Klage des Designers - BVG darf "Würmchen-Muster" nicht mehr nutzen

Fr 10.12.21 | 20:29 Uhr
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Ein Bus steht auf dem BVG Omnibusbetriebshof Müllerstraße. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) dürfen das Muster "Urban Jungle" nicht mehr nutzen. (Quelle: dpa/Britta Pedersen)
Bild: dpa/Britta Pedersen

Unzählige Sitze in Bussen und Bahnen der Berliner Verkehrsbetriebe sind mit blau-rot-violetten Kringeln bedruckt. Zum Unmut des Designers. Er hat jetzt gerichtlich durchgesetzt, dass die BVG das Muster "Urban Jungle" nicht mehr verwenden darf.

Seit vielen Jahren sitzen Fahrgäste in Berlins Bussen und U-Bahnen auf Bezügen, deren fleckig-bunte Muster an Würmer erinnern. Nun sind die Tage dieses Designs gezählt: Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) dürfen das Muster "Urban Jungle" nicht mehr nutzen. Das hat vor dem Landgericht Hamburg der Designer durchgesetzt, der das "Würmchen-Muster" in den 1980er Jahren erfunden hatte.

Wie ein Gerichtssprecher am Freitag mitteilte, hatte der Mann auf Urheberrechtsschutz geklagt. Zunächst hatten die "Berliner Zeitung" (Freitag) und der "Tagesspiegel Checkpoint" über den Fall berichtet.

Sitze dürfen vorerst bleiben

Zwar müssen nun keine Sitze herausgerissen werden; das würde den Verkehr zu sehr beeinträchtigen. Aber die BVG darf das Design nicht mehr auf Fahrkarten und Autos verwenden und keine Fan-Artikel in dem Muster mehr verkaufen - und davon gibt es von Tassen bis hin zu Socken eine Menge. Unter Sammlern teuer gehandelt werden noch immer Turnschuhe, die die BVG vor einer Weile mit einer Jahreskarte und dem Muster versehen ließ.

"Daneben muss die BVG dem Kläger Auskunft über den Umfang solcher Nutzungen und über daraus erzielte Umsätze und Gewinne seit Ende 2018 erteilen", teilte das Landgericht mit. Es bestehe ein Schadensersatzanspruch und ein Anspruch des Klägers auf Herausgabe der betroffenen Waren und Erzeugnisse zur Vernichtung.

Die BVG prüft derzeit, ob sie in Berufung geht. Das Design für Sitzpolster wird aber ohnehin allmählich ausgemustert. Die Sitze neuer Fahrzeuge erhalten schon seit einigen Jahren ein anderes Design.

Sendung: rbb 88,8, 10.12.21, 13:00 Uhr

34 Kommentare

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  1. 34.

    Dafür gibt's eine einfache und preiswerte Lösung. Plastiksitze wie früher in den Tatra-Zügen und in S und U- Bahnen Holzsitze.
    Lässt sich wunderbar reinigen und ist schnell ausgewechselt.
    Im Nahverkehr sollte es wohl eher auf praktischen Nutzen als auf Bequemlichkeit ankommen.

  2. 33.

    Genau so ist es. Solche Designs sind regelmäßig geschützt. Wenn die BVG zu dämlich ist, sich an Verträge zu halten, dann ist sie selbst Schuld. Und alle, die meinen, dies sei nicht geschützt, es sei Camouflage usw… sollten sich lieber vorsehen, wie schnell man verklagt werden kann, wenn man geschützte Muster, Farben, Fotos usw. verwendet. Das kann mächtig teuer werden. Die BVG hätte vor einer außervertraglichen Verwendung einfach mit dem Designer reden sollen.

  3. 32.

    Diese Muster gab es schon im WW2 als Desert-Colors. Das kein geschütztes Design. Das nenne ich Ideendiebstahl existierender Vorlagen mit blau Zugabe.

  4. 31.

    Sie haben den Sinn nicht verstanden, das Design soll vor Vandalismus durch Beschmieren schützen. Sehr erfolgreich sogar wenn man noch weiß wie Sitze früher aussahen.

  5. 30.

    "Wer will denn bitte ernsthaft dieses hässliche Design überhaupt haben, wird Zeit dass diese Augen Schande wegkommt."

    Eigentlich wohl nicht, was wollen Sie? - Original Pablo Picasso?
    Es gibt zu viele Spinner und Schmierereien, denen muß wohl etwas Einhalt geboten werden, oder?





  6. 29.

    Wer will denn bitte ernsthaft dieses hässliche Design überhaupt haben, wird Zeit dass diese Augen Schande wegkommt.

  7. 28.

    Beleidigung des Designers hilft da auch nicht weiter. Er hat das Urheberrecht und kann damit bestimmen, in welchem Umfang sein "Werk" (im Sinne des Urheberrechts) verwendet werden darf. Wenn die BVG dann auch noch gewerblich damit Geld verdient, ohne dass der Designer dies jemals genehmigt hat, dann ist es sein gutes Recht, sich dagegen zu wehren und Schadenersatz zu fordern. Die BVG hat ihn dafür nicht oder nicht ausreichend bezahlt. Lizenzüberschreitungen sind keine Lappalie und können zu Recht sehr teuer werden. Sonst nimmt sich in Zukunft ungefragt jeder, was ihm gefällt. Der Fehler liegt hier wohl eindeutig bei der BVG.

  8. 27.

    NE, das ist mein GESCHÄFT. Dinge die ICH erstellt habe, dessen RECHTEINHABER bin ich selbstverständlich und setzte dieses auch um. Oder gehen sie zu irgendeinem Einzelhändler, nehmen einen Pullie mit und erklären anschließend: Das habe ich nur gemacht weil die Klamottenindustrie zu viel Macht hat? Geistige, kreative Arbeit ist auch Arbeit. Sie haben ja keine Ahnung wieviel Geld man durch unerlaubte Nutzungen verliert und wie mühevoll das ist, das wieder einzutreiben...Und die von Ihnen angeführte Allgemeinheit? Möchte fair bezahlt werden. Also wird sie damit Leben müssen, das wir das auch wollen. Und viele Dinge hallt hergestellt werden und nicht irgendwie im Internet vom Himmel fallen.
    Mein Kommentar bezieht sich hier nicht auf den Artikel sondern nur auf den Kommentar von Jörg, hierbei kenne ich den Sachverhalt nicht genau und der Artikel lässt einen hallt auch fragend zurück...

  9. 26.

    Designer verdienen nun mal ihr Geld damit, Muster oder Einrichtungen zu entwerfen. Wenn jemand dies nutzen will, muss er dafür bezahlen und es wird vertraglich festgelegt, in welchem Umfang eine Nutzung erfolgen darf. Danach richtet sich der Preis. Erfolgt eine Nutzung darüber hinaus, entsteht dem Designer ein Schaden, weil der Kaufpreis zu niedrig war. Dann ist es sein gutes Recht, dagegen rechtlich vorzugehen. Da die BVG mit dem Design auch noch Geld verdient, ist es nur gerecht, dass der Designer daran finanziell beteiligt wird.

  10. 25.

    https://www.sueddeutsche.de/panorama/berlin-bvg-urban-jungle-sitzbezuege-1.5296582

  11. 24.

    Man darf urheberrechtlich geschützte Designs nur im vereinbarten Maße nutzen. Wenn die Nutzung deutlich ausgeweitet wird, muss man mehr bezahlen bzw. die erweiterte Nutzung vertraglich (nach-)vereinbaren. Wer am Anfang nur eine geringe Nutzung vereinbart(weil billig) muss nachher umso tiefer in die Tasche greifen, wenn das Design populär wird. Fraglich ist allenfalls, ob es sich bei diesen zufälligen Kringeln überhaupt um ein schützenswertes Werk handelt. Aber anscheinend schon.

  12. 23.

    Es stimmt das Muster wurde vor Jahren bei der neuen S-Bahn 480 der BVG genommen .Farblich ein grosser Unterschied In der S-Bahn viel blasser als zum jetzigen Zeitpunkt ist es kräftiger.Farbenfroher .DAS der Designer Urheberrechte oder will der Vogel jetzt nur Geld dran mit verdienen..Weil er nicht mehr was hat es sind über 30 Jahre her ,das er jetzt auf die Idee kommt .Re ist einfach nur ein Teufel

  13. 22.

    Als BVG Nutzer ist mir das Muster der Sitze völlig egal. Hauptsache die Polsterung wird wieder besser. Früher waren die Sitze in Bus und Bahn viel bequemer. Verkehrswende gelingt nur, wenn die BVG attraktiver wird. Man sollte nicht an falscher Stelle sparen.

  14. 21.

    Autsch, hoffentlich hatte das Gericht überprüft ob genau gegen die RAL-Farben verstoßen worden ist.
    Natürlich ist das ein Camouflage (Kleindruck), und kein Würmchenmuster. Lupe nehmen!
    Das ist natürlich kein Tarn-Proletenmuster für Kargos aus dem U*cle S*m Shop falls sie das unter Camouflage verstehen.
    Camouflage ist nicht definiert. Es gibt selbst Weiß-Rot-Schwarz / Weiß-Rot-Grau Millitär Muster die KOMISCHER Weise GENAU so aussehen wie das strittige Muster.

  15. 20.

    Camouflage-Texturen kann man mit bestimmten Programmen am Rechner in allen Facetten und Muster sowie Farben beliebig erstellen. Oder glauben Sie das sich jemand mit dem Pinsel und Karton hinsetzt und ein/dieses Endlosmuster(!) ausdenkt?
    Mittels der zum Teil sogar kostenlosen Programme kann man die Art des Musters auf verschiedenste Weise variieren.
    Die ehemaligen Camouflage Muster des Militärs haben sich in der Musterstruktur mit der Zeit auch sehr verändert und trotzdem redet man von Tarnmuster aka Camouflage.
    Haben Sie das schon einmal probiert?
    Also wie definieren Sie "Camouflage" bzw. minderwertiges Design?

  16. 19.

    Autsch. Camouflage sieht völlig anders aus. Erstmal sachkundig machen bitte. Und nein, patentierte Muster und auch Farben darf nicht jeder nach eigenem Ermessen verwenden. Neulich war sogar ein Streit um die Farbe Blau einer bekannten Creme geführt worden.

  17. 18.

    Der sogenannte Designer hatte hier Glück. Das Muster war damals in allen Bereichen generiert worden. Die BVG hatte hierbei nur eine Combi aus den Farben weiß-blau-rot-schwarz gewählt und die Welt nicht neu erfunden. Und auch die S-Bahn hatte auf dieses Muster keine "Rechte" oder Patente. Wer sich ein wenig in der Grafikszene auskennt weiß das. Kläger hätte es immer gegeben. Die Farbwahl ist als "Geschmacksmuster" eigentlich unendlich, und wer verklagt die Tarnklamottenindustrie??

  18. 17.

    So ein Schwachsinn, das ist kein Design sondern ein Camouflage Muster, nur mit gewollt anderen Farben. Dieses Muster konnte man schon Ende der 80er mittels PS Plugin erstellen. Dieses Plugin aus den Niederlanden VDL war/ist Freeware. Man erzielt damit genau die gleichen Ergebnisse. Wo ist hier die Rede von Design?!

  19. 16.

    Rechteinhaber haben zu viel Macht in Deutschland zu ungunsten der Allgemeinheit.

  20. 15.

    Danke.
    Das sind doch genau die Informationen, die ich vom Ersteller des "Artikels" erwarte.
    Man kann doch nicht von jedem Leser Insiderwissen erwarten.

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