Berlin - Verdi ruft Beschäftigte in Awo-Kitas zu achttägigem Streik auf

Mo 08.11.21 | 12:11 Uhr
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Kinderbesen hängen an einem Holzschuppen im leeren Garten einer Kindertagesstätte. (Quelle: dpa/Jens Büttner)
Bild: dpa/Jens Büttner

2.000 Beschäftigte der Awo Berlin sind ab Mittwoch zu einem achttägigen Verdi-Warnstreik aufgerufen. Der Grund: im Tarifstreit um die Angleichung ihrer Löhne auf das Niveau des Länder-Tarifvertrags geht es nicht voran. 5.000 Kinder und ihre Eltern sollen von dem Streik betroffen sein.

Im Tarifkonflikt bei der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Berlin ruft Verdi die Beschäftigten von Mittwoch an für acht Tage zum Warnstreik auf. Der Streik soll am Freitag, den 19.11., enden. Das teilte Verdi am Montag in einer Pressemitteilung mit. Von dem erneuten Streik werden Kitas, Beratungs- und Betreuungseinrichtungen der Awo in der Hauptstadt betroffen sein.

Druck auf Arbeitgeber soll erhöht werden

In der Pressemitteilung heißt es, trotz des viertägigen Warnstreiks im September "und der leichten Verbesserung des Gesamtangebots der Arbeitgeber sind wir noch immer viel zu weit vom Niveau des Tarifvertrages der Länder entfernt. Daher wird Verdi jetzt den Druck auf die Arbeitgeber erhöhen." Aufgerufen sind etwa 2.000 Beschäftigte. Zuerst hatte der "Tagesspiegel" [tagesspiegel.de] berichtet. Dort hieß es, mehr als 5.000 Berliner Kinder und ihre Eltern seien von dem Streik betroffen.

Nicht gestreikt werden solle im Nachtdienst und an den Wochenenden. Betroffene Eltern seien bereits informiert worden, heißt es weiter.

Gehälter sollen auf Niveau von Länder-Tarifvertrag

Die Gewerkschaft fordert für die Beschäftigten der Awo-Tarifgemeinschaft Berlin, zu der der AWO-Landesverband, die meisten Kreisverbände sowie die Awo pro:mensch GmbH gehören, eine schrittweise Anhebung der Entgelte auf das Niveau des Länder-Tarifvertrags.

Derzeit erhielten Awo-Beschäftigte zum Teil mehrere hundert Euro weniger im Monat als für vergleichbare Tätigkeiten im öffentlichen Dienst, hieß es in einer Pressemitteilung im September. Dabei leisteten sie, so Susanne Feldkötter von Verdi, einen ebenso wichtigen Beitrag zur öffentlichen Daseinsvorsorge wie ihre Kolleginnen und Kollegen beim Land.

Trotz der Warnstreiks im September 2021 und der leichten Verbesserung des Gesamtangebots der Arbeitgeber sind wir noch immer viel zu weit vom Niveau des Tarifvertrages der Länder entfernt.

Verdi-Verhandlungsführerin Meike Jäger

Gewerkschaft sieht Senat in der Pflicht

Konkret fordert Verdi nach eigenen Angaben, dass die Bezahlung in den AWO-Einrichtungen in einem ersten Schritt dieses Jahr auf mindestens 98 Prozent des Niveaus des Tarifvertrags der Länder angehoben und die Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst in die entsprechende Entgelttabelle des öffentlichen Dienstes übergeleitet werden.

Die Gewerkschaft sieht den Berliner Senat in der Pflicht, die Finanzierung von Gehältern und Arbeitsbedingungen auf dem Niveau des öffentlichen Dienstes in allen Einrichtungen der Daseinsvorsorge sicherzustellen.

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13 Kommentare

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  1. 13.

    Die Hauptstadtzulage im Öffentlichen Dienst beträgt monatlich 150€.

  2. 12.

    Was sich die AWO gegenüber ihren Mitarbeitern leistet - ist einfach mehr als "dreist" - die Geschäftsführer und ihre "Günstlinge" genehmigen sich eine satte Entlohnung und von der zusätzlichen Leistungen im Alter ganz abgesehen. Die Mitarbeiter sollen ackern für kleines Geld..... während der Wasserkopf (so nannte die oberen Etagen mal ein Geschäftsführer selbst) sich bedient. Seit Jahrzehnten die gleichen Ausreden gegenüber den berechtigten Forderungen der Mitarbeiter .... verdammt, dann verhandelt doch mal so, dass die Mitarbeiter gleiche Löhne wie die Kollegen im ÖD erhalten. Nichts als faule Ausreden seit Jahrzehnten - schade, dass die Belegschaft so unterwürfig ist und nicht massiver auftritt.

  3. 11.

    Emil: Die AWO hat nicht nur Kitas, sondern auch Beratungsstellen, Heime und vieles andere. Deshalb geht ihre Rechnung nicht auf. Auch die Geschäftsführer und Buchhalter sind Angestellte der AWO und die passen eher selten auf die Kita-Kinder auf.

  4. 10.

    Die Arbeiterwohlfahrt wurde vor ca 100 Jahren gegründet um den Arbeiterfamilien mit unterschiedlichen Angeboten beizustehen, insbesondere den Kindern.
    Da sich die Zeiten ändern, ist die heutige AWO für alle Menschen da.

  5. 9.

    Nun, Zahlen und Statistiken sind ne feine Sache... In der Praxis kommen aber auf eine Fachkraft im Krippenbereich (1-3 Jahre alt) 5 bis 6 Kinder, wenn ALLE Kolleginnen da sind (eine Seltenheit, wegen Krankheit/Erschöpfung/Urlaube/Überstundenabbau/etc.)
    Und im Elementarbereich (3-6 Jahre alt) sind es 8 Kinder... WENN nicht wie oben beschrieben, irgendwann das halbe Team ausfällt und sich ein Teufelskreis entwickelt...
    Der Alterdurchschnitt in den Einrichtungen ist hoch, liegt bei Ende 40... Was tun wenn diese alle Krank werden und nach und nach in ein paar Jahren in Rente gehen?

    Unser jüngster Kollege ist 32, der/die nächste 40
    Es kommen bei diesen Arbeits - und Gehaltverhältnissen leider keine frischen Fachkräfte zu uns :/
    Die Auszubildenden suchen sich, wenn sie fertig sind, auch andere Arbeitgeber

    Kinder brauchen gesunde/positive Aufmerksamkeit... Rechnerisch müssen Kinder viele Abstriche machen, wenn sich 10 Kinder eine Fachkraft teilen müssen

  6. 8.

    Also wem hilft die heutige AWO noch mal konkret? Arbeitern oder Nichtarbeitern?

  7. 7.

    Meine Freundin hat bei den Eigenbetrieben gearbeitet und kann nicht sagen, dass sie da mehr zu tun gehabt hätte. Im Gegenteil bei der Awo findet man wegen dem geringen Gehalt kaum noch neue Erzieher und muss häufig mit Zeitareitern arbeiten. Außerdem hat man mittlerweile in einer Einrichtung circa vier Auszubildene weil diese billiger sind. Für die Anleitung sieht man natürlich keinen Cent. Man bekommt etwa 90% von dem was im öffentlichen Dienst bezahlt wird. Zusätzlich keine berlinzulage. Und auch die coronaprämie war mit ca 130 Euro eher bescheiden.

  8. 6.

    Einen idealen Zeitpunkt für Streik gibt es nie und ich möchte mal anmerken, das Berlin die meisten Eigenbetriebe abgestoßen hat, um Geld zu sparen. Die privaten Träger werden vom Senat ja auch nicht zu 100% finanziert und es gibt bis auf weiteres auch keine Hauptstadtzulage die in den öffentlichen seit einem Jahr gezahlt wird (monatlich 50€).

    Wie die Benachteiligung konkret aussieht bei privaten Trägern, kann man recht einfach nachlesen unter: https://www.deutscher-kitaverband.de/landesverband-berlin-freie-traeger-werden-strukturell-benachteiligt/

    Ich arbeite seit fast 20 Jahren bei privaten Trägern und empfinde es als eine Frecheit das Erzieher nicht gleich Erzieher ist. Wir machen alle den gleichen Job mit selben Umfang und selber Verantwortung. Da ist eine annähernd gleiche Bezahlung als selbstverständlich zu sehen.

  9. 5.

    Für alle die wieder mackern, die AWO ( Arbeiterwohlfahrt ) ist ein alteingesessener Veband, der unter anderen, auch die Dasensvorsorge praktiziert. Ohne diesen Verband, gäbe es wesentlich weniger Kitas, Altenheime, Pflegeheime, atc..
    Es ist wirklich an der Zeit, dass die Beschäftigten endlich entsprechende Tarife bekommen, wie im Öffentlichen Dienst üblich.

  10. 4.

    Da ist es wieder, das Thema "Private" vs. "Staatliche". Auch wenn es ein Aufbegehren gegen meine Aussage geben könnte, die MA, die den Eigenbetrieben den Rücken zugekehrt haben, haben immer zumeist angegeben, ruhiger arbeiten zu wollen. Dass es u.U. weniger Entgelt gibt ist bekannt und für sie ist.O.
    Ich halte das Vorgehen der Gewerkschaften für fragwürdig, als Gewerkschafter. Was in den vergangenen anderthalb Jahren nicht veranstaltet wurde, wird jetzt massiv nachgeholt. So rufen bspw. Ver.di und GEW für den kommenden Donnerstag zu Warnstreiks in den Kitas der Eigenbetriebe auf. Was sind das für Verantwortliche? Erzieher sicher nicht. Am Donnerstag sind der Beginn der Narrenzeit und, ja Martinstag. Warum müssen ausgerechnet die Jüngsten leiden? Da sind die Martinsumzüge geplant.... endlich wieder einmal etwas tolles für die Kinder!

  11. 3.

    Sehr geehrter Herr W.,

    Ihre Worte haben etwas von einer Drohung.

    Streikteilnehmende werden die Stunden nicht nacharbeiten müssen. Und die Kolleg*innen, die Ihr Kind ohnehin betreuen, werden da auch keinen Unterschied merken. Sie sind ohnehin im Dienst. Ist natürlich eher doof für Sie, verstehe ich.

    Doch streiken ist ein gutes Recht und es sollte davon auch Gebrauch gemacht werden.

    Grüße

  12. 2.

    Na da freuen wa uns ja schon, nur blöd, dass ich die Zeit nacharbeiten muss, sprich das Personal darf dann unser Kind die nächsten Wochen von 6 bis 18 Uhr betreuen... Also ja Streiken ist kein Thema, darf und kann jeder machen, die sollte nur wissen, dass sie das alles nacharbeiten müssen...

  13. 1.

    Auf einen Beschäftigten kommen rechnerisch 2,5 Kinder. Scheinen ja Luxuseinrichtungen zu sein.

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