Sicherheitsbereich geräumt - Rauchalarm am BER führt zu massiven Verzögerungen im Flugbetrieb

Fr 05.11.21 | 19:06 Uhr
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Passagiere stehen vor den Abfertigungsschaltern an. Nach einem Feueralarm am Flughafen BER wurde der Sicherheitsbereich am 05.11.2021 geräumt und die Fluggäste mussten ein zweites mal durch die Sicherheitskontrolle. (Quelle: dpa/Christophe Gateau)
Audio: Inforadio | 05.11.2021 | Natascha Gutschmidt | Bild: dpa/Christophe Gateau

Am BER mussten zahlreiche Fluggäste lange Wartezeiten und doppelte Sicherheitskontrollen über sich ergehen lassen. Nach dem Alarm eines Brandmelders auf einer Toilette kam es zu zahlreichen Verspätungen im Flugverkehr.

Ein Feueralarm hat am Flughafen Berlin-Brandenburg am Freitagmittag zu Chaos im Flugbetrieb geführt. Nachdem ein Brandmelder in einer öffentlichen Toilette im Sicherheitsbereich angeschlagen hatte, wurden die Sicherheitskontrollen für gut zwei Stunden geschlossen. Passagiere wurden aufgrund des Brandalarms evakuiert, sie wurden auf das Vorfeld des BER geführt, sagte BER-Sprecherin Sabine Deckwert dem rbb. In der Folge hatte sich ein massiver Rückstau an Passagieren schon in der Schalterhalle gebildet. Dann konnte Entwarnung gegeben werden.

Die Flughafensprecherin sagte, dass sich nach dem Alarm im Terminal eins alle Abflüge ins In- und Ausland verspäteten. Mehrere Hundert Fluggäste seien betroffen gewesen. Erste Flieger hoben erst gegen 17:30 Uhr wieder vom BER ab, wie es hieß.

Erneute Kontrollen für mehrere hundert Passagiere

Auf dem Vorfeld waren während der Räumung des Sicherheitsbereichs schon kontrollierte Abreisende mit nicht- kontrollierten Ankommenden von außerhalb des Schengenraums zusammengetroffen. Die Bundespolizei suchte deshalb den Sicherheitsbereich nach möglichen verdächtigen Gegenständen ab, auch mit einem Sprengstoffspürhund. "Wir konnten nicht mit einhundertprozentiger Sicherheit garantieren, dass in diesem Bereich keine gefährlichen Gegenstände deponiert wurden", erklärte ein Sprecher der Bundespolizei rbb|24.

Es musste ein sogenanntes Cleaning durchgeführt werden. Sämtliche Passagiere, die sich bereits im Sicherheitsbereich und auf dem Vorfeld befanden, mussten in die Schalterhalle zurück und sich dort nochmals dem Sicherheitscheck unterziehen. Erst kurz vor 15 Uhr konnten die Sicherheitskontrolllinien wieder öffnen.

Fluggäste vollkommen genervt

Passagiere beschrieben die Situation als "völliges Chaos". Die Menschen hätten sich bis weit draußen vor dem Gebäude zurückgestaut. Die Kontrollspuren waren am Freitag ohnehin stark ausgelastet, wie die Bundespolizei schon vor dem Alarm mitgeteilt hatte. Nach Flughafenangaben wurden am Freitag 55.000 Fluggäste am BER erwartet, die Hälfte davon Abreisende.

Rettungssanitäter eilen zu einem Notfall im Terminalgebäude des BER. (Quelle: Theresa Majerowitsch/rbb)
| Bild: Theresa Majerowitsch/rbb

71-Jähriger brach zusammen und musste in eine Klinik

"Wir waren dreieinhalb Stunden vor dem Abflug vor Ort. Es war einfach schrecklich", sagte Sandro Rodriguez Garzon. Er wollte mit sechs weiteren Familienmitgliegdern nach Malaga fliegen. Doch daraus wurde nichts. Er, seine Frau und Kinder wurden nach stundenlanger Wartezeit im "Priority Check-In" abgefertigt und kamen mit Verspätung am Flieger nach Spanien an. Sein 71 Jahre alter Vater blieb dieser aber Weg versagt.

Er brach schließlich zusammen und wurde per Rettungswagen ins Bohnsdorfer Klinikum gebracht. "Die Menschen standen im Wartebereich dicht gedrängt, schlechte Luft und nichts zu Trinken, weil das Wasser im BER aktuell im Keinem belastet ist", sagte Rodriguez. Er und seine Familie brachen den noch nicht richtig angetretenen Urlaub ab.

Uwe Müller wollte nach einem halben Jahr zu seiner Familie nach Kenia. "Ich habe meinen Flieger nach Frankfurt nicht bekommen. Das ist ein Desaster", sagte er dem rbb. Vor allem ärgerte er sich auch über die Informationspolitik des BER, weil niemand den Reisenden erklärte, was überhaupt los sei. Er wolle es kommende Woche noch einmal versuchen. Aber das sei gar nicht so einfach, denn es werde ein neuer PCR-Test und das Visum verlangt. Ihm stehe das Ganze bis zum Hals, klagte Müller.

Ursache für Feueralarm unklar

Warum der Brandmelder auslöste, ist noch offen. Die Bundespolizei nannte keine konkrete Ursache. Dass in dem Toilettenraum jemand geraucht haben könnte, schlossen die Verantwortlichen nicht aus. Eine Flughafensprecherin sagte rbb|24, dass die Rauchmelderanlage in Ordnung gewesen sei.

Erst in den Herbstferien hatte es Chaos am Flughafen gegeben. Fluggäste mussten teilweise mehr als zwei Stunden auf das Einchecken warten, manche verpassten sogar ihre Maschinen. Dafür nannten die Beteiligten unterschiedliche Gründe. Die Lufthansa sprach von fehlenden Abfertigungskapazitäten im Terminal. Die Flughafengesellschaft schob die Probleme auf Personalengpässe an den Schaltern.

Sendung: Inforadio, 05.11.2021, 15:40 Uhr

74 Kommentare

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  1. 74.

    Sehe ich genau so. Der unentwegte Stress für die Fluggäste am BER ist wohl möglich Bestandteil eines Umerziehungsprogramms zur Minimerung der Flugverkehrs. So gesehen diente der Rauchalarm einem sehr guten Zweck.

  2. 73.

    Einmal vom BER abgeflogen und gelandet hat uns persönlich gereicht, es war nicht in einer Ferienzeit, demnächst nur noch von Leipzig oder Hannover.

  3. 72.
    Antwort auf [Nicole] vom 06.11.2021 um 07:59

    Muss ich ihnen zu 100% beipflichten, habe das in meinem Berufsleben schon erlebt. Und der Schwachmatenstaat wird nach dieser Regierungsbildung noch schlimmer werden.

  4. 71.

    Wenn das ein ganzheitliches Klimaschutzkonzept vom BER ist, spreche ich meine volle Bewunderung aus. Die Leute haben irgendwann keinen Nerv mehr zu fliegen und nehmen lieber die kleineren Stressfaktoren der Deutschen Bahn auf sich. Oder? :)

  5. 70.

    Das Beste für alle wäre hier schließt den Flughafen fliegen ist sowieso schlecht für die CO2 Bilanz. Dann hätten wir den ersten klimaneutralen Flughafen.

  6. 69.

    Rauch führt überall auf der Welt zu Beeinträchtigungen, da man weniger sieht. Auf die Ursache darf man gespannt sein. Die Lösung für Überspannung durch Blitze ist bis hier noch nicht durchgesickert. Oder gibt es keine (meine Vermutung)?
    Und der Mooruntergrund der Startbahn wird wie lange halten? Sperenberg schaut schon, was man besser machen kann, da gibt es das Eine oder Andere...

  7. 68.

    Meine Eltern landeten kurz nach 17 Uhr. Für meinen Vater war Unterstützung angemeldet, da er stark eingeschränkt ist beim Laufen. Mit einem überfüllten Kleinbus wurden die hilfsbedürftigen Passagiere (alle!!!!! mussten die Treppe runter laufen) zum Terminal gebracht und dort wie Tiere abgesetzt.Eine Frau setzte sich während der Fahrt auf den Schoß meines Vaters, weil sie nicht mehr stehen konnte. Sie mussten sich von dort selber um alles kümmern. Lange Wege laufen, Koffer vom Gepäckraum heben, Ausgänge suchen und und und. Sage und schreibe konnte ich meine Eltern um 19:30 !!!!! Uhr in die Arme nehmen.
    Ich habe noch NIE so einen unfähigen, chaotischen Flughafen erlebt.

  8. 67.

    Ich möchte eine kleine Anekdote mit Bezug zum BER(SXF)erzählen. Wir waren Dezember 2015 wieder mal in Ägypten. Wie immer alles toll.
    Der Rückflug nach damals noch SXF begann in Hurghada immer mit einem kleinen Bustransfer vom Terminal zur Maschine. Diesmal dauerte die Fahrt länger. Sie führte uns an einer sehr langen (hundert Meter ?) Fassade aus Beton und Glas vorbei, sightseeing wie wir dann erfuhren. Unser Busbegleiter teilte uns im gebrochenen aber verständlichen Deutsch mit, dass es sich hierbei um das neue Flughafengebäude handelt, dass man Anfang des Jahres begonnen hatte zu bauen. Es gab dann noch ein paar technische Details.
    Er beendete seinen Vortrag mit "Und wenn sie nächstes Jahr kommen, dann kommen sie hier an und fliegen auch wieder von hier ab, und zwar immer noch nach SXF." Nach einem kurzen Moment der Stille hat der gesamte Bus vor Lachen gebrüllt, bis wir bemerkten, dass er nicht lachte sondern sehr nachdenklich dreinblickte. Ahnte er die Probleme?

  9. 66.

    Das ist ein ganz tolles Brandschutzkonzept, wenn wegen eines einzelnen Rauchmelders ohne weitere Betrachtung der Situation so ein Chaos angerichtet wird. Hat wieder das erforderliche Personal zur Bedienung der Anlage gefehlt? Jeder Laie hätte wohl schnell erkannt, dass das ein rein lokaler defekt war.

  10. 65.

    Da haben sie allerdings recht. Es muss vor einer Gesamtevakuierung eine schnelle und exakte Risikoanalyse erfolgen, d.h. die Position des auslösenden RWM muss eindeutig bekannt sein und eine Überprüfung vor Ort muss erfolgen. Dass muss man in wenigen Minuten schaffen, sonst ist das System nicht zuverlässig.

  11. 64.

    Da haben sie allerdings recht. Es muss vor einer Gesamtevakuierung eine schnelle und exakte Risikoanalyse erfolgen, d.h. die Position des auslösenden RWM muss eindeutig bekannt sein und eine Überprüfung vor Ort muss erfolgen. Dass muss man in wenigen Minuten schaffen, sonst ist das System nicht zuverlässig.

  12. 63.

    Ja! Unglaublich. Der Mensch hält sich für klug! Die Bilder sagen das nicht! Wir werden das Virus nie los! Und wie schon mal von mir geschrieben = Die gesellschaftliche Pandemie nimmt immer mehr Fahrt auf.

  13. 62.

    "Evakuierung wegen einer Zigarette mit solchen Ausmaß? Wer es glaubt............Flughafen MUSSTE eröffnet werden...egal "wie "...

  14. 61.

    Der Ber ist schuld dran, das nicht innerhalb von 15 min die Sachlage geklärt ist und eben ein Fehlalarm den Flughafen so lahmlegt. Das ist eben alles einfach falsch geplant und gemacht ! Man kam sagen was man will der Flughafen ist einfach desaströs. Wenn mal mit Glück etwas läuft so ist es nicht die Regel sondern einfach Glück -

  15. 60.

    Ich stand da mit drin, so etwas ist immer ärgerlich - aber kann halt passieren. Allen Beteiligten muss ich aber hier mal mein grosses Lob aussprechen. Es blieb alles ruhig und teilweise war die Stimmung sogar sehr gelöst.
    Leider war der total fehlende Coronaabstand sicher nicht zu vermeiden - aber wieviele der stundenlang zusammengepferchten Personen werden in 3 Wochen auf der Intensivstation liegen? Ich wünsche es niemanden!
    Bleiben Sie alle gesund !

  16. 59.

    Pleiten, Pech und Pannen.... dieser Flughafen ist der größte Baufehler aller Zeiten. DIe ganze Welt lacht doch schon über diesen Flughafen.

  17. 58.

    Wieviele Evakuierungen haben Sie denn schon erleben müssen, dass Sie hier vergleichen können?

  18. 57.

    Wenn also jemand trotz Verbot raucht und die Rauchwarnmelder reagieren ist der BER also Schuld da unfähig? Gehts noch?

  19. 56.

    So ganz verstehe ich den Bericht nicht. Ein Rauchmelder der funktioniert ist doch ein ganz normaler Vorgang. Offensichtlich hat dieser ausgelöst weil in den WC-Bereichen unerlaubt geraucht wurde. Was hat das jetzt mit einem Pannenflughafen zu tun? Es wäre doch viel schlimmer schlimmer gewesen wenn der Rauchmelder nicht bestimmungsgemäss funktioniert hätte.

  20. 55.

    Macht den BER endlich dicht, dass spart Nerven und Kosten.

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