Mietvertrag gekündigt - Berliner Senat prüft Containerlösung für Substitutionsambulanz

Di 02.11.21 | 15:50 Uhr
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Notdienst für Suchtmittelgefährdete und -abhängige Berlin e.V. (Quelle: Markus Theisen)
Bild: Markus Theisen

Für die Substitutionsambulanz für Heroinabhängige, deren Mietvertrag gekündigt wurde, prüft der Berliner Senat eine Containerlösung für den Übergang. Das teilte die Berliner Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) am Dienstag auf einer Pressekonferenz auf Nachfrage der rbb mit. Die Senatsverwaltung für Soziales sei an der Hilfe beteiligt. So überprüfe die Sozialsenatorin Elke Breitenbach eine Containerlösung für den Übergang, sollte die Ambulanz keine neuen Räume finden.

Kalayci wies Vorwürfe zurück, den Notdienst e.V. nicht bei der Suche nach neuen Räumlichkeiten für die Ambulanz für Integrierte Drogenhilfe (AID) zu unterstützen. Wie sie auf Nachfrage des rbb am Rande des Senats-PK am Dienstag mitteilte, habe die Berliner Suchtbeauftragte sofort auf den Hilferuf der AID reagiert.

Die Substitutionsambulanz für Heroinabhängige in Berlin-Kreuzberg muss zum 31. Dezember dieses ihre Praxis schließen. Dem Träger Notdienst e.V. wurde der Mietvertrag zu Beginn des Jahres gekündigt. Die Suche nach neuen Räumlichkeiten erweist sich auf dem äußerst angespannten Berliner Wohnungsmarkt als schwierig bis unmöglich, sagte der Geschäftsführer Michael Frommhold dem rbb am Montag. Gemeinsam mit seinen Mitarbeitern suche er bereits seit Monaten eine neue Anlaufstelle.

Mietvertrag läuft vier Wochen länger

Frommhold kritisierte in diesem Zusammenhang, der Berliner Senat sei tatenlos geblieben. Über Monate habe Gesundheitssenatorin Kalayci nicht auf die Bitte der Unterstützung reagiert. Kalayci betonte am Dienstag jedoch, dass der Senat sich kümmere: "Sie können sich vorstellen, dass eine Senatorin keine Räumlichkeitsmöglichkeiten hat", sagte sie auf der Senats-PK. Senatsintern schaue man nach Möglichkeiten und gebe Rückendeckung. Den Umgang des Trägers Notdienst e.V. kritisierte sie ihrerseits. "Ich finde den Umgang 'Die Senatorin hat sich nicht gekümmert' nicht hilfreich."

Eine erste Hilfe hätte der Senat bereits gegeben: Der Mietvertrag mit dem Vermieter, der Malteser-Stiftung, kann um vier weitere Wochen verlängert werden, sodass der AID ein Aufschub bis zum 31. Januar 2022 gewährt werden könne. "Damit haben wir erstmal ein bisschen Zeit gewonnen", so Kalayci.

Medizinische und psychosoziale Hilfe

Die Ambulanz für Integrierte Drogenhilfe (AID) hat 20 Jahre lang Heroinabhängige in der Anlaufstelle nahe des Checkpoint Charlie in Berlin-Kreuzberg betreut. Die schwer suchtkranken Menschen konnten sich hier ihre Substitutionsmedikamente wie Methadon und Subutex abholen können. Die Patientinnen und Patienten werden vor Ort von drei Ärzten medizinisch betreut und von acht Sozialarbeitern psychosozial beraten. "Mit unserer Arbeit retten wir täglich Leben. Wir verhindern Todesfälle und behandeln Infektionskrankheiten, z.B. Hepatitis. Wir reduzieren die Beschaffungskriminalität und sorgen für ein sicheres Berlin", heißt es vom Notdienst e.V. Berlin.

Sendung: Abendschau, 02.11.2021, 19:30 Uhr

1 Kommentar

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  1. 1.

    Gerne die Kontainer direkt am gleichen Ort auf die Straße stellen statt parkender Autos. Das geht für Baustellen vielerorts ja auch. Den Patient*innen, Ärzt*innen und Sozialarbeiter*innen viel Kraft und alles Gute.

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