Schleuser im Fokus - Neun Personen bei bundesweiter Razzia gegen Organisierte Kriminalität verhaftet

Mi 08.12.21 | 18:08 Uhr
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Einsatzkräfte auf dem Weg zu einer Razzia. Seit dem frühen Mittwochmorgen geht die Polizei bundesweit gegen eine mutmaßliche Schleuserbande vor. (Quelle: dpa/Paul Zinken)
Video: Abendschau | 08.12.2021 | K. Breinig | Bild: dpa/Paul Zinken

Bei einer großangelegten Razzia in ganz Deutschland haben Sicherheitskräfte Dutzende Durchsuchungen durgeführt. Millionen wurden sichergestellt und neun Haftbefehle vollstreckt. Schwerpunkte der Durchsuchungen waren in Berlin und Brandenburg.

Mit einer großangelegten Razzia in Berlin, Brandenburg und mindestens zehn weiteren Bundesländern ist die Polizei am Mittwoch gegen Organisierte Kriminalität vorgegangen. Im Fokus der Aktion im Auftrag von Zoll und Bundespolizei stand eine mutmaßliche Schleuserbande.

Sicherheitskräfte durchsuchten etwa 50 Wohnungen, Geschäftsräume, Logistikzentren sowie die Wohnunterkünfte von Arbeitnehmern. Der Schwerpunkt lag dabei auf Berlin und Brandenburg, sagte eine Polizeisprecherin. Im Zuge der Durchsuchungen in bundesweit 50 Objekten wurden den Angaben zufolge mehr als 19 Millionen Euro durch "Vermögensarreste" sichergestellt, außerdem Immobilien, teure Autos und weitere Luxusgüter.

Mutmaßlicher Kopf der Bande verhaftet

Insgesamt wurden neun Haftbefehle vollstreckt, jeweils drei in Berlin, Brandenburg sowie in Bremen und Umgebung. Zur Täterorganisation sollen vorwiegend Deutsche und Russen gehören. Der mutmaßliche Kopf der Bande, ein 49-jähriger Mann, sei in Bremen verhaftet worden, teilte Staatsanwältin Christine Höfele mit.

Es seien sehr hierarische Strukturen und ein "konspiratives Geflecht" aus verschiedenen Unternehmen - oft Briefkastenfirmen - aufgebaut worden. Zu der oberen Ebene sollen demnach auch ein 62 Jahre alter Steuerberater, der ebenfalls in Bremen verhaftet wurde, ein Berliner Ehepaar und ein 47 Jahre alter Verdächtiger gehören, der nördlich von Bremen in Niedersachsen gestellt wurde.

Mehr als 20 Beschuldigte

Die bundesweite Aktion richtete sich gegen mehr als 20 Beschuldigte. Sie sollen ein Geflecht aus Leihfirmen auf dem Balkan und in Deutschland betrieben haben, darunter auch Scheinfirmen, konkretisierte ein Sprecher der Bundespolizei.

Über diese Unternehmen sollen die Beschuldigten dann Leiharbeiter aus Nicht-EU-Ländern wie der Ukraine und Moldawien unter anderem mit gefälschten Ausweispapieren als EU-Bürger ausgegeben und an große deutsche Logistikunternehmen vermittelt haben. Diese Unternehmen sollen davon nichts gewusst haben und selbst betrogen worden sein. Die Ermittler kündigten aber an, sich die Verträge genau anzuschauen.

Von 6.700 Euro kamen nur 750 Euro beim Leiharbeiter an

Die Arbeitnehmer kamen nach Darstellung der Staatsanwaltschaft freiwillig, lebten aber hier unter ärmlichsten Bedingungen und hätten harte Arbeit verrichtet. Sie seien angeworben worden in den sehr armen Ländern, schilderte Höfele. "Da sie illegal in Deutschland sind, waren sie von Anfang an abhängig von den Arbeitgebern", so die Ermittlungsführerin. Die Schleuser hätten sich für das Fälschen der Papiere und die Unterbringung von den Arbeitnehmern bezahlen lassen, hieß es weiter. Sie hätten Arbeitsentgelte einbehalten und Sozialabgaben nicht abgeführt.

In einem Fall kostete zahlte den Ermittlern zufolge ein Arbeitgeber 6.700 Euro pro Monat für einen Leiharbeiter. Die Person selbst habe davon nur 750 Euro bekommen. Teils mussten sich die eingeschleusten Arbeitnehmer ihr Essen aus dem Müll zusammenklauben, wie es weiter hieß.

Rund 2.200 Beamte im Einsatz

Auf die Spur kam der Potsdamer Zoll der Bande nach Angaben der Staatsanwaltschaft bei einer Kontrolle zu Schwarzarbeit im Jahr 2019. Einige Verdächtige seien noch unbekannt. Die Vorwürfe lauten Verdacht des gewerbs- und bandenmäßigen Einschleusens von Ausländern, Urkundenfälschung, organisierte Schwarzarbeit und illegale Beschäftigung sowie Geldwäsche.

Bei den Razzien waren nach offiziellen Angaben mehr als 2.200 Beamte von Zoll, Bundespolizei und THW im Einsatz. Sie trafen bei den Durchsuchungen 275 Personen an, die sich möglicherweise illegal in Deutschland aufhalten.

Sendung: Inforadio, 08.12.2021, 8 Uhr

17 Kommentare

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  1. 17.

    Ein Arbeitgeber zahlte laut den ermittlern für einen leiharbeiter 6700 euro für einen Monat ??!?! da stimmt doch was nicht

  2. 16.

    "Am Flughafen gibt es Augenscanner. Warum werden nicht alle Emigranten so erfasst
    ? Dann würde es keine mehrfache Abzocke von Sozialleistungen geben. Gefälschte Pässe hätten keine Chance. "

    Mal von der praktischen Umsetzung abgesehen, soll ich ihnen ihren Fehler verraten oder kommen sie selbst darauf?

  3. 15.

    Ich empfehle das Trolling zu ignorieren und zum Thema zurückzukehren.

    Für mich klingt das nach moderner Sklavenarbeit und ich bin froh, dass der Rechtsstaat durchgreift.

  4. 14.

    Da haben die Beamten von Polizei und Zoll einen guten Job gemacht! Super!

  5. 13.

    Er meinte damit bestimmt den Abtransport der sichergestellten 19 Millionen, oder?

  6. 12.

    Sie haben eine völlig einseitige Vorstellung von Schwarzarbeit und Sozialleistungsbetrug. Dies findet auch ohne gefälschte Pässe statt. Gefälschte Ausweisdokumente und ggf. Aliasnamen sind nur ein kleiner Bruchteil. Scheinfirmenkonstrukte sind eher beliebt. Darüber hinaus gibt es noch viel mehr Varianten.

  7. 11.

    Meinen Sie, dass die "Lastenradinfrastruktur" der "Geldwäscher*innen" nun so breit ausgebaut werden muss, dass sich die Lastenräder gefahrlos begegnen können?

  8. 10.

    Organisierte Kriminalität kann sich entfalten, wenn der Staat seiner Kontrollpflicht nicht gründlich nachkommt. Am Flughafen gibt es Augenscanner. Warum werden nicht alle Emigranten so erfasst
    ? Dann würde es keine mehrfache Abzocke von Sozialleistungen geben. Gefälschte Pässe hätten keine Chance.
    Thema Strom und armer Süden : Würden sich Kommunen durch, Bio-Wind- Solar selbst mit Strom versorgen, wie es schon in einigen Gemeinden praktiziert wird, benötigten wir keine neuen Stromleitungen bis nach Süden verlegen. Hier waren wieder Lobbyisten am Werk!

  9. 9.

    Ich hoffe, jemand kümmert sich die armen, um ihren Lohn betrogenen Arbeiter

  10. 8.

    Naja, von der Automobillobby zur OK ist es ja nicht weit... Alles gut. Schnappatmung einstellen... war nen Scherz... :-D

  11. 6.

    Was hat denn dieser Kommentar mit dem oben stehenden Artikel über organisierte Kriminalität zu tun ??

  12. 5.

    Ja genau, völlig richtig, so sehe ich das auch!
    Und zudem, was bringt es, wenn der Strom aus dem reichen Norden nicht in den ärmeren Süden transportiert werden kann, hier muss dringend nachgebessert werden. Auch beim Internet!

  13. 4.

    @Martin Balder
    Was hat eine Großrazzia mit Radwegen zu tun? Vermutlich haben Siexsich im Artikel geirrt.

  14. 1.

    Mein Beileid!
    Wenn wir es ernst meinen mit der Verkehrswende, müssen endlich Radfahrwege getrennt vom restlichen Verkehr gebaut werden. Die vorhandenen Radwege sind zu schmal und meistens in einem katastrophalen Zustand. Die Verkehrsplanung sollte sich mehr dahingehend ausrichten Berlin für Fußgänger und Radfahrer attraktiver und vor allem sicherer zu machen. Ich bin jedenfalls auf die neue Senatsmanschaft gespannt, ob sie ihre Wahlversprechen einhal. Denn jeder Verkehrstote, ist einer zuviel.

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