Sommer 2022 - Berlin will zum zweiten Mal Obdachlose in der Stadt zählen

Do 09.12.21 | 13:05 Uhr
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Ein Obdachloser schlaeft auf einer Bank in Berlin, 12.03.2021. (Quelle: dpa/Florian Gaertner)
Bild: Florian Gaertner/photothek.net

Die Stadt Berlin will im kommenden Jahr zum zweiten Mal die Menschen ohne Obdach zählen lassen. Die Zählung soll in der Nacht vom 22. auf den 23. Juni 2022 stattfinden, das gab die zuständige Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales am Donnerstag bekannt. Die Organisation übernimmt der Verband für sozial-kulturelle Arbeit (VskA).

2020 wurden 2.000 Menschen gezählt

Während der ersten stadtweiten Zählung, im Januar 2020, wurden knapp 2.000 Menschen ohne Obdach im öffentlichen Raum und in Notunterkünften angetroffen. Auch wenn der VskA darauf hinweist, dass die erhobenen Zahlen "nicht die genaue Anzahl der obdachlosen, geschweige denn wohnungslosen Berliner und Berlinerinnen erfassen", könnten die Werte doch einen Rückschluss auf das Ausmaß von Obdachlosigkeit in Berlin ermöglichen. Mit der Zählung 2022 sollen nun erstmals vergleichbare Zahlen geschaffen werden.

"Die zweite Zählung und die freiwillige anonyme Befragung sind sehr wichtig: Erstmals werden wir vergleichbare Zahlen beider Zählungen auswerten. So können wir obdachlosen Menschen noch bessere und bedarfsgerechtere Angebote machen. Die Zählung und Befragung sind wichtige Elemente, um unser Ziel zu erreichen: Die Obdachlosigkeit in Berlin bis zum Jahr 2030 abzuschaffen", wird die Berliner Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Die Linke) in einer Mitteilung des Senats zitiert.

Anmeldung für Helfende ab März 2022

Der VskA will die Zählung in eine sogenannte "Zeit der Solidarität" einbinden, mit Aktionen zu den Themen Wohnungslosigkeit und Obdachlosigkeit und ruft in seiner Mitteilung alle Berliner dazu auf, sich zu beteiligen. Anmelden können sich freiwillige Helfende ab März 2022 über die Freiwilligenagentur Marzahn-Hellersdorf [aller-ehren-wert.de] und die "Zeit der Solidarität"-Website [zeitdersolidaritaet.de].

Der VskA kündigt auf seiner Homepage bereits an, auch eine dritte Zählung zu planen - im Winter 2023/24.

 

Sendung: rbb88,8 09.21.2021, 12:00 Uhr

2 Kommentare

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  1. 2.

    Wenn man auf die gleiche Weise Empirie sammelt, kann man die natürlich mit der vorherigen vergleichen, nur WAS man da vergleicht, welchen substanziellen Mehrwert das hat, ist fraglich. So waren die Ergebnisse der ersten sog. Zählung sehr schwach. Alle Erkenntnisse hatte man schon vor der Zählung - mehr gesellschaftliche Repräsentation und Sensibilisierung, niedrigschwellige Beratung, (Straßen)Sozialarbeit, menschenwürdige, an die jeweilligen Anforderungen der Wohnungslosen angepasste Unterkunfts- und Betreuungsformen, zentralisierte Erfassung von Wohnungslosen(not)unterkünften und Abschaffung der Ausgrenzungen von EU-Bürger*innen sowie Anderen ohne deutschen Pass. Nicht nur, dass erneut droht, in der Zählung allein einen Selbstzweck zu sehen, sondern auch Phänomene ähnlich von sog. Racial Profiling sowie Nationalismus könnten die Empirie erneut unreflektiert prägen. Menschen sind immer mehr als Zahlen - wird aber nicht gehört von Sozial- und Wirtschaftswissenschaften.

  2. 1.

    Ich würde mir wünschen, das wir von obdachlosen oder wohnungslosen Menschen sprechen. Nicht von „Obdachlosen“ oder „Wohnungslosen“.
    Es sind Menschen, (die keine eigene Wohnung haben). Vielen Dank.

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