Schutz gegen Influenza - Das sollten Sie über die Grippeimpfung wissen

So 14.11.21 | 14:26 Uhr | Von Laura Will
  11
Symbolbild: Eine Frau erhält eine Grippeimpfung (Bild: dpa/Alberto Ortega)
Bild: dpa/Alberto Ortega

Gerade in Pandemie-Zeiten hat die Grippeimpfung eine besondere Bedeutung. Doch die Stiko empfiehlt sie nicht für alle Menschen. Warum ist das so - und soll ich mich dennoch impfen lassen? Von Laura Will

Im vergangenen Jahr ist die Grippewelle nahezu ausgeblieben. Experten gehen davon aus, dass das vor allem an den Corona-Schutzmaßnahmen, wie zum Beispiel dem Maskentragen lag. So gab es im Winter 2020/21 in Deutschland weniger als 600 gemeldete Influenza-Fälle. Zum Vergleich: im Jahr davor waren es 186.000.

Warum es noch keine Impfempfehlung der Stiko gibt

Generell ist es so, dass bei gesunden Kindern und Erwachsenen, die unter 60 Jahre alt sind, eine Influenzainfektion meistens harmlos verläuft. Aus diesem Grund gibt es für sie auch keine Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission Stiko. Diese empfiehlt die Impfung unter anderem für Menschen ab 60 Jahren, für Schwangere ab dem 2. Trimenon, bei Diabetes, bei Menschen mit chronischen Erkrankungen oder Immunschwäche oder bei Menschen, die aufgrund ihres Berufs ein erhöhtes Risiko haben, wie zum Beispiel Krankenhauspersonal.

"Natürlich richten sich unsere Praxis-Impfrichtlinien stets nach den aktuellen Empfehlungen der Ständigen Impfkommission. Die Tatsache, dass die Stiko eine Impfung für manche Personengruppen nicht ausdrücklich empfohlen hat, bedeutet jedoch nicht, dass dieses Gremium die Impfung für die anderen risikoärmeren Menschen ausdrücklich nicht empfiehlt. Hier zählt nach einem ärztlichen Aufklärungsgespräch insbesondere die individuelle Entscheidung des Patienten", sagt Verena Ernst, Hausärztin in Potsdam.

Eine gleichzeitige Co-Infektion mit Corona und Grippevirus soll vermieden werden

Gerade in Pandemie-Zeiten hat die Grippe-Impfung eine besondere Bedeutung. Vor allem auch, damit das Gesundheitssystem nicht überlastet wird und zu viele Corona- und Influenzapatienten parallel versorgt werden müssen.

"Natürlich versuchen wir Hausärzte auch insgesamt bedrohliche Atemwegsinfektionen durch Impfungen zu vermeiden, hierzu zählt selbstverständlich auch der Schutz vor der schweren Influenza-Infektion. Eine gleichzeitige Co-Infektion mit Corona und Grippevirus soll vermieden werden, aber natürlich versuchen wir auch mit der Impfung, die Zahl der Menschen mit Atemwegerkrankungen auf Intensivstationen klein zu halten."

Einen Effekt merkt die Hausärztin seit Beginn der Pandemie jeden Tag aufs Neue: "Die Influenza ist in der Wahrnehmung deutlich in den Hintergrund getreten, das fällt mir im Praxisalltag auf. Wir müssen sogar aktiv daran erinnern, dass es neben Corona auch noch die Grippe gibt", sagt Verena Ernst.

Grippewelle ist häufig zu Jahresbeginn

Ein guter Zeitpunkt für die Impfung ist ab Oktober bis Mitte Dezember, denn eine Grippewelle beginnt häufig Anfang des Jahres. Zu spät ist es allerdings nie - gerade bei später einsetzenden Grippewellen. Die Impfung wirkt etwa nach vierzehn Tagen.

Wer sich gegen Grippe impfen lässt, ist gegen die vier Grippevirus-Varianten geschützt, von denen Experten erwarten, dass sie am stärksten verbreitet sein werden. Weltweit überwachen Labore, welche Varianten der Influenzaviren gerade in bestimmten Gegenden zirkulieren. Als Basis für den aktuellen Impfstoff gelten daher immer die Daten der zuletzt zirkulierenden Virus-Varianten, das heißt der Grippeimpfstoff hat jedes Jahr eine neue Zusammensetzung. Das ist wichtig, weil durch Mutation immer wieder neue Stämme von Influenzaviren entstehen.

Da die letzte Grippewelle weltweit schwach war, ist die Datenbasis zwar geringer, aber dennoch ausreichend.

Grippevieren mutieren hundert Mal häufiger als Coronaviren

Wie viele Grippe-Erkrankungen es in den kommenden Monaten allerdings geben wird, kann nur schwer vorhergesagt werden. "In Australien zum Beispiel ist die Grippesaison auch in diesem Jahr wieder ausgeblieben. Es gibt sehr viele menschengemachte Faktoren, wie Kontaktbeschränkungen, die den Verlauf beeinflussen können. Je nachdem, wie sie bei uns weitergehen, wird sich das auch auf den Verlauf der Grippesaison auswirken", sagt die Fachärztin für Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie vom Projekt Grippeschutz, Barbara Gärtner.

Neben den menschengemachten Faktoren sei es aber das Virus, das im Umlauf ist, selbst entscheidend. "Die Grippeviren mutieren munter weiter. Man muss es sich so vorstellen, dass Grippeviren hundert Mal häufiger mutieren können, als Coronaviren das können. Das Gefährlichste, was passieren kann, wäre einen Welle mit H3-Influenza-Viren. Die verändern sich sehr stark, sodass eine Immunität aus den Vorjahren oftmals nicht mehr schützt, auch nicht teilweise. H1-Viren sind aktuell ähnlicher, sodass der Schutz durch eine Impfung höher ist als bei H3", sagt Barbara Gärtner.

Doch die Schwere der Grippewelle lässt sich ebenso wenig vorhersagen wie die Wirksamkeit des Impfstoffs. Das ist immer nur im Rückblick möglich.

Sendung:

Beitrag von Laura Will

11 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 11.

    Ich war immer krank nach der grippeimpfung und es entwickelte sich eine Allergie. Habe vor Jahren dann aufgehlrt... seitdem war ich gar nicht mehr krank und die Allergie ist ebenfalls spurlos verschwunden. Der impfstoff in 2021 ist nicht mehr der, den sie aus der Vergangenheit kennen... er wurde mit neuartigen Verstärkern versehen.....

  2. 10.

    Also ich finde Grippeschutzimpfungen für bestimmte Personenkreise (60+, Berufe mit vielen engen Kontakten usw.) sinnvoll und angeraten.
    In diesem Jahr wird ein Vierfachimpfstoff verwendet - für Leute ab 60 der sog. Hochdosisimpfstoff Efluelda.
    Den habe ich bekommen. Es ist mit Nebenwirkungen zu rechnen wie grippeähnliche Symptome, aber die gehen nach einem Tag wieder weg. Das ist als gutes Zeichen zu werten, denn es zeigt, dass eine Immunantwort erfolgt. Also nichts, wovor man sich fürchten muss. Das ist auch bei der Impfung gegen Corona so.
    Natürlich bin ich auch doppelt geimpft gegen Corona. Aber trotz Impfungen sollte man nicht leichtsinnig sein: Es besteht immer ein Restrisiko! Das wird auch immer wieder gesagt.
    Trotzdem: meine Hausärztin sagt, dass man sehr gut mit beiden Impfungen geschützt ist.
    Und man tut auch was für seine Mitmenschen...

  3. 9.

    Ich lasse mich seit Jahren gegen Gruppe impfen. Bisher habe ich die Impfung immer sehr gut vertragen.

  4. 8.

    Der trivalente Impfstoff hatte damals einen Wirkungsgrad von 15 %, das wäre fatal für diesen Winter, nach einem Jahr "Grippe-Ausfall" und reduzierter Grundimmunität. Was werden kann, sieht man ja bei RSV und den Kleinkindern.
    Wenn ich richtig informiert bin, ist der Yamagata-Stamm ausgestorben und H3N2 ist seit März 2020 nicht mehr nachgewiesen worden. Das lässt hoffen, da beide am Infektionsgeschehen 2017/2018 maßgeblich beteiligt waren. Aber deshalb wird auch ein Dreifachimpstoff diskutiert. Das hielte ich für leichtsinnig, sollten die Viren noch irgendwo "verharren", H3N2 z. B. im Tierwirt.

  5. 7.

    Ich habe mich vor etwas über einer Woche impfen lassen.
    Ich hatte und habe seit Jahren keinerlei Probleme mit einer Grippeschutzimpfung gehabt. Mit einer echten Grippe und sehr hohen Temperaturen vor sehr langer Zeit allerdings hatte ich wirklich Probleme.
    Deshalb mein Rat an alle Unentschlossenen lasst euch lieber Impfen denn keinem wünsche ich die echte Grippe ohne Schutz.
    Selbstverständlich habe ich mich auch gegen Corona impfen lassen, allerdings nur einmal da ich zu den sogenannten Genesenden gehöre.
    Auch da hatte ich noch einmal richtig Glück gehabt und konnte beizeiten das Klinikum nach einer Lungenentzündung verlassen. Ich musste glücklicherweise nicht an so einen Beatmungsautomaten angeschlossen werden.
    Ich werde auch dies Booster Impfung wenn ich dran bin für mich in Anspruch nehmen.

  6. 6.

    Danke, wünsche ich Ihnen und allen rücksichtsvollen vernünftigen Menschen auch.
    So habe ich es auch gemacht.

  7. 5.

    Ich habe mir am Do. die Grippeschutzimpfung geholt, zusätzlich zur Coronaschutzimpfung Mitte des Jahres, Beides bei meinem Doc. Im Leben und in der Medizin gibt keine Vollkasko aber wir können mit unserem Verhalten für mehr Sicherheit sorgen. Das bedeutet aktuell,auch Geimpfte müssen sich weiterhin an die Coronaregeln halten und das Tragen der Maske wird vllt.wieder ein entscheidender Baustein für etwas Schutz sein. Auch wenn es vielen nicht passt, es fühlt sich nicht nur wieder an wie 2020. Einziger Unterschied. Die meisten Menschen können sich impfen lassen um im Ernstfall nicht schwer zu erkranken. Das ,Rücksichtnahme auf das Umfeld und Eigenschutz,mehr geht nicht. Ich wünsche allen,dass sie gesund bleiben oder werden.

  8. 4.

    Das finde ich eine wichtige Nachfrage - ob 3-fach oder 4-fach-Impfstoff. Ich habe über meinen Arbeitgeber bereits den 4-fach-Impfstoff bekommen (2017 übrigens auch), aber ich weiß nicht, wie die Krankenkassen das handhaben. Ich hoffe, sie haben aus 2017/18 gelernt...

  9. 3.

    Also bei uns gab es standardmäßig und ohne Nachfrage auf Kasse den 4er.

  10. 2.

    Ich lasse mich nicht impfen gegen Grippe. A) ich hatte sie in knapp 60 Jahren noch nie, enge Haushaltsmitglieder dennoch. Nicht angesteckt, ohne Maske. B) jetzt alles mit Masken und totdesinfiziert, selbst die berühmten Einkaufswagengriffe, die Kleinkinder so gerne abgeleckt haben.. also wo soll man sich anstecken? BVG fahre ich nicht, Haltestangen habe ich nie durch mein Anfassen gereinigt... C) Impfstoffe sollten wirksam sein, auch für Kassenpatienten. Der fail mit dem kostenlosen 3fach Impfstoff spricht Bände..

    Gegen Grippe hilft Abstand, Hygiene und Maske. Keine Kinos etc im Winter. Büros lüften und Shake hands ablehnen. Kantine meiden.

  11. 1.

    Ausgewogener und ehrlich über den Impfstoff und die Erkrankung aufklärender Beitrag, ohne falsche Glorifizierung oder Angstmacherei! Vielen Dank!
    Gegen welche Viren wirkt der diesjährige Impfstoff und bekomme diesmal alle das 4fach-Präparat oder aus Kostengründen die meisten wieder nur nen 3fach-Impfstoff, wie 2017/2018? Das und die dadurch entstandene falsche Sicherheit hatte die schwere Grippewelle damals ausgelöst und das Gesundheitssystem kollabieren lassen, ÖPNV viel aus, Kliniken wegen Überfüllung geschlossen! Also genau das worum wir uns aktuell sorgen. Wird das diesmal vermieden oder wieder gespart?

Nächster Artikel