Invasive Arten in Gewässern - Berliner Fischer fängt 16.000 Marmorkrebse

Mo 27.12.21 | 12:18 Uhr
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Marmorkrebs, Marmor-Krebs, Everglades-Sumpfkrebs, Evergladessumpfkrebs (Procambarus fallax) (Quelle: dpa/R. Koenig)
Bild: dpa/R. Koenig

In Berliner Gewässern machen sich Krebsarten breit, die dort eigentlich nicht hingehören. Ein Fischer fängt sie seit Jahren und hat erstmals auch Marmorkrebse im Netz. Allerdings gestaltet sich deren Verkauf schwieriger als mit anderen Artgenossen.

 

Dem Fischer Klaus Hidde sind 2021 Zehntausende Krebse ins Netz gegangen, die nicht in die Berliner Gewässer gehören. Allein aus dem Groß Glienicker See holte Hidde fast 16.000 Marmor- und Kamberkrebse. "Das ist eine unglaubliche Menge", sagte Wildtierexperte Derk Ehlert von der Umweltverwaltung der Deutschen Presse-Agentur. Die Marmor- und Kamberkrebse seien in diesem Jahr erstmals in großem Stil gefangen worden.

In den Gewässern des Tiergartens fing Hidde im Auftrag der Umweltverwaltung rund 7.200 Rote Amerikanische Sumpfkrebse - etwa 265 Kilogramm. Im Britzer Garten war die Menge mit fast 17.000 Stück und knapp 620 Kilogramm mehr als doppelt so hoch. "Insgesamt ist die Menge rückläufig", sagte Hidde. In den vergangenen drei Jahren gingen jeweils zwischen 0,9 und 1,3 Tonnen der Roten Amerikanischen Sumpfkrebse in seine Reusen.

"Dauerhaftes Fangen zeigt Erfolg"

"Wir sind auf einem guten Weg, aber noch nicht am Ziel", sagte Ehlert. Es sei erfreulich, dass der Bestand insgesamt abnehme. "Die Fangmethode und das dauerhafte Fangen zeigen Erfolg." Trotz der Pandemie sei es kein Problem gewesen, die Roten Amerikanischen Sumpfkrebse an die Gastronomie zu verkaufen. "Die bin ich spielend losgeworden", so Hidde, der 20 Euro pro Kilo bekam.

Deutlich größere Probleme hätten ihm die beiden anderen Arten gemacht. Sie seien etwas kleiner, nicht so schön rot, hätten aber auch einen relativ hohen Fleischanteil. "Für Marmor- und Kamberkrebse habe ich nur fünf Euro bekommen", so Hidde.

Vom Aquarienbewohner zum global gefürchteten Vielfraß

Alle drei Krebsarten sind invasive Arten und können die heimische Tier- und Pflanzenwelt gefährden. Der Marmorkrebs zum Beispiel hat sich vom reinen Aquarienbewohner zum global gefürchteten Vielfraß entwickelt. Er breitete sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten immer mehr in freier Wildbahn aus - auch, weil Angler den Krebs als Lebendköder in Gewässer einschleppten.

Er wurde zudem ausgesetzt oder die Toilette hinuntergespült. Die in der Regel etwa zwölf Zentimeter langen Tiere bedrohen heimische Krebsarten nicht nur aufgrund der Futterkonkurrenz, sondern auch, weil sie Träger der Krebspest sind.

In den Berliner Gewässern sind laut Ehlert derzeit insgesamt fünf invasive, gebietsfremde Krebstierarten nachgewiesen. Dazu zählen auch der Galizische Sumpfkrebs und die Wollhandkrabbe. Sumpf- und Marmorkrebse seien die problematischsten Arten und würden daher auch gezielt gefangen, so Ehlert.

16 Kommentare

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  1. 16.

    Gerade gestern bin ich über diesen Artikel hier gestolpert:
    https://www.spiegel.de/panorama/devon-england-wie-eine-frau-nach-27-jahren-den-kampf-gegen-termiten-gewann-a-54057205-286e-4a72-96b9-fd4cfd20f03b
    Scheint tatsächlich nicht gaaanz so einfach gewesen zu sein … ; )
    Ihr Kommentar las sich für mich so, als solle / müsse man erst gar nicht versuchen, die massive Ausbreitung invasiver Arten einzudämmen (was aber ja nun auch nicht die Lösung sein kann); daran hatte ich mich etwas gestört. Und im Falle der Krebse scheint das gezielte Fangen ebenjener ja nun auch durchaus schon zu einer Dezimierung der Bestände geführt zu haben. Dafür, dass dieses „Konzept“ „funktionieren“ kann, ist die Existenz von Fangquoten in der Fischerei ein trauriger Beleg. Die Krebse wird man sicherlich nicht komplett ausrotten können; trotzdem (bzw. gerade deswegen) sollte man aber natürlich versuchen, den Bestand möglichst gering zu halten.

  2. 15.

    "Was haben Wale und Dorsche mit der Thematik zu tun ? "
    Leben alle im Wasser - is' so. Wie der Hering.

    Naaaaa Buhhh ... und bitte nicht auf die Tastatur ....

  3. 13.

    Ausgerottet nicht ,aber eingedämmt : Schwarzbarsch , Forellenbarsch , Katzenwels … usw.und man darf hier nicht alles durcheinander Würfeln . Was haben Wale und Dorsche mit der Thematik zu tun ? und wenn ich NABU auch nur ansatzweise lese wird mir schlecht .

  4. 12.

    Ja, das stimmt. Das hat der Mensch prima hinbekommen. Hier eine kleine Auswahl davon:
    https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/artenschutz/12895.html
    Bei Walen hat er es nur fast geschafft und beim Hering und Dorsch in der Ostsee wurde noch gerade die Notbremse gezogen. Ach ja, invasive ausgerottete Tierarten in Deutschland / Europa - fallen ihnen konkret dazu so ein bis fünf ein? Frag' mal so nebenbei.

  5. 11.

    „Unfug ist daran zu glauben, das die Entwicklung invasiver Arten noch rückgängig oder wirksam eingedämmt werden kann.“

    Dem möchte ich entgegenhalten, dass der Mensch schon des Öfteren bewiesen hat, dass er sehr wohl in der Lage ist, diverse Tierarten durch intensive Bejagung oder Befischung auszurotten oder zumindest sehr stark zu dezimieren. Letzteres dürfte wahrscheinlich schon ausreichen, damit heimische Arten nicht vollends verdrängt werden und Ökosysteme nicht kippen.

  6. 10.

    "Gott" haben diejenigen gespielt, die diese Krebse
    - gewollt oder ungewollt - ausgesetzt haben. Das zu korrigieren ist jetzt völkerrechtliche Aufgabe der Exekutive, die sich dabei im von der Legislative geschaffenen gesetzlichen Rahmens u.a. dieses Fischers bedient.

    Da Sie den Wolf erwähnen: Der ist übrigens ein einheimischen Tier und steht, anders als viele invasive Arten, sogar unter strengem Schutz. Berücksichtigen Sie den Unterschied bitte beim Philosophieren wenigstens im Ansatz.

  7. 9.

    Nee, Unfug ist daran zu glauben, das die Entwicklung invasiver Arten noch rückgängig oder wirksam eingedämmt werden kann. Die Tiere / Pflanzen sind nun mal da - fast immer vom Menschen "mitgebracht". Sie werden sich, vor allem da, wo der Mensch es ihnen, auch unwissentlich, ermöglicht, weiter vemehren und wir werden lernen müssen, damit umzugehen. Auch sind nicht alle "Aliens" unbedingt "Schädlinge". Nur Schwarz/Weiß - so einfach ist die Nummer nicht. Da helfen auch keine EU-Listen.
    Sollten sie z.B. Fisch essen, denken sie mal bei der nächsten Regenbogenforelle drüber nach ;-).

  8. 8.

    Der Wolf gehört hierher , der hat mit der Thematik nichts zu tun . Krebsschützer die für den Marmorkrebs eintreten kenne ich nicht ,den Rest hat Alfred Neumann treffend beschrieben . Fakt ist , wer solche invasiven Arten hier aussetzt kann mit bis zu 50.000 Euro bestraft werden . Und das hat seine guten Gründe und dient dem Schutz der heimischen Arten. Guten Rutsch Wossi !

  9. 7.

    Die „Schwäche“ Ihrer Argumentation: Dann kommen die „Krebsschützer“ und behaupten: alles entwickelt sich weiter... und auch der Wolf hat hier nichts zu suchen.... Das ist genau der Grund warum falsch und richtig so nicht stimmen, jedenfalls in dem Sinne, wie Sie es vortragen. Nochmal, etwas mehr darüber philosophieren... es lohnt sich, um Lösungen zu finden. Wer will schon von sich behaupten „Gott“ spielen zu wollen, auch wenn die Versuchung in Kommentaren groß ist. Wie findet man die Grenze zwischen bestehenden Artenschutz und Weiterentwicklung, wie und wer genau? Trifft auch auf andere Lebensbereiche zu, denn wer will einen „Klimalockdown“? Und Sie glauben nicht, dass es das gibt?

  10. 6.

    Nein ! Alfred Neumann hat völlig Recht , um die Flora und Fauna in unserer Region wirkungsvoll schützen zu können , muss diesen Invasiven Tierarten auf jeden Fall Einhalt geboten werden . Alles andere ist Unfug .

  11. 5.

    Wollen Sie nicht doch noch etwas philosophischer darüber nachdenken, um die ganze Komplexität so zu erfassen, dass selbst der Mensch, zur sich entwickelnden Natur gehört und dann wirklich nichts, aber auch gar nichts umsonst da ist?

  12. 4.

    Och ... Krebse sind wie Krabben, nur größer und länger lecker. Je frischer, desto besser und leichter "pulen" lassen die sich auch.

  13. 3.

    Die Europäische Union ist u.a. als Vertragspartei des Übereinkommens über die biologische Vielfalt verpflichtet, soweit möglich und sofern angebracht, die Einbringung nichtheimischer Arten, welche Ökosysteme, Lebensräume oder
    Arten gefährden, zu verhindern, diese Arten zu kontrollieren oder zu beseitigen. Bei manchen Arten ist die Denkaufgabe relativ einfach zu lösen. Einen Ansatz für den konkreten Lösungsweg bei den Krebsen bietet z.B. dieser Artikel auf rbb24:
    https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2021/12/berlin-gewaesser-krebse-invasive-arten.html

  14. 2.

    Jetzt wird es echt schwierig: Ob der Fischer ein Wolfschützer aus der Sicht von „Lebensschiedsrichtern“ ist? Was ist Bestandsregulierung und was rückwärtsgewandte Bestandssicherung vs. Weiterentwicklung...? Schöne Denkaufgabe...

  15. 1.

    Kann man diese nicht heimischen Krebse auch woanders bekommen (Bio markt, Rogatzki...) ?

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