Umgestaltung des Berliner Molkenmarktes - Zwei Sieger im Wettbewerb gekürt und doch noch alles offen

Do 02.12.21 | 14:43 Uhr
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Symbolbild: Panorama vom Zentrum Berlin-Mitte. (Quelle: Dirk Sattler via www.imago-images.de)
Bild: Dirk Sattler via www.imago-images.de

Der älteste Markt von Berlin soll ein neues Gesicht bekommen. Doch auch nach der Kür der Sieger ist nicht klar, wie der Molkenmarkt aussehen wird. Modernes oder Traditionelles: Es wurden gleich zwei erste Plätze vergeben. Von Georg-Stefan Russew

Der Planungswettbewerb zur Neugestaltung des Berliner Molkenmarktes ist entschieden. Gleich zwei Planer-Teams haben den ersten Preis von der Jury zuerkannt bekommen, teilte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung am Mittwoch mit.

Demnach konnten sich das Team des Berliner Architekten Bernd Albers zusammen mit dem Züricher Landschaftsarchitekturbüro Vogt sowie das dänische Team OS Arkitekter (Kopenhagen) mit der Berliner Czyborra Klingbeil Architekturwerkstatt in dem Wettbewerb durchsetzen. Insgesamt hatten sich zehn Teams an der Ausschreibung beteiligt.

Der Entwurf des Berliner Architekten Bernd Albers . (Quelle: Hans-Joachim Wuthenow/Berlin//Senatsverwaltung für Stadtentwicklung)
Der Entwurf des Berliner Architekten Bernd Albers. Bild: Hans-Joachim Wuthenow/Berlin//Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

Entscheidung trotz Siegerehrung vertagt

Trotz Juryentscheid ist noch nicht klar, wie das Quartier am Molkenmarkt nun genau umgestaltet wird, da gleich zwei gegensätzliche Entwürfe gewonnen haben. Experten erklären sich dieses Vorgehen der Jury damit, dass wohl zwei gleich stark bewertete Entwürfe vorlagen und nicht klar war, welcher eindeutig die Nase vorn hat.

Konsequenz: Das Verfahren zieht sich weiter in die Länge. Die Senatsverwaltung wird jetzt ein Werkstattverfahren mit breiter öffentlicher Beteilung starten. Die erste Bürgerwerkstatt ist für Februar, die zweite für April anberaumt. Dort können Bürgerinnen und Bürger ihre Bedenken, Wünsche und Anregungen abgeben. Nach einer Überarbeitung der Konzepte im kommenden Jahr soll dann die abschließende Bewertung erfolgen.

Der Entwurf des dänischeTeam OS Arkitekter aus Kopenhagen. (Quelle: Hans-Joachim Wuthenow/Berlin//Senatsverwaltung für Stadtentwicklung)
Der Entwurf des dänischeTeam OS Arkitekter aus Kopenhagen.Bild: Hans-Joachim Wuthenow/Berlin//Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

Zwei gegensätzliche Entwürfe zwischen Moderne und Tradition

Die Entscheidung dürfte auch dann nicht leicht sein, denn der dänische Erstplatzierte wählte in seinem Konzept einen radikal modernen Ansatz. OS Architekter priorisiert ein klimaneutrales und innovatives Viertel, wo Fragen nach alternativen Baustoffen und nachhaltige Gebäudestrukturen Vorrang vor der ästhetischen Gestaltung haben.

Der andere Sieger - das Büro Bernd Albers - sieht den Molkenmarkt eher traditioneller, orientiert sich mehr an der bekannten Blockrandbebauung des historischen Molkenmarkt-Viertels. Albers war in der Bundeshauptstadt beispielsweise an verschiedenen Projekten wie am Stresemann-Quartier am Potsdamer Platz beteiligt.

Der Ansatz der Senatsverwaltung

Der Molkenmarkt als Ort der Berliner Stadtgründung ging durch Kriegszerstörungen und autogerechten Stadtumbau weitgehend verloren, so die Senatsverwaltung [molkenmarkt.berlin.de]. Zahlreiche Fahrspuren und großflächige Kreuzungen zerschneiden seitdem die Berliner Mitte. Die historischen Spuren aus den Ursprüngen der Stadt sind ausgelöscht oder liegen unter dem Asphalt. In archäologischen Grabungen werden die verbliebenen Spuren erforscht und gesichert.

Mit dem Umbau der Grunerstraße soll laut Senatsverwaltung ein Stück historische Mitte zurückgewonnen werden [berlin.de]. Durch die Verlegung der Straße werden neue Flächen gewonnen, auf denen sich ein lebendiges Quartier mit einer vielfältigen Mischung aus Wohnen, Gewerbe und Kultur entwickeln wird. Attraktive Kultur- und Einzelhandelsangebote sowie verkehrsberuhigte Bereiche schaffen ein Quartier, in dem man sich gern aufhält, formulierte die Senatsverwaltung ihr Ziel.

Molkenmarkt und Umgebung ein verkehrstechnisches Nadelöhr

Verkehrstechnisch ist das Areal um den Molkemarkt aufgrund der im September gestarteten weiteren Bauphase ein Nadelöhr. Fahrbahnen und weiteres auf der Südseite von Mühlendamms und des Molkenmarktes werden neu gebaut. Zusätzlich setzte das Landesdenkmalamt seine umfangreichen archäologischen Grabungen fort. Hier werden historische Überreste der vergangenen rund 780 Jahre vermutet. Das alles führt in der Folge zu massiven Verkehrseinschränkungen in dem Bereich.

11 Kommentare

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  1. 11.

    Dieses Thema können Sie gerne beim Bürgerwerkstatt erwähnen. So werden vielleicht z.B. begrünte Innenhöfe und Dächer berücksichtigt.
    Außerdem habe ich diese riesige Kreuzung nicht als ensiegelte Grünfläche in Erinnerung (zumindest nicht die zahlreichen Parkplätze)

  2. 10.

    Geradezu merk-würdig, d. h. würdig zu merken, ist der Umstand, dass die arup Architekten an der südöstlichen Ecke der Mühlendammbrücke - also dahin, wohin das Auge beim Entwurf blicken soll - völlig unterschiedliche Gebäude platziert haben, auf ein und demselben Fleck: das tatsächlich bestehende und in der anderen Grafik ein frei phantasiertes.

    Wer sich die Welt dergestalt nach dem eigenen Bilde formt, handelt zumindest in diesem Bereich schlichtweg unseriös. Da sträuben sich mir auch in anderen Bereichen die Nackenhaare.

  3. 9.

    Mir scheinen die überplanten Flächen bei beiden Entwürfen etwas verschieden zu sein. Das betrifft eine Fläche nahe der Ecke Parochialstraße / Klosterstraße, in Richtung nördl. Klosterstr. und die Eckfläche Grunerstraße / Littenstraße. - Ist die Überbebauung auf diesen Flächen noch offen oder handelt es sich um ein Versehen in der Darstellung?

  4. 8.

    Was passiert eigentlich mit den alten, noch bestehenden Eigentumsrechten an den Grundstücksparzellen, die zu DDR-Zeiten für die großzügige Frei-/Straßenflächenplanung plattgemacht wurden?
    Soweit ich mich erinnere, leben diese wieder auf, wenn die Bebauungsplanung sich ändert. Das hieße in dieser Lage wohl sehr viel Geld für Entschädigungen der bisherigen Grundstückseigentümer bzw. ihrer Erben. Wer das wohl zu zahlen hat am Ende? Soll dabei auch preisgünstiger Wohnraum entstehen? Kann ich mir so nicht vorstellen. Es wird - egal bei welchem Entwurf - wieder nur eine monofunktionale Betonwüste.

  5. 7.

    Ich fände es ja klassisch schöner. Moderne Architektur ist leider meist kalte und abweisend, schaut man sich dann meist eher im Vorbeigehen an und verweilt nicht. Generell hab ich aber das Gefühl eine getrennte Ausschreibung für die Mühlendammbrücke und den Molkenmarkt war nicht die beste Idee. Ich bekomme die kleinteilige Planung für den Molkenmarkt und den überbreiten Brückenentwurf im Kopf nicht zusammen.

  6. 6.

    1. ist die Fläche heute schon versiegelt mit Straße und Parkplätzen, es findet also keine zusätzliche Versiegelung statt. 2. werden hier dringend benötigte günstige Wohnungen im Herzen der Stadt geschaffen, die künftigen Mieter:innen können sich auf einen schönen Kiez freuen!!

  7. 5.

    Unfassbar am besten den Rest der Grünflächen ebenfalls mit Beton verfüllen sieht man ja mittlerweile an jeder Ecke in Berlin weiter so ihr Klimaexperten

  8. 4.

    Erstens: Das ist das historischen Zentrum unserer Stadt. Hier zählt Ästhetik alles. Neuartige, vermeintlich nachhaltige Bauweisen kann man am Stadtrand ausprobieren, wo's keiner sieht.
    Hier muss der Berliner Architekt Bernd Albers zum Zuge kommen!
    Zweitens: Das ursprüngliche Konzept an den Meistbietenden Investor zu vergeben, ergibt immer noch sehr viel Sinn. Es braucht in der Stadtmitte attraktiv Straßenzüge, wo man gerne zum Besuch kommt.
    Noch mehr Sozialbauten, die sich unvermeidlich zu sozialen Brennpunkten entwickeln wie am Mehringplatz oder Kottbusser Tor, braucht es definitiv nicht.
    Vor dem 2. WK war der Mehringplatz das Filetstück Berlins. Heute lassen sich dort außer Alkis nur Sozialarbeiter Mal erblicken.
    Wollen wir das auch am Molkenmarkt?

  9. 3.

    Ein verkehrstechnisches Nadelöhr soll verschlimmert werden? Und Autogerecht ist neuerdings von "Sprachtaliban*innen" ein Schimpfwort geworden? Die Planer früher haben bisher falsch geplant und waren was? Und nun kommt wer mit was für einer Deutungshoheit? Eine Verbesserung soll auch so benannt werden, wenn es sie gibt, eine bloße Umgestaltung reicht nicht aus...

  10. 2.

    Wo in den Entwürfen ist der Markt? Sieht für mich nur nach Verdichtung aus.

  11. 1.

    Anstatt Grünflächen zu schaffen wird weiterhin versiegelt was das Zeug hält. Glückwunsch für eine weitere Erwärmung des Stadtkllimas Ihr Spezialisten.

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