    Genauso ist es, bewusstes Handeln von Polizeibeamten. Was sollten die Selfies denn aussagen? Welches Menschenbild steckt dahinter? Und ja, es gab mal eine Zeit, da waren Polizeibeamte Vorbilder. Und es gab mal eine Zeit, da trieben sie Mitbürger dieses Landes aus ihren Häusern auf Lkw in Richtung Bahnhof und auf die Zuge in Richtung der Lager.
    Und welche Zeit kommt jetzt?
    Diese Leute gehören vom Dienst "befreit".

  19. 29.

    Wenn das Personal der Polizei paritätisch einen Querschnitt der Bevölkerung abbilden soll, dann muss man sich nicht wundern ...
    Es soll - auch in der Gesamtbevölkerung - etliche takt-, hirn- und geschmacklose Mitbürger:innen geben.

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