2G und 3G in Öffis, Gastro und Handel - Kontrolleure werden teils in heftige Redegefechte verstrickt

Mi 01.12.21 | 18:17 Uhr | Von Georg-Stefan Russew
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Fahrgäste steigen am Bahnhof Zoologischer Garten in einen Bus der BVG ein. (Quelle: dpa/Monika Skolimowska)
Video: Brandenburg Aktuell | 01.12.2021 | Larissa Mass | Bild: dpa/Monika Skolimowska

Die BVG hat bei Kontrollen der 3G-Regeln bislang nur wenige Verstöße gegen die Coronaregeln festgestellt. Ein ähnliches Bild in Frankfurt (Oder). Doch Berliner Ordnungsämter melden im Einzelhandel zum Teil heftige Redegefechte. Von Georg-Stefan Russew

Bei stichpunktartigen Kontrollen in den Bussen, U-Bahnen und Trams haben die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) nach eigenen Angaben nur wenige Verstöße festgestellt. Seit dem 24. November gilt im Öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPNV) die 3G-Regel. Fahrgäste müssen geimpft, genesen oder getestet sein, wenn sie beispielsweise mit U-Bahn und Co. unterwegs sein wollen.

95 Prozent mit 3G-Nachweis

So standen in den vergangenen Tagen schwerpunktmäßig die Bahnhöfe auf den Linien U6 und U7 im Fokus. Unter anderem wurde an den U-Bahnhöfen Tempelhof und Wilmersdorfer Straße kontrolliert. Allein am Montag und Dienstag wurden hier Nachweise von rund 5.000 Fahrgästen überprüft. Rund 95 Prozent konnten bei diesen Kontrollen einen 3G-Nachweis vorzeigen. Auch in den kommenden Tagen und Wochen würden laut BVG-Vorstand Rolf Erfurt die täglichen Schwerpunktkontrollen an wechselnden Orten fortgesetzt.

Montag und Dienstag 5.000 Nachweise von U-Bahn-Fahrgästen überprüft

Dem Unternehmen zufolge übernimmt in der Regel geschultes Personal aus dem Sicherheits- und Kontrolldienst gemeinsam mit dem Ordnungsamt die Überprüfungen. Nach zunächst anlassbezogenen Kontrollen im Gesamtnetz führe man jetzt zusätzlich tägliche Schwerpunktkontrollen in Kooperation mit der Polizei durch.

Die Berliner S-Bahn legte auf Anfrage am Mittwoch noch kein Zahlenmaterial vor. Eine Bahnsprecherin kündigte bis Freitag eine erste Bilanz der 3G-Kontrollen an.

Erste 3G-Kontrollen in den Frankfurter Öffis

Auch in den Öffis von Frankfurt (Oder) waren am Mittwoch erste Kontrollteams unterwegs. Bereitwillig wurden Fahrschein und 3-G-Nachweis, wie etwa der Impfausweis oder das amtliche Impf-Zertifikat per QR-Code, präsentiert. "Das soll vor allem für eine Signalwirkung sorgen", sagte Polizeisprecher Roland Kamenz rbb|24. "Die von der Regierung beschlossenen Maßnahmen können nur Wirkung entfalten, wenn sie auch umgesetzt und entsprechend kontrolliert würden."

Bei den Stichpunktkontrollen in Frankfurt (Oder) wurden insgesamt 310 Fahrgäste überprüft. Dabei fuhren 14 davon ohne Fahrschein und neun konnten kein 3G-Nachweis vorlegen. Die neun mussten in der Folge sofort Bus und Bahn verlassen. Die Polizei nahm ihre Personalien auf und wird diese an das zuständige Gesundheitsamt weiterleiten. Den Erwischten drohen wegen des Verstoßes Geldstrafen von bis zu mehreren Tausend Euro.

Fahrgastverbände hatten sich stets gegen die bundesweite 3G-Regel im Nahverkehr ausgesprochen. Sie sei auch aufgrund von zu wenig Personal nicht konsequent durchsetzbar.

Übergriffe gegen Kontrolleure in Charlottenburg-Wilmersdorf gemeldet

In Bezug auf Kontrollen der 2G- und 3G-Regeln in Gastro und im Einzelhandel meldet der Berliner Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf für die vergangene Woche 327 Überprüfungen. Eine Statistik zu festgestellten Verstößen liegt noch nicht vor. "Tendenziell lässt sich aber für die letzte Woche sagen, dass in Gaststättenbetrieben prozentual mehr Feststellungen getroffen wurden als in Einzelhandelsbetrieben", erklärte der zuständige Bezirksstadtrat Arno Herz rbb|24. Zahlen von dieser Woche lägen noch nicht vor.

Leider verliefen die Kontrollen laut Herz nicht immer reibungslos. Immer wieder erfolgten seiner Darstellung nach Übergriffe verbaler und manchmal auch körperlicher Art gegenüber den Mitarbeitenden des Ordnungsamtes Charlottenburg-Wilmersdorf. "Im Zusammenhang mit den aktuell durchgeführten Kontrollen ist ein Vorfall im Zusammenhang mit einer Kontrolle in einem Barbershop angezeigt worden, bei dem es zu Beleidigungen durch einen Kunden gegenüber den Mitarbeiter:innen kam und das Dienstfahrzeug bespuckt wurde", sagte Herz.

In Spandau auch "zunehmend aggressivere Reaktionen" auf Kontrollen

Auch der Spandauer Leiter des Ordnungsamts, Klaus Sareika, sprach im Kontext der Überprüfungen von "zunehmend aggressiveren Reaktionen", die aber bislang nicht die Schärfe von Übergriffen erreicht hätten. "Meine Mitarbeiter:iinnen sind [...] gehalten, deeskalierend zu wirken, sich im bedrohlicheren Fall zurückzuziehen. Die steigenden Auseinandersetzungen kosten erheblich Zeit, was wiederum zu einer Reduzierung möglicher Kontrollen führt", so Sareika.

Gehäufte Verstöße in Friedrichshain-Kreuzberg

Ähnliches beobachte der Bezirk auch in Friedrichshain-Kreuzberg. Hier habe man bei den Kontrollen "Gesprächsbedarf der Überprüften" und gehäufte Verstöße gegen die jeweils gültige Fassung der Infektionsschutzverordnung festgestellt. Als Ursache dafür will die Bezirksverwaltung häufig wechselnde Corona-Bestimmungen ausgemacht haben, von denen Kunden und Lokalbetreiber oft nichts mehr gewusst hätten.

Sendung: Inforadio, 01.12.2021, 15 Uhr

Mit Material von Larissa Mass

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Beitrag von Georg-Stefan Russew

19 Kommentare

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  1. 19.

    Loriot hatte mit Rechten und Querulanten wenig gemein. Irgendwie klingt das wie das Beschmutzen eines sehr edlen Geistes. Loriot hätte das pandemische Geschehen mit Geist und Verstand und viel Ernst und Mut zur Realität behandelt. Das Verharmlosen von Menschen, die sich durch unsoziales Verhalten toll finden, kann man nicht belustigend finden.

  2. 18.

    Jetzt haben wir ja den Sündenbock, der Kontrolleur wird durchs Land gejagt, endlich ein Prellbock für schwache Menschen, da muss man nicht mehr nachdenken und hat endlich einen Schuldigen. Es ist aber anders, die Fahrgäste, die mutwillig provozieren, jene sollten an der nächsten Haltestelle von der Polizei herausgeholt werden und ein Bußgeld zahlen müssen und tatsächlich ein Fahrverbot auferlegt bekommen, raus mit gewalttätigen Querulanten. Vielleicht diesen unsozialen Akteuren endlich den Raum entziehen, Gewalt auszuüben. Wenn ich einen Kontrolleur verbal angreife, übe ich bereits Gewalt aus.

  3. 17.

    So steht es im Programm der AfD. Schon gelesen? Totalitäre Systeme sollten Sie im Geschichtsunterricht kennengelernt haben, oder? Mao oder Kim kennen Sie bestimmt.

  4. 16.

    Ich bin täglich im ÖPNV unterwegs, bisher keine einzige Kontrolle. Die Busfahrer sagen auch nichts dazu wenn die Maskenmuffel vorne sichtbar einsteigen und ansonsten fast zur Hälfte Leute mit medizinischer Maske aber nur über den Mund. Dann nehmen auch welche die Maske zum essen und trinken ab und zum Nase putzen. So kann das ja nichts werden.

  5. 15.

    @Luna: Ich kann deinem Beitrag eine gewisse Schadenfreude entnehmen. Und leider auch einen Klassismus.
    Wer sich für etwas Besseres hält, kauft dann das NonfoodSortiment von Aldi für den doppelten Preis bei Amazon. Kann man schon machen ;)

    Zum Thema: Kein Wunder, dass wenige Verstöße festgestellt werden, wenn der 3G-Nachweis in den Öffis kaum kontrolliert wird. Mehr Kontrollen in den Ostbezirken wären wünschenswert, da wo die Impfgegnerbrut brütet.

  6. 14.

    Also es hatte schon einen merkwürdigen Beigeschmack gestern beim Eintritt zu "Charme und Anmut" den digitalen Impfpass plus Perso vorzeigen zu müssen. Aber da kann ja das Personal nicht für... die Diskussion die ich vom "Vormann" mitbekommen habe, war zum fremdschämen geeignet.

  7. 13.

    Deutschland = Totalitärer Polizeistaat.

  8. 12.

    Na wer hätts gedacht, dass die Edelsten unter uns, aka unsere lieben Impfgegner, sich nicht ganz so höflich benehmen wenn es darum geht, dass sie nun nicht mehr in den Kik oder Poco Domäne dürfen...eine Schande aber auch.
    Hoffentlich kann Amazon es rausreißen, ansonsten muss wohl die Aktionsware im Aldi für die Weihnachtsgeschenke herhalten...also wie jedes Jahr. :')

  9. 11.

    Naja, aber so lange Sie(!) brav die FFP2 Maske tragen, sind Sie doch selbst hervorragend geschützt (wird uns doch immer erzählt). Was tangiert Sie also wie es die anderen Gäste handhaben??
    Ich tue mir die schwitzigen Teile seit meiner vollständigen Impfung jedenfalls nicht mehr an, ist schließlich mein eigenes lachhaftes "Risiko". Die med. Maske ist natürlich nur Makulatur, genügt aber offensichtlich vollkommen, vom Ordnungspersonal angesprochen wurde ich jedenfalls noch nie - wäre auch zu doof: tragen die doch selbst auch nur med. Masken.

  10. 10.

    Was soll den schlüssig sein, die Maßnahmen sind diskriminierend gegenüber ungeimpften.
    Wenn dann müsste eine 1G Regel her ,wir wissen Doch das geimpfte auch das Virus übertragen können...

  11. 9.

    Es sind sowohl FFP2 Masken als auch OP-Masken zugelassen. Anbei der Link zum Nachlesen. https://go.bvg.de/corona
    Aber ich habe auch beobachtet wie die Leute die Maske nur halb aufsetzen. Wem die FFP2 Maske zu nervig ist, soll doch ne OP Maske tragen. Aber dann halt richtig. Hilft auch bei den teilweise sehr penetranten Gerüchen in der Bahn :-)

  12. 8.

    Laut Website der BVG und der S-Bahn Berlin sind inzwischen nur noch medizinische Masken Pflicht.
    Die Bahn empfiehlt zwar FFP2, nur schade, dass ihre Kontrolleure dann keine haben/kriegen - zumindest die beiden, die mir heute auf'm Ring begegnet sind. Die trugen allerdings selbst ihre OP-Masken nur äußerst halbherzig (eher als Schurz gerade so vor's Näschen gespannt und unten alles offen - wohl wegen des Vollbarts). Die Fahrgäste in meinem Sichtbereich hatten das alle besser drauf - die Latte hing aber auch nicht gerade hoch, die lag eher, sowas von absurd. Über das Ausmaß der Einhaltung der 3G-Regeln wird die S-Bahn wohl auch schwerlich Auskunft geben können, außer Fahrscheinen wurde da nichts kontrolliert, auch nicht stichprobenartig. Leute, so wird das nix. Seufz.

  13. 7.

    Habe seit Corona noch nicht eine Kontrolle gesehen. Und ich fahre täglich im Raum Steglitz, Zehlendorf, Lichtenrade!!!

  14. 6.

    Würde Loriot noch leben; hätten wir amüsante Weihnachtsfeiertage.
    Ich kann gar nicht nachvollziehen warum die Menschen aggressiv werden; wo doch die Maßnahmen wirklich in sich schlüssig sind.....

  15. 5.

    Am Montag vormittag zum Beispiel Tempelhof. Niemand kam in den U Bahnhof ohne 3G Nachweis und Ausweis und beim Aussteigen aus den Bahnen wurde ebenfalls kontrolliert.

    Am gleichen Morgen in der U Bahn Tempelhof - > Alt-Tegel.

  16. 4.

    Wegen der Maskenfrage: "Zugelassen sind Atemschutzmasken (FFP2 oder vergleichbar) und medizinische Gesichtsmasken (Mund-Nasen-Schutz, „OP-Maske“)". Quelle: www.Bvg.de

  17. 3.

    Anekdote 1: Fahrkartenkontrolleur, darauf angesprochen, ob er nicht auch 3G kontrollieren wolle. "Nee, ditt machen meine Kollegen. Irgendwann. Erwartense's nich so bald."
    Anekdote 2: Weder ich noch irgend jemand, den ich kenne, hat jemals irgendwo eine Kontrolle auf Masken oder 3G gesehen. Einmal (!) im Bus, meine ich, hat der Fahrer nach hinten per Lautsprecher durchgegeben, dass dort jemand die Maske aufsetzen möge. Vielleicht erinnere ich das auch nur als Wunschdenken.
    Anekdote 3: Im Oktober (glaube ich) war ich in der U6 oder U8 unterwegs und eine junge Dame um die 20 wollte partout keine Maske aufsetzen. Ein Fahrgast wollte sich damit nicht arrangieren und hat, nachdem er sie mehrmals aufgefordert hat, eine Maske aufzusetzen und seine "Tat" tatsächlich angekündigt hat, die Notbremse gezogen. Reaktion des Fahrers: er hat den Fahrgast des Wagens verwiesen. Die junge Dame durfte ohne das geringste Problem maskenlos weiterfahren. Nein, sie hatte kein gesundheitliches Attest dabei.

  18. 2.

    Da muss ich ja wirklich mal lachen, was die BVG immer für Märchen erzählt. Es gilt doch noch immer die FFP2-Pflicht in Berlin, oder? Ca. 20-30% der Fahrgäste haben keine FFP2-Maske, sondern Operations- bzw. Stoffmasken. Ca. 5% tragen gar keine (werden aber immer weniger). Weitere 5% tragen die Masken nicht richtig, besonders beliebt: Nase raus bei Operationsmasken. Das sind meine Erfahrungen aus der täglichen Benutzung von U-Bahn und Bus, grob geschätzt. Während der morgendlichen Berufs-Rushhour ist der Anteil der Verstösse deutlich geringer, zu Abend- oder Wochenend-Zeiten, besonders U6 und U8, höher. Wenn der Anteil dieser sichtbaren Verstösse schon so hoch ist. Nichts für ungut, BVG, aber die Behauptung, es gäbe kaum Verstösse gegen 3G, ist angesichts dessen lachhaft.

  19. 1.

    Bisher in keinem Verkehrsmittel irgendeine Kontrolle erleben müssen. Wann und wo wird denn da kontrolliert? Nachts? In den Außenbezirken im leeren Bus?

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