Sanierung der Bahnstrecke abgeschlossen - ICE-Fahrzeit zwischen Hamburg und Berlin verkürzt sich wieder auf unter zwei Stunden

Fr 10.12.21 | 08:31 Uhr
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Ein ICE fährt im Berliner Hauptbahnhof ab. (dpa/Christoph Soeder)
Bild: dpa/Christoph Soeder

Gute Nachrichten für Pendler und Zugreisende zwischen Berlin und Hamburg: Zum Fahrplanwechsel am Sonntag verringert sich die Fahrzeit der ICE-Züge wieder auf unter zwei Stunden. Die monatelange Sanierung der Strecke ist abgeschlossen.

Auf der Fernzug-Schnellverbindung zwischen Berlin und Hamburg sollen die Züge ab diesem Wochenende wieder ohne Umleitungen und Unterbrechungen unterwegs sein. Die rund dreimonatigen Sanierungsarbeiten auf der Schnellfahr-Strecke würden am Samstag wie geplant abgeschlossen, teilte die Deutsche Bahn am Freitag mit.

"Zum Fahrplanwechsel am Sonntag, 12. Dezember, fahren die Züge wieder mit Tempo 230 zwischen den Metropolen." Dann soll die Fahrzeit wieder wie gewohnt knapp unter zwei Stunden betragen.

Sanierungsarbeiten seit September

Seit September wurde die Strecke zwischen Berlin-Spandau und Büchen für rund 100 Millionen Euro saniert. Laut Bahn wurden dafür rund 400 Kilometer neue Schienen verlegt und 24 neue Weichen eingebaut. Etwa 30.000 Tonnen Schotter seien zudem ausgetauscht sowie die Leit- und Sicherungstechnik erneuert worden.

Die Strecke gehört normalerweise mit im Schnitt rund 17.000 Fahrgästen pro Tag zu den am stärksten genutzten Verbindungen in Deutschland. Ab Sonntag verkehren laut Bahn täglich wieder rund 60 Züge zwischen Hamburg und der Hauptstadt. Während der Bauarbeiten war das Angebot auf rund 50 Züge pro Tag reduziert worden. Die Fahrzeiten hatten sich zudem deutlich verlängert, weil die Züge umgeleitet werden mussten.

Erweitertes Zugangebot rund um Weihnachten

Zuvor hatte die Deutsche Bahn angekündigt, angesichts der Corona-Pandemie ihr Zugangebot zur Weihnachtszeit aufzustocken. "Rund um Weihnachten, vom 22. Dezember bis zum 2. Januar, setzen wir zusätzlich rund 100 Sonderzüge vor allem auf den stark nachgefragten Verbindungen ein", sagte der Vorstandschef der DB Fernverkehr, Michael Peterson, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe am Donnerstag. "Wir werden damit Ende dieses Jahres so viele Fernzüge auf der Schiene haben wie nie zuvor", so Peterson weiter.

Den Hauptverkehr erwartet die Bahn in diesem Jahr an den Tagen "direkt vor und nach den beiden Weihnachtsfeiertagen, also am 23. sowie am 27. und 28. Dezember", teilte das Unternehmen mit. Die Sonderzüge würden unter anderem auf viel befahrenen Strecken wie Berlin-Stuttgart, Berlin-München, von NRW nach Berlin oder auch Hamburg-Karlsruhe oder Essen-Berlin eingesetzt.

Fahrgastverband rechnet mit Verspätungen

"Wer an den Tagen reisen muss, der soll das sicher und mit einem guten Gefühl machen können", konkretisierte Peterson. Zudem gälten weitere Maßnahmen wie die Masken- und 3G-Pflicht, verstärkte Reinigung in den Zügen, aber auch stichprobenartige Kontrollen der 3G-Pflicht. Durch mehr und längere Züge werde den Reisenden mehr Platz und Abstand in den Zügen ermöglicht, sagte Peterson weiter.

Die Fernzüge der Bahn seien zu Weihnachten schon recht gut gebucht: "Die Buchungszahlen zu Weihnachten liegen über den Zahlen des Vorjahres, aber mit 35 bis 40 Prozent immer noch deutlich unter dem Niveau des Vor-Corona-Jahres 2019", so Peterson. Im vergangenen Jahr lagen die Buchungen noch mehr als 60 Prozent unter dem Niveau von 2019.

Trotz der zusätzlichen Züge rechnet der Fahrgastverband Pro Bahn mit Verspätungen: "Die Bahn wirft alles auf die Schiene, was sie hat, mehr geht gar nicht", sagte der Ehrenvorsitzende des Verbands, Karl-Peter Naumann, am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. Das Problem aus seiner Sicht: Für noch mehr Züge gebe es keine Kapazitäten auf den Strecken und in den Bahnhöfen.

Sendung: radioeins, 10.12.2021, 5 Uhr

7 Kommentare

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  1. 7.

    Ja, der Schnellverkehr in den anderen Ländern ist wirklich klasse, das stimmt schon. Aber wenn man mal nicht direkt nach Paris, Mailand, Rom oder Madrid möchte, ist man hier tatsächlich besser und flexibler vernetzt. Ich habe in vielen Ländern Interrail gemacht und war dann doch irgendwann wieder froh so flexibel in Deutschland zu sein.
    Man darf auch nicht vergessen, dass D eine ganz andere Geometrie hat als z.B. Italien, wo es einen natürlichen Nord-Süd-Korridor für Rennbahnen gibt. Und wir sind nicht so zentralisiert wie Frankreich, so man quasi immer über Paris fährt, wenn man von A nach B möchte.
    Ob es in den anderen Ländern schneller beim Planen geht, kann ich nicht sagen, da ich das nicht weiß. Viele Projekte sind dort aber "offensichtlich" sinnvoll, wie z.B. eine schnelle Anbindung von Paris aus allen Ecken des Landes. Bei uns sind Bahnprojekte immer in der Pflicht sinnvoller zu sein als die vorhandenen Lösungen.

  2. 6.

    Also ich finde insbesondere den Schnellverkehr in Frankreich , Spanien und Japan auch toll und auch den in China , Südkorea und Italien . Mich wundert auch seit Jahren warum in unseren europäischen Nachbarländern offenbar schneller geplant und gebaut wird als in Deutschland.

  3. 5.

    Soweit ich weiß gab es bei der Reichsbahn keinen " fliegenden Holländer " aber dafür u.a. einen " fliegenden Hamburger " oder auch einen " fliegenden Schlesier " .

  4. 4.

    In Frankreich, Japan, etc. fahren diese Schnellzüge meist exklusiv auf einem eigenen Schienen Netz und müssen sich die Gleise nicht mit ÖPNV Regionalbahnen teiilen. Das ist nunmal DER Unterschied in Bezug auf Schnelligkeit und Pünktlichkeit. Im übrigen ging das ganze vor 2006 auch schon mal schneller in guten 90 Minuten und zwar direkt vom Bhf Zoo ...

  5. 3.

    Bitte immer im Kontext beachten: 230 km/h auf einer Altstrecke, die durch zahlreiche Ortschaften geht und extrem hohen Mischverkehr mit Nahverkehr und Güterzügen hat. Das gibt es in ganz Europa (und vielleicht auf der Welt?) nirgendwo!
    Ich finde das eigentlich großartig. Wie könnte man das ändern?
    - Neubaustrecke? Parallel zu einer ausgebauten Strecke?
    - Transrapid? Mist, da war was. Und genau auf dieser Strecke sollte er gebaut werden
    - Nahverkehr massiv kürzen und Güterverkehr auf die Straße? Dann wäre das ja wie in Frankreich, Spanien und Japan. Wo es angeblich so toll im "Bahnverkehr" ist. Gemeint ist damit immer nur (und genau nur) der Schnellverkehr.

  6. 2.

    Tempo 230. Okay. Das ist ja ein echter Meilenstein, wenn man mal in die 30er Jahre des letzten Jahrhunderts schaut. Der fliegende Holländer war um einiges langsamer. Jetzt, 24 Jahre nach dem neuen Rekord mit 98 Minuten aus 1997, sind wir also schon gut zehn Minuten schneller. Respekt!
    Zur Einordnung des Geschwindigkeitszuwachses sollte man mal einen Blick nach Frankreich, Spanien oder Japan lenken. Über das wesentlich entscheidendere Thema Pünktlichkeit braucht man wohl kein weiteres Wort verlieren

  7. 1.

    Na, super und ganz groß von der DB! Worin liegt denn jetzt die Sensation in dieser Meldung? Vor dem 2. Weltkrieg knapp unter 100 Minuten und ab 2004 dann 88 Minuten für die Strecke B<=>HH. Und mal im Ernst, knapp unter 2 Std. schafft man mit dem Auto auch, wenn die A24 wieder Baustellen frei ist.

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