Treffpunkt für Wohnungslose - Berliner Stadtmission schließt Tagesstätte "Warmer Otto"

Fr 12.11.21 | 18:56 Uhr
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Tagesstätte für Wohnungslose "Warmer Otto" muss schließen. (Quelle: rbb/M. Bartsch)
rbb/M. Bartsch
Video: 12.11.2021 | rbb|24 | Stefan Oberwalleney | Bild: rbb/M. Bartsch

Für Wohnungslose ist der "Warme Otto" in Berlin-Moabit über viele Jahre ein Treffpunkt gewesen, um Hilfe und Ruhe zu finden. Nun hat die Berliner Stadtmission die Tagesstätte überraschend geschlossen. Die Empörung unter den Stammgästen ist groß.

Die Wohnungslosentagesstätte "Warmer Otto" in Berlin-Moabit hat am Freitag die Schließung bekanntgegeben. Als Gründe wies die Berliner Stadtmission unter anderem auf die Räumlichkeiten in der Tagesstätte hin, die "fachlichen und rechtlichen Anforderungen" nicht mehr genügten.

Bei der Entscheidung, die Tagesstätte zu schließen, hätten auch Themen wie Arbeitsschutz, Datenschutz und Gesundheitsschutz eine Rolle gespielt. Für den Weiterbetrieb sei keine "tragfähige Option" gefunden worden, erklärte die Stadtmission in einer Pressemitteilung. Zudem hätten zwei Mitarbeiter kurzfristig ihre Bereitschaft widerrufen, in den Räumen weitehin zu arbeiten.

Stammgast über Schließung: "Verdammter Mist"

Im "Warmen Otto" finden Wohnungslose Hilfsangebote und einen Ruheplatz. Die kurzfristige Bekanntgabe vom Ende traf auf großes Unverständnis bei den Stammgästen. "Verdammter Mist. Da hätte man wenigstens bis zum Frühjahr warten sollen, um den Leuten hier den Raum für die Kältezeit zu geben", sagte ein Gast rbb|24.

"Das ist nicht richtig so etwas. Ich protestiere in aller Schärfe. Das ist unmenschlich und unsozial", so ein weiterer Gast.

Stadtmission und Bezirk Mitte suchen neuen Standort

Die Postfächer der Gäste des "Warmen Otto" sind der Mitteilung zufolge bis auf Weiteres zugänglich. Demnach steht die Stadtmission derzeit im Austausch mit dem Bezirk Mitte, um "einen neuen Standort und geeignete Räumlichkeiten" zu finden. So soll ein "möglichst zeitnaher Neustart einer Wohnungslosentagesstätte an einem geeigneten Ort" ermöglicht werden.

Die aktuellen Räumlichkeiten in Moabit sollen aber weiterhin für diakonische Arbeit erhalten bleiben.

Sendung: Inforadio, 12.11.2021, 15 Uhr

33 Kommentare

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  1. 33.

    Wenn Sie nicht verstehen, dass jemand enttäsuscht ist und seinen Unmut äußert, dass seine Anlaufstelle für saubere Kleidung, eine Mahlzeit, Gesellschaft, Wärmen im Winter und Hilfsangebote wegbricht, dann sollten Sie vielleicht mal einen Dienst dort tun oder ein paar Tage im Herbst draußen verbringen. Vielleicht verstünden Sie es dann!

  2. 31.

    Wenn man den Vor-die-Tür-Gesetzten zuhört weiss man, dass nicht zuletzt der sehr plötzliche Charakter der Schließung ein Problem ist. Und den haben nun mal Stadtmission und Mitarbeiter verursacht, wenn sie nach 38 Jahren scheinbar ohne vorherige Ankündigung zum Winter hin den Laden dichtmachen. - Eine Einquartierung in Containerdörfern habe zumindest ich nicht gefordert und halte auch nichts davon. - Unter Arbeitsschutz versteht man all jene Maßnahmen, die vor Unfällen am Arbeitsplatz schützen: Also z.B. den Helm auf der Baustelle, Warnmarkierungen an scharfen Kanten und heißen Flächen oder Absturzsicherungen an Gruben. Was aus diesem Bereich ist im Warmen Otto relevant und kann dort nicht gelöst werden? Und welche Anforderungen des Datenschutzes können dort nicht erfüllt werden?

  3. 30.

    Sehr geehrter Herr Heiko,
    was den Übergriffen betrifft, davon ist ja schon öfters berichtet worden. Ich selber war auch obdachlos, wurde ein paar mal bestohlen, aber zum Glück ist mir nichts weiter passiert. Kenne es quasi aus eigener Erfahrung.
    Mit freundl. Grüßen und ein schönes Wochenende

  4. 29.

    Ihr Vergleich hinkt. Lasse ich Portemonaie und Schlüssel zuhause, komme nicht in die Wohnung, so ist das ein temporäres Problem. Die Schließung hier ist ein dauerhaftes Problem für alle Beteiligten. Es geht hier um eine dauerhafte Lösung, kein Fingerzeigen auf Flüchtlinge, Mitarbeiter oder Obdachlose oder Wohnungsinhaber. Es geht um eine dauerhafte Möglichkeit für obdachlose Menschen, die nicht mal eben so in ein Containerdorf verfrachtet werden sollen, nur, weil es grad leersteht. Das ist eine Notlösung. Dann haben wir die Situation und das Bangen für sie im nächsten Jahr wieder. Es ist eine schwierige Situation mit und für Menschen, die aber auch ihre Schwierigkeiten haben. Gerade deshalb braucht es verlässliche Hilfe in - für alle Beteiligten- vernünftiger Form. Und was ist beim Problem mit dem Arbeitsschutz so schwer zu verstehen?

  5. 28.

    Am Thema vorbei. Mitarbeiter sind gegangen, weil es so nicht mehr ging. Warum? Das hat etwas mit den Realitäten vor Ort zu tun. Das hat nichts mit Verurteilen von Obdachlosen zu tun. Containerdörfer sind per se nur vorübergehend angelegt, also keine Dauerlösung. Wenn diese also später wieder geschlossen werden, wird das genauso Kritik hervorrufen wie die aktuelle Schließung des „Warmen Otto“. JEDES Jahr wird’s auch ohne Corona zum Winter hin schwierig. Jetzt kommt Corona noch dazu. Es geht aber doch darum, hier einen dauerhaften Ersatz zu schaffen, der auch für die Mitarbeiter geht (!), und dieser wird gesucht. Keiner ruht sich hier aus. Und ja, wenn jemand obdachlos wird, hat das spezielle Gründe. Meist liegen sie in lebenserschütternden Ereignissen, der Psyche, einer Suchterkrankung, meist fortgeschritten. Das hat Auswirkungen. Und macht die Suche nach Unterkünften schwierig. Es braucht aber für alle eine vernünftige Lösung.

  6. 27.

    Wenn die Mieten immer weiter steigen, werden auch die Obdachlosen immer mehr. Wohnen ist ein Grundrecht! Ohne eigene Wohnung ist man ständig von Krankheiten(auch Corona) und Übergriffen von bösen Menschen bedroht. Wir alle kennen Rückenleiden. Wer möchte deshalb nur eine Nacht auf einer Parkbank im Freien schlafen? Die Mieten gehören im sozialen Bereich so gestaltet, dass sie ausschließlich kostendeckend sind. Das bedeutet, dass die Warmmiete in zum Beispiel einer 50 Quadratmeter Wohnung eigentlich unter 150 Euro liegen sollte. Alles andere ist Profitgier. Es zählt hier weder die Lage, noch der sogenannte Mietspiegel. Der Mietspiegel ist eine Schaukel, die die Mieten immer nur nach oben treibt.

  7. 26.

    Ich halte es für unzulässig, Obdachlose und Flüchtlinge unterschiedlich zu bewerten, sie miteinander in Zusammenhang zu bringen bzw. diese gegeneinander auszuspielen. Sowas zeugt von Engstirnigkeit, inhumanem Denken und mindestens latenten Rassismus.

  8. 25.

    genau - die Geflüchteten bringen ja auch Geld in die Kasse , also deren Unterbringung kostet..... was man von den Obdachlosen nicht sagen kann, die kommen gern wegen auch der menschlichen Zuwendung- uind da schließt man doch lieber das was wenig bezahlt wird- wie heuchlerisch

  9. 24.

    Auf der einen Seite werden pompös Impfzentren errichtet, die gar nicht gebraucht werden (die Impfung geht ohne lange Wartezeit auch beim Hausarzt). Auf der anderen Seite werden dann schon lange bestehende soziale Einrichtungen einfach mal so geschlossen. Irgendwas stimmt in der Verhältnismäßigkeit hier nicht mehr. Die Politik ist zum Handeln aufgerufen!

  10. 23.

    Alle von Ihnen beschriebenen Herausforderungen im Umgang mit Obdachlosen gab es auch in den 38 Jahren davor schon. Hinzu gekommen ist ein Covid-Risiko, das man aber offenbar im Winter 2020/2021 auch in den Griff gekriegt hat. Und mangelnder Gesundheitsschutz ist ja nur eines der Argumente für die Schließung: Die Dame von der Stadtmission begründet das Ende des warmen Otto vage damit, dass auch die Voraussetzungen für "Arbeits- und Datenschutz" nicht gewährleistet seien. Was soll das eigentlich heissen?? Und wieso fällt das erst jetzt auf bzw wieso meint man, die Probleme an diesem Ort nicht lösen zu können? - Sie fragen, ob dies unsozial ist? Das ist ein dehnbarer Begriff, denn einen formalen Anspruch der Obdachlosen gibt es natürlich nicht; nicht mal einen moralischen. Seltsam ist es trotzdem: Lassen Sie doch z.B. mal Schlüssel und Portemonnaie in der Wohnung, ziehen Sie die Tür zu und treiben Sie sich nur 24 h draußen rum. Vielleicht bewerten Sie die Schließung dann anders.

  11. 22.

    Aha, Obdachlose sind also "sehr speziell". Und deswegen war eine Unterbringung in den leerstehenden Containerdörfern nicht möglich?
    Im Kommentar 4 wurde geschrieben, dass sie von dort durch den Senat vertrieben wurden. Etwa auch, weil sie "sehr speziell" sind? Vielleicht sind sie durch die Umstände unter denen sie hausen müssen auch "sehr speziell" geworden?
    Die ganze Diskussion hier ist dermaßen quer, dass mir übel wird.

  12. 21.

    Obdachlose sind Menschen. Mit Stärken, aber auch Schwächen, Egoismen und Süchten. Es sind Menschen, die mit der üblichen, geregelten Lebensweise häufig nichts(mehr) anfangen können/wollen. Die sich bevormundet fühlen, wenn sie bürokratische Gegenleistungen für Wohnung und Geldleistungen erbringen sollen, eingeengt fühlen in einer Wohnung. Nicht immer schaffen, mietvertragskonform zu wohnen (häufig ein Grund für Wohnungsverlust). Die Mär vom Kumpeldasein löst sich häufig dann in einer Obdachlosenunterkunft auf, wenn „Neulingen“ klar wird, dass hier sehr wohl gestohlen, bedroht und Gewalt ausgeübt wird, auch wenn alle in einer Notsituation stecken. Dies alles müssen Mitarbeiter- neben den gesundheitlichen Risiken- aushalten/regeln (können). Wenn dann die räumliche Situation jahrelang zum Risiko beiträgt... Bis Mitarbeiter sagen, es geht nicht mehr, und gehen, weil sich nichts ändert. Es ist auch deren zweiter Covid-Winter und dort mit höherem Ansteckungsrisiko!! Ist das unsozial?

  13. 20.

    Und wann war das bzw. warum wurden dann für die keine Alternativen geschaffen? Sind uns Obdachlose weniger wert als Geflüchtete? Vermutlich bemerkt man sowas erst richtig, wenn jetzt Alternativen wie diese Wärmestube geschlossen werden.
    Das es ein Armutszeugnis für den Senat ist, da stimme ich ihnen zu.

  14. 19.

    Ich habe da Mitte der 1980er Jahre gearbeitet. Das die Stadtmission das DW ersetzt hat war ein Fehler.

    Nicht nur wegen des Sozialen znd fachlich kopetenten sondern auch weil die SM ideologisch evangelikalen Gruppen nahe steht.

    In den 90er Jahren versuchte mich ein SM-Gottesanbeter auf der Arbeit ( eine andere Tagesstätte ) ideologisch zu indoktrinieren .

    Ich hoffe das der Bezirk einen anderen gemeinnützigen Träger findet um die Arbeit zu übernehmen ( Awo , DRK , DW ... )

  15. 18.

    Besteht ein gesetzlicher Anspruch von Obdachlosen auf solche Einrichtungen? Andernfalls verstehe ich nicht, wie man empört sein kann, wenn man eine freiwillige Freundlichkeit nicht mehr erhält.

  16. 16.

    Ich verstehe zweierlei nicht: 1. Wieso fällt der Stadtmission und ihren Angestellten das Problem nach 38 Jahren bzw im zweiten Covid-Winter auf? 2. Wieso fragt man als Journalist bei einer so knappen Erklärung offenbar nicht nach?

  17. 15.

    Nicht arme Menschen füttern, sondern armen Menschen helfen!
    Nur, manchmal ist ein Stückchen Brot auch Hilfe und wenn keiner mehr weiß.., wohin?

  18. 14.

    Die hohe Zahl der Obdachlosen ist doch direkte Folge Konservativ-Neoliberaler Politik.

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