Stettiner Bahn - Ausbau der Strecke zwischen Angermünde und Stettin soll früher fertig werden

Di 30.11.21 | 15:14 Uhr
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Symbolbild: Arbeiten an Gleisanlagen (Quelle: dpa/Bernd Wüstneck)
Audio: Antenne Brandenburg | 30.11.2021 | Marianne Blaschke | Bild: dpa/Bernd Wüstneck

In 90 Minuten von Berlin ins polnische Stettin: Schon ab 2025 rücken die beiden Städte 20 Minuten näher zusammen, ein Jahr früher als erwartet. Entlang der Bahnstrecke erwarten viele Orte mit Haltestelle einen enormen Zuzug von Menschen.

Schnellere Fahrzeiten und mehr Züge: Die Deutsche Bahn (DB) hat am Dienstag mit dem Ausbau der 49 Kilometer langen Strecke zwischen Angermünde und der polnischen Stadt Stettin begonnen. Die Strecke soll bereits 2025 in Betrieb genommen werden, kündigte die Bahn am Dienstag an. Zuvor war die Fertigstellung für 2026 geplant worden. Kommunen entlang der Stettiner Bahn reagierten hocherfreut.

"Wir haben uns die Baupläne noch mal genau angesehen und am Ende ist es uns gelungen, durch entsprechende Bauplanung die Inbetriebnahme nach unseren heutigen Erkenntnissen für 2025 vorherzusagen", sagte Ronald Pofalla, Vorstand für Infrastruktur der Deutschen Bahn AG, am Dienstag zum symbolischen Spatenstich in Angermünde.

Woidke sieht Aufwertung der Mobilität im ländlichen Raum

Der Brandenburger Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sprach angesichts der Elektrifizierung von einem "großen Schritt" nach vorne bei der grenzüberschreitenden Klimamobilität. "Diese Verbindung ist ein sehr, sehr gutes Beispiel für die kommenden Zeiten", sagte Woidke. Zugleich bedeute der Ausbau eine "Aufwertung der Mobilität in ländlichen Räumen wie der Uckermark".

Städte wie Angermünde, die an der Bahntrasse liegen, planen bereits den Zuzug, indem eine neue Schule in Vorbereitung ist, Bauland stünde laut Angermünde zur Verfügung. Damit rückten Städte wie Angermünde und auch Eberswalde in den Fokus von Berlinern als neuem Lebensmittelpunkt, weil man in einer halben Stunde beziehungsweise 45 Minuten vom Barnim oder der Uckermark mit der Bahn im Berliner Stadtzentrum sei, erklärte der ehemalige Bürgermeister von Eberswalde Friedhelm Boginski (FDP), der jetzt als Abgeordneter in den Bundestag eingezogen ist.

Der Bahnhof Angermünde. (Quelle: Volker Emersleben/DB)

Angermündes Bürgermeister Frederik Bewer hat noch eine zweite Klientel im Blick: die Stettiner. Auch für sie werde die Uckermark und Angermünde mit der neuen, sehr viel schnelleren Zugverbindung sehr viel interessanter als neuer Lebensmittelpunkt. Überrascht zeigte er sich, dass bereits zum Fahrplanwechsel 2025 die Strecke fertig werden soll. "Das ist mal eine tolle Nachricht. Das setzt uns dann aber auch in Zugzwang, mit unseren Vorplanungen auch früher fertig zu sein", sagte Bewer rbb|24.

Bauen in zwei Phasen

Die Bauarbeiten an der Stettiner Bahn sollen in zwei Phasen erfolgen [bauprojekte.deutschebahn.com]. Los geht es auf dem 19 Kilometer langen Abschnitt zwischen Angermünde und Passow. Es werden Gleise ausgetauscht, Oberleitungen gebaut und die Strecke für Tempo 160 fit gemacht. Geplant ist auch ein neues Umrichterwerk. Der Bahnhof Passow wird mit einem neuen Hausbahnsteig modernisiert. Zudem sind hier 740 Meter lange Überholgleise vorgesehen. Allein im nächsten Jahr verbaut die Bahn 24.000 Schwellen und 51.000 Tonnen Schotter. Entlang der Strecke errichtet die DB insgesamt 2.400 Meter Schallschutzwände, besonders in Angermünde und Tantow.

Während der Arbeiten am ersten Abschnitt soll der Bahnverkehr auf der Verbindung aufrechterhalten werden. Es könne jedoch zu längeren Fahrzeiten und veränderten Abfahrtszeiten kommen, teilte die Bahn mit.

In 90 Minuten von Berlin nach Stettin. (Quelle: Volker Emersleben/DB)

Ab 2024 soll dann der Ausbau zwischen Passow und der deutsch-polnischen Grenze folgen. An diesem Teilstück ist eine Totalsperrung der Strecke vorgesehen. Die polnische Eisenbahngesellschaft Polskie Koleje Panstwowe (PKP) plant parallel den Ausbau zwischen der Grenze und Stettin."Die Vorplanung der PKP für den Streckenabschnitt zwischen der Staatsgrenze und Szczecin Gumieńce befindet sich in der Endphase", sagte PKP-Vorstand Arnold Bresch. Außerdem habe die polnische Seite beschlossen, dass ein zweites Gleis gebaut und die Strecke elektrifiziert wird, damit Reisezüge mit Tempo 160 und Güterzüge mit 120 Stundenkilometer fahren können, hieß es.

Bund und Land zahlen fast eine halbe Milliarde Euro

Der Bund stellt für das Projekt rund 380 Millionen Euro zur Verfügung. Berlin und Brandenburg steuern insgesamt 100 Millionen Euro bei. Die Strecke, die die Region Berlin-Brandenburg und Stettin verbindet, soll eine Lücke im europäischen Schienenverkehr schließen.

Vor anderthalb Monaten erstes wichtiges Projekt auf der Strecke fertig

Bereits vor anderthalb Monaten wurde auf Berliner Territorium ein Nadelöhr auf der Strecke in Brandenburgs Nordosten und weiter bis nach Stettin beseitigt. Für 200 Millionen Euro hat die Bahn das Karower Kreuz ausgebaut und in Betrieb genommen. Züge können zweigleisig mit Tempo 160 die ehemalige Engstelle passieren. Bis zu 120 Züge passieren täglich den Bereich zwischen Karow und Blankenburg. Über das Karower Kreuz rollen unter anderem die Regionalexpress-Linien RE5 und RE3, weitere Regionalbahnen und Güterzüge, wie etwa Kesselwagen von und zur Raffinerie Schwedt.

Sendung: Antenne Brandenburg, 30.11.2021, 15.10 Uhr

Mit Material von Julian von Bülow und Georg-Stefan Russew

15 Kommentare

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  1. 15.

    a) Das Billiglohnland wird mehr von der Linie nach Stettin haben.
    b) Warten wir einmal wann die Linie nach Cottbus fertig wird.
    c)Kleiner Tipp: Grundsätzlich ließen sich in Brandenburg und Berlin eben keine Dutzende Schienenbauprojekte gleichzeitig angehen, weder finanziell noch personell.

  2. 14.

    Falsch liegen Sie, da sie meinen der jetzige Potsdamer Hauptbahnhof habe schon einmal diesen Namen gehabt. Hatte er eben nicht. Falsch ist zudem was sie mir unterschieben "der Ausbau der Stettiner Bahn bringe nur Vorteile für Polen". Einfach lesen. Aus Potsdam kommen in der Stunde 3 Doppelstock-Zuge auf die Ost-West-Verbindung plus S-Bahnen und Regionalbahnen ein vielfaches dessen was von den Dörfern an der Stammbahn zu erwarten ist. Dass das Billiglohnland mehr von der Linie nach Stettin hat leugnen Sie ja auch.

  3. 13.

    1.) Warum der Ausbau "fast nur Vorteile für Polen" bringt, könnten Sie vielleicht nochmal erläutern.

    2.) Falls Sie mit "Regio nach Cottbus" den zweigleisigen Ausbau der Strecke Lübbenau-Cottbus meinen, so ist diese Baumaßnahme bereits längst beschlossen und finanziert - nur die Umsetzung dauert halt leider (typisch deutsch) mindestens bis 2027. Hier ist die Bundesregierung gefragt, Planungs- und Genehmigungsverfahren für Schienenprojekte zu beschleunigen. Zweites S-Bahn-Gleis nach Potsdam fände ich auch super und stimme Ihnen voll zu.

    3.) Kleiner Tipp: Grundsätzlich ließen sich in Brandenburg und Berlin auch Dutzende Schienenbauprojekte gleichzeitig angehen. Geht ja beim Straßenbau auch, ist alles eine Frage der Prioritäten.

  4. 12.

    Eine „Euroregion Pomerania“ gibt es bereits, das ist aber eher ein Landschaftsverband. Stettin, Brandenburg und M-V streben jedoch an, die polnische Planungsregion „Stettiner Agglomeration“ zu einer richtigen EU-Metropolregion zu entwickeln, die auch die Uckermark und Ostvorpommern einbezieht. Überhaupt sind die grenznahen Wojewodschaften sehr an vertieften Beziehungen interessiert und stoßen damit bei den hiesigen Landesregierungen auf offene Ohren.

    Gebremst wird in Warschau und Berlin: Die deutsche Regierung guckt nach Westen, die polnische nach Süden. Bei der deutschen ist es Ignoranz; bei der polnischen steckt mehr dahinter. Die gönnen nicht mal ihren eigenen Westregionen die Butter aufs Brot.

  5. 11.

    Auch in Polen gab es einen Lockdown. Covid-19 interessiert sich nicht für Grenzen. Und Sie ahnen offenbar nicht, wie viele Polen jetzt schon in Deutschland wohnen, gerade in der Uckermark und in Ostvorpommern. Auch in Gegenrichtung tut sich was: Immer mehr Deutsche lehren oder studieren z.B. in Stettin. In deren Sicht wachsen Polen und Deutschland genauso zusammen wie es im Westen Frankreich, Deutschland, Luxemburg, Belgien, Holland und die Schweiz tun. In welchem Land man wohnt oder arbeitet, wird immer weniger wichtig, wenn sogar S-Bahnen und Straßenbahnen über die Grenzen fahren. Es heißt ja nicht ohne Grund Europäische Union.

  6. 10.

    Der jetzige Potsdamer Hauptbahnhof ist auch der alte. Sie meinen den Bahnhof Pirschheide. Der bekommt mit dem nächsten Fahrplanwechsel wieder eine zweite Bahnlinie, damit dort umgestiegen werden kann. Auf die „unnütze“ Stammbahn sind Viele scharf, denen das Gezuckel mit der S1 zum Hals heraushängt. Und dass Sie glauben, der Ausbau der Stettiner Bahn bringe nur Vorteile für Polen, ist ganz typisch dafür, wie viele Potsdamer ihr Bundesland wahrnehmen: Hinter Berlin ist Wüste, darum muss man sich nicht kümmern. Brandenburg - das ist Potsdam und vielleicht noch Werder, was schert uns der Rest!

  7. 9.

    Die deutschen Städte profitieren, weil die Zugfolge dichter wird. Der RE3 ist oft knackevoll. Außerdem wird erwogen, den künftigen RE9 nach Stettin nicht überall halten zu lassen, sodass er noch ein paar Minuten zusätzlich bringt.

    Bei den Ortsnamen gibt es eine Regel: Wurde die Stadt umbenannt, wird der neue Name benutzt (z.B. Kaliningrad statt Königsberg). Wenn es sich nur um die polnische (oder tschechische) Form des bisherigen Namens handelt oder schon immer mehrere Namen parallel genutzt wurden, kann auch der alte Name weiter benutzt werden. So wie wir Warschau, Moskau, Prag, Lissabon, Athen und Rom sagen, kann man auch Stettin und Danzig sagen.

  8. 8.

    Der Ausbau bringt fast nur Vorteile für Polen. Besser wären andere Projekte, wie das 2. Gleis für die S-Bahn nach Potsdam oder Regio nach Cottbus. Seit 30 Jahren wird der Wiederaufbau des 2. Gleises für die S-Bahn nach Potsdam verschleppt oder der Ausbau zum alten Hauptbahnhof in Potsdam, welcher gut für Pendler wäre. Wiederaufgebaut wurden dafür sinnlose Prestigbauten wie der Rosa Klotz in Potsdam oder in Planung die unnütze Stammbahn. Dass die Grünen in der Mark und im Bund ihre Wahlversprechen nicht umsetzten ist für viele eine Enttäuschung.

  9. 7.

    Ich finde den Ausbau sehr gut und überfällig aber wieso Angermünde und Eberswalde dann noch besser an Berlin angebunden sind, wenn man den Abschnitt dahinter ausbaut, erschließt sich mir noch nicht so richtig.
    Beide Städte sind doch schon ziemlich gut mit Berlin verbunden zumindest was die Bahnstrecke angeht. Hält der ICE nach und von Binz nicht sogar in Eberswalde?
    Richtung Szczeczin wird es natürlich deutlich besser.
    Kann man beim rbb mal darüber nachdenken die polnischen Städte grundsätzlich mit ihrem polnischen Namen zu erwähnen. Fänd ich persönlich besser. Mehrere Generationen haben diese Namen inzwischen im Geografieunterricht so gelernt und nur in Geschichte mal kurz über die alten deutschen Namen gesprochen. Gerade bei kleineren und mittleren Städten fällt es mir schwer diese korrekt zuzuordnen.

  10. 6.

    In der Zwischenüberschrift "Bund und Land zahlen fast eine halbe Million Euro" sollte Million durch Milliarde ersetzt werden?!

  11. 5.

    "Angermündes Bürgermeister Frederik Bewer hat noch eine zweite Klientel im Blick: die Stettiner. Auch für sie werde die Uckermark und Angermünde mit der neuen, sehr viel schnelleren Zugverbindung sehr viel interessanter als neuer Lebensmittelpunkt."

    Klar die freuen sich dann auf die nächste planmäßige Grenzschließung und/oder Ausgangssperre.

  12. 4.

    Absolut, insbesondere die Ostbahn braucht das volle Programm: Zweigleisig, elektrifiziert, 160 km/h und ETCS.

    Langfristig sollte auch überlegt werden eine richtige Hochgeschwindigkeitsstrecke (230+ km/h) Richtung Warschau zu haben.

  13. 3.

    Glückwunsch - nur 76 Jahre nach Kriegsende. Tolle Leistung !! Wie lange muss denn jetzt noch die zweitgrößte Stadt Brandenburgs (Cottbus) auf das 2 Gleis (nach 1945 als Reparation von der Roten Armee demontiert) warten??
    Traurig im 31. Jahr der Einheit - so kann die Lausitz den Anschluss nie schaffen :-((

  14. 2.

    Und auch das: Die riesige Chance bspw. von Angermünde läge nicht nur in einer schnelleren Fahrt nach Berlin, sondern auch in die Gegenrichtung, in Richtung Stettin. Überhaupt könnte der Ballungsraum Szczecin diesseits und jenseits der nationalen Grenze definitiert werden und selbstverständlich und überlappend auch Angermünde und Schwedt mit einbeziehen. Das gälte hoffentlich irgendwann auch für so etwas wie einen auf Szczecin / Stettin bezogenen übernationalen Verkehrs- und Tarifverbund. Mit dem Berlin-Brandenburg-Ticket ist auch jetzt schon Stettin erreichbar, inclusive der dortigen Nahverkehrslinien.

  15. 1.

    Das wird Zeit ! Ansonsten auch andere Verbindungen nach Polen sind zu verbessern.

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