110 und 112 ausgefallen - "Das Notrufaufkommen ist abrupt abgebrochen"

Do 11.11.21 | 16:53 Uhr
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Blick in die Leitstelle der Berufsfeuerwehr Potsdam (Bild: dpa/Jens Kalaene)
Video: Abendschau | 11.11.2021 | K. Breinig | Bild: dpa/Jens Kalaene

In Berlin und Teilen Brandenburgs sind am Morgen die Notrufnummern 110 und 112 ausgefallen. Polizei und Feuerwehr waren telefonisch nicht oder nur eingeschränkt zu erreichen. Es gab eine technische Störung bei der Telekom.

In Berlin und Teilen Brandenburgs sind die Notrufnummern 110 und 112 wiederhergestellt.

Am Donnerstagmorgen waren beide Nummern zum Teil über mehrere Stunden ausgefallen. Polizei und Feuerwehr waren telefonisch nicht oder nur eingeschränkt zu erreichen, es wurden alternative Rufnummern geschaltet. Bis 9:00 Uhr waren die Nummern dann wiederhergestellt. Am längsten war die 112 in den Landkreisen Barnim, Oberhavel und Uckermark ausgefallen.

Offenbar Störung bei Telekom

Der Einsatzleiter der Regionalleitstelle Nordwest in Potsdam, Ronny Neupert, sagte dem rbb, es habe eine technische Störung bei der Telekom gegeben, die zentral deutschlandweit die Notrufleitungen koordiniere und betreibe. Der bundesweite Notrufausfall sei über verschiedene Wege gemeldet worden.

"Es gab am frühen Morgen eine Störung", bestätigte schließlich ein Telekom-Sprecher am Donnerstag auf Anfrage. Eine Vermutung räumte das Unternehmen bereits aus: Ein Hackerangriff sei es nicht gewesen. Ersten Analysen zufolge habe ein technischer Fehler die Panne verursacht. Nach Angaben des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) ist die Telekom für die Notrufnummern zuständig.

Notfall-Apps Katwarn und NINA funktionierten

"Wir haben über die Apps NINA und Katwarn gewarnt, dass die Notrufverbindungen ausgefallen sind", bestätigte auch Ingolf Zellmann, Chef der Leitstelle Lausitz, dem rbb. "Woran es technisch lag, muss untersucht werden."

Zellmann appellierte an die Bevölkerung, für solche Fälle die Warn-Apps NINA oder Katwarn zu installieren. "Damit solche Warnungen diejenigen erreichen, die Hilfe brauchen."

Es war nicht der erste Vorfall dieser Art in den vergangenen Monaten: Ende September gab es schon einmal technische Störungen im Telekom-Netz. Damals waren die Notrufnummern von Polizei und Feuerwehr für 40 Minuten nicht erreichbar. Die Gewerkschaft der Polizei Berlin (GdP) fordert deshalb ein Umdenken: "Der heutige Morgen zeigt leider, wie labil die Technik heute ist und welche Probleme es macht, wenn wir uns in Sachen kritischer Infrastruktur auf eine einzige lineare Lösung verlassen", sagte GdP-Landesvize Stephan Kelm. "Es darf nicht sein, dass Menschen in Notfallsituationen deutschlandweit nicht mehr zu Polizei und Feuerwehr durchkommen." Kelm forderte, dass "Parallellösungen, die sofort greifen" geschaffen werden.

Plötzlich gingen keine Notrufe mehr ein

Einen solchen Totalausfall habe er in seinen 41 Dienstjahren noch nicht erlebt, sagte Frank Hoedt von der Feuerwehr Berlin, dem rbb. Dramatisch daran sei vor allem, dass allseits bekannte Wege, Hilfe zu bekommen, plötzlich nicht mehr existierten. Ersthelfer müssten sich darauf verlassen, dass unter der 112 immer jemand erreichbar ist, so Hoedt. "Das ist es ja, was so kritisch ist." Wenn aber der Notruf nicht mehr funktioniere, müssten sich Ersthelfer im schlimmsten Fall vom Notfallort entfernen, um anderweitig Hilfe zu bekommen. "Das ist der feine Unterschied, wenn das System funktioniert - oder eben nicht."

Dem Berliner Lagezentrum sei am Morgen gegen 4.30 Uhr aufgefallen, dass das Notrufaufkommen "abrupt abgebrochen ist". Weil auch die 110 ausgefallen war, sei keine technische Zusammenarbeit mit der Polizei möglich gewesen. Eine Prüfung habe dann ergeben, dass der Fehler nicht in den Systemen der Feuerwehr lag. Kurz darauf sei die Bestätigung eingegangen, dass die Störung bei der Telekom vorlag, so Hoedt.

Daraufhin seien die Fernmelderäume der Feuerwachen besetzt und die Freiwilligen Feuerwehren in Dienst genommen worden. In kürzester Zeit seien alternative Rufnummern installiert und über verschiedene Wege an die Öffentlichkeit kommuniziert worden. Noch wisse man jedoch nicht, ob der Feuerwehr durch die Störung Notfälle nicht rechtzeitig mitgeteilt werden konnten. "Die Dunkelziffer werden wir nie erfahren", so Hoedt.

Polizei Berlin: Bis zu 45 Notrufe verpasst

Auch die Berliner Polizei wurde durch den Totalausfall ihrer Notrufnummer 110 überrascht. Man habe umgehend über die Sozialen Medien wie Twitter darüber informiert, sagte eine Polizeisprecherin dem rbb. Zudem habe man im Netz darüber informiert, wie Bürgerinnen und Bürger eine Polizeiwache in ihrer Nähe direkt erreichen können. Bislang sei "keine Beschwerde eingegangen, dass jemand uns nicht erreichen konnte", so die Sprecherin. Man gehe allerdings davon aus, dass der Polizei in der Zeit des Ausfalls "40, 45 Notrufe entgangen sind", dass sei das übliche Anrufaufkommen um diese Uhrzeit. Die 110 in Berlin sei 5:44 Uhr wieder erreichbar gewesen.

Bundesweit hatte es am Morgen Störungen bei den Notrufnummern 110 und 112 von Polizei und Feuerwehr gegeben. Warnmitteilungen gab es unter anderem in Hamburg, Nordrhein Westfalen, Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Die Ursache blieb zunächst unbekannt.

37 Kommentare

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  1. 37.

    Ich habe zur Sicherheit auf meinem Smartphone die NINA WarnApp installiert.

  2. 36.

    Durch moderne Technik wird jedenfalls alles besser. Ein Hoch auf den Fortschritt!

  3. 35.

    Sie fordern Knast, ohne irgendwelche Strafbarkeitsfragen vorher zu klären! In Ihrem Unrechtsstaat möchte ich nicht leben müssen!

  4. 34.

    @ Frank, die "GürtelundHosenträger-Fraktion" wird oft belächelt und analog als antiquiert empfunden. Aber gerade bei den Sirenen hat man gesehen, die wenigen alten haben beim Test damals funktioniert, Berlin blieb mehr oder weniger still.
    Umso schlimmer, dass man nicht rechtzeitig umgedacht hat.




  5. 33.

    Nein, NORA ist richtig. Zur Webseite: https://www.nora-notruf.de/de-as/startseite
    Dort ist auch der Grund für die Nichtverfügbarkeit in den App-Stores angegeben.
    "Um die hohe Nachfrage verarbeiten zu können, sind Arbeiten an der Infrastruktur für das Notruf-System nötig geworden. Deshalb ist die App vorläufig nicht über die App Stores, sondern nur über unseren Support erhältlich."

  6. 32.

    Ja, komplexere Systeme sind fehleranfälliger, richtig. Und höhere Komplexität oder neue Verfahren bringen nicht immer Verbesserungen. Dessen muss man sich bewusst sein und dann auch den Mut haben, die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen. - Nach den Hochwasserkatastrophen im Juli haben z.B. viele gesagt, dass die bundesweite Abschaffung von Alarmsirenen in Dörfern und Städten ein Fehler war - der konkret Menschenleben gekostet hat. Ob aufgrund dieser Erkenntnis nun die Wiedereinführung von Sirenen schon konkret geplant ist, weiss ich nicht. Jedenfalls muss man aber den Mut zu haben, grundsätzliche Fehlentwicklungen - wie etwa eine immer weitere Digitalisierung ohne Rückfallsystem - auch zu erkennen und zu benennen, und nicht bloß lapidar von einer 'Technischen Störung' zu sprechen, wie die Telekom es tat. Feuerwehrmann Hoedt sagte, so etwas habe er in 41 Jahren noch nicht erlebt. Höchste Zuverlässigkeit ist also möglich. Und sie ist (auch) hier nötig, denn Notfälle treten IMMER auf.

  7. 31.

    Vielleicht erkennen jetzt mal alle das nicht nur Pfleger und Krankenhaus Kräfte wichtig sind, immer diese Fixierung auf bestimmte berufsgruppen nervt.
    Mangel gibt es übrigens überall auch bei der Telekom, doppelt und dreifache Netze kosten extrem viel Geld wer möchte das schon bezahlen am Ende.

  8. 30.

    @ Frank, ich habe nur einen Kommentar von CD kommentiert.
    Ansonsten bin ich voll d'accord, dass Notrufe funktionieren müssen. Telekom muss und wird jetzt analysieren und verbessern.
    Ich habe nur die Vermutung, um so raffinierter und spezialisierter Systeme werden, desto anfälliger sind sie.

  9. 29.
    Antwort auf [Uwe] vom 11.11.2021 um 15:58

    Besser wäre vielleicht ein Bote gewesen ? Optimal, wenn er noch mit einem Fahrrad den Notruf überbracht hätte ! So sieht eine erfolgreiche Industrienation mit redundanten Systemen aus !!

  10. 28.

    Sie verstehen das nicht: WENN DAS INTERNET NICHT GEHT dann können SIE NICHT ANRUFEN!
    Wenn die Telekom die VoIP-Kommunikation "verkackt" ist es egal..

    Wieso sitzt von der Telekom keiner im Knast? Notrufnetzwerke stehen unter gesondertem Schutz aber hier labert die TELEKOM ERNEUT etwas von "tja technische Probleme! Kann man nichts machen!". Doch kann man... entsprechende Manager wegen Gefährdung der inneren Sicherheit einbuchten... das macht man 2-3 mal und "oh WUNDER" gehen die Netze sicher wieder störungsfrei.

    Das hat sicher alles GAR NICHTS mit Sparmaßnahmen seitens der Telekom zu tun damit die Manager fette Boni bekommen... ist alles nur ein ZUFALL! Kann man halt nichts machen! Mich wundert ja schon, dass die Telekom nicht gesagt hat, dass das wegen Corona ausgefallen sei! Ist doch heut zu Tage so die Standartausrede für Pfusch und Mangelwirtschaft

  11. 27.

    Bitte nicht vom Thema ablenken: Es geht hier um ein massives organisatorisches und konzeptionelles Problem - und nicht um ein paar Bürger, die mangels Verfügbarkeit von Alternativnummern oder auch aus Langeweile die 110 und 112 wählen. ((Ich habe kürzlich nach dem Sturm wg eines schlecht sichtbaren Baums auf einem Radweg versucht, das 'Bürgertelefon' der Berliner Polizei zu erreichen (030 4664 4664). Dort war aber nicht einmal eine Ansage geschaltet. Durchnässt gab ich nach 15 min Freizeichen (!) auf, wählte die 110 und erhielt sofort Antwort.)) - Zum eigentlichen Thema: Wenn stadt-, landes- oder gar bundesweit für einen so langen Zeitraum keine Notrufnummer erreichbar ist, dann ist an der technischen Konzeption etwas grundfalsch: Da wurden eklatante planerische Fehler gemacht, die nicht als "technisches Problem" verharmlost werden dürfen. Das muss ohne falsche Rücksicht und ohne Ausflüchte analysiert und umfassend behoben werden. Sonst bleibt das garantiert kein Einzelfall.

  12. 26.

    Brauche ich nicht.....Ich liebe Amazon- Prime und irgendwelche Lieferdienste. Ich bin nicht ungeduldig + deswegen wähle ich nicht gleich den Notruf, wenn irgendetwas im argen ist.

  13. 25.

    Die Reporterin riet gerade , man solle sich zusätzlich zu 110 und 112 die Nummern der Leitstellen von Polizei und Feuerwehr speichern.
    Gute Idee, nur, wo findet man die. Im Internet werden nur die beiden schon wieder ausgefallenen Nummern genannt. Bitte lieber rbb, hilf und veröffentliche die rettenden Telefonnummern.
    Bei der Gelegenheit gleich noch eine Frage:
    Kann man auch per SMS einen Notruf absetzen?
    Wenn ja, wie???

  14. 24.

    Tja, da wünscht man sich ein analoges Backupsystem für diesen Notfall. So etwas passiert immer wieder.

  15. 23.

    Sehr geehrte Frau Uddin,
    hier in Berlin das gleiche. Ich denke mal es war deutschlandweit das Problem.
    Mit freundl. Grüßen

  16. 22.

    Bald Normalität im besten und schönsten Deutschland aller Zeiten

  17. 21.

    Dann überlegen Sie mal ein wenig...die Frage können Sie sich selber beantworten .

  18. 20.

    Katwarn hat ganz prima funktioniert. Meine Familie und ich standen horizontal im Bett heute morgen um die Info zu lesen, dass der Notruf nicht geht.

    Ich hab sicher nichts gegen solche Informationen aber da sollte man dringend nachbessern und dem Anwender einräumen, ab welcher Warnstufe eine laute Warnmeldung bekommt.

    Das erspart den einen oder anderen Herzkasper. Der Alarm war aber auch dem neuen iOS geschuldet, wo es es bei Katwarn die Option „Kritischer Hinweis“ gibt.

  19. 18.

    Ich gucke seit heute Morgen WDR . In NRW war das auch ! War das im ganzen Land heute ? Und was war die Ursache ?

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