Verluste und Probleme - Scheuer fordert weiteren Bericht zum BER bis Mittwoch

Sa 06.11.21 | 17:43 Uhr
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Passagiere warten in der Flughafenhalle auf ihre Abfertigung. (Quelle: dpa/Christophe Gateau)
Bild: dpa/Christophe Gateau

350 Millionen Euro wird der BER in diesem Jahr wohl Minus machen. Das hat die Betreibergesellschaft dem Bundesverkehrsminister mitgeteilt. Offenbar hat dieser noch Fragen, denn der entsprechende Bericht soll lediglich vier Seiten umfassen.

Der Flughafen BER bleibt ein Politikum. Der scheidende Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) fordert von der Betreibergesellschaft einen weiteren Bericht zur finanziellen Lage. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters am Samstag mit Bezug auf Ministeriumskreise. Auch zu den teilweise noch holprigen Abläufen fordert Scheuer weitere Aufklärung, heißt es.

Offenbar reicht dem Bundesminister der vierseitige Bericht zur allgemeinen Situation am Flughafen nicht, den er am Freitag erhielt. Daraus ging hervor, dass die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB) für das aktuelle Jahr mit einem Verlust von 350 Millionen Euro rechnet. Das Ministerium wolle bis Mittwoch weitere Informationen mit mehr Details, berichtet Reuters.

Branchenexperten reagierten überrascht. Denn die FBB stehe im engen Austausch mit ihren staatlichen Gesellschaftern - den Ländern Berlin und Brandenburg sowie dem Bund. Zudem würden die Eigner über Gremien wie den Aufsichtsrat und parlamentarische Ausschüsse regelmäßig über die Lage am BER informiert.

Chaos nach Feueralarm soll intern ausgewertet werden

Die Flughafengesellschaft und Bundespolizei haben zudem am Samstag angekündigt, das neuerliche Abfertigungschaos am Hauptstadtflughafen und mögliche Fehler aufarbeiten zu wollen. Die Vorgänge würden intern ausgewertet. "Natürlich haben alle ein Interesse daran, dass das beim nächsten Mal nicht passiert", sagte ein Flughafensprecher.

Im Terminal war es am Freitag nach einem Feueralarm für mehrere Tausend Passagiere zu stundenlangen Wartezeiten gekommen, teilweise fielen Flüge aus. Ein Brandmelder in einer Toilette hatte Alarm ausgelöst. Nach der Räumung des Sicherheitsbereichs mischten sich schon kontrollierte Abreisende mit noch nicht kontrollierten Ankommenden. Das sei ein Fehler gewesen, sagte ein Flughafensprecher.

Zigarettenrauch könnte Alarm ausgelöst haben

Die Abreisenden mussten daraufhin ein zweites Mal durch die Sicherheitskontrolle. Die war jedoch am verkehrsreichen Freitagmittag zunächst für gut zwei Stunden geschlossen, weil der Sicherheitsbereich nach der Räumung nach verdächtigen Gegenständen abgesucht werden musste.

Warum der Brandmelder auslöste, lasse sich noch nicht sagen, sagte ein Bundespolizeisprecher. Die Ursachenforschung laufe noch. Weiterhin wird nicht ausgeschlossen, dass Zigarettenrauch zu dem Alarm geführt haben könnte. Schon in den Herbstferien hatte es Abfertigungsschwierigkeiten am BER gegeben.

Überlastung, Personalprobleme, Durchfallkeime

Am BER läuft ein Jahr nach Inbetriebnahme vieles noch nicht rund - auch wegen Einschränkungen durch Corona-Schutzmaßnahmen. Anfang Oktober gab es während der Herbstferien lange Warteschlangen und teils chaotische Zustände beim Check-in und bei der Gepäckausgabe. Die neue Flughafenchefin Aletta von Massenbach hat bereits Besserung gelobt, sieht hier aber auch die Airlines in der Pflicht.

Im aktuellen FBB-Bericht hieß es dazu, die Störungen und Verzögerungen seien vor allem auf "zu wenig eingesetztes Personal bei den verschiedenen Prozesspartnern" zurückzuführen. Der Betrieb am BER laufe insgesamt stabil, aber noch nicht optimal. "Unser Ziel ist es, Wartezeiten möglichst zu minimieren."

Aktuell hat der Flughafen zudem mit kontaminierten Trinkwasser zu kämpfen. Am Dienstag wurde bekannt, dass bei einer Routineuntersuchung im Hauptterminal coliforme Bakterien gefunden wurden. Die können Durchfall auslösen. Sowohl im Terminal 1 als auch im Regierungsterminal kann das Wasser in den Sanitäranlagen momentan nicht getrunken werden.

Sendung: Inforadio, 06.11.2021, 16.20 Uhr

16 Kommentare

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  1. 16.

    Wie lautet Ihr praktischer Vorschlag? Eine Vereinzelungsanlage hinter der Kontrolle, die auch im Brandfall niemand durchlässt?

  2. 15.

    Zur Legionellenprophylaxe gehört das kurze Spülen mit heißem Wasser. Hier sind jedoch coliforme Keime gefunden worden, weshalb länger gespült werden muss. Zu Klären wäre zudem der Grund der Kontamination. Die haben nämlich im Trinkwasser rein gar nichts zu suchen. Ggf. ist dazu auch der örtliche Wasserversorger gefordert.

    Scheuer hat aber zumindest damit Recht, dass die Infos in dem Artikel recht dünn sind. Ist der Verlust nur Corina-bedingt entstanden, weil der Flughafen die Ausgaben nicht so stark hatte herunterfahren können wie die Einnahmen einbrachen oder kommen die Verluste z.B. aus der Kreditlast?

    Bei einem Brandalarm müssen alle sofort das Gebäude verlassen. So mancher hat Düsseldorf wohl schon wieder vergessen und erwartet eine sorgfältige und damit zeitaufwendige Trennung der Passagiere. Der Schutz von Menschenleben steht aber über dem Erreichen des Fluges. Das Prozedere hätte auch ablaufen müssen, wenn nur bei einer einzigen Person der Status unklar gewesen wär

  3. 14.

    Die Kruks an diesem Flughafen ist, dass er obwohl gerade erst eröffnet, doch eigentlich schon 30 Jahre alt ist. Die Planungen liegen Jahrzehnte zurück und damals lief die Organisation von Flugverkehr noch anders. Das Holzimitat-Design war auch state of the art vor 15 Jahren.
    Es heißt zwar immer... was lange währt, wird endlich gut... Aber auch über die lange Zeit teuer und ist auch schnell altbacken.
    Ich befürchte, dass wir da irgendwie jetzt mit leben müssen. Da hilft auch meckern nix, sondern lieber kreative Vorschläge, wie wir dieses vermurkste Teil an aktuelle praktische Gegenbenheiten anpassen.

  4. 13.

    Dicht machen!
    Warum kostet mich als Steuerzahler das Ding so viel, obwohl ich nicht fliege?
    Urlauber, Demonstranten zu Klimademos, muss das alles sein?

  5. 12.

    Aber in Scheuer steckt auch „scheuern“ drin. Da vermutlich, sinnverwandt, nicht das Wasser aufgewischt wird, jedenfalls von ihm nicht, kann man auch vermuten, dass er sich an einem Trageriemen seiner Aktentasche scheuern wird, wenn der Bericht da drinnen liegt...denn der wiegt schwer.

  6. 11.

    Da kann Herr Scheuer mit gutem Vorbild vorangehen und endlich dazu beitragen, wie es zum Mautdesaster kommen konnte!
    Wäre angemessen, bevor er von Anderen volle Aufklärung fordert!

  7. 10.

    Und das der Mautminister der im Traum nicht daran denkt etwas aufzuklären fordert von anderen Aufklärung. Sie finden das in Ordnung? Was hat das mit intaktem Recht zu tun? Oder gar mit unabhängiger Justiz?
    Auch die Parteikollegin hat mit Aufklärung nichts am Hut sondern wurde zur Strafe EU Chef.

  8. 9.

    Bundes miserable Leistungen würde es wohl eher treffen . Gott sei Dank ist diese Pf.....weg.
    P.s. Die Begründung das der BER ein Pleiteladen ist hat auf einer Seite platz .

  9. 8.

    350 Mill. Schulden diese Jahr.
    Na dann lagen wir doch gar nicht so verkehrt mit dem letzen Absatz in Kommentar 39 in
    https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2021/11/ber-flughafen-trinkwasser-keime-verunreinigt.html
    Jetzt möge man sich vorstellen wie hoch die wären, wenn die prophylaktisch gespült hätten.

  10. 7.

    Herr Scheuer macht und machte einen Top Job … Maut von Vorgänger Dobrindt geerbt und zur 1:1-Umsetzung gezwungen … Etliche Milliarden an Investitionen in die Bahn angeschoben … Nimmt Aufsicht am BER mit Forderung nach Berichten richtig ernst und richtig wahr … Lehnt sich auch jetzt nicht zurück, obwohl er dies fast schon könnte … Ich zolle ihm Respekt und Anerkennung für seine unter dem Strich sehr guten bundes-ministrablen Leistungen.

  11. 6.

    Was hat Ihr Beitrag mit dem BEER zutun? Der Bund soll Milliarden für unfähige Kommunalpolitiker bereitstellen, die diesen Flughafen zu einer Steuergeld - Vernichtungsanlage geschaffen haben. Wo bleibt hier unsere Justiz?.

  12. 5.

    Ach nee. Der liebe Andy fordert was. Klar, so kann er auch schön von seinem Mautdebakel ablenken. Der BER bietet sich ja geradezu dafür an - so emotionsbelastet, wie die Diskussionen geführt werden. Arbeitet der werte Herr Scheuer nun endlich mit dem Maut-Ermittlungsbeauftragten zusammen oder mauert er immer noch. Was steht denn nun eigentlich in "seinen" Veträgen. Lange nichts Neues drüber gelesen.
    Das ausgerechnet er sich nun so in Positur bringt, finde ich irgendwie B.Scheuert.

  13. 4.

    350 Mill. Schulden diese Jahr.
    Na dann lagen wir doch gar nicht so verkehrt mit dem letzen Absatz in Kommentar 39 in
    https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2021/11/ber-flughafen-trinkwasser-keime-verunreinigt.html
    Jetzt möge man sich vorstellen wie hoch die wären, wenn die prophylaktisch gespült hätten.

  14. 3.

    Der BER ist der furchtbarste Flughafen den ich bisher kennengelernt habe.
    Ich bin keine Vielfliegerin, aber diese Wege, die die Passagiere dort zurücklegen müssen, um zum Boarding Ausgang zu gelangen, spottet jeder Beschreibung. Auf den Tafeln, mit den entsprechenden Boarding Gates steht eine mir unbekannte Zahl, auf Nachfrage erfuhr ich, dass das die Minutenangabe sei, die man bis dahin laufen muß....
    Schon mal etwas von Laufbändern gehört ???
    Eine Zumutung für alle, die nicht so gut laufen können oder anderweitig eingeschränkt sind.
    Außerdem ist der Flughafen total unübersichtlich, Terminal 1 :Ankunft, man muß lange suchen, denn hier wird auch abgeflogen.
    Wer bitte hat hier geplant? Junge dynamische Vielflieger mit Marathonurkunde?
    Grausam - kein Aushängeschild für Berlin.

  15. 2.

    Das dieser Mann noch fordert obwohl er Millionen versenkt hat. Wann tritt er endlich ganz ab bzw. wird endlich bestraft.

  16. 1.

    Ja Herr Scheuer, ich fordere auch eine lückenlose Aufklärung in Sachen Maut.
    Ich finde angesichts Ihrer Vertuschung die Forderung an andere etwas aufzuklären einfach lächerlich.

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