Tipps zum Black Friday - Wie man Fake-Shops am besten erkennt

Fr 26.11.21 | 14:16 Uhr | Von Dani Beck
Ein Mann mit einer Bankkarte in der Hand sitzt am Laptop und schaut sich die Black Friday Angebote an (Quelle: dpa/Mohssen Assanimoghaddam)
Bild: dpa/Mohssen Assanimoghaddam

Black Friday, Black Weekend und Cyber Monday: Diese Stichworte lösen nicht immer nur Freude aus. Denn bei der Schnäppchenjagd begegnet man auch unbekannten bis dubiosen Akteuren, vor allem im Internet. Was ist seriös, wo lauert Betrug? Von Dani Beck

So gut wie alle großen Händler, die man aus den Einkaufsstraßen oder Shopping-Malls in Berlin und Brandenburg kennt, haben mittlerweile Online-Shops. In der Regel gibt es hier einen verlässlichen Service, eine große Auswahl und sichere Bezahlmöglichkeiten.

Mit dem Einkauf bei diesen Händlern gehen man also meist kein Risiko ein. Aber man zahlt auch nicht immer den niedrigsten Preis. Der ist nur wenige Klicks entfernt zu finden - bei dann oft nicht so bekannten Händlern.

Woran erkennt man seriöse Onlineshops?

Reine Internethändler kalkulieren anders und bieten daher vergleichsweise günstige Preise an. Zudem haben sie spezielle Sortimente, auch Nischenprodukte oder Raritäten sind hier zu finden. Auch wenn sie nicht alle mit einem Customer-Service-Callcenter aufwarten können, sind die meisten seriöse Anbieter. Falls daran Zweifel aufkommen: Eine Liste bereits bekannter betrügerischer Onlineshops gibt es auf der Informationsplattform "Watchlist Internet" [watchlist-internet.at].

Der ausgesuchte Anbieter ist nicht auf der Liste, wirkt aber seltsam? Die Verbraucherzentralen nennen einige Merkmale, an denen ein seriöser Shop zu erkennen ist, zum Beispiel ein vollständiges Impressum, diverse Kontaktmöglichkeiten und gute, glaubwürdige Bewertungen im Internet.

Auch Prüfsiegel wie beispielsweise von Trustpilot oder Trusted Shops können bei der Bewertung eines Onlineshops helfen. Allerdings sollten man immer auf diese Verweise klicken, um zu sehen, ob diese auch echt - und nicht nur einfache Bilder sind.

Mehr Sicherheit mit Browser-Erweiterung?

Zu einer sehr praktischen Hilfe für Onlineshopper könnte sich die Browser-Erweiterung namens "Fake Shop Detector" entwickeln. Sie übernimmt die Prüfarbeit im Hintergrund. Zum einen werden aufgerufene Internetadressen mit einer kuratierten Datenbank bereits bekannter Fakeshops aber auch vertrauenswürdiger Shops aus dem deutschsprachigen Raum abgeglichen.

Mit Hilfe eines KI-Modells kann die Erweiterung zudem die Seite anhand tausender Merkmale in Echtzeit prüfen, um den Shop dann hinsichtlich seiner Ähnlichkeit mit Fakeshops bewerten zu können. Entdeckt die Erweiterung einen Fakeshop, warnt sie die Nutzer:innen.

Die Erweiterung ist in einer Beta-Version aktuell für die Browser Firefox, Chrome und Edge verfügbar. Entwickler ist das Österreichische Institut für angewandte Telekommunikation.

Was sagen die anderen?

Auch Anbieter mit schlechtem Service sind ärgerlich. Will man darüber mehr erfahren, kann man bei einem Internet-Beschwerdebriefkasten wie etwa Reclabox vorbeischauen. Auf Angeboten wie diesen lassen sich bisherige Beschwerden, aber auch die entsprechenden Antworten der betroffenen Firmen einsehen. Beschwerden kommen zwar auch beim besten Shop einmal vor, aber es geht auch immer darum, wie gut und schnell dann Probleme gelöst werden.

Welche Fakeshops gibt es?

Gibt man ein Produkt in einer Suchmaschine ein, finden sich in den Ergebnissen schnell Angebote von Online-Marktplätzen, auf denen auch viele Drittanbieter ihre Artikel verkaufen. Manche agieren in betrügerischer Absicht. Daneben versuchen Betrüger, mit mittlerweile höchst professionell gestalteten Onlineshops an das Geld von Kund:innen zu kommen - ohne Waren zu liefern – eine Übersicht.

Auf der Webseite zum gewünschten Produkt sollte man deswegen immer darauf achten, wer der Verkäufer ist und sich dazu die Händlerseite ansehen. Verbraucherschützer empfehlen:

- Den Händlernamen checken - es ist unwahrscheinlich, dass ein Händler mit "Textil" oder "Spielzeug" im Namen plötzlich das neueste Smartphone verkauft.

- Gab es in jüngster Zeit vermehrt negative Bewertungen oder gab es eine große Pause bei den Bewertungen?

- Ist der Preis gut oder zu gut? Was kosten andere Artikel? Ist es nur ein Top-Preis, kann es sich durchaus um einen guten Deal handeln, liegen die Preise durchweg unter dem aktuellen Preisniveau, ist das eher unwahrscheinlich.

- Nur bei "Verkauf und Versand durch xyz" kauft man auch wirklich dort und nicht bei einem Dritthändler.

- Immer auf die Händlerseite gehen. Auch mit Käuferschutz oder einer Händler-Garantie ist man nicht immer auf der sicheren Seite. Werden diese Modelle angeboten, sind es gute Indizien für einen seriösen Händler. Noch besser sind autorisierte Händler, die direkt mit der Plattform zusammenarbeiten.

- Mit einem Blick auf bisher verkaufte Artikel verschafft man sich einen guten Überblick.

- Könnte der Account gehackt sein? Betrüger haben es oft auf Profile mit sehr guten Bewertungen und vielen Verkäufen abgesehen. Hat der Anbieter bisher Secondhand-Kleidung verkauft, jetzt aber die neue Playstation - und zwar nicht nur eine - ist ein Betrugsversuch wahrscheinlich.

- Unbedingt klären, von wo versendet wird und welche Versandarten angeboten werden.

- Verbraucherschützer raten von Kauf per Überweisung unbedingt ab. Jegliche Kommunikation und Zahlung sollte direkt über die Plattform laufen, sodass im Notfall auch nachvollzogen werden kann, was passiert ist.

Fakeshops allgemein

Bei Betrugsseiten, die entweder täuschend echt aussehen oder vorgeben, ein anderer Shop zu sein, raten Verbraucherschützer den ersten Blick auf die URL zu werfen. Gibt es im Vergleich zum Original minimal andere Schreibweisen der URL? Steht am Ende statt ".de" etwa ".shop"? Das kann ein erster Hinweis auf einen Betrug sein.

- Auch hier sollte man unbedingt auf die Preise achten und diese vergleichen - ein oder wenige gute Angebote sind okay, liegen alle Preise unter denen von größeren Preissuchmaschinen, dann lieber Finger weg!

- Lieferzeiten beachten.

- Das Impressum doppelt und dreifach checken und Sie im Internet nach Erfahrungen mit dem Shop suchen – irgendetwas auffällig?

- Besser nicht sonntags bestellen, sondern nur dann, wenn Hotlines besetzt sind. Geht hier auch jemand dran? Gibt es glaubwürdige Social-Media-Seiten?

- Bezahlt werden sollte nur mit einer Methode, mit der man im Schadensfall sein Geld zurückholen kann oder später überweist. Gibt es nur Überweisung als Zahlmethode? Das riecht nach Betrug.

- Beim kleinsten Zweifel sollte man lieber ein paar Euro mehr ausgeben und geht so auf Nummer sicher. Auch bei großen Händlern können Dinge schiefgehen, hier gibt es allerdings viele Mittel und Wege, um an das Produkt zu kommen oder eine Rückerstattung zu bekommen.

- Gibt es ein Vorhängeschloss in der Adresszeile des Browsers? Online-Transaktionen sollten immer über Webseiten laufen, die über eine SSL-Verschlüsselung ("Secure Sockets Layer") verfügen. Zu erkennen ist das am "https" in der Adresszeile.

- Gibt der Browser den Hinweis auf eine unsichere Verbindung, dann Finger weg. Das gilt dann übrigens für diesen Moment auch für große Händler, da selbst diese nicht gänzlich vor Cyberattacken geschützt sind.

- Und: Finger weg von Angeboten aus dem Spam-Ordner des E-Mail-Postfachs.

Wir erkenne ich Fake-Artikel?

Soll es zu Weihnachten eine Luxus-Tasche werden oder lieber ein neues Smartphone? Gefälschte Artikel zu erkennen, ist oft gar nicht so einfach. Andre Lenz von der Generalzolldirektion Bonn sagt: "Hauptanhaltspunkt für eine Fälschung ist ein unverhältnismäßig geringerer Preis im Vergleich zu dem, was man beim Hersteller für das Original-Produkt zahlen würde. Weitere Anhaltspunkte können Rechtschreibfehler zum Beispiel in Bedienungsanleitungen oder fehlende Warnhinweise usw. sein."

Am sichersten kauft man also direkt beim Hersteller oder einem großen, renommierten Fachhändler oder Shop. Auf das Problem der vielen Fälschungen haben viele Unternehmen längst reagiert, sie bieten auf ihren Internetauftritten "auch Informationen zur Erkennung von Fälschungen an", sagt Lenz. Gefälscht werde grundsätzlich alles, was aktuell im Trend bzw. beliebt ist. "Spitzenreiter bei unseren Aufgriffen sind wie in den letzten Jahren Kleidung, Schuhe (insbesondere Sneaker) und elektronische Geräte."

Hauptanhaltspunkt für eine Fälschung ist ein unverhältnismäßig geringerer Preis im Vergleich zu dem, was man beim Hersteller für das Original-Produkt zahlen würde.

Andre Lenz, Generalzolldirektion Bonn

Hinweise auf Fälschungen

- Die Qualität an sich kann einen Hinweis auf die Echtheit geben. Stinkt das Material stark? Wurde Plastik statt etwa Metall verwendet?

- Besondere Vorsicht ist bei bestimmten internationalen Handelsplattformen geboten. Der überwiegende Anteil an gefälschten Waren stammt laut Zoll aus China, gefolgt von Hongkong.

- Bei Parfüms gibt sogenannte Duft-Zwillinge, welche legal zu kaufen sind. Sie haben eine komplett andere Verpackung, einen anderen Namen, aber versuchen den Duft eines teureren Parfüms nachzuahmen. Der Preis ist günstiger, aber die Inhaltsstoffe meist unbedenklich. Im Gegensatz dazu gibt es aber auch billige Kopien, bei denen Verpackung und Name ähnlich oder gleich sind, der Inhalt aber oft voll bedenklicher Inhaltsstoffe ist - und auch der Duft nichts mit dem Original zu tun hat. Am sichersten kauft man also in einer seriösen Parfümerie, lokal oder online.

- Grundsätzlich gilt: Ist ein Produkt überall ausverkauft, ist es unwahrscheinlich, dass irgendein ein kleiner Händler dieses noch hat. In diesem Fall sollte es doch lieber ein Gutschein werden.

Sendung: Inforadio, 26.11.2021, 06:35 Uhr

Beitrag von Dani Beck

Nächster Artikel