Lieferkette durchbrochen - Berliner LKA und BKA zerschlagen Kokain-Schmugglerbande

Di 30.11.21 | 15:55 Uhr
Archivbild: Ein Mann wird bei einer Razzia, mit einer Decke über dem Kopf, von der Polizei abgeführt. (Quelle: dpa/C. Gateau)
Audio: 88.8 | 30.11.2021 | Helena Daehler | Bild: dpa/C. Gateau

40 durchsuchte Objekte im In- und Ausland, 14 Haftbefehle, 28 Tatverdächtige: Ermittlern ist am Dienstag ein Schlag gegen den internationalen Rauschgifthandel gelungen. Im Fokus standen Tatverdächtige aus dem Raum Berlin.

Deutschen und internationalen Ermittlern ist ein Schlag gegen den internationalen Rauschgifthandel gelungen. Dabei sind die Staatsanwaltschaft Berlin und das Bundeskriminalamt (BKA) am Dienstag wegen des Verdachts von Verbrechen nach dem Betäubungsmittelgesetz mit Verhaftungen und Durchsuchungen gegen eine Gruppe von Tatverdächtigen aus dem Raum Berlin vorgegangen. An der international konzertierten Aktion waren neben Strafverfolgungsbehörden in Berlin und Dortmund auch Ermittlungsdienststellen in Lettland und Spanien beteiligt.

Wie das Bundeskriminalamt in Wiesbaden mitteilte, haben die Beamten mehr als 40 Objekte im In- und Ausland durchsucht, dabei wurden 14 Haftbefehle vollstreckt und insgesamt 28 Tatverdächtige ermittelt. Sie stammen überwiegend aus Deutschland, aber auch aus der Türkei, Griechenland, dem Irak, Georgien, der Ukraine, Lettland und Kolumbien.

Insgesamt Schmuggel von fünf Tonnen Kokain

Die vollstreckten Haftbefehle führten zur Zerschlagung einer seit mehr als einem Jahrzehnt unentdeckt gebliebenen international operierenden Gruppierung mutmaßlicher Kokainhändler. Mit den Haftbefehlen und Durchsuchungen habe man nun die Lieferkette der Kokainschmuggler durchbrochen, erklärte Oberstaatsanwalt Georg Bauer, Hauptabteilungsleiter bei der Staatsanwaltschaft Berlin.

Den Beschuldigten wird unter anderem vorgeworfen, an insgesamt neun Kokainlieferungen mit einem Umfang von knapp fünf Tonnen Kokain beteiligt gewesen zu sein. Zudem konnten die potentiellen Kokainabnehmer in Berlin identifiziert werden.

Die Beschuldigten sollen unter anderem knapp fünf Tonnen Kokain aus Südamerika nach Deutschland geschmuggelt haben. Die Gruppe agierte laut BKA bereits seit einem Jahrzehnt; sie soll die komplette Logistik für den Rauschgifttransport bereitgestellt haben. Der Kokainschmuggel soll konspirativ über ein Geflecht von Scheinfirmen abgewickelt und verschleiert worden sein.

Ermittlungen nach Fund eines Schiffscontainers

BKA-Vizepräsidentin Martina Link sagte, die Zerschlagung der Schmugglerbande sei ein herausragender Ermittlungserfolg. Zugleich sei deutlich geworden, "wie stark sich die hochprofessionell operierende Organisierte Rauschgiftkriminalität inzwischen auch in Deutschland festgesetzt hat". Dagegen werde man weiterhin vorgehen.

Die Ermittlungen des Bundeskriminalamtes im Auftrag der Staatsanwaltschaft Berlin gehen auf eine Sicherstellung von 690 Kilogramm Kokain in einem Seeschiffscontainer zurück. Das Kokain war im November 2018 im Hafen von Santos/Brasilien von den dortigen Strafverfolgungsbehörden sichergestellt worden, adressiert an eine Firma in Berlin.

Ermittlungen nach Sicherstellung von 690 Kilogramm Kokain

Die darauffolgenden Ermittlungen des BKA deckten eine hochprofessionell agierende und weitverzweigte Täterstruktur auf, die sich mindestens seit dem Jahr 2011 zusammengeschlossen haben soll, um über in Deutschland installierte Scheinfirmen Kokain nach Deutschland zu schmuggeln. Dabei sollen die Beschuldigten die komplette für den Rauschgifttransport benötigte Logistik bereitgestellt haben. Hierzu sollen sie sich einer Vielzahl von Falschpersonalien bedient haben, die lange Zeit eine Entdeckung ihrer wahren Identitäten nahezu unmöglich machte.

Nach der Sicherstellung des Drogenfunds im Jahr 2018 tauchte die Gruppe zunächst ab. Allerdings ergaben die weiteren Ermittlungen den Verdacht, dass die Tatverdächtigen verschiedene neue Transportwege über Kolumbien, Panama und Mexiko nach Europa mit dem Ziel aufbauten, um neue Routen für illegale Kokaintransporte zu etablieren. Das Vorhaben der Gruppierung soll den Ermittlungsergebnissen zufolge darauf ausgerichtet gewesen sein, Großlieferungen von mehreren Tonnen Kokain durchzuführen.

Der Kokainschmuggel soll konspirativ über ein Geflecht von Scheinfirmen abgewickelt und verschleiert worden sein. Um neben dem Kokainhandel weitere Finanzmittel zu erlangen, sollen die Beschuldigten ihre Scheinfirmen auch zur betrügerischen Erlangung von Corona-Subventionen genutzt haben. Über mehrere Jahre wurden über dieses Firmengeflecht zudem die illegal erlangten Gelder gewaschen, unter anderem sollen ein ehemaliger MfS-Offizier und die Niederlassung eines Kölner Versicherungskonzerns in Berlin-Kreuzberg beteiligt gewesen sein.

Sendung: 88.8, 30.11.2021, 14:50 Uhr

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