Neues Lagebild der Polizei - Organisierte Kriminalität verursacht Millionenschäden in Berlin

Fr 12.11.21 | 13:26 Uhr
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Symbolbild: Polizisten führen einen Mann ab. (Quelle: dpa/Paul Zinken)
Audio: Inforadio | 12.11.2021 | H. Schroeder | Bild: dpa/Paul Zinken

Organisierte Banden haben in Berlin im vergangenen Jahr rund 60 Millionen Euro Schaden angerichtet. Das geht aus dem neuen Lagebild der Polizei hervor. Ein großer Erfolg der Sicherheitsbehörden: das Knacken des Krypto-Messengers Encrochat.

Organisierte Banden von Kriminellen haben in Berlin im vergangenen Jahr einen bekannt gewordenen Schaden von knapp 60 Millionen Euro verursacht. Das geht aus dem Lagebild der Polizei zur organisierten Kriminalität (OK) für das Jahr 2020 hervor, das am Freitag veröffentlicht wurde.

Erträge aus Verbrechen in Höhe von rund 18,6 Millionen Euro hätten nachvollzogen werden können, Vermögenswerte von rund 2,3 Millionen Euro seien vorläufig beschlagnahmt worden.

Großteil der Ermittlungen führen ins Ausland

Die Kriminalpolizei führte den Angaben zufolge 64 größere Ermittlungsverfahren zur organisierten Kriminalität, mehr als 70 Prozent davon hatten internationale Bezüge. Insgesamt ging es dabei um 498 Verdächtige und Verbindungen in 37 andere Staaten. Zehn OK-Ermittlungskomplexe galten der sogenannten Clankriminalität von Mitgliedern arabischstämmiger Großfamilien. Die häufigsten Delikte waren der Drogenhandel sowie der Autodiebstahl durch organisierte Banden aus dem Ausland.

"Die geographische Lage Berlins, insbesondere die schnelle Anbindung an die ins Ausland führenden Autobahnen, spielt hierbei eine tatbegünstigende Rolle", schreibt die Polizei. Wegen der vielen teuren Autos, die in der Metropole Berlin an Straßen parkten, gebe es "eine Vielzahl an Gelegenheiten".

Geknackter Krypto-Messenger führt zu Mega-Verfahren

Derzeit läuft das bislang wohl größte Verfahren gegen organisierte Banden in der Hauptstadt, das vor allem auf der Entschlüsselung von Daten des Messengerdienstes Encrochat beruht. Hauptangeklagte sind ein 42-Jähriger aus einem bekannten arabischstämmigen Clan sowie ein 23-Jähriger. Gemeinsam mit einem 36-Jährigen sollen sie gewerbsmäßig Kriegswaffen erworben und verkauft haben.

Handys mit dem verschlüsselten Encrochat-Messengerdienst wurden in Berlin im vergangenen Jahr von mindestens 732 Menschen genutzt. 1,64 Millionen Datensätze aus Textnachrichten, Sprachnachrichten, Fotos und Videos wurden diesen Handys zugeordnet. In ganz Deutschland gab es rund 4.600 Encrochat-Nutzer, heißt es in dem Lagebild.

Die Kryptierungssoftware galt zunächst als nicht entschlüsselbar und war deshalb bei Kriminellen sehr beliebt. Die Polizei in den Niederlanden und Frankreich hatte im Frühjahr 2020 die Software geknackt und einige Monate lang Millionen geheimer Daten abgeschöpft.

Polizei beklagt mangelhafte IT-Ausstattung

Die Berliner Justiz hatte kürzlich mitgeteilt, dass im Zusammenhang mit den entschlüsselten Encrochat-Daten etwa 650 Verfahren mit jeweils mindestens einem Verdächtigen anstünden. Staatsanwaltschaft und Landgericht mussten eigens dafür Personal und Strukturen aufstocken. Erste Prozesse wegen Drogen- und Waffenhandels laufen bereits.

"Die Auswertung kryptierter Täterkommunikation wird zukünftig eine herausragende Bedeutung für die Arbeit der Sicherheitsbehörden einnehmen", betonte die Polizei in ihrem Lagebild. Die Kriminellen seien inzwischen international vernetzt und kommunizierten intensiv und über alle Ländergrenzen hinweg. Für die Polizei sei das zunehmend problematisch. Die Nachrüstung der IT-Ausrüstung für die steigenden Anforderungen der Beweisführung sei "nicht immer realisierbar".

Sendung: Inforadio, 12.11.2021, 13:00 Uhr

16 Kommentare

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  1. 16.

    Beim Lesen der Kommentare frage ich mich: Was hat das mit organisierter Kriminalität zu tun? ( obwohl eine Vermietung zu unbezahlbaren Preisen schon kriminell ist ).

  2. 15.

    Sie sind ja ein ganz schlauer. Haben Sie sich mal gefragt, weshalb die Handwerksbranche händeringend Fachkräfte braucht? Der Mindestlohn immer noch ein großes Thema ist wie schon wieder aktuell? Nein in Berlin läuft gewaltig was schief was Jobangebote betrifft. Hier werden die arbeitenden Menschen nach Strich u.Faden ausgebeutet u.a. von Subunternehmen das sich die Balken nur so biegen. Und Ihr Argument von wegen man könne ja woanders hinziehen, ist schlichtweg zynisch gemeint. So meine Meinung.

  3. 14.

    Niemand ist gezwungen Geringverdiener zu sein oder zu bleiben. Niemand ist gezwungen in Berlin zu bleiben wenn die Lebensgrundlage es nicht hergibt. Jeder kann sich qualifizieren oder wegziehen und woanders glücklicher werden, sei es aus Eigenverantwortung oder Selbstachtung. Berlin wird schon nicht untergehen wenn untere Löhne nicht mehr Limbo tanzen und Preise realistisch teuer werden. Zumal der Niedriglohnsektor auch Erhaltung als Selbstzweck hat und sich selbst sein größter Kunde ist.

  4. 13.

    Was machen Geringverdiener wie Friseure, Gebäudereiniger, Paketboten usw? Wovon sollen sie eine Wohnung kaufen? Oder sollen sie täglich stundenlange Anfahrten in Kauf nehmen um auch für Sie zu arbeiten? Nachdenken vor dem Kommentieren hat noch nie geschadet.

  5. 12.

    Das wissen die Berliner und Berlinerinnen seit 40 Jahren und ein Ende ist nicht in Sicht.
    Das Gegenteil zeichnet Berlun aus

  6. 11.

    Ja, ja, so ein rundum Versorgungspaket ist eine prima Sache, vo allem für die, die vom Sofa aus danach bei jeder Gelegenheit rufen.

  7. 10.

    Genau so sehe ich das auch. Aus Mieten dürfte nicht einer positives Kapital schlagen dürfen.
    Wohnen muss Grundrecht sein. Wohnungen im Staatseigentum und nicht Privatisierung zum.oofer fallen.

  8. 9.

    Mich würde mal interessieren, worin der Schaden bestand!? Woraus setzen sich diese ´60 Millionen´ zusammen? Wie ist jemand auf diese Zahl gekommen? Was wird unter Schaden verstanden? Gilt dies noch, wenn das illegale Geld dem legalen Wirtschaftskreislauf zugeflossen ist?
    An#3 Horst: Der Vergbleich mit cumcum/-ex ist ziemlich gelungen! thx

  9. 8.

    Abgeltungssteue mit Meldepflicht auch für Kryptowährungen sowie Digitalisierung und Vernetzung der Ermittlungsbehörden in Kombination mit europaweiten Abschaffung von Bargeld muss hier zeitnah angegangen werden. Dann haben die EU-Mitgliedsstaaten eine reele Chance.

  10. 7.

    Sind 60 Mio. für RRG nicht Motivation für das Handeln genug? Oder ist das Handeln, im Sinne von Schaffen, nicht so das Richtige?

  11. 6.

    Da kann man nur genauso dreist zurückantworten: gehen Sie arbeiten, qualifizieren Sie sich und nutzen die Möglichkeiten sich selbst Eigentum zu schaffen (hätten Sie schon vor Jahren machen können, bereits Ihre Eltern, Großeltern). Wer etwas will findet Wege und wer nicht findet Ausreden.
    Ansonsten ist niemand gezwungen in Berlin zu wohnen oder Mietverträge zu Wuchermieten abzuschließen. Es gibt auch öffentliche Wohnungen und Genossenschaften und die meisten Vermieter nehmen eben keine Wuchermieten.
    Ansonsten nehmen Sie mal die aufs Korn, die Wohnen für ihre eigenen Kassen verteuern. Stichwort Heizkosten, Steuern oder Dämmen.

  12. 5.

    "Organisierte Kriminalität verursacht Millionenschäden in Berlin " Das ist richtig. Aber welche Millionenschäden richten die organisierten Mieterhöhungen bei den Mietern an? Viele Leute dürfen wählen zwischen Nahrung kaufen oder Miete zahlen.

  13. 4.

    Dürfte die gleiche Wertigkeit haben, wie einen Waffenhersteller bei einem Tötungsdelikt mit ins Boot zu holen. Sie haben nur das Werkzeug geliefert, Missbrauch haben andere betrieben.

  14. 3.

    60 Millionen - da fehlen irgendwie die Vergleichszaheln. 2018, als RRG erstmalig das Lagebild veröffentlichte, waren es ca. 93 Millionen. Wie viel war es im letzten Jahr? Und auch das dürfte noch ein Bruchteil des eigentlichen Schadens sein. Wie hoch schätzt man den Schaden?

    Aber auch kein Wunder. Deutschlands Vorgehen gegen die OK ist ziemlich lasch, Berlin ist da mit NRW fast Vorreiter. Arabische Clans, Mafia (von italienisch über russisch bis vietnamesische) können hier gute Geschäfte machen. Das häufigste Delikte dürften da aber entgegen des Berichtes Geldwäsche sein.

    PS: Eine Vergleichszahl hätte ich noch. Durch CumCum und ähnlichen Geschäften ist Deutschland in den letzten 20 Jahren eine (Steuer)Schaden von ca. 35 MILLIARDEN entstanden.

  15. 2.

    Muss Encrochat jetzt damit rechnen wegen Beihilfe angeklagt zu werden?

  16. 1.

    Hauptstadt der internationalen, organisierten Kriminalität. Wenn Berlin auch sonst nichts auf die Reihe kriegt, die Kriminalität läuft. Die nicht kriminellen Berliner wollen ja nun die Stadt verlassen. Ich habe mich gewundert, dass das etwas mehr als die Hälfte sind. (Warnung: Dieser Kommentar enthält Spuren von Satire und Ironie, die bei ör Einrichtungen Unverträglichkeitserscheinungen hervorrufen können.)

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