Beisetzung von Neonazi in Stahnsdorf - Kirche will Friedlaender-Grabstein neu aufstellen

Fr 19.11.21 | 14:09 Uhr
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Das Grab von Max Friedländer (Quelle: dpa/Jens Kalaene)
Bild: dpa/Jens Kalaene

Ein Holocaust-Leugner ist auf der früheren Grabstätte von Max Friedlaender beigesetzt worden. Die Kirche hat sich dafür entschuldigt. Nun hat sie eine Lösung für das Andenken des jüdischstämmigen Musikwissenschaftlers gefunden.

Nach dem Eklat um die Beisetzung eines Holocaust-Leugners auf der früheren Grabstätte des jüdischstämmigen Wissenschaftlers Max Friedlaender will die Evangelische Kirche den
Grabstein verlegen.

"Mit der Neuaufstellung des Grabsteins an zentraler Stelle auf dem Kirchhof wollen wir ein ehrendes Gedenken für Max Friedlaender bewahren", teilte der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO), Christian Stäblein, am Freitag in Berlin mit. Ein Gedenkort mit Stele solle das Leben und das Werk Friedlaenders würdigen. Das sei mit den Nachfahren abgestimmt.

Beisetzung von Holocaust-Leugner löste bundesweit Empörung aus

Der Holocaust-Leugner Henry Hafenmayer war am 8. Oktober auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf bei Berlin im Beisein von Anhängern auf der ehemaligen Grabstätte Friedlaenders beigesetzt worden. Das löste bundesweit Empörung aus. Der Landesbischof hatte sich entschuldigt und eine Prüfung angekündigt, ob die Urne umgebettet oder der Grabstein Friedlaenders versetzt werden kann. Das Grab des jüdischstämmigen Protestanten, der von 1852 bis 1934 lebte, stand 1980 laut Kirche zur Wiederbelegung frei. Sein denkmalgeschützter Grabstein steht dort noch. Ein Datum für die Neuaufstellung stand zunächst nicht fest.

Die Nachfahren Friedlaenders erklärten in einer Pressemitteilung, durch die Neuaufstellung des Grabsteins und dem Gedenkort an zentraler Stelle solle Friedlaenders "bedeutende Leistung als Musikwissenschaftler angemessen gewürdigt werden". Hierzu gehöre insbesondere die Erforschung des Lebens des Komponisten Franz Schubert (1797-1828) durch Friedlaender. Zudem werde im Gedenken an Friedlaenders 1943 in Auschwitz ermordete Nichte Käte Friedlaender Anfang 2022 an derem letzten "Wohnort" in einem sogenannten "Judenhaus" in Berlin ein Stolperstein verlegt.

Sendung: Brandenburg aktuell, 19.11.2021, 19:30 Uhr

5 Kommentare

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  1. 5.

    Zitat:"Zudem werde im Gedenken an Friedlaenders 1943 in Auschwitz ermordete Nichte Käte Friedlaender Anfang 2022 an derem letzten "Wohnort" in einem sogenannten "Judenhaus" in Berlin ein Stolperstein verlegt."
    In sogenannten "Judenhäusern" wurden jüdischstämmige Bürger zwangsweise untergebracht. Somit ist es nicht der letzte frei gewählte Wohnort der Köthe Friedlaender.
    Es sollte doch möglich sein, diesen Wohnort zu ermitteln und dort den Stolperstein zu verlegen.

  2. 4.

    Ich bin bei Ihnen, es war ein Fehler, wohl von der evangelischen Kirche, dass es in Folge nun eine solche Diskussion um den verdienstvollen Musikwissenschaftler gibt.
    Ob er "rassistisch verfolgt" wurde und ihm "die Nazis alle Ämter entzogen hatten" wäre doppelt tragisch, zumal Friedländer im Alter von 82 Jahren wohl keine berufsbezogenen Ämter mehr hatte, als er im Jahre 1934 verstorben ist.

  3. 3.

    Vielleicht könnte noch ein Schamane oder Exorzist den Grabstein von der bösen Aura befreien, der er seit kurzem ausgesetzt war...

  4. 2.

    "Den Grabstein vom Max Friedlaender, einem jüdischstämmigen Protestanten hätte man schon längst an anderer Stelle setzen können, soweit ersichtlich, ist die Grabstelle turnusmäßig an Henry Hafenmayer zugefallen, ohne dass seine Trauergemeinde extra dafür tätig wurde, weil schon vor Jahren das Grab von Friedländer aufgegeben wurde, und sich niemand darüber aufgeregt hat."

    Gezielte Fake News der Sympathisanten des Neonazis. „Das Skandalon ist nicht, dass hier ein jüdisches Grab geschändet worden sei. Die Schande besteht darin, dass ein rassisch Verfolgter, dem die Nazis alle Ämter entzogen hatten, nicht vor der Demütigung einer antisemitischen Provokation bewahrt worden ist.“

    https://www.pnn.de/potsdam-mittelmark/suedwestkirchhof-stahnsdorf-homolka-fordert-aufklaerung-nach-neonazi-bestattung/27721548.html

  5. 1.

    Eine Urne ist da nicht mehr "umzubetten". Die jetzige Grabstelle war vor dem Begräbnis von Henry Hafenmayer nach früheren RBB Beiträgen leer. Den Grabstein vom Max Friedlaender, einem jüdischstämmigen Protestanten hätte man schon längst an anderer Stelle setzen können, soweit ersichtlich, ist die Grabstelle turnusmäßig an Henry Hafenmayer zugefallen, ohne dass seine Trauergemeinde extra dafür tätig wurde, weil schon vor Jahren das Grab von Friedländer aufgegeben wurde, und sich niemand darüber aufgeregt hat. Die Verdienste des Max Friedländer an anderer Stelle zu würdigen, ist eine gute Idee. Er hat sich über das Deutsche Volksliedgut hohe Verdienste erworben.

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